Taenien - Bandwürmer -> Taeniosen

Allgemeines | Morphologie   | Entwicklung | Infektion   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Die Familie der Bandwürmer (Taenien) verursachen Erkrankungen, die als Taeniose   bezeichnet werden. Sie befallen in erster Linie Säugetiere, können aber einen Zyklus   durch ein Insekt oder Spinnentier durchlaufen. Als Hauptwirt kommen für diese Wurmart überwiegend die Fleischfresser infrage, wie Haushunde und Katzen. Des Weiteren sind freilebende Fleischfresser, z. B. Fuchs, Wolf, Luchs etc. sowie gelegentlich Menschen, beliebte Endwirte.
Zwischenwirte sind meist herbivore (pflanzenfressende) Säugetiere, wie z. B. Rinder  , Schafe, Ziegen, oder Allesfresser (Omnivoren), wie Schweine  , da diese wiederum von den Fleischfressern (Carnivoren) verwertet werden. Als Zwischenwirt kommt der Mensch selten vor, er ist eher als Fehlwirt zu betrachten, in den sich die Finne gelegentlich verirrt. Diese Gruppe der Bandwürmer verfügt über eine große Anzahl von Mitgliedern, auf die hier aber nicht im Einzelnen eingegangen wird. Stellvertretend seien hier die Zyklen von Taenia saginata (Rinderbandwurm) und Taenia solium (Schweinebandwurm) detailliert dargestellt, andere nur angerissen. Vertreter, die von besonderer Bedeutung für den Menschen sind, erhalten eine eigene Abhandlung in einer eigenen Rubrik. Dennoch soll ein allgemeiner Einblick in die Welt der global verbreiteten Bandwürmer gegeben werden.

nach oben

Morphologie der Bandwürmer

Taenien SkolexDer Anfang des Bandwurmes wird durch den Skolex (Kopfbereich) des Parasiten   gebildet. Hier unterscheiden wir das Rostellum = Hakenkrone, die für gewöhnlich aus zwei Reihen an Haken besteht, und die vier Saugnäpfe, die charakteristisch für diese Art Bandwurm sind und ihm seine Anhaftung und sicheren Halt an der Darmwand des Wirtes erlauben. Der Kopf ist der kleinste Bereich des Wurmes. Aus seiner Halsregion entwickeln sich die Proglotiden = Wurmabschnitte, die je nach Reifegrad in ihrer Größe variieren können. Die Produktion der Proglotiden liegt durchschnittlich zwischen 2 - 6 pro Tag. Sie enthalten die Geschlechtsorgane, die nach abgeschlossener Reifung zwischen 15.000 bis 100.000 Eier enthalten können.

Taenien tenia-solium-morph

Proglotid von Taenia solium vor der Kopulation   (Geschlechtsakt) mit leerer Gebärmutter.
1. Genitalpore
2. Ausscheidungskanal
3. Hoden   (Testis)
4. Eierstöcke   (Ovaria  )
5. Dotterdrüse
6. Gebärmutter (Uterus  )
7. Scheide (Vagina  ) mit Samenleiter

nach oben

Entwicklungs-Zyklus

 

Taenien-Zyklus

A: Normaler parasitärer Zyklus

Teanien Tsolium-Ei-einzeln

1. Eier oder trächtige Proglotiden werden mit dem Kot ausgeschieden und warten im Gras auf den Wirt.


Teanien Schwein2. Rinder (Taenia saginata; Sa) und Schweine (Taenia solium; So) werden durch die Aufnahme von durch Eier oder Proglotiden verseuchte Futterpflanzen infiziert.


Teanien rupture-liboncophere3. Im Zwischenwirt (Rind, Schwein) angelangt, platzt das Ei auf und setzt die Onkosphären (Larvenstadium) frei. Diese durchdringen die Darmwand und wandern über die Blutgefäße in Leber, Muskeln etc.


Teanien Tenia-sol-cysticercoid-total4. An ihrem Bestimmungsort angekommen, entwickelt sich die Onkosphäre nun zur Metazestode (Finne) oder dem Cysticercus. Dieser reift im Gewebe   und wartet geduldig auf einen Endwirt.


Taenien Mensch 15. Durch die Aufnahme von rohem Rinder- oder Schweinefleisch kann ein Fleischfresser (auch der Mensch) den Cysticercus verschlucken, der dann in seinen Darm den Skolex ausstülpt und sich in der Darmwand verankert.


Taenien scolex-Tsolium6. Im Darm wächst der Bandwurm schnell heran. Durch das reichhaltige Nahrungsangebot wird er geschlechtsreif. Nach dem Geschlechtsakt reifen 35.000 bis 150.000 Eier in der Gebärmutter der Proglotiden.


Taenien Muskeln7. Die trächtigen Proglotiden können sich durch Muskelkontraktionen fortbewegen. So können sie den Wirt über den After verlassen und im saftigen Gras bis zu drei Tage überleben, um verschluckt zu werden.


