FSME

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Allgemeines

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist eine Viruserkrankung, die durch > Zecken übertragen wird. Vor allem ist der Mensch betroffen, aber auch Tiere, wie Hunde, können sporadisch erkranken, wenn sie z. B. das Herrchen in endemische Gebiete begleiten. Bei vielen Säugetieren und Vögeln verläuft eine Infektion symptomlos. Diese Erkrankung   wurde beim Menschen erstmalig in den dreißiger Jahren beschrieben. Infektionen   von Hunden sind in der Schweiz, Österreich und einigen Gebieten Deutschlands, z. B. Bayern und Baden-Württemberg, beschrieben worden.

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Morphologie

FSME Virus

Dieses RNS  -Virus   gehört zu der Familie der Flaviviridiae, die u.a. Erkrankungen wie Gelbfieber und Hepatitis C hervorrufen. Der Durchmesser der Viruspartikel beträgt ca. 45-60 nm. Das einzelsträngige RNS-Erbgut des Virus wird von einem Kapsid umhüllt, das aus dem sogenannten C-Protein (core-protein) besteht. Die Hüllmembran besitzt zwei Oberflächenproteine, das M-Protein (membrane protein) und das E-Protein (envelope protein), diese umschließen das Kapsid, in welchem sich der RNS-Strang des Virus befindet. Das E-Protein scheint entscheidend für die Virulenz   (Angriffsfähigkeit) zu sein.

 


 

FSME Virus Grafik


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Infektion

Die Infektion erfolgt nach einem Zeckenbiss durch Ixodes Ricinus, wobei die Übertragung auf den Menschen oder das Tier sofort an der Biss-Stelle der Zecke durch den Speichel erfolgt. Durch den Genuss von roher Milch   von Tieren, die mit dem FSME  -Erreger   infiziert sind, kann ein Mensch sich ebenfalls anstecken. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich zehn Tage, kann aber zwischen einer Woche und einem Monat variieren. Der Krankheitsverlauf ist beim Menschen immer akut  , beim Hund ist die Empfindlichkeit gegenüber dem Virus gering. Wenn dennoch Symptome   auftreten, sind diese bei Hunden großer Rassen beschrieben worden, die wahrscheinlich immungeschwächt waren. Kommt es zur Entwicklung von Krankheitssymptomen, beginnt der Verlauf mit Fieber bis 41°C, Verhaltensveränderungen von Apathie   (Antriebsarmut) bis Übererregbarkeit und Aggressivität. Tiere und Menschen, die an einer Meningoenzephalitis (Entzündung   der Hirnhäute und des Gehirns) erkrankt sind, zeigen folgende Hauptsymptome: Krampfanfälle, Lähmungen der Gliedmaßen, verkrampftes Gesicht sowie Schielen (Strabismus) mit verengten Pupillen (Miose). Die Tiere zeigen gleichzeitig eine übermäßig starke Schmerzempfindung auf Berührungen im Kopf- und Halsbereich. Bei schweren Infektionen beträgt die Dauer der Infektion 4 Tage bis 1 Woche und erreicht dann den tödlichen Ausgang. Eine direkte Übertragung des Virus vom Hund auf den Menschen ist bis zum heutigen Tage nicht nachgewiesen worden.

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Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann durch den Zeckenbefall und Aufenthalt in FSME-gefährdeten Wäldern und Regionen ausgesprochen werden. Da aber erst durch den Nachweis der klassischen Veränderungen des FSME-Virus im Gehirn   des Patienten die Diagnose gestellt werden kann, gibt erst die pathologische Untersuchung nach dessen Tod eindeutige Auskunft. Ein indirekter Nachweis des Virus über das Vorhandensein von Antikörpern im Blut mit Hilfe eines Elisa-Tests ist nur begrenzt sinnvoll. Zum einen haben viele Hunde Antikörper   gegen das FSME-Virus, ohne erkrankt zu sein, zum anderen bestehen häufig Kreuzreaktionen mit anderen Viren   der Familie Flaviviridiae, die eine positive Testreaktion auslösen können, ohne dass FSME-Viren vorhanden sind. Im Fall eines positiven Testergebnisses müssen weitere Virusuntersuchungen, wie der Western Blot, Hämagglutinationshemmungstest und der Virusneutralisationstest, herangezogen werden.

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Therapie

Bis zum heutigen Tage steht keine antivirale Behandlung   zur Verfügung! Eine Therapie gestaltet sich sehr aufwändig und hat einen ungewissen Ausgang. Patienten müssen in eine Klinik   gehen, in der die auftretenden Krämpfe behandelt werden und künstliche Ernährung   gesichert wird. Da Urin und Kot vom Patienten nicht kontrolliert abgesetzt werden können, muss vom Personal der Tierklinik   der Absatz überwacht und gegebenenfalls eingeleitet werden, um Organschädigungen zu verhindern. Schwellungen des Nervengewebes und der Hirnmasse müssen unterbunden und medikamentös behandelt werden. Der Versorgungsaufwand ist erheblich und somit auch die Kosten. Leichte Fälle können unter Umständen genesen, bei schweren Fällen sollte jedoch die Euthanasie   des Patienten erwogen werden.

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Prophylaxe  

Bei Reisen in gefährdete Gebiete sollten Hunde durch Zeckenhalsbänder, Repellentien   und oder akarizide Medikamente   geschützt werden. Eine Impfung steht für Tiere nicht zur Verfügung.

Da diese Krankheit   sich aufgrund von unachtsamen Urlaubsreisenden, Klimaveränderung und ungenügender Prophylaxe beim Tier rasant in Deutschland ausgebreitet hat, ist die vorbeugende Behandlung für jeden pflichtbewussten Tierhalter und Tierfreund ein absolutes Muss!

In endemischen Gebieten sind wenige Zecken infiziert, etwa jede 25.- 100. Zecke ist Virusträger (bei der > Borreliose   ist es jede 3.- 5. Zecke). Dennoch erkranken jährlich in Deutschland zwischen 100 und 300 Menschen an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), obwohl ein gut wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht. Bei Reisen in gefährdete Gebiete und Wandern durch Felder und Wälder ist eine rechtzeitige Schutzimpfung   dringend zu empfehlen!

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