Borreliose oder Lyme-Disease

Allgemeines | Erreger   | Übertragung | Diagnose   | Erkrankung   | Therapie   | Prophylaxe  

Allgemeines

Borreliose   ist eine durch Bakterien   verursachte Erkrankung. Die Übertragung der Bakterien erfolgt durch einen Vektor  , der  Ixodes-Zecke, die zwischen März und September in den Wäldern auf ihre Opfer lauert.

Diese bakterielle Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird, wurde 1976 im Ort Lyme in Connecticut (USA) bei erkrankten Wanderern entdeckt. In der Zwischenzeit ist auch in Deutschland jede dritte Zecke mit der Bakterie Borrelia   bugdorferi infiziert, und so kann auch in unseren Breiten diese Infektionskrankheit sowohl den Menschen als auch die Haustiere befallen. Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit   in Deutschland, Europa, USA und weiten Teilen Asiens. Die Bakterien befallen Menschen, Hunde, Katzen, Pferde  , Rinder  , Schafe und andere Haussäugetiere.

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Erreger

BorrelienBorrelia bugdorferiZur Familie Spirochäten gehört die Gattung Borrelia. Dies sind kleine, bewegliche, sehr dünn gewundene Bakterien mit einer spiraligen Körperform. Diese Bakterie schlummert im Mitteldarm des Vektors (Zecke), und die Blutmahlzeit weckt die Bakterien aus dem Schlummer. Diese Bakterien sind gegen antibiotikaempfindlich, vorausgesetzt, dass die Antibiotika   eine ausreichend hohe Konzentration erreichen. Aus diesem Grund ist eine Behandlung   am einfachsten in der Anfangsphase, bevor die Bakterien sich in den Gelenken eingenistet haben.

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Übertragung

 

Zecken IxodesZecken Rhipicephalus

Zecken Dermacentor


Die Überträger der Borreliose sind Blut saugende Zecken. Die > Zecken gehören zu den Spinnentieren (8-beinig) und haben Saison von März bis November. Die Hauptinfektionszeit ist jedoch von Mai bis September. Die Zecke infiziert sich schon während ihrer Entwicklung. Larven 5%, Nymphen 12% und adulte Zecken sind bis zu 35% infiziert. (Die Angaben können je nach geografischen Unterschieden variieren). Da die Zecke über ein örtliches Betäubungsmittel im Speichel verfügt, wird der Biß häufig vom Opfer nicht bemerkt.

Bei einer Blutmahlzeit von einem infizierten Tier, das ein natürliches Reservoir   (Feldmaus, Marder etc.) für die Borrelien   bildet, werden schon Larven und Nymphen der Zecke infiziert. Die Borrelien vermehren sich im Mitteldarm der Zecke und gehen dann in eine Ruhephase über. Bei einer erneuten Blutmahlzeit wandern die Bakterien vom Mitteldarm in die Speicheldrüsen, um mit dem Speichel in den Wirt der Zecke gepumpt zu werden. Dieser Vorgang dauert 48 Stunden. Die in den Wirt injizierten Bakterien vermehren sich zunächst an der Eintrittsstelle, so dass sich ein Erythem   (Hautrötung) an der Bissstelle bildet (siehe Abbildung). Dies ist aber nur bei hellhäutigen Tieren und beim Menschen sichtbar (nicht in allen Fällen). Danach strömen die Bakterien über die Blutbahn aus, um den Körper zu erobern. Dabei nisten sie sich in den Gelenken, im Herzmuskel und in einigen Fällen im Gehirn   ein und führen zu Erkrankungen der betroffenen Organe. Der erkrankte Wirt kann dann Borrelien an eine nicht infizierte Zecke abgeben, so dass sich der Kreis wieder schließt.

