Gasbildner

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Allgemeines

Zu dieser bakteriellen Gruppe der Clostridien   gehören mehr als 100 Arten. Sie können als Opportunisten die Haut, Schleimhäute, Magendarmtrakt und vor allem den Dickdarm bei Mensch und Tier besiedeln. Ihre Sporen   sind im Erdboden über viele Jahre überlebensfähig. Clostridium   perfringens kommt häufig im Verdauungstrakt unserer Haustiere vor, ohne dabei Symptome   einer Erkrankung   auszulösen. Dies mag mit der Tatsache in Zusammenhang stehen, dass unsere Haustiere häufig Erde fressen und dabei Clostridiensporen verschlucken. Damit diese aber Krankheitssymptome verursachen können, müssen die Bakterien   im Darm oder in einer Wunde keimen (sporulieren) und Giftstoffe (Toxine  ) bilden. Die wichtigsten Vertreter sind Clostridium perfringen, Clostridium difficile, Clostridium sordelli, Clostridium chauvoei, Clostridium botulinum, Clostridium tetani, Clostridium septicum.

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Erreger

Bakterien der Gattung Clostridium sind grampositive bis gramlabile   bewegliche Stäbchen. Sie kommen im Erdboden vor und bilden Sporen. Das Wachstum ist streng anaerob  . Als Krankheitserreger   verursachen sie in Wunden den Rauschbrand, Blutvergiftungen, Tetanus und Botulismus  . Die zwei Röhrchen links enthalten Cl. perfringens, das für den Gasbrand des Menschen verantwortlich ist. Im linken Röhrchen befindet sich ein Laborstamm, der keine Toxine bildet, aber die starke Gasentwicklung ist deutlich. Das rechte Röhrchen enthält einen pathogenen Stamm, der bis zu 20 verschiedene Toxine (Giftstoffe) bilden kann. So zeigt dieser außer einer starken Gasbildung auch, dass er zur Gerinnung des Nährmediums durch Giftstoffe führt. Je nach Keimvermehrung und Toxinproduktion töten diese Keime den Wirt!

MK Clostridien liMK Clostridien reIm Röhrchen links kann die starke Gasentwicklung durch Schaumbildung an der Oberfläche beobachtet werden. Aufgrund der starken Gasentwicklung führt diese Keimfamilie zu erheblichen Blähungen und schmerzhaften Bauchkrämpfen, wenn eine übermäßige Vermehrung dieser Keime im Darm stattfindet. Im rechten Röhrchen kann die Gerinnung des flüssigen Nährmediums beobachtet werden, wobei die Eiweißstoffe sich durch die Bakteriengiftstoffe verfestigen.

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Krankheitsbilder

1.- Clostridien Enteritis   (Darmentzündung   durch Infektion   mit Clostridien)

Da Clostridien den Erdboden besiedeln und ihre Sporen in diesem über Jahre überleben können, werden sie leicht bei der Nahrungsaufnahme oder beim Fressen von Erde bei Unwohlsein verschluckt. So kann es vorkommen, dass diese Bakterien innerhalb der normalen Darmflora angetroffen werden. Wenn Bakterien der Gattung Clostridium perfringens sich übermäßig im Darm von Hund oder Katze vermehren und dabei Giftstoffe (Toxine) produzieren, kann es zum Krankheitsbild kommen. Nach neusten Untersuchungen werden 15-20 Prozent der Durchfallerkrankungen durch Clostridien ausgelöst. Die Tiere zeigen teilweise massive, teils blutige Brechdurchfälle. Durch Austrocknung und durch die Toxine kann ein Schock   ausgelöst werden, der unter Umständen zu Organschädigungen führen kann. Bei Pferden, Schweinen, Kaninchen, Hamstern und dem Menschen ist häufiger Clostridium difficile an der Enteritis beteiligt.

