TIERKLINIK.de
TIERKLINIK.deMEDIZINGastroenteorologie - Magenerkrankungen
Aktuell Notdienst Erste Hilfe Tier ABC Ratgeber Spezialisten Medizin Tragen Sie sich ein in das TIERKLINIK.de Datenbanksystem und profitieren Sie!
Info
Adipositas
Atopien
Diabetes
Gastroenteorologie
Anatomie und Funktion
Bauchspeicheldrüse
Darmausgang
Darmentzündung
Darmerkrankung
Darmperforation
Darmverschluss
Dickdarmentzündung
Durchfall
Enddarm
Ernährung bei Erkrankung
Ernährungsphysiologie
Histopathologie
Kotuntersuchung
Lebererkrankung
Magendarmentzündung
Magenerkrankung
Mund-, Rachen-, Speicheldrüsenerkrankung
Speiseröhre
Verstopfung
Geriatrie
Infektionskrankheiten
Parasitosen
Urologie
Vaccination
ANZEIGE
Möchten Sie hier werben? - Fragen kostet nichts!
Magenerkrankungen


Definition


TIERKLINIK.de


Die gesunde Magenschleimhaut wird durch eine starke Schleimschicht bedeckt, die sie vor der Magensäure schützt. Wird diese Schleimschicht durch physikalische (Fremdkörper), chemische oder infektiöse (Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten) Reize beschädigt, so kommt es zu einer Magenschleimhautentzündung. Dieses ist der erste Schritt zur Erkrankung des Magens, die zunächst akut auftritt. Folgt eine gehäufte Wiederholung oder bleibt die Noxe (Ursache) bestehen, kann der Prozeß chronisch werden. Es können Geschwüre und später Tumore folgen. Die Röntgenaufnahme zeigt einen normalen mit Luft (dunkel) und Kontrastmittel (hell) gefüllten Magen einer Katze. Liegt eine nicht intakte Schleimhaut vor, heftet sich das Kontrastmittel an diese Bereiche, so daß die Magenwand nicht mehr glatt erscheint sondern wie von Motten zerfressen!


nach oben

Symptome


TIERKLINIK.de
Erkrankungen des Magens chrakterisieren sich beim Haustier meistens durch wenig spezifische Symptome wie Erbrechen. Nicht selten findet eine Mitbeteiligung des Darmes statt. Bei leichter Gastritis wird ein wässeriger Auswurf mit weißem Schaum produziert oder das aufgenommene Futter einfach erbrochen. Sind die Kontraktionen begleitet von einer kräftigen Bauchpresse, wird mit dem Mageninhalt auch Darminhalt ausgeworfen. Dieser fügt dem Erbrochenen eine gelb-grüne Färbung hinzu. Kommt es zu leichten Blutungen der Kapillar- oder Haargefäße der Magenschleimhaut, erhält das ausgeworfene Material eine rosa Färbung. Vorsicht ist jedoch geboten bei anhaltendem Erbrechen für mehr als 24 Stunden oder richtig blutigem, schwarzem oder sehr übelriechendem Erbrochenen.

In diesen Fällen ist der Tierarzt / die Tierärztin sofort zu konsultieren!

nach oben

Häufige Ursachen

1. Fremdkörper im Magen:


TIERKLINIK.de

Fremdkörper (Heftklammern) im Magen eines Labrador-Welpen. Durch gezieltes Erbrechen konnte der Mageninhalt mit den Heftklammern entfernt werden.



TIERKLINIK.de

Röntgenbild eines Collie-Welpen, der den Kronkorken einer Bierflasche verschluckt hatte. Dieser konnte endoskopisch ohne Eröffnung des Magens geborgen werden.

Junge, aber auch ältere Hunde und Katzen fressen häufig die unterschiedlichsten Dinge in sich hinein. Die meisten Artefakte erreichen auch den Eintritt in den Magen. Ein solcher Fremdkörper im Magen verursacht zunächst eine Reizung der Magenschleimhaut, was zu häufigem Erbrechen führen kann. Wenn ein Fremdkörper den Magen verläßt, können erhebliche Schädigungen im Darm verursacht werden (Darmperforationen oder Darmwandnekrosen), die den Tod des Tieres herbeiführen können. Wichtig ist wie immer eine frühzeitige Behandlung, damit der Schaden möglichst gering gehalten werden kann.

