Flohbandwurm / Gurkenkernbandwurm

Allgemeines | Morphologie   | Entwicklung | Infektion   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Dipyliidos Gurkenkern großCestoden   (Bandwürmer) der Familie der Dipyliidae sind weltweit verbreitet. Zu dieser Familie gehören drei Gattungen: Dipylidium, Diplopylidium und Joyeuxiella. Die weiteste Verbreitung findet dabei Dipylidium caninum und Dipylidium sexcoronatum. Bei Hunden und Katzen sind in Deutschland etwa 4,5 % dieser Tierarten betroffen, in Österreich 5,8 %, in der Schweiz 12 % und in Spanien 21 %. Die Ausbreitung wird enorm gesteigert, indem Eipakete von den Dipylidien freigesetzt werden, die dann von Flöhen gefressen werden. Primärwirte, wie Hunde, Katzen und Menschen, werden mit diesen Bandwürmern infiziert, wenn sie versehentlich einen Floh verschlucken.

Das durch Würmer der Familie der Dipyliidae verursachte Krankheitsbild wird als Dipylidose bezeichnet.

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Morphologie

Dipylidium-SkolexDipylidium-Proglotod


Der Erreger   ist ein Bandwurm, der zwischen 13 und 80 cm lang ist. Die Breite liegt bei etwa 2 - 4 mm. Das Kopfstück (Skolex) verfügt über vier Saugnäpfe. Das Rostellum (Hakenkrone) besitzt 3 - 5 Reihen mit Haken. Die graviden (trächtigen) Proglotiden haben eine Kürbiskern- bis Gurkenkernform. Aus diesem Grund wird der Wurm auch als "Gurkenkernbandwurm" bezeichnet. Ein Wurm verfügt über 20 bis 130 Proglotide. Dabei besitzt jedes Proglotid einen doppelten Satz an Geschlechtsorganen, mit jeweils zwei seitlich angelegten Geschlechtsöffnungen. Aus der Gebärmutter werden Eipakete mit durchschnittlich 20 Eiern ausgetrieben. In jedem Ei befindet sich eine Onkosphäre, die von einer sehr dünnen Eihaut umgeben ist. Der Embryo   verfügt bereits über einige Haken.

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Entwicklungszyklus

Dipylidium-Zyklus

Dipilidium-Skolex blau

1: Hunde und Katzen beherbergen häufig mehrere Exemplare dieses Wurmes. Der Bandwurm bevölkert dabei den Dünndarm, heftet sich mit dem Skolex (Kopfstück) an der Darmschleimhaut an. Dabei kommt es nur zu geringen Verletzungen und lokalen Entzündungen. Dipylidium caninum nimmtNahrung über seine Körperwand auf. Dies kann beim Wirt zu wechselndem Appetit und gelegentlichen Durchfällen führen.


Dipylidium-Proglotod2: Die reifen Proglotiden werden mit dem Kot über den Darm ausgeschieden. Einige der Proglotiden schieben sich aus dem Darm und verursachen dadurch eine Reizung am After ihres Wirtes, so dass Katze oder Hund durch das sogenannte "Schlittenfahren" versucht, die Proglotiden aus der Perianalgegend abzustreifen. Die Proglotiden, die vertrocknen und aus dem Fell fallen, sehen dann aus wie kleine Reiskörner! Durch Lecken können Proglotide auch verschluckt werden.


Dipylidium-Ei3: Nach der Zerstörung der Gebärmutterwand werden die Eipakete in die Umgebung freigesetzt. Die Eipakete enthalten zwischen 2 bis 38 Eier, aus denen die Onkosphären freigesetzt werden.
Die Eipakete lassen sich leicht mit Hilfe des Flotationsverfahrens im Kot nachweisen und sind charakteristisch für die Bandwürmer dieser Familie der Dipyliidae.


Dipylidium-Flohlarve4: Die zarten Eier werden von Flohlarven gefressen und entwickeln sich in diesem Zwischenwirt weiter. Dabei durchdringen die Onkosphären die Darmwand und siedeln sich in der Körperhöhle der Flohlarve an.