2.- Tetanus, Wundstarrkrampf

Es handelt sich um eine akute  , schwere Infektionskrankheit durch das Toxin   Tetanospasmin, das von Clostridium tetani in Wunden abgesondert wird. Nicht nur in Wunden können die Sporen von Clostridium tetani sporulieren (keimen) und Giftstoffe absondern, sondern auch in Zahnfleischtaschen, Darm und Gebärmutter, zum Beispiel während oder nach der Geburt  . Der Giftstoff von Clostridium tetani, das Tetanospasmin, steigt im Rückenmark auf bis zum Gehirn  , worauf Krämpfe der Muskulatur ausgelöst werden und die gesamte Gesichtsmuskulatur sich verkrampft, so dass ein starrer, stupider Gesichtsausdruck entsteht. Die Augenlieder sind weit aufgerissen, die Augäpfel zu den Seiten gedreht, die Ohren und die Mundwinkel der Lefzen sind nach hinten gezogen. Die Tiere reagieren auf leichte Geräusche sofort mit schweren Krämpfen der Körpermuskulatur. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein. Hunde, Katzen und Schweine   sind verhältnismäßig unempfindlich gegenüber Clostridium tetani, Pferde   und Menschen dagegen sehr.

3.- Botulismus

Unter Botulismus versteht man eine Erkrankung, die durch die Aufnahme des Neurotoxins (Botulinus toxin) mit Lebensmitteln oder Futter, das zuvor durch Clostridium botulinum kontaminiert (verschmutzt) wurde, entsteht. Clostridium botulinum ist häufig in Aas und Tierkadavern, vor allen von Wasservögeln, zu finden. Die Tiere, die das Botulinus toxin aufgenommen haben, zeigen zunächst einen steifen Gang, danach eine Nachhandschwäche. Dann fallen immer mehr Gehirnbereiche, die für die Fortbewegung verantwortlich sind, aus, sodass die schlaffe Lähmung der Muskulatur fortschreitet. Die Schmerzempfindung ist dabei nicht ausgeschaltet. Es kann zur spontanen Genesung nach zwei bis drei Wochen kommen oder zum Atemstillstand und Herzstillstand und somit zum Tod des Patienten.

4.- Rauschbrand

Von dieser clostridiellen Infektion sind überwiegend Rinder  , Schafe, Ziegen und gelegentlich auch Pferde betroffen. Der Erreger ist Clostridium chauvoei, der über eine Wunde in den Körper eintritt und zu sehr schmerzhaften Schwellungen an den Gliedmaßen führt. Zunächst beginnt das Krankheitsbild mit einer Lahmheit, hohem Fieber und aufgeblähten Bereichen unter der Haut und Muskelpartien, die bei Berührung ein knisterndes Geräusch machen. Diese Bereiche sind sehr schmerzhaft. In den meisten Fällen ist der Verlauf aber perakut  , die Tiere sind gesund und im nächsten Moment tot oder akut   und sterben nach 1-2 Tagen. Eine Übertragung des Erregers vom Tier auf ein anderes Tier oder auf den Menschen ist unwahrscheinlich.

5.- Pararauschbrand

Der hauptsächliche Erreger ist Clostridium septicum. In einigen Fällen ist aber Clostridium novyi A das krankheitsauslösende Bakterium  , dann spricht man vom "Malignen Ödem   II", das sich klinisch aber kaum vom "Malignen Ödem I" unterscheidet, doch die Gasbildung kann bei Clostridium novyi schwach sein oder fehlen. Der Pararauschbrand beschränkt sich auf das Unterhautgewebe und die Muskelfascie. Die Haut wird dabei abgehoben, und das typische Knistern der Haut kann beim Gasödem vernommen werden. Ich kann mich an einen Ibicenco Hund erinnern, der von einem anderen Hund am Hintern gebissen wurde. Da der Tierhalter die Wunde für nicht so spektakulär hielt, um einen Tierarzt   zu konsultieren, wartete er bis zum nächsten Tag. Der Hund war aufgebläht wie eine Kugel und die Haut war bis zum Hals vom Körper abgehoben. Das Tier hat nur noch geschrien und konnte sich nicht mehr bewegen. Der Hund musste zunächst ins künstliche Koma gelegt werden und musste drei Wochen intensiv behandelt werden. Am Ende hat er überlebt; doch der Aufwand war groß und ein rechtzeitiger Tierarztbesuch, verbunden mit einer Penicillininjektion, hätte dieses schwere Krankheitsbild wahrscheinlich verhindern können. Gasbildung in Organen, Körperhöhlen und Blutgefäßen ist selten, hat aber eine sehr schlechte Prognose  , da der tödliche Ausgang sehr wahrscheinlich ist.

