Tollwut - Rabies - Lyssa

Allgemeines | Erreger   | Reservoir   | Erkrankung   | Verbreitung | Schutz

Allgemeines

Die Tollwut   ist eine tödliche Infektionskrankheit, die durch ein Rhabdovirus verursacht wird.

Das Virus   befällt alle Säugetiere, einschließlich des Menschen, nach dem Biss durch ein infiziertes Tier.

Alle wildlebenden Tiere, die ihre Scheu vor dem Menschen verloren haben, gelten als tollwutverdächtig und sollten weder angefasst noch aufgenommen werden!

nach oben

Erreger

Tollwut ErregerLinks im Bild das Modell eines Rhabdovirus (Tollwuterreger), beachten Sie die typische Geschossform. Die äußere Hülle besteht aus kleinsten Eiweißteilchen mit kleinen "Häarchen", die dem Virus behilflich sind, in eine Nervenzelle einzudringen. Der Kern besteht aus einem RNA  -Strang, dem Erbgut des Tollwutvirus, das der Fortpflanzung dient.

Tollwut ElektronenmikroDurch Kontakt mit dem Speichel eines infizierten Tieres, durch einen Biss oder einer Hautwunde, gelangt das Virus in den Körper des Tieres oder eines Menschen. Das Virus dringt in einen Nervenstrang ein und wandert über diesen in das Gehirn   des erkrankten Säugers. Je weiter die Eintrittspforte vom Gehirn entfernt ist, desto länger dauert es bis zur Entwicklung klinischer Symptome  . Auch in den Speicheldrüsen pflanzt sich das Virus fort, so dass bei einem Anfall "rasender Wut" eines infizierten Säugetieres ein anderes gebissen werden kann und dieses so mit dem Virus angesteckt wird. Nach Erreichen des Gehirnes geht die Fortpflanzung des Virus sehr schnell voran, es verursacht eine Gehirnentzündung, die den Tod des Tieres zur Folge hat.

nach oben

Reservoir

Als Virusreservoir galt in Europa und Kanada der Hund als wichtigster Vertreter, aber im Laufe der Zeit hat sich das Virus an den Fuchs angepasst. Als wichtigste Vertreter in den USA gelten das Stinktier und der Waschbär, in Mittel- und Lateinamerika blutleckende Fledermäuse, in Mittel- und Südafrika die gelbe Manguste und in Asien der Hund.

Pflanzenfresser, wie Kühe, Kaninchen oder Pferde  , aber auch Feldmäuse, Marder und Maulwürfe sind eher Opfer denn Träger der Tollwut.

nach oben

Erkrankung

Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Infektion   und Ausbruch der Symptome) der Tollwut ist verhältnismäßig lang. Sie beträgt im allgemeinen einige Wochen bis mehrere Monate (Extremwerte von fünf Tagen bis zu mehreren Jahren wurden beobachtet) in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen Gehirn und dem Eintrittsort sowie der Menge an Viren  , die in den Organismus   gelangt sind.

Erkrankung beim Menschen

An der Bissstelle kommt es zunächt einmal zu den üblichen Anzeichen einer Verletzung  , wie örtlichen Schmerzen, Juckreiz und Kribbeln. Später kommen starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber hinzu. Mit Fortschreiten der Krankheit   wird eine allgemeine Unruhe mit verstärkten Reflexen, Muskelkrämpfen und Schluckbeschwerden durch Rachen- und Kehlkopflähmungen, bekannt als Hydrophobie  , beobachtet. Im Endstadium stirbt der Patient nach 2 - 6 Tagen durch Lähmung der Atemmuskulatur.

Erkrankung beim Tier

Die Tollwut ist auch für den Fachmann schwer erkennbar und daher von anderen Krankheiten   oftmals kaum zu unterscheiden. So kann hier nicht auf irgendwelche Symptome eingegangen werden. Bei einem entsprechenden Verdacht muss ein Tierarzt   zur Unterstützung herangezogen werden.

1. Rasende Form:

Ist die bekannteste Form der Tollwut, bei der die Tiere sehr aggressiv sind und leicht Personen verletzen können. Besonders gefährlich sind Katzen, die zum Beispiel beim Spielen von einen Kind gereizt werden, und in der Folge einen Anfall der "rasenden Form" der Tollwut bekommen und sich wehren. Durch einen Hautkratzer im Gesicht kann das Kind dann mit dem Tollwutvirus infiziert werden (Katzen schlagen ins Gesicht, das bedeutet einen kurzen Weg für das Virus bis zum Gehirn).

2. Paralytische Form:

Bei dieser Form der Tollwut erscheinen Tiere oft hilflos, da Lähmungen aufgetreten sind; eine Person kann so ein Tier aufsammeln, um Hilfe zu leisten, wird dann aber von dem Tier verletzt und so mit dem Tollwutvirus angesteckt.

Tollwut HirnzellenDiagnose  :

Virusnachweis im Gehirn verdächtiger Tiere oder im Speichel infizierter Personen mittels Immunfluoreszenzverfahren oder Nachweis von Negri-Körperchen im Ammonshorn (Gehirn) bei infizierten Tieren, siehe Abbildung links.

