Escherichia coli - Colibacillose
Definition | 







Allgemeines
Escherichia coli gehört zu der Familie der 







Dieses Bakterium besiedelt den menschlichen und tierischen Darm nach nur 40 Stunden post partum (nach der 















Gelingt es E.coli, einen neuen Lebensraum zu erobern, kann dieser gute und nützliche Organismus sich in einen pathogenen (krankmachenden) Erreger verwandeln. Er kann die Fähigkeit erlangen, Giftstoffe zu produzieren oder gar Resistenzen gegen 



Escherichia coli ist hauptsächlich für Darmerkrankungen und Harnwergserkrankungen verantwortlich, auch Atemwegsinfektionen, Wundinfektionen, Ohrentzündungen und Hirnhautentzündungen sind möglich. Die häufigste und bekannteste 

Erreger
Escherichia coli stellt sich bei lichtmikroskopischer Betrachtung entweder als ein kurzes Stäbchen mit abgerundeten Ecken oder als kokkoides Bakterium dar. Die Größe variiert bei 1,1-1,5 x 2-6 µm. Einige Arten sind beweglich und verfügen zu diesem Zweck über Geißeln. Sie können einzeln oder paarweise auftreten. Die Bakterien sind häufig mit einer äußeren Schleimschicht bekapselt, die es ihnen ermöglicht, in der Umwelt besser zu überleben. Diese Keime bilden Säure und sind bei der Färbung nach 

E.coli kann auf den meisten Nährböden, die etwas Glukose enthalten, ohne Probleme angezüchtet werden. Es kann sich um feste, in Petrischalen gegossene Nährmedien wie auch flüssige Nährböden handeln. Dabei vermag die Bakterie sowohl unter aeroben Bedingungen (Sauerstoff 21 %, Stickstoff 79 %) als auch unter anaeroben Bedingungen ohne Sauerstoff in einer speziellen Atmosphäre (Wasserstoff 10 %, Kohlendioxid 10 % und Stickstoff 80 %) zu gedeihen. Da der Keim bei Bedarf auf Sauerstoff verzichten kann, wird er als fakultativ 

Mithilfe von speziellen Nährböden können besondere Eigenschaften oder Wachstumscharakteristiken der Bakterien dargestellt werden. Auch kann der gesuchte Keim direkt durch einen Farbumschlag oder durch eine bestimmten Pigmentierung sichtbar gemacht werden. Auf dem roten Blutagar links ist um die Kolonien der Bakterien ein hellgelber Bereich erkennbar, der durch die blutzellenzerstörenden Eigenschaften (

Anatomie eines Bakteriums

Aufbau einer Bakterie
1 Kernmaterial (

2 

3 

4 

5 Zytoplastische 

6 Periplastischer Spalt
7 

8 Äußere 

9 Fimbrien (Pili)
10 Mesosome
11 Geißel (Flagelum)
Bakterien sind Prokarionten und verfügen über keinen Zellkern mit einer Kernmembran. Sie sind mit wenigen Ausnahmen Einzeller. Im Zentrum des 













Fortpflanzung der Bakterien - Konjugation
Bei dem Bakterium E. coli wurde 1946 von Lederberg und Tatum ein sexueller Genaustausch dokumentiert. Als Voraussetzung zur sexuellen Fortpflanzung gilt die Produktion eines
konjugativen Pilus 6 (Sexpilus), der einen hohlen Schlauch zum genetischen Austausch ausbildet. Dabei stellt der Donor (Spender) 1 dem Rezipienten (Empfänger) 2 einen DNS-Strang, der durch den Pilus fließt, zur Verfügung. 3 sind die spezifischen Merkmale der Donorzelle, die der Erkennung dienen. Die Fimbrien 4 und die Flagellae 5 wurden in dem anatomischen Abschnitt bereits erwähnt. Die Donorbereitschaft ist genetisch vorgegeben. Das zirkuläre, extrachromosomale Stück einer Doppelstrang-DNS mit etwa 50-100 Genen, das selbsttätig vervielfältigt werden kann, wird als Plasmid bezeichnet. Mittels eines solchen Plasmids kann ein Bakterium die notwendige Information der Resistenzbildung gegenüber einem bestimmten 



