Yersiniose (Pseudotuberkulose, Pest)

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Pest 1Den Schwerpunkt der Erkrankungen verursachen Bakterien   der Gattung Yersinia  , die durch Nagetiere und Vögel übertragen werden. Diese stellen ein natürliches Reservoir   für Krankheiten   dar, was immer wieder Krankheitsbilder bei Tier und Mensch verursacht. In der Tiermedizin ist die Pseudotuberkulose von Wichtigkeit. Sie wird von freilebenden Nagern, insbesondere Kaninchen und Hasen, verbreitet. Auch viele Vogelarten beherbergen die Erreger chronisch  , sodass sie auf landwirtschaftliche Nutztiere, wie Rinder  , Pferde  , Schweine  , Schafe und Ziegen übertragen werden können. Gelegentlich können auch Haustiere, z. B. Kanarien- und Ziervögel  , Hunde, Katzen, Chinchillas und Zwergkaninchen infiziert werden. Zu besonderem Ruhm gelangte das Bakterium   Y. pestis, das im Mittelalter in Europa wütete und Millionen von Menschen in den Tod führte.

Infektionen   mit Y. enterocolitica sind eher für den Menschen von Bedeutung. Das Bakterium wird gelegentlich in Lebensmitteln, wie Fleisch aus Hausschlachtungen, Rohmilch und Rohmilchprodukten, z. B. Ziegenkäse, nachgewiesen und kann vor allem bei Kleinkindern zu schwerwiegenden Infektionen und Krankheitsbildern führen.

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Erreger

Yersinea MikrophotoDie Gattung Yersinia beinhaltet zahlreiche Bakterien, von denen drei Gruppen am wichtigsten sind: Y. enterocolitica, Y. pseudotuberculosis und Y. pestis; die letzten beiden sind eng verwandt. Es gibt eine große Anzahl an unterschiedlichen Stämmen mit den verschiedensten Antigenstrukturen, von denen nur wenige humanpathogen (für den Menschen krankmachend) sind. Es handelt sich um ovale   bis länglich geformte pleomorphe (mehrgestaltige) Bakterien. Die bipolare Anfärbung (s. Abb.) ist unregelmäßig und ohne diagnostische Bedeutung.

Yersinea Rambach CombiDurch die standardmäßige Anzüchtung auf Nährböden für Darmbakterien ist die Isolierung schwierig. Besser gelingt es, den Keim auf einem speziellen Selektivnährboden nach Schiemann nachzuweisen. Auf diesem Nährboden zeigt der Keim ein charakteristisches Wachstum. Begleitflora wird durch spezielle Bestandteile im Agar unterdrückt. Biochemische Verfahren zur Klassifizierng des Keimes müssen dann folgen, damit festgestellt werden kann, ob es sich um Y. enterocolitica, Y. pseudotuberculosis oder Y. pestis handelt. Des Weiteren ist bei Isolaten von Tieren die Antigenstruktur des Mikroorganismus   wichtig. Daraus können Rückschlüsse auf die humanpathogenen Eigenschaften des Keimes gezogen werden.

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Übertragung

Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis sind weltweit verbreitet, Y. pestis kommt hingegen nur in bestimmten Regionen vor (s. Weltkarte). Hauptübertragungsquellen sind Nager, von denen die Erreger in Stallungen eingeschleppt werden. Gelegentlich können auch Vögel für die Ausbreitung verantwortlich sein. Als Erregerreservoir kommen Schweine und Geflügel   in Betracht. Die häufigste Infektionsquelle ist kontaminiertes Futter, das schlecht gelagert wurde und durch direkten Kontakt mit infizierten Nagern, wie Mäusen und Ratten, verschmutzt worden ist.

PestkarteDie Pest gilt eher als eine in Vergessenheit geratene bakterielle Infektionskrankheit, die seit den fünfziger Jahren deutlich rückläufig ist. Dennoch kommt es immer wieder zu neuen Ausbrüchen. Der letzte gemeldete Pestausbruch trat in New Mexico am 27.07.2005 auf. Die auf der Karte rot markierten Gebiete sind jene, in denen die Pest immer noch vorkommt.

KanalratteRattenflohVor allem Ratten und Flöhe sind für die Ausbreitung verantwortlich, aber auch Hunde und Katzen können die Erreger-Ausbreitung unterstützen. Im Bundesstaat Colorado soll sich eine Person bei einer Hasenjagd mit dem Erreger angesteckt haben.

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Krankheit

Pseudotuberkulose:

Diese Krankheit ist eher bei Katzen (durch den Kontakt mit Nagetieren) als bei Hunden anzutreffen. Dennoch ist die Krankheit weit verbreitet. Als Symptome   kommen Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung infrage. Diese werden von einer Milz- und Leberschwellung begleitet mit Gelbsucht, Nierenentzündung und Bronchopneumonie (Entzündung   der Bronchien und der Lungen). Bei chronischen Verläufen können noch Gelenkentzündungen hinzu kommen.

Rodentiose (Pseudotuberkulose):

Diese betrifft Nager wie Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla. Zwei Krankheitsformen sind bekannt. 1.- Die akute   Form: Es erfolgt eine Blutvergiftung (Septikämie  ) mit Husten, Atemnot und Tod innerhalb von 12-24 Stunden. 2.- Die chronische   Form mit Schwellung der Lymphknoten, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Durchfall (mittelgradig bis leicht), Aufbrechen der Lymphknoten und Freisetzen von Keimen mit dem Eiter. Dieser ist hochgradig ansteckend für andere Tiere und Menschen. Beim Meerschweinchen: Tod nach 3-4 Wochen, andere Nager können deutlich länger überleben.