2. Magenaufgasung (Trommelsucht) und Magendrehung (torsio ventriculi):


TIERKLINIK.de
Eine Aufgasung des Magens kann bei jedem Haustier auftreten, häufig durch Fäulnißbildung im Magen. Hierzu wird kohlenhydratreiches Trocken- oder Feuchtfutter durch Bakterien oder einzellige Mikroorganismen zersetzt. Durch den Prozeß der Fermentation sinkt die Oberflächenspannung des Mageninhaltes. Es bildet sich Schaum, der durch Regurgitation (Abrülpsen) nicht entfernt werden kann. Der Magen treibt bis auf eine erhebliche Größe auf und drückt auf das Zwerchfell, was die Atmung beeinträchtigt und Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Durch die Ausdehnung des Magens wird der Eingang zwischen dem Oesophagus (Speiseröhre) und der Kardia des Magens abgeschnürt. Die Durchblutung der Magenwand wird beeinträchtigt, so daß sich Blutpfropfe bilden und das Gewebe schließlich abstirbt.

Die Magendrehung kommt häufiger bei großen Hunden mit einem sehr tiefen Brustkorb vor. Rassen bei denen dieses Krankheitsbild aufgrund von besonderen anatomischen Gegebenheiten vermehrt auftritt sind: Dt. und Dänische Doggen, Bernhardiner, Deutsche Schäferhunde und Dobermannpinscher. Aber auch kleine Rassen wie Teckel und Katzen können eine Magendrehung erleiden.


TIERKLINIK.de
Die Magendrehung ist ein sehr akutes Krankheitsbild, bei dem das Tier innerhalb von wenigen Stunden versterben kann. Der Futterbrei im Inneren des Magens ist träge und schwer, so daß sich der Magen bei einer betimmten Bewegung des Tieres um die eigene Achse dreht. Der Magen kann teilweise oder vollständig um 360° gedreht sein. Dabei werden Ein- und Ausgang des Magens verschlossen. Der Mageninhalt beginnt zu faulen, Gase können nicht abgesondert werden, so daß sich der Magen ausdehnt und auf die Organe wie Herz und Lungen drückt, was erhebliche Störungen des Allgemeinbefindens nach sich zieht. Das Tier würgt und versucht zu erbrechen, ohne dabei einen Auswurf ans Tageslicht zu fördern. Der Kreislauf wird schwächer bis hin zum Schock, danach folgt der Kollaps und schließlich der Tod.

Eine schnelle und professionelle Versorgung ist umgehend einzuleiten, um den Patienten zu retten. Allerdings schwebt der Patient auch nach erfolgreicher Operation noch für weitere 3 Tage in Lebensgefahr!

3. Bakterielle oder Virus-bedingte Gastritis:


TIERKLINIK.de

TIERKLINIK.de


Bakterielle Infektionen der Magenschleimhaut können zu Erosionen (Schleimhautdefekten) und Ulcera (Schleimhautgeschwüren) führen. Diese werden durch einen mangelhaften Schutzfilm durch die Magenfermente verschlimmert und können nicht abheilen. Erfolgt keine Behandlung, kann unter Einwirkung von ständigen Reizen die Bildung eines Tumors begünstigt werden. Die Diagnose kann nur durch eine Gastroskopie (Magenspiegelung) erfolgen. Nach einer Probenentnahme kann eine Isolierung von Erregern in einem spezialisierten Labor versucht werden.

 
Gastroskopischer Einblick in den Magen. Links sind die Erosionen einer akuten Gastritis (Magenentzündung) sichtbar, rechts zwei Geschwüre die von eitrig nekrotisiertem (abgestorbenem) Material überzogen sind.

 

4. Tumore der Magenwand:

Tumore des Magens sind leider nicht ganz so selten, sie kommen bei der Katze jedoch häufiger als beim Hund vor. Vor allem kommen Lymphome bei Katzen vor. Diese werden durch die Einwanderung von entarteten Lymphozyten in das Gewebe hervorgerufen, z.B. bei leukotischen Prozessen.