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Diagnose

Zecken Hautveränderung nach Biss

Die Diagnose ist schwierig, da die Anzeichen einer Infektion   oft unbemerkt verlaufen. Nur selten kann ein Erythem (Hautrötung) mit der typischen Ringbildung um die Bissstelle der Zecke beobachtet werden (hier links im Bild). An der Bissstelle vermehren sich die Bakterien, um dann über die Blutbahn in den Körper auszuschwärmen.


Lyme-Borreliose-positiver TestEinige Tierärzte verfügen über einen Schnelltest, der mit Hilfe von etwas Blutplasma Antikörper   gegen Borrelien im Blut nachweist. So kann bei dem Verdacht einer Lyme-Borreliose schnell eine vorläufige Bestätigung der Verdachtsdiagnose erhalten werden.

Eine genauere Borreliosediagnostik wird dann im Anschluss durch spezialisierte Laboratorien, wie z.B. Zecklab, eingeleitet, die den Erreger gegebenenfalls anzüchten können oder Verlaufskontrollen der Behandlung anbieten.

Gelenkpunktion 1

Gelenkpunktion 2


Bei geschwollenen Gelenken kann durch eine Gelenkpunktion Synovia (Gelenkflüssigkeit) gewonnen werden und durch ein Speziallabor (z.B. Zecklab) eine Anzucht und Isolierung von Borrelioseerregern versucht werden.

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Erkrankung

Zecken Borreliose geschwollene GelenkeDie Erkrankung wurde erstmals 1975 beim Menschen in den USA, und zwar in Lyme, Conneticut, diagnostiziert. Beim Hund wurde die Diagnose dann 1984 in New York gestellt. In Deutschland wurde der Erkrankung bis 1990 eine geringe Bedeutung zugesprochen. Durch die klimatischen Veränderungen konnten die Zecken und somit die Borrelien jedoch bis nach Norddeutschland vordringen. Einige Zecken beherbergen den Erreger in einer Art "Winterschlaf  " in ihrem Darm. Die Borrelien werden durch das Blutmahl "geweckt" und wandern nach 48 Std. in die Speicheldrüsen der Zecke. Mit dem Speichel injiziert dann die Zecke Hunderte von Borrelien unter die Haut. Diese vermehren sich zunächst an der Bissstelle. Hat das Abwehrsystem des Tieres schon zuvor die Bekanntschaft mit dem Erreger gemacht, so kann die typische Hautveränderung entstehen. Über die Blutbahn verteilt sich das Bakterium   auf sämtliche Gewebe   des Körpers, was zu Fieberschüben und Abgeschlafftheit führen kann.

Die Anzeichen der Erkrankung sind wenig spezifisch und haben Ähnlichkeit mit einer Reihe anderer Krankheiten  . Eine Störung des Allgemeinbefindens mit Mattigkeit und Appetitverlust kann beobachtet werden, begleitet von Fieberschüben von 39,5° C bis 40,5° C. Es kann eine Arthritis   (Gelenkentzündung) in den verschiedenen Gelenken verursacht werden; die Gelenkentzündungen können aber auch andere Ursachen haben. Auch rheumatische Erkrankungen können im Anschluss an eine Borreliose entstehen. Bei schweren Borreliosen können auch Nierenfunktionsstörungen und Herzschäden, die bis zum Herzblock führen können, beobachtet werden. In sehr seltenen Fällen können Schäden des Zentralen Nervensystems beobachtet werden, die zu Bewegungsstörungen und aggressivem Verhalten des erkrankten Tieres führen. In einigen Fällen erfahren einige Tiere eine Spontanheilung. Katzen scheinen nicht sehr anfällig für die Borreliose (Lyme-Disease) zu sein.

Nur der Tierarzt   / die Tierärztin kann nach einer speziellen Diagnostik die Diagnose der Borreliose stellen. In einigen Fällen ist eine Wiederholung der Untersuchungen erforderlich, da die Diagnosestellung sich häufig als schwierig gestaltet.

