Aujeszkysche Krankheit

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Diese Erkrankung   wurde zum ersten Mal 1902 von dem ungarischen Professor der Veterinärpathologie, Aladár Aujeszky  , beschrieben. Die für die Tiermedizin bedeutsame Krankheit betrifft sowohl Hausschweine als auch Wildschweine, die durch das Herpesvirus Typ 1 des Schweines infiziert werden. Vor allem gelten Schweine   und Ratten als Reservoir   des Virus  . Durch Ratten kann sich die Krankheit schnell ausbreiten, wobei das Virus durch Bisswunden übertragen wird. Sehr anfällig für eine Infektion   sind Hunde und Katzen, aber auch Rinder  , Schafe und Ziegen können betroffen sein. Für Menschen und Primaten ist die Krankheit nicht ansteckend.

Deutschland gilt seit 2003 als Aujeszky-Virus-frei, jedoch kaum ausgesprochen, sind nach Tiertransporten und Importen von ungarischem Fleisch erneut Aujeszky-Erreger nachgewiesen worden. Im Jahr 2004 wurden zwei Ausbrüche der Krankheit in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angezeigt, diese sorgten für eine zurzeit eingeschränkte Erregerfreiheit für Deutschland, die aber keine Epidemie nach sich zog. Aus den Nachbarländern, wie beispielsweise Niederlande, Griechenland, Italien, Spanien und anderen nicht- aujeszkyfreien Länder können unter Umständen SHV-1 Viren   importiert werden. Da Herpesviren im Allgemeinen nur schwer zu kontrollieren sind, können Infektionsherde vereinzelt wieder aufflammen. Bei Fleischimporten mit infizierten Lebensmitteln muss stets mit diesen Erregern gerechnet werden. So sollten die Tierhalter bei der Verfütterung von Schweinefleisch, Hackfleisch und rohem Fleisch aus dem Ausland, z. B. bei ungarischer Salami oder Schinken, vorsichtig sein. Auch Fleischprodukte unklarer Herkunft sind oftmals falsch deklariert oder die Abkunft des Produktes ist für den Verbraucher nicht ersichtlich.

Nach der zurzeit gültigen Rechtssprechung ist die Krankheit anzeigepflichtig!

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Erreger

aujeszki-virusmodelDas Virion   ist als Pseudorabies-Virus (PrV) bekannt. Es gehört zu der Gruppe der Herpesviren des Schweins SHV-1. Der Viruspartikel (Virion) besteht aus einer Lipoproteinhülle, die auf der Oberfläche über 162 hohlzylindrische Kapomere verfügt, die dem Virus erlauben, an die Wirtszelle anzudocken. Der äußere Durchmesser beträgt 150-170 nm.
In loser Verbindung mit der Lipoproteinhülle steht das ikosaedrische (= hat dreieckige Flächen) Kapsid (grün), das aus den einzelnen Kapsomeren (Eiweißuntereinheiten) die Eiweißhülle des Virus bildet. Das Erbgut liegt als DNS-Strang in Form eines Torus (Schwimmreifens) im Zentrum des Kapsomers, die Einheit bildet das Nukleokapsid des Virus.

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Übertragung

Aujeszki Fütterung JagdabfälleBei Schweinen kann die Ansteckung über eine Tröpfcheninfektion direkt von Tier zu Tier erfolgen. Eine indirekte Übertragung durch den Menschen durch Unsauberkeit   bei Gerätschaften und Transportfahrzeugen ist möglich. Auch eine Ausbreitung über Vektoren  , wie Ratten oder freilaufende Katzen, ist möglich, wenn diese Schweine oder Wiederkäuer   angreifen und Bissverletzungen zufügen oder Futter verunreinigen. Ein besonderes Risiko stellt die Verfütterung von rohem Schweinefleisch oder die Fütterung von Jagdabfällen an Hunde dar.

Bitte kein rohes Schweinefleisch an Fleischfresser verfüttern.
Vorsicht auch bei Urlaub auf dem Bauernhof und bei Reisen ins Ausland mit dem Haustier als Begleiter, z. B. nach Spanien oder Griechenland!