Taenien - Mensch8. Das Verschlucken der Onkosphären durch den Endwirt, z. B. Fleischfresser (auch Menschen), kann gelegentlich zur Fehlentwicklung von Metazestoden im Endwirt führen. Die Finnen siedeln sich dann häufig im Unterhaut- und Muskelgewebe an. Die versehentliche Einnistung in Auge oder Gehirn   kann zu schweren Störungen führen.


Zwischen den einzelnen Taenia-Arten bestehen enge Gemeinsamkeiten in der Epidemiologie (wissenschaftliche Disziplin, bei der die Auswirkung von Krankheiten   auf tierische und menschliche Bevölkerungsgruppen analysiert wird), doch in Abhängigkeit von den jeweiligen End- und Zwischenwirten auch erhebliche Unterschiede. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Arten finden Sie im Anschluss.

Familie Taeniidae

  • Taenia saginata - Rinderbandwurm des Menschen (Endwirt) - Cysticercose beim Rind (Zwischenwirt)
  • Taenia solium - Schweinebandwurm des Menschen (Endwirt), Erreger   der Cysticercose beim Schwein (Zwischenwirt) durch Cysticercus cellulosae
  • Taenia hydatigena (Cysticercus tenuicollis) (Endwirt: Hund, Fuchs, andere Fleischfresser, Zwischenwirt: Schwein, Rind, Schaf)
  • Taenia multiceps (Endwirt: Hund, Fuchs, andere Fleischfresser, Zwischenwirt: Rind, Schaf) Cysticercus-Finne = Coenurus cerebralis, die Wasserblase kann im Gehirn des befallenen Tieres maximal die Größe eines Hühnereis erreichen. Die Finne verursacht die Zönurose, die zur "Drehwurmkrankheit" führen kann.
  • Taenia ovis (Endwirt - Bandwurm: Hund, Fuchs, andere Fleischfresser, Zwischenwirt - Finne: Schaf, Ziege - Cysticercus ovis)
  • Taenia taeniaeformis (Endwirt: Katze, Fuchs, andere Fleischfresser)

Zwischenwirt: Nager - Finne: Cysticercus fasciolaris in der Leber von z. B. Ratten.

  • Taenia pisiformis (Endwirt: Hund, Fuchs, andere Fleischfresser, Zwischenwirt: Hase, Kaninchen)
  • Taenia serialis (Endwirt: Fuchs, Hund und Katze, Endwirt: Wildkaninchen, Hase und Nagetiere)
  • Echinococcus (Hunde- und Fuchsbandwurm) Hauptwirt: Fleischfresser, Zwischenwirt: z. B. Mensch, zystische Echinokokkose - Alveoläre Echinokokkose)
  • Taenia crassiceps (ähnl. Echinokokkose, ist selten)

nach oben

Infektion

Taenien Skolex des CysticercusTaenien teniaformis-skolexDie häufigste Infektionsquelle für den Menschen stellt der Verzehr des rohen Fleisches der Zwischenwirte dar. Beispielsweise rohes Rinder- oder Schweinefleisch auf einem Mettbrötchen. Durch Verschlucken der Metazestoden (Finnen), die sich in rohem, also unbehandeltem Fleisch befinden, kann sich der Bandwurm entwickeln. Die Metazestoden werden durch die Verdauungssäfte des Endwirtes aus ihrem Schlaf geweckt. Die Finnen  stülpen nach ihrer Freisetzung den Skolex aus der Finnenblase in das Darmlumen (Darminnenraum) aus. Mit Hilfe des Rostellum (Hakenkranz) und der vier Saugnäpfe verankert sich der Wurm in der Darmschleimhaut. Dieser Skolex ernährt sich von dem im Verdauungssaft befindlichen Nährstoffen und wächst so langsam zu einem langen Bandwurm heran. Ein ausgewachsenes, geschlechtsreifes Exemplar kann eine Länge von 15 bis 250 cm erreichen. Sind mehrere Würmer im Darm vorhanden, kann eine geschlechtliche Fortpflanzung stattfinden. Die Würmer verfügen aber über beide Geschlechter, sie sind also Hemaphroditen (Zwitter  ) und können sich selbst befruchten. Nach der Befruchtung reifen die Eier im Uterus eines jeden Proglotids. Die reifen Proglotiden scheiden nur selten die Eier innerhalb des Darmes aus; sie werden mit dem Kot an die Umgebung abgegeben. Nach ihrer Freisetzung sind die Proglotiden beweglich und können aus dem Kot in das umliegende Gras wandern, damit sie von einem Zwischenwirt (in unserem Beispiel Rind oder Schwein) gefressen werden können. Ein schwacher bis mittlerer Bandwurmbefall führt in der Regel nicht zu Beschwerden, die von Bedeutung sind.
Die vom Zwischenwirt aufgenommenen Eier oder Proglotiden setzen die Onkosphäre frei, die den Embryo   des Bandwurms enthält. Die Onkosphäre dringt in die Darmwand ein und wird mit dem Blut über die Pfortader zur Leber transportiert, wo die Finnen oder Metazestoden im Gewebe reifen und auf den Endwirt warten. Die Onkosphäre kann aber auch andere Gewebe über die Blutbahn erreichen und sich beispielsweise in Gekröse, Lunge, Muskulatur, Gehirn oder Auge festsetzen. Die unterschiedlichen Finnen der Bandwürmer verfügen dabei über eine besondere Affinität für bestimmte Gewebe, so beispielsweise der Coenurus cerebralis für das Gehirn, dessen Metazestode der Taenia multiceps die Zönurose bei Schafen, Ziegen und Rindern auslöst.