Dipylidium-Floh5: Die Onkosphären passen sich sehr gut an die Entwicklung der Flöhe an. Ihre Entwicklung ist hauptsächlich von der Umgebungstemperatur abhängig. Sie sind erst infektiös, wenn aus der Larve   - nach Verpuppung - der Imago geschlüpft ist (siehe Flohzyklus). Als Zwischenwirte dienen Hundefloh, Katzenfloh, Menschenfloh und auch Haarlinge.


Dipylidium-Cysticercoid6: Infektiöse Zystizerkoide entwickeln sich in den Flöhen innerhalb von 9 - 19 Tagen bei Temperaturen von 30 - 2°C. Pro Floh ist etwa mit 8 - 12 Zystizerkoiden zu rechnen, die freigesetzt werden, nachdem der Floh von Hund und Katze verschluckt wurde.


Dipylidium-Kind7: Der Mensch wird nur selten befallen. Geschieht es dennoch, sind hauptsächlich Kinder betroffen. Krankheitssymptome werden in den meisten Fällen nicht beobachtet.


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Infektion

Die Infektion erfolgt nach Aufnahme (Verschlucken) eines Zwischenwirtes (Flohs), der infektiöse Zystizerkoide enthält. Durch die Zersetzung des Flohs im Verdauungstrakt des Endwirtes (Hund, Katze, Mensch) werden die Zystizerkoide freigesetzt. Pro Floh können etwa 8 - 12 Zystizerkoide freigesetzt werden. Jede dieser Larven kann sich zu einem ausgewachsenen Bandwurm, zum Beispiel Dipylidium caninum, entwickeln.
In den meisten Fällen verläuft die Infektion ohne sichtbare Symptome  . Diese treten meist erst bei massivem Befall auf. Durch den Platzmangel und die erhöhte Produktion von Ausscheidungsprodukten wird der Darm gereizt, was zu Durchfällen führen kann.
Über den Kot werden die Eibeutel ausgeschieden und von Flohlarven (dem Zwischenwirt) gefressen. Die freigesetzten Onkosphären durchdringen die Darmwand und siedeln sich in der Körperhöhle der Flohlarve an. Hier entstehen zwischen 8 - 12 Zystizerkoide, die nach Verschlucken im Hauptwirt freigesetzt werden.

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Diagnose

Eine Beobachtung durch den Tierhalter- sowohl von den Liegeplätzen als auch vom Fell und Afterbereich - kann häufig Hinweise für den Wurmbefall liefern.

Dipylidium-Getrocknete ProglotidenDipylidium-after-katzeDipilidium-frisches Proglotid


Dipylidium-Eier-MikroDer Tierarzt   kann verhältnismäßig leicht die Diagnose aus dem Kot stellen. Hierzu kann im eigenen Labor das Flotationsverfahren eingesetzt werden. Dabei wird der Kot mit einer Lösung von hoher spezifischer Dichte versetzt. Die Wurmeier sind leichter und beginnen, an die Oberfläche zu schwimmen. Hier können sie nun abgeschöpft und mit der Hilfe eines Labormikroskops identifiziert werden. Bei geringem Wurmbefall kann eine Kotprobe unter Umständen negativ ausfallen. Deshalb ist es ratsam, eine Kotsammelprobe, die über drei Tage zusammengestellt wurde, zur Untersuchung zu bringen. Es müssen an jedem Tag nur kleine Kotmengen in einem Röhrchen gesammelt werden. Die Menge sollte zusammen nicht mehr als 10 Gramm fäkales Material ergeben. Es können auch spezielle Tests durchgeführt werden, doch die Standardmethode ist einfach und sehr effektiv.

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Therapie

Die Behandlung   des Endwirtes Hund und Katze ist einfach. Das Mittel der Wahl ist Praziquantel. Diese Bandwurmkur ist sehr effektiv, wird gut vertragen, und es bedarf nur einer Einzelanwendung. Da durch eine rege Flohpopulation in der Umgebung eine Reinfektion sehr wahrscheinlich ist, muss die Behandlung mehrfach im Abstand von drei Wochen wiederholt werden, bei gleichzeitiger konsequenter Flohbehandlung.

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Vorbeugung - Prophylaxe  

Eine regelmäßige Entwurmung und konsequente Flohprophylaxe (siehe > Flöhe) können den Befall durch Parasiten   der Familie Dipyliidae vermeiden und einer Dipylidose vorbeugen.

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