Zwergbandwurm

Allgemeines | Morphologie   | Entwicklung | Infektion   | Symptome   |Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Cestoden   der Gattung Hymenolepis finden eine weltweite Verbreitung sowohl in den gemäßigten Klimazonen als auch in den Tropen. Der wohl wichtigste Vertreter ist Hymenolepis nana var. fraterna, der vor allem Nagetiere, z. B. Ratten, Mäuse, Hamster, Chinchillas, Degus, und auch den Menschen befallen kann. Eine besonders hohe Durchseuchungsrate kann in den wärmeren Regionen des Mittelmeerraumes, vor allem in Ägypten und Nordafrika, verzeichnet werden. Durch Urlaubsreisende können diese Würmer leicht eingeschleppt werden. Eine amerikanische Studie belegt, dass Ratten, die aus amerikanischen Zoohandlungen stammten, zu etwa 1/3 mit diesem Bandwurm befallen waren. Hymenolepis diminuta gehört auch zu den Zwergbandwürmern, die als Hauptwirt Ratten und Mäuse befallen und somit als "Rattenbandwurm" im Volksmund bezeichnet werden. Eine Infektion des Menschen mit Hymenolepis diminuta ist in wenigen seltenen Fällen beschrieben worden. Ein äußerst seltener Vertreter dieser Gattung ist Hymenolepis grisea, der vorzugsweise Fledermäuse befällt.

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Morphologie

Zwergbandwurm Hymenolepsis-nana-Georgia-DivisionDie Zwergbandwürmer messen nur eine Länge von wenigen Zentimetern. Im Fall von Hymenolepis nana ist dies der kleinste beim Menschen vorkommende Bandwurm. Das Kopfende wird als Skolex bezeichnet und verfügt über vier Saugnäpfe und einen Hakenkranz, dem Rostellum. Wie bei anderen Cestoden sind diese Bandwürmer Zwitter   und verfügen somit über beide Geschlechter. Die Eier reifen in den Körpersegmenten des Wurmes. Diese sind, je nach Reifegrad der Eier, in kleinere oder größere Segmente (Proglotide) unterteilt. Ihre prominenten großen Abschnitte mit reifen Eiern können deutlich von den unreifen unterschieden werden. Durch die Abtrennung vom Wurm gelangen die Eier in die Umgebung. Die Halsregion produziert fortwährend neue Proglotide, die dem Reifungsprozess und der Eibildung (Fortpflanzung) unterliegen.

Zwergbandwurm unreife EierZwergbandwurm-Proglotide, reif


Zwergbandwurm diminuta reifZwergbandwurm Hymenolepis-nana-proglot2Zwergbandwurm Hymenolepis-nana. Genitalpore


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Entwicklungs-Zyklus  

Zwergbandwurm-Zyklus


Zwergbandwurm Hymenolepis-nana-Ei-tab

1: Das embryonierte Ei wird mit dem Kot ausgeschieden und in die Umgebung freigesetzt. Die Eier sind sofort infektiös und können bis zu zehn Tage in der Umgebung überleben.


Zwergbandwurm Reismehlkaefer2: Die Eier werden von Arthropoden (Gliederfüßern) aufgenommen, die als Zwischenwirt dienen. Die häufigsten Zwischenwirte sind Käfer, aber auch Flöhe können gelegentlich diesem Zweck dienen.


Zwergbandwurm Maus mit Käse3: Nager, beispielsweise Mäuse, Ratten, Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen, können durch die Aufnahme von Insekten, die mit dem Cysticercus (Finne) des Zwergbandwurmes befallen sind, infiziert werden. Auch Futter oder Lebensmittel, die durch Wurmeier verschmutzt sind, können zur Infektion mit dem Bandwurm führen.


