Ehrlichiose

Allgemein | Erreger   | Vektor  | Zyklus   | Klinik   | Diagnose   | Therapie   | Prävention  

Allgemeines

Bei der Ehrlichiose handelt es sich um eine Bakteriengruppe, die eine Vielzahl von Tieren und auch den Menschen befällt. Die Übertragung findet üblicherweise durch Zecken statt. Häufig werden nicht nur Rickettsiose und Ehrlichiose übertragen, sondern auch Borreliose   und Babesiose. Diese Erkrankung   zählt zu den Reisekrankheiten, die in der letzten Zeit auch für den Menschen an Bedeutung gewonnen hat. Die Erkrankung wird als Zoonose   bezeichnet, da die Übertragung von Tier auf Mensch möglich ist. Hunde, Pferde   und Schafe stellen schon längst nicht mehr die einzigen Wirte für das Bakterium   dar.

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Erreger

Er handelt sich um gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterien   der Gattung Rickettsiaceae. Sie benötigen Sauerstoff für das Wachstum (wachsen also aerob) und sind unbeweglich, da keine Geißeln oder Flimmerhärchen ausgebildet werden. Diese länglichen Bakterien erreichen eine Länge von etwa 0,2 - 0,4 µm und lassen sich in drei  Gruppen einteilen.

  1. Ehrlichia canis, E. chauffeensis, E. muris und E. ewingii
  2. Ehrlichia phagozytophilia - Anaplasma phagocytophilum
  3. Neoickettsia sennetsu, N. ristici, N. minthocea und weitere

In der Zelle   vermehren sie sich in einer flüssigkeitsgefüllten Blase, der Morula  . Bitte entnehmen Sie hierzu Informationen in dem  Infektionszyklus.

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Vektoren  

Der Vektor ist in vielen Fällen die Zecke, Ixodes ricinus. Aber auch Flöhe, Läuse, Milben und in sehr seltenen Fällen Mücken, können als Vektoren agieren. In diesen Vektoren durchläuft das Bakterium für gewöhnlich keinen Infektionszyklus, sondern wird lediglich beim Blut-/ Lymphesaugen in den Wirt injiziert.

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Infektionszyklus

Ehrlichiose Zyklus

  1. Der Vektor Zecke injiziert intrazelluläre Bakterien, z. B. Ehrlichen, in den Wirt: Hund, Mensch, Hirsch etc.
  2. Eindringen in die Zelle durch Endozytose, wobei die Zellmembran   eingestülpt und
  3. als kleines Bläschen  , die Zytoplasmavakuole, abgeschnürt wird. Hierbei nimmt die Zelle das Bakterium wie einen festen Futterbestandteil in einem flüssigkeitsgefüllten Bläschen auf.
  4. Vermehrung der Initialkörperchen in Fall von Ehrlichia canis, 5 Tage nach der Infektion  .
  5. Ausbildung   einer Morula (2-5 µm im Durchmesser), in der die Einschlusskörperchen 10 bis 20 Tage nach Beginn der Infektion reifen.
  6. a) Freisetzung der bakteriellen Partikel durch Exozytose. Hierbei wird der Inhalt der Vakuole   in den Kreislauf des Wirtes abgegeben. Die freigesetzten Bakterien können eine neue Zelle infizieren, so dass sich der Kreislauf ohne den Vektor wiederholt. Oder die Bakterien können erneut von einem Vektor, z. B. einer Zecke, aufgenommen werden, um einen neuen Wirt zu infizieren.
    b) Freisetzung der Bakterien durch Apostose der Wirtzelle. Hierzu zerstören die Bakterien die Zelle des Wirtes, um die Freiheit wieder zu erlangen und neue Zellen zu infizieren oder erneut von einem Vektor aufgenommen zu werden.

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Klinik

Die Symptome   können äußerst vielfältig auftreten.

In der akuten Phase können Mattigkeit, Fieberschübe, Lymphknotenschwellung und Gelenkschmerzen, die mit einer Bewegungsunlust vergesellschaftet sind, vorherrschen. Eine Beteiligung des Zentralnervensystems (ZNS  ) ist selten.

Ehrlichiose AugeHäufiger ist der chronische   Verlauf. Die Tiere zeigen Lustlosigkeit, Müdigkeit, verminderten Appetit und magern leicht ab. Fieber, Schwellung der Milz und der Lymphknoten begleiten das Bild. Besonders auffällig sind Blutungen aus der Nase, Einblutungen in die Augen, sowie petechiale Blutungen (punktförmige Einblutungen in die Haut und Schleimhäute), die durch eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) verursacht werden. Der Urin wird gelegentlich blutig. Der Gang wird steif durch Einblutungen in die Muskulatur und durch Ödeme   (Schwellungen) in den Gliedmaßen. Epileptische Anfälle sind selten.

Der Deutsche Schäferhund und der Dobermannpinscher erkranken sehr schwer.

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Diagnose

   
   

Ehrlichiose Monozyt mit Morula Zyklus)" />Ehrlichiose ELISAIm Blutausstrich können Morulas in den Monozyten, neutrophilen und eosinophilen Granulozyten bei der lichtmikroskopischen Untersuchung nachgewiesen werden. Auch aus Biopsien der Milz oder veränderten Lymphknoten können Makrophagen, die Morula enthalten, nachgewiesen werden. Diese Untersuchung kann in einer Tierarztpraxis mit ausreichend ausgebildetem Personal durchgeführt werden.

Der hier gezeigte ELISA-Test kann auch in einem praxiseigenen Labor duchgefüht werden. Er hat aber eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit, etwa 98 %, den Erregernachweis zu erbringen.

Ehrlichiose IFATIn spezialisierten Laboren kann der Erreger mittels IFAT - Immunluoreszenz-Antikörpertest - (links im Bild) nachgewiesen werden. Dieser Test ist spezifisch aber nicht so empfindlich, da der Erreger erst nach 7 - 21 Tagen nach der Infektion nachgewiesen werden kann. Heutzutage findet hier die PCR   -  polimerase Kettenreaktion - den Vorzug, zumal sie sehr sensibel ist und sogar in der subklinischen Phase im Blut oder Gewebe   den Erregernachweis erbringen kann.

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Therapie

Die Therapie sollte nach Diagnosesicherung mit Doxicyclin als Mittel der ersten Wahl zweimal täglich über 3 - 4 Wochen eingesetzt werden. Alternativ kann auch mit klassischen Tetrazyklinen oder Chloramphenicol behandelt werden. Beim Vorliegen einer Babesiose sollte eine zusätzliche Therapie mit Imidocarbdipropionat (Imizole®) durchgeführt werden.

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Vorbeugung - Prävention

Dieses ist das wohl wichtigste Kapitel, zumal Sie Ihr Tier schützen können!
Am besten sind sogenannte Reppelentien/Antiektoparasitika geeignet, die den Vektor (Zecken, Flöhe, Läuse etc.) abschrecken oder abtöten und - möglichst vor dem Stich - in die Flucht schlagen. Das Präparat wird üblicherweise alle vier Wochen auf das Tier aufgebracht. Bei Reisen in Regionen mit hohem Infektionsrisiko sollte eine Behandlung   im 14-tägigen Rhythmus erfolgen.

Fragen Sie Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt  . Sie werden sicherlich gerne und kompetent beraten!

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