6.- Tyzzer-Krankheit

Diese clostridiale Krankheit wird durch Clostridium piliforme (früher bekannt als Bacillus   piliformis) verursacht. Das Bakterium kommt als Schmarotzer in der normalen Darmflora vieler Nagetiere vor. Erkrankungen beim Hund und der Katze kommen eher selten vor. Bei Pferdefohlen, Ratten, Mäusen, Hamstern, Meerschweinchen, Kaninchen, Zootieren und dem Menschen können sie schwere Krankheitsbilder auslösen. Die Ansteckung erfolgt durch infizierten Nagerkot. Die Erreger vermehren sich zunächst in der Darmschleimhaut und wandern dann in die Leber. Dort scheiden diese Bakterien ihre Giftstoffe aus, diese führen dann zu schweren Leberschädigungen mit dem Untergang von Lebergewebe. Die Tiere sind apathisch  , inappetent  , zeigen Bauchschmerzen, die Leber ist geschwollen, und es kann in einigen Fällen eine Gelbsucht beobachtet werden. Meist folgt eine Untertemperatur und der Tod tritt nach 24 bis 48 Stunden ein. Aufgrund des sehr schnellen Verlaufes der Erkrankung und schlechter Behandlungsmöglichkeiten ist die Prognose als schlecht einzustufen.

7.- Clostridiale Infektionen  

Clostridium perfringens wird gelegentlich bei Entzündungen der Ohren (Otitis), Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Abszessen nachgewiesen. Clostridium sordelli und Clostridium chauvoei dagegen bei Entzündungen der Haut, wie z. B. bei Abszessen aus Wunden.

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Therapie

In vielen Fällen kommt jede Hilfe zu spät, da eine erfolgreiche Therapie nur vollzogen werden kann, wenn der Patient möglichst früh vorgestellt wird! Auch der perakute Verlauf von einigen Infektionen ist sehr limitierend. Bei der Clostridien enteritis ist die prompte Infusionsbehandlung in einer Tierklinik   besonders wichtig. Das Antibiotikum   der ersten Wahl ist Tylosin, an zweiter Stelle stehen Ampicillin, Amoxicilin mit Clavulansäure, Metranidazol und Clindamycin. Die Ausscheidung der Keime aus dem Darm kann über Wochen anhalten. Um eine schnellere Ausscheidung zu erreichen, kann Lactulose die Clostridienzahl reduzieren und dadurch die Wirkung des Antibiotikums erhöhen. Zur Behandlung   des Tetanus müssen die Tiere mit einer sehr hohen Dosis Penicillin und zusätzlich mit Tetanus antitoxin behandelt werden. Eine intensive Wundbehandlung in einer Klinik   wird notwendig. Da das Krampfgeschehen sehr schmerzhaft ist, müssen die Tiere mit schweren Tetanus-Symptomen in ein künstliches Koma versetzt, evtl. künstlich beatmet und ernährt werden. Der Ausgang ist häufig ungewiss. Der Botulismus erfordert Magen- und Darmspülungen mit der Verabreichung von Botulinusantitoxin. Ein künstliches Koma mit Infusionsbehandlung, Ernährung   und Beatmung muss gegebenenfalls in Erwägung gezogen werden. Der Ausgang der Infektion ist fraglich und kann durchaus mit dem Tod des Patienten enden. Infektionen mit Rauschbrand-Erregern und Pararauschbrand-Erregern bedürfen einer intensiven Wundreinigung und Abtragung   des abgestorbenen Gewebes. Zusätzlich sind Antibiotika  , wie beispielweise Penicillin, Ampicillin, Amoxicilin mit Clavulansäure, Metranidazol und Clindamycin von großem Nutzen. Impfungen gegen Tetanus sind vor allem beim Menschen und Pferd von großer Bedeutung, gegen die Clostridien enteritis können Marderbestände geimpft werden.

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Röntgenaufnahme einer Katze mit bakterieller Broncho-pneumonie. Im hinteren Lungenlappen wolkige Entzündungsherde, in der Mitte ein zu großes Herz, das auf eine Herzinsuffizienz hinweist. Im Herzen können entzündliche Auflagerungen beobachtet werden.In Röhrchen links kann die starke Gasentwicklung durch Schaumbildung an der Oberfläche beobachtet werden. Auf Grund der starken Gasentwicklung führt diese Keimfamilie zu erheblichen Blähungen und schmerzhaften Bauchkrämpfen, wenn eine übermäßige Vermehrung dieser Keime im Darm stattfindet. Im rechten Röhrchen kann die Gerinnung des Flüssigen Nährmediums beobachtet werden, wobei die Eiweißstoffe sich durch die Bakteriengiftstoffe verfestigen.

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