Da von E.coli über 700 unterschiedliche Serotypen mit den Antigenen O, H, und K bekannt sind und diese Keime sehr anpassungsfähig sind, können nur spezielle Laboratorien, die über geeignete Untersuchungsverfahren verfügen, eine genaue Keimbestimmung durchführen. In den meisten Fällen genügt es aber, pathogene (krankmachende) Eigenschaften zu bestimmen. Dies gelingt z. B. durch den Nachweis von Haemolyse, shigelaähnlichen "Invasinen", die das Eindringen des Bakteriums in Zellen ermöglichen, Toxinbildung, die das Abwehrsystem unterdrückt sowie das Resistenzverhalten gegen Antibiotika.
Gelingt es E. coli, seine gewohnte Umgebung des Magendarmtraktes zu verlassen, erlangt dieses Bakterium fast immer pathogene Eigenschaften, die am Beispiel des Menschen aufgezeigt werden sollen:
Die häufigsten 





Darmerkrankungen, an denen E. coli überwiegend beteiligt ist, werden hauptsächlich durch Enterotoxine (Darmgifte) mit speziellen Hafteigenschaften und Ausschwärmverhalten verursacht. Die Bakterien der Gruppe Escherichia coli (E. coli) können wie folgt eingestuft werden:
Enterotoxogene E. coli (ETEC) - verursachen häufig die Durchfallerkrankungen bei Reisen in fremde Länder, speziell bei Kindern. Das Bakterium kann nicht in die Zellen eindringen, verursacht aber wässrigen Durchfall, der durch die Hilfe von Giftstoffen (Toxinen) ohne Entzündungsreaktionen und Fieber verläuft.
Enteropathogene E. coli - (EPEC) - sind Bakterien, die wässrigen Durchfall bei Kleinkindern verursachen. Die Erkrankung verläuft mit Entzündungssymptomen, aber ohne Fieber. Diese Bakterien zeigen eine geringradige Tendenz der Invasion in das 

Enteroagregative E. coli (EaggEC)- werden mit persistierenden (anhaltenden) Durchfällen bei Kleinkindern assoziiert. Es treten keine Entzündungssymptome und kein Fieber auf - durch die Bildung von Toxinen.
Enteroinvasive E. coli (EIEC - diese Bakterien sind mit ihrem Krankheitsbild dem der Shigellen sehr ähnlich. Sie dringen in die Zellen der Dickdarmschleimhaut ein und führen zu großflächigen Gewebeschäden. Das klinische Bild ist identisch mit dem der Shigellen: schwerste Durchfälle mit hohem Fieber.
Enterohaemoragische E. coli (EHEC)- werden durch einen einzigen Stamm repräsentiert, dem Serotyp O157:H7. Diese Bakterien führen zu schwerwiegenden blutigen Durchfällen ohne Fieber. Durch die Giftstoffe werden die Zellen der Dickdarmwand und der Blutgefäße zerstört. Sie können beim Verzehr von ungenügend erhitzten Frikadellen und Hamburgern aus Rindfleisch oder Hammelfleisch aufgenommen werden. Durch die Giftstoffe dieses Keimes kann ein 





Übertragung
Eine Übertragung erfolgt durch Aufnahme von verschmutzter Nahrung und Trinkwasser, unhygienischer Unterbringung in Stallungen, Wurfkisten etc. Schmierinfektionen vom Afterbereich zum Urogenitalbereich sind besonders während Durchfallerkrankungen und Steinleiden wahrscheinlich.
Krankheit
Wie bereits für den Menschen erläutert, sind die am häufigsten verursachten Erkrankungen, die durch E. coli-Infektionen des Verdauungsapparates vor allem bei Neugeborenen und Jungtieren auftreten, schwere Durchfälle mit Todesfolge. Diese gefürchteten Darmerkrankungen können bei allen Nutztieren auftreten, wie beispielsweise bei Kälbern, Schweinen und Geflügel, wo es zu großen wirtschaftlichen Bestandsverlusten kommen kann. Haustiere wie Hunde und Katzen sind etwas widerstandsfähiger, können aber auch betroffen sein. 









