Nierenerkrankungen

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Funktion

Wie alle Säugetiere haben Hunde und Katzen zwei Nieren, die aus tausenden kleinen Filtereinheiten (den Nephronen) bestehen. Die Aufgabe des Nephron   ist die Ausscheidung von harnpflichtigen Stoffen (Stickstoffverbindungen), z. B. Harnstoff, das Gleichgewicht der Mineralsalze im Körper und der Wasserrückgewinnung. Die Nieren bilden des Weiteren das Hormon Erytropoietin, welches an der Steuerung der roten Blutzellbildung beteiligt ist. Auch die Pufferung des Blutes über die Blutgase sowie ein Teil der Steuerung des Blutdrucks wird von diesem wichtigen Organ übernommen. Im Alter des Tieres können diese Fähigkeiten der Nieren nachlassen und zu Störungen im Stoffwechsel   führen.

Nierenerkrankungen umfassen Zustände, bei denen Nephrone verlorengehen. Eine ganze Reihe verschiedener Faktoren können für Nierenerkrankungen verantwortlich sein, z. B. zu schwache Durchblutung der Nieren nach einem Unfall, direktes Nierentrauma, Infektionen  , Harnabflussstörungen (Verstopfungen durch Steine oder Harngries), Herzerkrankungen und Tumore  .

Gesunde Tiere verfügen jedoch über erhebliche Reserven bezüglich der Nierenfunktion. Von der Natur ist dieses wichtige Organ doppelt ausgelegt. Beim Verlust einer Niere wird  von der anderen die Funktion übernommen.

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Faktoren, die Nierenerkrankungen beeinflussen können

Alter: Die Wahrscheinlichkeit, an einem Nierenleiden zu erkranken, nimmt bei Hunden und Katzen im Alter zu und verdoppelt sich zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr.

Rasse: Nierenversagen tritt bei Rassekatzen häufiger als bei den  Europäisch Kurzhaar Katzen auf. Vor allem bei Maine Coon, Abessinier, Siamesen, Russisch Blau und Burmesen. Nierenerkrankungen bei Hunden können häufig bei Cocker Spaniel, Llasa Apsos, Samoyeden und Dobermännern beobachtet werden.

Umweltfaktoren: Einige weitverbreitete Chemikalien (Phenole, Desinfektionsmittel, Frostschutzmittel, bleihaltige Farben) sowie bestimmte Medikamente   haben toxische   Wirkungen auf die Nieren.

Ernährung: Ein Überangebot an Phosphor und verdaulichem Eiweiß im Futter kann bei Katzen und Hunden mit eingeschränkter Nierenfunktion das Fortschreiten von Nierenerkrankungen begünstigen.

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Warnsignale

Bitte achten Sie unbedingt auf folgende Symptome  :

  • Vermehrter Durst und gesteigerte Urinproduktion
  • Herabgesetzte Fresslust
  • Schlecht riechender Atem
  • Erbrechen und gelegentlich auch Durchfall
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Apathie   und Schwäche

VORSICHT: Tiere, die vermehrt trinken, müssen dem Tierarzt   vorgestellt werden!

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Diagnose

Ihr Tierarzt wird, außer einer gründlichen allgemeinen klinischen Untersuchung, bei begründetem Verdacht einer Nierenerkrankung auch eine Blut- und Harnuntersuchung durchführen.

In einigen Fällen, besonders bei einem chronischen Verlauf der Nierenerkrankung, werden weitergehende Untersuchungen wie Röntgen, Ausscheidungsurografie, Nierenfunktions-Untersuchung, Ultraschalluntersuchung  , Biopsie   und/oder operative Nierenuntersuchung (diagnostische Laparotomie  ) durchgeführt. Trotz ausgiebiger Untersuchungen kann in vielen Fällen bei der chronischen Nierenerkrankung leider nicht immer die genaue Ursache festgestellt werden.

