Myxomatose (Kaninchenpest)

Einleitung | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Einleitung

Seit 1952 breitet sich diese Viruserkrankung von Frankreich her über Europa aus. Ein besonders hoher Infektionsdruck herrscht vor allem in Gebieten mit hohem Wildkaninchenbestand, wo auch die Verluste durch erkrankte Tiere besonders hoch ausfallen. Die Myxomatose   oder "Kaninchenpest" wird durch ein Pockenvirus verursacht und tritt vor allem im Frühjahr und Sommer auf.

Die Infektion   endet in den meisten Fällen mit dem Tod des Kaninchens!

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Erreger

Myxomatose ErregerBeim Erreger der Myxomatose handelt es sich um ein Pockenvirus, das zur Familie der Kaninchenpocken gehört. Das Leporipoxvirus myxomatosis ist wirtsspezifisch, was bedeutet, dass es nur Kaninchen infizieren kann. Unter dem Elektronenmikroskop wirkt dieses Virus   wie ein ovales Päckchen. Die Viren   der Pockenfamilie wurden ausgiebig studiert, da sie zu den größten Viren zählen und gerade noch im Lichtmikroskop als Elementarteilchen (sehr klein) sichtbar sind.

Myxomatose Erreger GrafikDie Anatomie des Virus kann in einer vereinfachten Grafik (links) betrachtet werden. Der Innenkörper (core) verfügt über eine bikonkave Form und wird von einer Membran   und Hüllenproteinen umgeben. Im Inneren verbirgt sich ein linearer DNA  -Strang, der die Erbinformation des Virus enthält. Verschiedene Enzyme  , wie RNS  -Polymerase, Ribonuklease und ATP   (Adenosin-Triphosphat) befinden sich im core. Die Außenhülle enhält spezielle Strukturen, damit das Viris an die Wirtszelle andocken kann. Leporipoxviren sind onkogene Viren. Das heißt, dass sie die Fähigkeit besitzen, Krebs auszulösen.

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Übertragung

Myxomatose StechmückeWenn die Temperaturen wieder etwas freundlicher werden und der Sommer naht, kommen viele Kaninchenbesitzer auf die Idee, ihren Schützlingen etwas Gutes zu tun und sie ungeschützt ins Freie zu setzen. An sich ist dieses Unterfangen eine gute Sache, da die kleinen Kerle das frische Gras und die freundlichen Sonnenstrahlen richtig genießen. Dort lauern aber im Gras die Stechmücke und der Kaninchenfloh, die das Virus von Wildkaninchen übertragen können.

Myxomatose Kalender


Von Ende April bis Anfang Juni treten vereinzelt Krankheitsfälle auf. Diese erreichen ihren Gipfel in den Monaten Juli und August und flauen dann zum Winter hin ab (siehe Diagramm). Es können schlimme Seuchenzüge entstehen, die 40 - 99 % der Wildkaninchen befallen. Davon überleben etwa 40 % die Infektion und gehen in eine chronische   Form der Erkrankung   über. Unsere Zucht- und Zierkaninchen sind dem Virus gegenüber ziemlich empfindlich und können durch Stechinsekten (Mücken oder Flöhe), die sich im frisch geschnittenen Gras versteckt halten und in die Wohnung eingeschleppt werden, infiziert werden. In Insekten kann das Virus mehrere Monate überleben und schafft es somit, von einem im Vorjahr infizierten Tier in ein im Frühjahr gestochenes Tier zu gelangen und dieses erkranken zu lassen. Zutrauliche Wildkaninchen sollten nicht angefasst werden, denn sie könnten potentielle Virusträger sein!

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Krankheit

Myxomatose Symptome KaninchenaugeDie Krankheitssymptome beginnen nach 3 - 5 Tagen (Inkubationszeit) nach denen das Virus sich eingenistet hat.


Akute   agressive Form:

Myxomatose Symptome OhrDie Augenlider entzünden sich und werden gerötet, sie schwellen an und fangen an zu tränen. Später wird dann Eiter abgesondert, so dass sie verkleben und das Tier erblindet. Die Nase, Mund, Ohren und Genitalien schwellen an. In der Endphase verweigern die Tiere die Futter- und Wasseraufnahme. Vor allem auf den Ohren sind deutlich knotige Veränderungen der Haut und Unterhaut zu sehen. Die agressive Form der Myxomatose führt bei etwa 80 - 90 % der erkrankten Kaninchen zum Tode.

Mildere chronische Form:

Myxomatose Symptome milde FormDie schweren Entzündungen und Schwellungen bleiben aus, statt dessen bilden sich pockenartige Knötchen an Lippen, Ohren, Augenrändern und am Genitalbereich. Diese können Sie links auf der Abbildung erkennen. Sollten Sie dennoch Schwierigkeiten haben, bewegen Sie bitte den Mauszeiger auf die Abbildung. Durch orange Pfeile werden die pockenartigen Veränderungen angezeigt. Achten Sie bitte auf die geschwollene Nase, welche durch den hellblauen Pfeil angezeigt wird.

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Diagnose

Die Diagnose kann nur der Tierarzt   / die Tierärztin vornehmen. Oft sind die klinischen Symptome   schon ausreichend aussagekräftig. In einigen Fällen muss aber ein Abstrich oder eine Gewebeprobe für die Diagnosefindung genommen werden.

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Therapie

Obwohl bei der milderen Form in vielen Fällen eine Selbstheilung auftreten kann, handelt es sich um eine tödliche und ansteckende Erkrankung. Es kann vom Haustierarzt eine symtomatische Behandlung   versucht werden; diese kann aber durchaus scheitern. Bei der akuten agressiven Form mit Schleimhautschwellung ist die Behandlung des betroffenen Tieres hoffnungslos.

Auf jeden Fall ist von einer Behandlung der an Myxomatose erkrankten Tiere aus seuchenhygienischer Sicht abzuraten!

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Prophylaxe   / Vorbeugung

Myxomatose HauskaninchenEine Vorbeugung kann durch regelmäßige Entwurmung unterstützt werden. Fliegengitter verhindern das Eindringen von Stechmücken und durch kurzes Einfrieren (24 Std. bei -18°C) des Grünfutters kann das Einschleppen von Stechinsekten vermieden werden.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist jedoch die Impfung gesunder Tiere, vor allem in gefährdeten Gebieten. Aber auch in Städten und Dörfern mit Grünanlagen tummeln sich freilebende wilde Kaninchen, die dem Myxomatoseerreger als potentielles Reservoir    dienen. Die Impfung muss alle vier bis sechs Monate aufgefrischt werden!

In einigen Fällen kann durch eine Impfung eine leichte Erkrankung mit Knötchen auftreten, die nach dem Abheilen Narben hinterlassen können. Die Impfung ist trotz alledem der beste Schutz, um sein Kaninchen vor dieser tödlichen Krankheit zu schützen.

 

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