Vorsicht mit der Weihnachtsgans!

Eine wahre Geschichte einer Hamburger Tierklinik  

Röntgenbild der Notfall-Katze mit schwerer Atemnot, die Lunge ist frei, Magen stark aufgebläht.Der Notfall mit der Katze „Luzie“ wurde in den frühen Morgenstunden mit hochgradiger Atemnot vorgestellt. Dem panischen Patienten lief der Speichel aus dem Maul und aus den Nasenlöchern gleichzeitig. Auf Grund der akuten Situation, die den Patienten offensichtlich in Todesangst versetzt hatte,  wurde eine Röntgenaufnahme angefertigt zur Lokalisation der Ursache für die Atemnot. Das Röntgenbild zeigte eine freie, gut belüftete Lunge, eine normale Herz-Silhouette und eine freie, gut belüftete Luftröhre.

Durch die verzweifelten Versuche, Luft in die Lungen zu  pumpen, wurde viel Atemluft in den Magen gepumpt, was zur Aufgasung desselben geführt hatte. Durch den Druck des aufgeblähten Magens auf das Zwergfell wurde die Atemnot für das Tier noch verstärkt, da die Senkung des Zwergfells durch den Magen behindert wurde.

Warum konnte die Katze keine Luft bekommen, obwohl die Atemwege scheinbar in Ordnung waren?

Hals Katze normalHals Katze normalHals Katze normal


Hals Katze Fremdkörper Hals Katze FremdkörperHals Katze Fremdkörper


Die genaue Betrachtung der Röntgenaufnahme zeigt den zusammengequetschten Kehlkopf mit einem dahinter liegenden quersitzenden grauen Schatten unterhalb des Kopfes.


angetrocknetes FleischstückErbrochenes Fleisch

Die Katze wurde in einen leichten Narkoseschlaf versetzt, und aus der Speiseröhre konnten mit Hilfe einer Zange zwei Fremdkörper geborgen werden.

oben:  Eingetrocknetes faseriges Stück Fleisch
unten: Fleischbolus, sehr fest, aber frisch.

Was war passiert?

Die Katze hatte am späten Vorabend eine Fleischfütterung vom Tierhalter erhalten, jedoch wurde nicht die ganze Portion gefressen. Das zurückgelassene Fleischstück trocknete über Nacht ein. In den frühen Morgenstunden entschloss sich die  Katze, das verbliebene Fleisch zu fressen. Da das faserige, eingetrocknete Fleischstück hart und relativ groß ,würgte die Katze es wieder hoch, jedoch anstatt es auszubrechen, verfing es sich zwischen Gaumensegel und Kehlkopf. Dies löste einen Brechreiz aus, so dass das unverdaute Futter ausgewürgt wurde. Durch die krampfartige Kontraktionen der Speiseröhrenmuskulatur wurde die Flüssigkeit herausgedrückt und die Fleischfasern zu einem festen Bolus komprimiert.  Dieser hatte sich quer hinter dem Kehlkopf verklemmt, sodass die Knochen in der Zungenbasis (Zungenbein) zusammengequetscht wurden und der Kehlkopf zusammengedrückt wurde.
Der Patient möchte in diesem Zustand erbrechen, bekommt aber nicht den Fremdkörper  aus dem Hals. Die starke Quetschung des Kehlkopfes vermindert die Frischluftzufuhr in die Lungen,  was zu einer panischen Todesangst des Patienten führt. Das Herz rast, während der Kreislauf schwächer wird und bei zu spätem Eingreifen des Tierarztes im Notdienst   könnte ohne weiteres der Tod des Patienten eintreten.


Luzie im SauerstoffkäfigNach erfolgreicher Entfernung der Fremdkörper konnte sich unser Patient im Sauerstoffkäfig von den Strapazen erholen und zügig nach Hause entlassen werden.

Heute erfreut sich „Luzie“ bester Gesundheit, ich wage es aber zu bezweifeln ,dass sie etwas daraus gelernt hat.

Es war einfach zu viel Gier beim Fressen und eine Portion Pech, die zu diesem Notfall geführt hat.

Zu guter Letzt mein persönlicher Rat für die Feiertage:

"Lassen Sie keine Lebensmittel, z.B. Fondue oder Futterreste, rumstehen. Sie könnten eine Notsituation herbeiführen und die besinnlichen Feiertage beim Nottierarzt enden lassen."

 

 

 

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