Durch das Schwärmverhalten einiger E. coli sind oftmals Kälber und Lämmer betroffen als andere Tiere. Hier können Blutvergiftungen und Besiedlung von Organen folgen.
Infektionen des Genitaltraktes mit E. coli kommen häufiger bei Pferden vor.
Es kann abschließend gesagt werden, dass bei diesem doch so anpassungsfähigen Keim eine Vielzahl an Krankheitsbildern auftreten kann, dies wiederum bedarf einer guten Diagnostik und einer sorgfälltigen therapeutischen 

Diagnose
Die Diagnose kann durch bakteriologische Isolierung, Anzüchtung und mittels biochemischer diagnostischer Verfahren durchgeführt werden. Dabei werden die Stoffwechseleigenschaften der Keime sowie die pathogenen Eigenschaften, z. B. Eigenschaft, Sorbitol zu verstoffwechseln, Hämolyse und Toxinbildung, überprüft. In speziellen Laboratorien kann der Keim auf seine Antigenstrukturen, wie Adhäsine, Schwärmeigenschaften etc. untersucht werden.
Therapie
Bei leichten Krankheitsfällen ist keine antibiotische Behandlung notwendig, sondern lediglich ein Futterentzug. Für einen Zeitraum von etwa 24 Stunden ist nur eine Zufuhr von Flüssigkeit (siehe Rehydratation), gefolgt von einer leicht verdaulichen Magen- und Darm-Schonkost als Diät angezeigt.
Bei schwerwiegenden Erkrankungen, die durch E. coli verursacht werden, müssen Antibiotika verabreicht werden (zuvor sollte eine Resistenzprüfung erfolgt sein). Die Gabe von Kortikoiden, Infusionen und anderen therapeutischen Maßnahmen muss den Umständen entsprechend angepasst werden. Die Therapie sollte unter tierärztlicher Aufsicht in einer 

Schluckimpfungen sind sinnvoll bei wiederkehrenden Erkrankungen:
Einige pharmazeutische Unternehmen bieten bestimmte E.coli Stämme als Schluckimpfung an, um beim erkrankten Menschen oder Tier über den Darm das Abwehrsystem insoweit zu stärken, dass beispielsweise wiederkehrende Harnwegsinfektionen, die durch E. coli verursacht werden, von den körpereigenen Abwehrmechanismen erkannt und somit rechtzeitig bekämpft werden können. Bei diesen verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine kontrollierte Verabreichung durch den 

Autovaccine: Bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen mit E.coli kann der Tierarzt auch Keime aus dem Urin des erkrankten Tieres an ein Speziallabor einschicken, damit ein Autovaccin (Eigenimpfstoff) hergestellt werden kann, das als Schluckimpfung verabreicht wird. Dieses 

Bakterienpräparate zum Aufbau der Darmflora:
Bakterienpräparate zum Aufbau der Darmflora sind in den meisten Fällen rezeptfrei zu kaufen. Dennoch sollte der Einsatz vom Tierarzt genehmigt und die Verabreichung unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen.
Diese Medikamente führen spezielle gute Darmbakterien der Darmflora zu, die schlechte, krankmachende Keime verdrängen (nicht jeder pathogene Keim kann verdrängt werden, eine bakteriologische Kotuntersuchung kann klären, ob probiotische Keime oder bestimmte E. coli- Stämme notwendig sind). Durch die Verstoffwechslung im Darm setzen diese Bakterien bestimmte Stoffe frei, die zur Regeneration der Darmflora beitragen und die erkrankte Darmschleimhaut abheilen lassen. Dies ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das bei einer guten Diagnose auch viel zur Heilung beitragen kann.
Vorbeugung
Vor allem sind hygienische Maßnahmen von besonderer Bedeutung zur Vorbeugung der durch E. coli verursachten Infektionen. 



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