Yersinia enterocolitica-Infektion   oder Yersinia enteritis (Darmentzündung  ):

Bei Hund und Katze handelt es sich um ein fakultativ pathogenes Enterobakterium, d.h. es löst nicht unbedingt, aber möglicherweise eine Erkrankung   aus, besonders wenn Durchfallerkrankungen durch Yersinien bei im Haushalt lebenden Personen nachgewiesen wurden. Eine geringe Anzahl an Yersinien sind bei 0-18 % der Stuhlproben enthalten. Die Keimzahlt pro Gramm Kot ist entscheidend. So können Keime von klinisch gesunden Dauerausscheidern vor allem in Chinchilla-Bestände eingeschleppt werden. Als Symptome kommen akute oder chronische Durchfälle mit schleimig bis blutiger Ausscheidung vor allem bei Jungtieren infrage. Die Keime können in die Lymphknoten eindringen und diese stark vergrößern. Fieber, Erbrechen und Bauchkrämpfe können in einigen Fällen auftreten. Bei fortbestehender Krankheit kann es zu Abmagerung bis hin zum Tod kommen (häufig betroffen: Chinchillas).

Pest: Vom 13. bis 19. Jahrhundert traten immer wieder in zyklischen Abständen Epidemien auf.

Pest Azoth

Die Pest von Azoth; Gemälde von Nicolas Poussin, 1594-1665. Das Kunstwerk zeigt die an der Pest erkrankten Philister.

Pest nekrotische FingerIm Mittelalter des 14. Jahrhunderts (1347-1353) fand in Europa der wohl größte Seuchenzug der Pest statt, der ganze Landstriche entvölkerte. Über die Handelswege von Osteuropa wurde mit der Wanderratte und deren Flöhen die Krankheit eingeschleppt. Der Begriff "Schwarzer Tod" wurde in dieser Zeit für die Pest geprägt. Blutunterlaufene Hautabschnitte und Beulen sowie nekrotisierende Körperteile, die sich unter Bildung eines Gangräns schwarz verfärbten (s. Abb.) und abstarben, führten zu dieser naheliegenden Bezeichnung, zumal in der damaligen Zeit keine antibiotische Behandlung   möglich war.

 
 
 
 
 

Die Pest tritt beim Menschen in vier Krankheitsformen auf

  1. Die Beulenpest zeichnet sich durch zunächst leicht tumorartige Schwellungen an den Einstichstellen der Flöhe entlang der Lymphbahnen und anschließend der Lymphknoten aus. Zunächst treten Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, gefolgt von schweren Symptomen, wie Benommenheit und Bewusstlosigkeit. Nach einer Inkubationszeit von sechs Stunden bis zu einer Woche entwickeln sich sehr schmerzhafte Beulen, die sich mit fortschreitendem Krankheitsverlauf durch Einblutung blauschwarz verfärben. Die Beulen können schließlich aufbrechen und sondern eine eitrige, stinkende Flüssigkeit mit einer großen Anzahl an Yersinien ab (siehe Gemälde). Brechen die Beulen nach innen auf, kommt es zur septikämischen Form der Pest. Die Erreger werden mit dem Speichel des Rattenflohs übertragen. So sind Krankheitsausbrüche während des Sommers sehr viel stärker als im Winter. Die Rattenflöhe bevorzugen eigentlich die Ratte. Sind aber nicht genügend Ratten vorhanden, sodass die Nahrung für den Floh knapp wird, wird ein neuer Wirt, z. B. der Mensch, aufgesucht. Verunreinigte Lebensmittel und ebensolches Wasser können auch als Infektionsquelle für die Pest während einer Epidemie in Frage kommen.
  2. Die septikämische Form der Pest ist eine Komplikation der Beulenpest durch innerlich aufgebrochene Beulen oder Wunden. Diese kommen mit Absonderungen aus den Beulen in Kontakt, sodass eine Blutvergiftung mit dem Keim stattfindet, der sich über den ganzen Körper verteilt, zu Organblutungen führt und innerhalb von 36 Stunden den Tod verursacht.
  3. Die Lungenpest ist auch eine Komplikation der Beulenpest. Hierbei wird das Lungengewebe befallen, und der Keim kann leicht von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Todesrate bei dieser Form der Pest ist sehr hoch: 94 - 98 %.
  4. Die abortive Form der Pest ist eine milde, chronische Form mit leichtem Fieber und Schwellung der Lymphdrüsen. Bei Frauen kann sie zu Fehlgeburten führen, bei Männern zur Unfruchtbarkeit. Die Pest kann auch Haustiere befallen. Vorwiegend sind Katzen und Hunde als Ansteckungsquellen für den Menschen zu betrachten. Auch Wildkaninchen und Hasen können in seltenen Fällen zur Ansteckung des Menschen führen.

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Diagnose

Die Diagnose kann durch bakteriologische Verfahren gestellt werden. In vielen Fällen wird die Yersiniose aber erst post mortem durch den Pathologen festgestellt.

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Therapie

Die Therapie kann durch eine antibiotische Behandlung erfolgen, vorausgesetzt, dass die Krankheit in einem frühen Stadium zur Behandlung kommt. In vielen Fällen ist eine Behandlung aber auch nicht sinnvoll, da die Dauerausscheider zur Sicherheit von Mensch und Tier eliminiert werden sollten.

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Vorbeugung

Vor allem hygienische Maßnahmen sind von großer Bedeutung, wie die Bekämpfung von Nagern und Abschirmung gegen Wildvögel. Futter sollte unbedingt vor Verschmutzung durch Nager geschützt werden. Eine Impfung steht für den Menschen gegen Yersinia pestis und Y. enterocolitica im Ausland zur Verfügung. Für Tiere ist in Deutschland kein Impfstoff gegen Yersiniosen zugelassen.

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