Taenien Sanitised-TapewormDie Selbstinfektion des Menschen (Autoinfektion) kann durch Verschlucken trächtiger Proglotiden oder Eier erfolgen, vor allem wenn während des Schlafes im Afterbereich gekratzt wird und unter den Nägeln Eier oder Teile von Proglotiden in den Mund oder mit Nahrung in den Mund geschleust werden. Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurde vor allem unter übergewichtigen Damen das "Schlucken von Bandwürmern" eine geläufige Praxis. Jeder, der es sich leisten konnte, hatte seinen Bandwurm als "Haustier im Körper"! Es wurden gereinigte Bandwurmproglotide (sanitized tapeworms) im Glas angeboten, die leicht zu schlucken waren und keine krankmachenden Effekte haben sollten. Die Anwendung der Bandwürmer versprach der Werbung nach einen schlanken Körper, ohne dass dabei auf eine übermäßige Nahrungsaufnahme verzichtet werden musste oder gar lästige sportliche Aktivitäten vonnöten waren. Als Beweis haben wir das Plakat von 1920 für Sie im Internet entdeckt.

Gegen diese Therapie spricht, dass Probleme bei einem Fehlzyklus des Bandwurmes auftreten können. Dies geschieht, wenn im Endwirt die Onkosphäre aus dem Ei freigesetzt wird und sich der Cysticercus im Gehirn, Auge oder anderen wichtigen Organ ansiedelt und zu Störungen führt!

nach oben

Diagnose

Taenien-DiagnostikDie Diagnose kann schon durch Beobachtung von Proglotiden im Kot oder Perianalbereich des erkrankten Tieres gestellt werden. Der Tierarzt   kann im Kot Eier nachweisen, jedoch nur, wenn diese auch in ausreichender Menge ausgeschieden werden. Häufig werden die Proglotiden ausgeschieden und können durch herkömmliche Verfahren nicht einfach nachgewiesen werden. In spezialisierten Laboratorien können mit einer PCR   (Polymerase-Kettenreaktion/genetischer Fingerabdruck) die meisten Bandwürmer nachgewiesen werden. Die Metazestoden werden während der Fleischbeschau auf Schlachthöfen von Tierärzten nachgewiesen. Auch die PCR kann zum Nachweis der Metazestoden im Fleisch Anwendung finden.

nach oben

Therapie

Die Behandlung   des Endwirtes ist verhältnismäßig einfach mit dem Wirkstoff Praziquantel. Dieser steht in verschiedenen pharmazeutischen Zubereitungen zur Anwendung beim erkrankten Tier oder Menschen bereit. Tabletten sind einfach beim Hund und Menschen einzusetzen, der Wirkstoff hat eine gute Wirksamkeit. Für Katzen, bei denen sich die Tabletteneingabe schwierig gestaltet, steht ein Spot-On-Präparat zur Verfügung, das durch Aufträufeln in den Hautbereich des Nackens Anwendung findet. Wichtig ist, dass ein behandeltes Tier nicht durch Familienmitglieder nach dem Aufbringen des Medikamentes   im Nackenbereich während der nächsten 24 Stunden gestreichelt wird, da sonst die Dosis reduziert und die Wirksamkeit fraglich wird. In einigen Fällen ist der Einsatz einer Praziquantellösung in Form einer Injektion notwendig. Nachteilig ist, dass die Anwendung nur durch den Tierarzt erfolgen kann.
Die Behandlung von Tieren, die durch Bandwürmer erkrankt sind, muss wiederholt werden und sollte durch den Tierarzt überwacht werden.
Die Behandlung der Metazestoden (Finnen) ist schwierig. Bei entsprechenden Beschwerden muss in diesen Fällen der Cysticercus chirurgisch entfernt werden.

nach oben

Vorbeugung

Taenien MettbroetchenVerzicht auf rohes, unbehandeltes Fleisch. Wenn das Fleisch roh verzehrt werden soll, muss es zuvor tiefgefroren werden, so dass im Kern (Zentrum) eine Temperatur von -18°C erreicht und über 72 Stunden konstant gehalten wird. Die Kristallbildung im gefrorenen Fleisch führt zum Tod der Metazestoden (Finnen). Haustiere sollten in regelmäßigen Abständen entwurmt werden und kein rohes Fleisch als Futter erhalten.

nach oben

×

Benötigen Sie eine zweite Meinung? –
Oder möchten Sie einen Tierarzt sprechen?

0900-1-8437362**

**Telefon Sofort-Hilfe. Täglich von 10:00 - 19:00 Uhr für 1,99 €/Minute (Mobilfunkpreise können abweichen).

Weitere Informationen