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Verlauf

Normale Nierenfunktion:

Trotz des Verlustes einiger Nephrone kann das Tier diesen Verlust ausgleichen und zeigt keinerlei klinische Symptomatik  .

Niereninsuffizienz:

Die Nieren des Tieres sind nicht mehr in der Lage, den Urin in normalem Maße zu konzentrieren. Es sind noch etwa 35 % der Nephrone funktionsfähig. Dadurch zeigt das Tier vermehrten Durst. Da die Nieren Giftstoffe und Salze im Körper zurücklassen, versucht das Tier durch eine erhöhte Wasseraufnahme, diese zu verdünnen und auszuscheiden. Dies sollte vom Tierhalter als frühzeitige Warnung erkannt werden und zu einem unmittelbaren Besuch beim Tierarzt führen!

Nierenversagen:

Harnpflichtige Stoffe sammeln sich im Körper des Patienten aufgrund der eingeschränkten Nierenfunktion an. Es werden die für diese Krankheit   typischen Symptome deutlich: vermehrter Durst, gesteigerte Urinproduktion, herabgesetzte Fresslust, schlecht riechender Atem, gelegentliches Erbrechen.

Fortgeschrittenes Nierenversagen:

Mehr als 90 % der Nephrone sind zerstört. Die Krankheitssymptome sind jetzt sehr deutlich: Apathie, Futterverweigerung, starker Geruch aus dem Fang, Entzündungen und Geschwüre der Maulschleimhaut, Erbrechen und evtl. Durchfall. Tiere im Endstadium hängen förmlich mit dem Kopf im Wassernapf, sind aber schon zu schwach, noch Wasser aufzunehmen. Aufgrund der hohen Giftstoffkonzentration im Körper steht der Zusammenbruch des Organismus   und der Tod des Tieres bevor.

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Therapie

Eine frühzeitige Behandlung   und Diagnosestellung ist bei den ersten Symptomen notwendig. Bitte suchen Sie umgehend Ihren Tierarzt auf!

Handelt es sich um eine bakterielle Infektion  , werden Antibiotika   zum Einsatz kommen. Diese sucht Ihr Arzt nach einem Resistenztest (Antibiogramm  ) aus, der zuvor erstellt wurde. Der Tierarzt verordnet Ihrem Tier dann die notwendigen Medikamente, die unbedingt regelmäßig verarbeicht werden sollten. Üblicherweise wird ein Behandlungszeitraum von sieben Tagen bis zu drei Wochen angesetzt. Katzen sind in Bezug auf die Einnahme von Medikamenten besonders schwierige Patienten. Sollten Sie die Medikamenteneingabe nicht durchführen können, so besprechen Sie bitte mit Ihrem Tierarzt eine Injektionsbehandlung oder diskutieren den stationären Aufenthalt in einer Tierklinik  .

Es ist von großer Wichtigkeit, dass keine resistenten Keime herangezüchtet werden!

Während der Verabreichung der Antibiotika sollte der Behandlungserfolg durch eine Harnuntersuchung kontrolliert werden. Drei Wochen nach Beendigung der Therapie wird eine weitere Urinuntersuchung den erfolgreichen Ausgang der Behandlung bestätigen.

Zusätzliche Behandlungen durch Dauertropfinfusion können die Entgiftung des Körpers beschleunigen.

Einige Medikamente können im Darm Giftstoffe binden, die mit dem Kot ausgeschieden werden.

Ein wichtiger Punkt ist die Fütterung eines nierenkranken Tieres. Ein zu hoher Eiweißgehalt des Futters impliziert einen hohen Stickstoffanteil.   Dieser führt zu einer vermehrten Giftstoffkonzentration im Körper, die wiederum das Fortschreiten der Nierenzerstörung antreibt. Da auch der Salzhaushalt beeinträchtigt ist, sollte bei Nierenpatienten die Kost salzarm sein.