Zwergbandwurm Mutter4: Menschen, vor allem Kinder, die einen engen Kontakt zu erkrankten Tieren haben, können sich infizieren.
Auch Lebensmittel und Wasser, das von Ratten oder Mäusen verschmutzt wurde, kann zur Aufnahme von Wurmeiern (Onkosphären) und Larven (Cysticercoiden) führen, die dann zu parasitärem Befall mit dem Zwergbandwurm Hymenolepis nana führen kann.


Zwergbandwurm cysticercus free5: Aus der Onkosphäre schlüpft der Cysticercoid, der sich in den Darmzotten zum Bandwurm entwickelt.


Zwergbandwurm Solecs6: Der Zwergbandwurm verankert sich in der Schleimhaut des Dünndarmes mit der Hilfe der Widerhaken seines Rostellums. Die vier Saugnäpfe sorgen für einen sicheren Halt im Darm.


Zwergbandwurm Wurm7: Der reife Bandwurm ernährt sich im Dünndarm von den in dem Verdauungsbrei enthaltenen Nährstoffen. Im Endbereich des Wurmes befinden sich die graviden (trächtigen) Abschnitte.


Zwergbandwurm Proglotid8: Die reifen Eier können durch die Genitalöffnung (Atrium   genitale) abgesondert und mit dem Kot ausgeschieden werden oder durch Abtrennung der reifen Proglotiden an die Umgebung, zur Infektion eines neuen Wirtes, abgesondert werden.


Zwergbandwurm Hymenolepis-nana-Ei-tab9: Eine Selbstinfektion des Menschen kann durch das Verschlucken reifer Eier erfolgen, aus denen der Embryo   schlüpft, um sich in den Zotten des Dünndarmes einzunisten.

 


 

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Infektionsweg

Insekten, die durch die Bandwurmeier von Hymenolepis infiziert werden, nehmen diese durch Manipulation und Verschlucken von Nagerexkrementen auf. Die Larve   macht den Käfer unfruchtbar. So muss dieser keine Energie für die Fortpflanzung vergeuden und kann die Wurmlarven optimal bei deren Entwicklung unterstützen. Nager infizieren sich überwiegend durch den Verzehr von wurmbefallenen Insekten. Beim Menschen ist der Infektionsweg üblicherweise über die Aufnahme von Lebensmitteln und Wasser, die durch Nagerexkremente verunreinigt wurden. Eine Selbstinfektion ist durch embryonierte Eier, die im Darm verblieben sind, möglich.

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Infektion - Krankheitssymptome

In den meisten Fällen ist der Krankheitsverlauf frei von jeglichen Krankheitsanzeichen. In schweren Fällen kann ein massiver Befall zu einer Apathie   der Erkrankten (Tier und Mensch) mit Nahrungsaufnahme-Unlust wegen Bauchproblemen (Krämpfe und Gasbildung) sowie zu Flüssigkeitsverlust durch verminderte Wasseraufnahme und somit zur Austrocknung (Dehydration) führen.

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Diagnose

Zwergbandwurm-Ei normalDie Diagnose kann durch koproparasitäre Verfahren in einem parasitologisch orientierten Labor durchgeführt werden. Eine Verwechslung mit Hefezellen, wie es im Internet oft behauptet wird, halte ich für unwahrscheinlich, denn im Normarski-Differential-Interferenzverfahren und im Phasenkontrastmikroskop sind die Hakenanlagen bereits zu erkennen. Bei einem hochgradigen Befall können Proglotide oder Bandwurmanteile bei der Untersuchung des Kotes erkannt werden.

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Therapie

Die Behandlung   kann recht erfolgreich mit einer Einzeldosis Praziquantel durchgeführt werden. Jedoch muss die Dosis höher angesetzt werden als es für die meisten Bandwürmer üblich ist. Eine Wiederholung der Behandlung sollte dann 3 - 4 Mal im Abstand von 14 Tagen stattfinden, um Reinfektionen vorzubeugen.

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Vorbeugung

Gute hygienische Verhältnisse bei der Käfigsäuberung und bei dem Umgang mit Tieren ist von größter Bedeutung.

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