Karzinome sind bösartige Tumore, die von der Schleimhaut oder den Drüsenepithelzellen ausgehen. Sie wuchern mit zapfenartigen Projektionen in das gesunde Gewebe und bilden häufig Metastasen (Tochtergeschwulste), wenn diese in Blutgefäße einbrechen. Eine möglichst vollständige chirurgische Entfernung sollte immer versucht werden, um anschließend das Tumorgewebe durch einen erfahrenen Veterinärpathologen untersuchen zu lassen. Ich kann mich an einen Fall erinnern, bei dem einer Katze ein etwa tennisballgroßer Tumor der Bauchwand entfernt wurde. Dieser Tumor war ein gutartiges Geschwür der Magenmuskulatur, wobei etwa 4 cm Magenwand entfernt werden mußte. Die Katze lebte aber noch 6 Jahre glücklich weiter.


Quelle : Mikrofotografie Dr. M. Wölm, Pathologie Hamburg
Übersichtsaufnahme eines Magen-Karzinoms bei geringer Vergrößerung. Das zapfenförmig einsprießende Tumorgewebe wird erst bei hoher Vergrößerung sichtbar. Zur Vergrößerung bewegen Sie den Mauszeiger auf die Abbildung.



Die starke Vergrößerung des entarteten Gewebes zeigt zahlreiche mit hoher Zellteilungsrate (Mitose) beschäftigte Zellkerne, die durch die Aktivität der Gene über wenig angefärbtes Chromatin verfügen und somit einen hellen Kern aufweisen.


5. Parasitäre Gastritis:


TIERKLINIK.de
Verwurmungen treten vorwiegend bei Welpen und Jungtieren auf. Der am häufigsten nachgewiesene Wurm ist ein zur Familie der Rundwürmer (Nematoden) zählende Parasit. Toxocara und Toxascaris können bei Überbevölkerung vom Darm in den Magen wandern. Hier verursachen diese Parasiten eine Reizgastritis, da durch die schlängelnden Bewegungen die die Magenwand schützende Schleimschicht beschädigt wird und die Magensäure eine Entzündung der Magenwand veruracht. Hunde und Katzen erbrechen mit großer Leichtigkeit, demzufolge findet man im erbrochenen Auswurf häufig Würmer.

6. Nervlich bedingte Magenerkrankungen:

Einige Hunde und Katzen können in seltenen Fällen auch an einer nervlich bedingten Reizgastritis erkranken. Das übernervöse Tier verursacht durch Überreizung des vegetativen Nervensystems ein Überangebot an Magensäure, die durch die normale Schleimschicht nicht ausreichend gepuffert werden kann. Dieser Magensaft verursacht eine Reizung der schlecht geschützten Schleimhaut, was zur Entzündung der selbigen führt. Eine genaue Diagnose und Therapie wird dann notwendig.

7. Darmerkrankungen die den Anschein einer Magenerkrankung erwecken:


TIERKLINIK.de
In einigen Fällen kann scheinbar eine Erkrankung des Magens vorliegen. Die Katze von der die Röntgenaufnahme stammt, zeigte Erbrechen. Die zunächst angefertigte Röntgenaufnahme ließ einen Fremdkörper im Magen vermuten. Auch nach der Eingabe von einem Röntgenkontrastmittel schien der Fremdkörper sich im Magen zu befinden. Erst eine weitere Röntgenaufnahme bei der die Katze auf dem Rücken liegend geröngt wurde, zeigte einen Darmverschluß im Bereich des Duodenums (Zwölffingerdarm).

Wir möchten Ihnen hier lediglich aufzeigen, daß oftmals mehrere Untersuchungsgänge zur Diagnosefindung notwendig sind. Also haben Sie bitte Verständnis, wenn Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin den Wunsch äußert, weiterführende diagnostische Maßnahmen wie Ultraschall oder eine Endoskopie durchzuführen. Leider sind damit auch erhebliche Mehrkosten verbunden. Diese sollten Sie sich von Ihrem behandelnden Tierarzt erläutern lassen, damit hinterher keine Mißverständnisse auftreten!