Ihr Tierarzt hält drei unterschiedliche Diäten für Ihr Tier bereit:

  • Eine Diät für ältere Tiere, mit leichter Eiweiß- und Salzreduzierung. Eine solche Diät ist im Tierfutter-Fachhandel erhältlich.
  • Eine spezielle Nierendiät mit einer mittelstarken Eiweiß- und Salzreduzierung für Nierenpatienten. Die Tiere, die diese Kost erhalten, sollten vom Tierarzt überwacht werden. Diese Verschreibungsdiäten bedürfen der Überwachung des Patienten. Ihr Tierarzt wird, wenn notwendig, Blut- und Urinuntersuchungen anordnen.
  • Letztlich steht eine Urämiediät für Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz zur Verfügung. Diese Diät ist stark eiweiß- und salzreduziert. Damit kein Mangel entsteht und der Krankheitszustand des Tieres dokumentiert wird, übernimmt Ihr Tierarzt eine intensive Überwachung und entscheidet im Bedarfsfall über die weiter  erforderlichen Schritte.

Bitte füttern Sie ausschließlich das vom Tierarzt verordnete Futter!

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Pathologie

Warnung:
Unsere anatomischen Seiten enthalten Abbildungen von Präparaten, die bei einigen Lesern zu Unwohlsein führen können. Wenn Sie zu dieser Gruppe von Personen gehören, ist dies eine Warnung. Lesen Sie dann bitte auf eigene Gefahr weiter.

In der Endphase steht das Nierenversagen an. Die Menge der Giftstoffe im Körper ist so hoch, dass der Organismus förmlich versagt. Das Futter kann nicht mehr aufgenommen werden. Die Schleimhäute scheiden den Harnstoff aus, der durch die hohe Konzentration Geschwüre in der Maul-, Magen- und Darmschleimhaut verursacht. Der Salzhaushalt kann nicht mehr aufrecht erhalten werden sodass der Blutkaliumspiegel ansteigt und zum Herzversagen des Tieres führt.

Dieser Vorgang kann aber unter Umständen recht lange dauern, sodass die Hoffnung des Tierhalters ("der kleine Liebling möge von selbst einschlafen") leider in den meisten Fällen nicht erfüllt wird und die Tiere sich bis zum Eintritt des Todes noch lange quälen müssen.

Bitte hören Sie auf Ihren Tierarzt. Wenn wirklich keine Hoffnung mehr besteht, sollten Sie ihr Tier erlösen lassen, um ihm unnötige Qualen zu ersparen!

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Nierenerkrankungen bei Heimtieren

Nierenerkrankungen RÖ KaninchenHeimtiere, vor allem Kaninchen, leiden häufig unter Harnsteinen. In Extremfällen können sie sogar, wie hier auf der Röntgenaufnahme zu sehen ist, das gesamte Nierenbecken ausfüllen. Diese Steine behindern den freien Abfluss des Harns aus der Niere. Durch den so erzeugten Rückstau in die Niere wird eine Schädigung des Nierengewebes verursacht. Die Giftstoffe im Körper steigen an, sodass die Nierenwerte sich nach und nach bis zum Versagen einer oder beider Nieren erhöhen. Bei dem Kaninchen, von dem diese Röntgenaufnahme stammt, handelte es sich um einen 7-jährigen unkastrierten Bock, der durch Harninkontinenz und starken Uringeruch auffällig wurde. Die Blutuntersuchung der Nieren ergab einen Wert für den Harnstoff von 247,35 mg/dl (normal bis 25,0 mg/dl) und für den Kreatinin einen Wert von 7, 42 mg/dl (normal bis 1,8 mg/dl).

In Anbetracht der großen Mengen an Stuvitsteinen und den ungünstigen Nierenwerten sind die Möglichkeiten einer Behandlung als schlecht einzustufen!

Die Erkrankungen der Harnwege sind bei Heimtieren (Nagern) denen von Hund und Katze ähnlich!

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