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Therapie

Nach einem Spaziergang im Wald oder Park sollte das Tier auf jeden Fall nach Zecken abgesucht werden. diese sind dann sofort durch Herausdrehen mit den Fingern oder einer Zeckenzange zu entfernen. Eine Behandlung ist mit speziellen Antibiotika möglich. Es gilt jedoch, dass eine rechtzeitig eingeleitete Therapie deutlich bessere Aussichten auf einen Behandlungserfolg hat als eine, die im späten chronischen Verlauf der Krankheit begonnen wird. Es sollte bei jedem Verdacht ein Tierarzt um Rat gefragt werden. Die Antibiotikabehandlung muss über einen längeren Zeitraum erfolgen, da auch Blutuntersuchungen des Patienten notwendig sind. Die Dosierungen der Medikamente   sind häufig höher, als es für das spezielle Antibiotikum   bei andere Erkrankungen empfohlen wird.

Merke: Die Borrelien sind erst nach 48 Stunden in der Speicheldrüse der Zecke!

Eine Therapie hat die besten Aussichten, wenn sie möglichst frühzeitig erfolgt. Damit eine Therapie eingeleitet werden kann, muss die Diagnose gesichert werden. Leider kann in den meisten Fällen bei den Haussäugetieren keine Behandlung im Stadium eins der Infektion erfolgen, da die Symptome   häufig übersehen werden. Ist bereits eine Antibiotikabehandlung eingeleitet, gestalten sich Erregernachweis und Diagnostik als schwierig. Vor der Therapie sollte also immer erst die Diagnose stehen. Die Behandlung mit Antibiotika muss mindestens über 14 Tage bis drei Wochen erfolgen. In einigen Fällen ist eine Behandlung über Monate mit verschiedenen Blutkontrollen notwendig.

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Prophylaxe

Eine wirksamer Impfstoff steht auch in Europa zu Verfügung. Die bessere Behandlung ist immer die Impfung. Der Impfstoff ist aber noch neu am Markt, und es stehen noch nicht viele Langzeiterfahungen zur Verfügung. So empfehlen wir zum Aktivitätsbeginn der Zecken zu impfen - also im März. Nach der ersten Impfung muss eine Boosterung nach drei bis vier Wochen erfolgen. Die Auffrischung ist jährlich. Bei Welpen kann die Impfung angeschlossen werden, nachdem die Standardimpfung erfolgt ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Prävention   ist es, eine Zeckenattacke zu verhindern. Diese orientieren sich chemotaktisch (nach dem Geruchssinn). Wenn das vermeintliche Opfer nicht die entsprechende Duftnote aufweist, findet keine Attacke statt. Einige beim Tierarzt erhältliche Präparate bewirken dies oder töten die Zecken ab, bevor der Borrelioseerreger aktiv wird. Eine Zeckenprävention ist besonders wichtig, wenn beispielsweise eine Reise in den Mittelmeerraum ansteht.

Auch die Impfung wirkt nur gegen die am häufigsten in Europa verbreitete Borrelienart. Es ist noch nicht geklärt, ob eine Kreuzresistenz zu anderen Borrelienstämmen besteht. Wenn die Zecke ihre Blutmahlzeit aus einem geimpften Tier aufnimmt, heften die im Blut befindlichen Antikörper (Abwehrstoffe) sich an die Borrelien in der Zecke. Dabei bildet sich eine Art von Eiter, der die Borrelien und in einigen Fällen sogar die Zecken tötet. Auf diese Weise kann die Zecke ihre gefährliche Ladung nicht an den Wirt liefern. In Europa sind noch andere Stämme außer der Borrelia bugdorferi bekannt, gegen die der Impfstoff möglicherweise keine ausreichende Wirkung hat. So ist eine zusätzliche Prävention gegen Zecken sinnvoll.

Was Sie speziell bei Ihrem Tier einsetzen sollen, wird Ihnen Ihr Tierarzt gern empfehlen. Bitte fragen Sie nach einer Zeckenprävention!

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Lesen Sie auch in unserem Ratgeber:
Zeckenalarm in Deutschland!

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