Wenn ein Tollwutverdacht bei einem Tier ausgesprochen wird, kann die Tötung eines verdächtigen und ungeimpften Tieres angeordnet werden, da der eindeutige Nachweis nur im Gehirn anhand der Negri-Körperchen oder durch den direkten Virusnachweis erbracht werden kann.

Um so eine Situation zu vermeiden, impfen Sie Ihr Tier regelmäßig!

nach oben

Verbreitung

Die Verbreitung des Virus ist weltweit. Nur wenige Länder, bei denen eine natürliche geographische Barriere existiert (Insel, hohe Bergketten oder strikte Einfuhrbeschränkungen), können das Virus in seiner Ausbreitung behindern. Als tollwutfrei gelten Australien, Chile, Großbritannien, Irland, Japan, Neuguinea, Neuseeland, Norwegen, Schweden und Taiwan. Um in Europa eine Ausbreitung der Tollwut zu verhindern, werden Füchse mit einem Spezialimpfstoff, der in Fleischködern ausgelegt wird, vorbeugend behandelt, verdächtige Tiere werden vom Forstpersonal geschossen und der amtstierärztlichen Untersuchung zum Virusnachweis zugeführt. Tollwutfälle oder Fälle mit berechtigtem Verdacht müssen der Behörde gemeldet werden. Diese wacht über die Ausbreitung des Virus und leitet, wenn notwendig, die entsprechenden Schritte ein. Es wird zwischen der silvatischen Form bei wildlebenden Tieren und der urbanen Form in Städten, die besonders gefährlich ist, unterschieden. Bei der urbanen Form, die vor allen noch in Asien und Südamerika existiert, werden Menschen mit dem Tollwutvirus durch Hundebisse infiziert. Im Jahre 1985 verstarben weltweit 56 Menschen pro Tag an der Tollwut, im Jahr 2000 waren es nur noch 14 Menschen. Der Grund für diesen Erfolg sind intensive Impf- und Vorsorgekampagnen, die weltweit durchgeführt wurden.

Tollwut Karte Fälle in Europa kleinTollwutfälle in Europa - Karte 2006

Tollwutfälle in Europa - aktuelle Daten

 

nach oben

Prophylaxe  

Die Schutzimpfung   ist heutzutage sicher. Sie wurde erheblich verbessert und ist sehr wirksam!

Im Jahre 1879 veröffentlichte Prof. Bertier an der tiermedizinischen Fakultät in Lyon, Frankreich, einen Impfstoff gegen die Tollwut. Am 6. Juli 1885 setzte der französische Bakteriologe Pasteur diesen Impfstoff erstmals mit Erfolg beim Menschen ein und rettete damit dem kleinen Jungen Joseph Meißner das Leben.

Schutzimpfung beim Menschen: Die Impfung erfolgt am Tag 0, 7 und 28, eine vierte Impfung findet nach 12 Monaten statt, danach besteht Schutz für drei bis fünf Jahre. Die Schutzrate beträgt 100 %. Die Impfung ist gut verträglich, denn die Zeiten der sehr schmerzhaften Injektionen in die Bauchdecke, die zusätzlich auch schlecht verträglich waren, sind in Europa Gott sei Dank Vergangenheit. Die Schutzimpfung wird auch für Personen empfohlen, die viel reisen.

Therapeutische Impfung: Da das Virus verhältnismäßig langsam zum Gehirn wandert, wo es sich vermehrt, kann eine Schutzimpfung auch nach einer Infektion erfolgen. Durch die gute Verträglichkeit der modernen Impfstoffe können sogar Frauen während der Schwangerschaft geschützt werden.

Schutzimpfung beim Tier: Es können alle Säugetiere geimpft werden. Vor allem Hunde müssen geimpft werden, aber auch Katzen und Weidetiere, wie Pferde und Kühe, sind nicht zu vergessen; auch Kleinsäuger, wie beispielsweise Kaninchen, die draußen gehalten werden oder zur Futteraufnahme auf dem Grundstück herumhoppeln. Die Schutzimpfung unserer Tiere ist jährlich aufzufrischen, sie kann von jedem niedergelassenen Tierarzt durchgeführt werden. Bei Reisen mit Tieren in tollwutfreie Länder gelten besondere Vorschriften, bitte informieren Sie sich rechtzeitig vor Reisebeginn. Sie können auch unseren Reiseratgeber (Ratgeber-Urlaub) verwenden.

Die Wiederholung/Auffrischung der Tollwut-Schutzimpfung in Deutschland bedarf einer jährlichen Wiederholung. In der Schweiz beträgt das Intervall zwischen zwei Tollwut-Schutzimpfungen beim Hund drei Jahre und bei der Katze zwei Jahre.

nach oben

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

×

Benötigen Sie eine zweite Meinung? –
Oder möchten Sie einen Tierarzt sprechen?

0900-1-8437362**

**Telefon Sofort-Hilfe. Täglich von 10:00 - 19:00 Uhr für 1,99 €/Minute (Mobilfunkpreise können abweichen).

Weitere Informationen