nach oben

Diagnose

Die Diagnose kann nur durch den Tierarzt / die Tierärztin gestellt werden. Zunächst wird eine genaue Anamnese (Krankengeschichte) erstellt. Hier ist es besonders wichtig, daß Sie alle wichtigen Beobachtungen möglichst genau Ihrem Tierarzt schildern, z.B. den Zeitpunkt des ersten Auftretens, Fütterung und Art des Futters, ob es andere erkrankte Tiere gibt, ob irgendetwas Ungewöhnliches aufgenommen wurde u.v.m.. Es folgt eine gründliche klinische Untersuchung. Hier wird ermittelt, ob eine Untertemperatur oder Fieber aufgetreten ist, der Austrocknungsgrad des Patienten wird bestimmt, durch Abtasten kann versucht werden, den Magen zu ertasten; durch seine anatomische Lage gestaltet sich die Beurteilung jedoch häufig schwierig. Die Kontrolle der Schleimhäute liefert wichtige Informationen über das Kreislaufgeschehen des Patienten. Der Tierarzt / die Tierärztin muß aufgrund der vielseitigen Ursachen der Gastritis eingehende weiterführende Untersuchungen einleiten. Hierzu zählen Röntgen mit und ohne Kontrastmittel, Ultraschall und Untersuchungen des Blutes, da beim Erbrechen Magensäure verloren geht. Dies führt zu Störungen des Säure-Basenhaushaltes im Blut und tritt bei schweren Infektionen auf. Durch das Erbrechen kann eine Austrocknung des Körpers stattfinden. Die Ausdehnung der Erkrankung kann durch Blutuntersuchungen erkannt werden.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist die Magenspiegelung (Gastroskopie), denn mit Hilfe dieses endoskopischen Untersuchungsverfahrens ist es möglich, einen Einblick in den Magen zu gewinnen, wobei gleichzeitig Gewebeproben für die Histopathologie, sowie bakteriologische Proben gewonnen werden können. In seltenen, besonders komplizierten Fällen ist eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspinuntersuchung (MRI) notwendig, um eine Diagnose zu finden.

nach oben

Therapie

Die auf diesen Seiten angesprochenen Erkrankungen des Magens sind nur ein kleiner Teil der möglichen Magenerkrankungen beim Haustier. Somit richtet sich die Behandlung nach der gestellten Diagnose des Tierarztes / der Tierärztin.

Hunde und Katzen erbrechen mit großer Leichtigkeit. Dabei ist das Erbrechen als ein Selbstreinigungsprozeß des Körpers zu werten. Tiere die nur gelegentlich erbrechen, sind nicht unbedingt als krank zu bewerten. Wird jedoch häufig erbrochen oder endet das Erbrechen nach 24 Stunden nicht, ist die professionelle Hilfe eines Tierarztes / einer Tierärztin in Anspruch zu nehmen. Dies gilt vor allem bei sehr heftigem Erbrechen von Welpen. Da hier die Gefahr der Austrocknung besonders groß ist, sollten keine 24 Stunden abgewartet werden.

Häusliche Maßnahmen bei Erbrechen:

Zunächst Wasser- und Futterentzug, nach 4 Stunden Karenz kleine Mengen Flüssigkeit (stilles Mineralwasser oder Elektrolytlösung aus der Apotheke) alle 2 bis 4 Stunden geben. Wird diese Flüssigkeit erbrochen, muß die Tierärztin / der Tierarzt konsultiert werden. Ansonsten können nach der 24stündigen Hungerperiode kleine Portionen Schonkost gefüttert werden. Geeignet sind Reis mit Hühnerfleisch oder gekochte Kartoffeln mit Magerquark. Auch spezielle Fertigfutter sind geeignet. Sehen Sie bitte hierzu in unseren Ernährungsratgeber. Tritt kein Erbrechen mehr auf, so kann das Diät-Fertigfutter langsam durch die normale Ernährung ersetzt werden. Hierzu wird zunächst 3/4 Diät mit 1/4 Normalfutter vermischt und in kleinen Portionen 4-5 x täglich verfüttert, danach halb und halb; schließlich nur noch 1/4 Diät und 3/4 Normalfutter, um schließlich wieder zur normalen Ernährung zurückzukehren.

Wichtig: Während einer Magenerkrankung sollte Trockenfutter vermieden oder nur eingeweicht verfüttert werden. Der Grund hierfür ist, daß das Trockenfutter nur etwa 7% Restfeuchtigkeit enthält und somit der Magenschleimhaut Wasser entzieht. Hierdurch wird der Schutzfilm der Magenwand weiter geschädigt, was zu einer vermehrten Reizung der Schleimhaut führt. Diese wird in der Heilung deutlich behindert. Eine Genesung der Tieres verzögert sich somit.

nach oben
Home Aktuell Notdienst Erste Hilfe Tier ABC Ratgeber Spezialisten Medizin Kontakt Werben Impressum Sitemap LOGIN
02.09.2010 © 1997-2010 TIERKLINIK.de® - Das Tiermedizin Informationsportal