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Krankheit

Encephal1 histoEncephal histo 2Nach Aufnahme des Erregers durch die Schleimhaut der Atmungsorgane oder des Verdauungsapparates kommt es zur Vermehrung des Virus, das anschließend über die Lymph- und Blutbahnen in den Organismus   auswandert. Hunde, Katzen, Wiederkäuer und Ferkel erkranken an der neurologischen Form, die nach 2-7 Tagen durch zentralnervöse Störungen deutlich wird. Durch die Vermehrung des Virus im Gehirn   wird eine Enzephalomyelitis verursacht, bei der sich das Gehirn entzündet. Die Myelinschicht, die die Nerven umgibt, wird zerstört (siehe Abb. links), das Hirngewebe weist eine Vielzahl von kleinen Löchern auf, ähnlich dem durch Motten verursachten Lochfraß in Kleidung. Das Myelin ist eine Fettschicht, die die Nervenfasern umhüllt, wie vergleichsweise die Isolierschicht eines Elektrokabels. Durch das Fehlen kommt es zum Überspringen von Nervenimpulsen. Dies kann zu Fehlverhalten, Funktionsstörungen und schließlich zu Koma und Tod führen.

Bei Saugferkeln werden häufig keine Symtome bemerkt, es finden sich plötzlich verendete Tiere während der Morgenstunden im Stall. Junge Ferkel, die älter als 10 Wochen sind, überleben häufig. Sie zeigen keinerlei Juckreiz, sondern gleich Muskelzucken, Krämpfe, Bewegungs- und Verhaltensstörungen. Vor allem ältere Tiere sind Virusträger, sie zeigen Symptome   der Atemwege und Fehlgeburten. Vor allem Körperausscheidungen, wie Nasensekret, Sperma, Milch  , Scheidenausfluss und Bestandteile der Fehlgeburt   sind hoch infektiös. Nach der Infektion persistiert das Virus in den Mandeln (Tonsillen) und Nervenschaltpunkten des Gesichts (Trigeminus Ganglion), bis durch eine Stresssituation das Virus aktiviert wird, sich fortpflanzt und über den Speichel ausgeschieden wird. Bei anderen Tieren verläuft die Erkrankung immer tödlich. In der ersten Phase können die folgenden allgemeinen Symptome beobachtet werden: Fieber, stark beschleunigte Atmung, vermehrte Gasbildung in den Därmen. Im Anschluss folgen dann neurologische Symptome: Muskelzuckungen, die über den ganzen Körper verlaufen, extremer Juckreiz, der zur Selbstzerstümmelung (Automutilation) führen kann. Speichelfluss oder schaumiger Speichel vor dem Maul (Pseudowut), unkontrolliertes Augenzittern (Nystagmus), Agressivität, Bewegungsstörungen, Krämpfe, Lähmungserscheinungen, Koma und Tod.

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Diagnose

Die Diagnose kann von erfahrenen Veterinärpathologen am Tierkörper durchgeführt werden.
Aus Körperflüssigkeiten und Organproben kann eine Virusvermehrung mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR  ) und anschließendem Virusnachweis durchgeführt werden. Blutproben können leider erst ab dem 4-5 Tag post infectionem positiv mit einem ELISA-Test überprüft werden.

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Therapie

Keine Therapie möglich noch sinnvoll außer der Euthanasie   oder Keulung   (Notschlachtung)!

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Vorbeugung

Die Vorbeugung besteht in der Ausrottung der Krankheit in Europa. Dies gestaltet sich schwierig, da in einigen Ländern, z.B. Griechenland, Schweine aufgrund der hohen Umgebungstemperaturen nicht im Stall gehalten werden können, sondern frei laufend in Wäldern, so dass die Tiere auch Kontakt mit Wildschweinen aufnehmen können. Impfstoffe sind zwar vorhanden, diese sind aber nur in einigen Ländern zulässig, in denen eine sehr starke Durchseuchung vorherrscht. Die Impfung ist zwar wirksam gegen die Symptome der Erkrankung, verhindert aber keine wirtschaftlichen Einbußen für die Bauern. Auch geimpfte Tiere können latent Herpesviren beherbergen, die dann an eine ungeschützte Tierpopulation weitergereicht werden können und die Krankheit auslösen. Aus diesem Grund muss in Ländern, die den Anspruch hegen, Aujeszky-Virus-frei zu sein, ein generelles Impfverbot gegeben sein.

Nur strikte seuchenhygienische Vorschriften und rücksichtloses Vorgehen bei Krankheisausbrüchen, wie strenge Quarantäne und vollständige Keulung (Tötung) der Tiere, können der Infektion Einhalt gebieten.

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