Toxocarose - Spulwürmer

Allgemeines | Morphologie   | Entwicklung | Infektion   | Klinik   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Toxocara-imglass1Spulwürmer sind weit verbreitet und kommen bei Haussäugetieren und beim Menschen vor. Die wichtigsten Vertreter sind Toxocara vitulosum (Rind), Parascaris equorum (Pferd, Esel, Zebra), Ascaris suum (Schwein, Wildschwein), Toxocara canis, T. mystax und Baylisascaris procyonis -> Zoonose   (Hund, Wolf, Fuchs, [Mensch]), Toxocara leonina (Katze, Fuchs) und Ascaris lumbricoides (Mensch). In diesem Artikel werden wir die Problematik dieses Wurmes etwas detaillierter ausführen, um dem interessierten Leser die Wichtigkeit einer regelmäßigen Wurm-Prophylaxe   näherzubringen.


Morphologie

Ascaridia SpulwurmDie morphologischen Gegebenheiten sollen an Toxocara des Hundes erläutert werden. Das Männchen erreicht eine Länge von 10-12 cm, während das Weibchen größer ist, etwa 12-18 cm. Der Saugmund besteht aus drei kräftigen Lippen. Am Hals im Bereich der Speiseröhre befinden sich dünne Lamellen. Es sind die Zervikalflügel, die auf der Abbildung gut sichtbar sind. Die Außenhaut (Cuticula) ist recht kräftig (siehe Abbildung vom Querschnitt) und schützt den Wurm vor den aggressiven Verdauungssäften des Wirts. Die grobe Querstreifung der Cuticula kann am Längsschnitt des Wurmes beobachtet werden.


Toxocara WMIm Leib des weiblichen Wurms ist eine große Anzahl von Eiern in der Gebärmutter sichtbar. Im mittleren Bereich um die Gebärmutter sind die Eierstöcke erkennbar. Beim Männchen sind die Hoden   stark ausgebildet, mittig befindet sich das Reservoir   zur Samenreifung. Der kräftige Verdauungskanal nimmt einen nicht so großen Teil der Leibeshöhle ein. Es kann leicht erkannt werden, dass diese Parasiten   ausschließlich auf die Fortpflanzung spezialisiert sind und somit die Erhaltung der Art sichern. Die schlauchartige Struktur des Wurms, deretwegen diese Parasitengruppe ihren Namen, Schlauchwürmer, erhielt, kann im Querschnitt gut gesehen werden.


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Entwicklungszyklus von Toxocara canis

Toxocara Zyklus

Ascaridia Spulwurm Dünndarmspulwurmbefall1. Im Darm des Wirtes findet die Begattung zwischen der männlichen und weiblichen Toxocara statt. Die Eier werden mit dem Kot, ohne dass eine Teilung stattgefunden hat, in die Umgebung abgesetzt.


toxocara 1Toxocara 2Toxocara 32. In der Umgebung entwickeln sich die Eier bei Temperaturen zwischen 10 - 35° C. Nach einer Vielzahl an Zellteilungen entsteht die Larve   L1, die sich im Ei zur Larve L2 häutet.


Toxocara LarveToxocara Larve 23. Nach 2 - 7 Wochen in der Umgebung ist das Ei infektiös und kann nun durch einen Fleischfresser, z. B. Hund, verschluckt werden. Auch sog. Fehlwirte wie Schwein, Schaf, Mensch können das Ei verschlucken.


Toxocara HundToxocara Kind im Sand4.  Die Larve L3 schlüpft erst im Darm aus dem Ei. Dies geschieht bei Hunden und Katzen, die älter als fünf Wochen sind. Kleinkinder können sich leicht beim Spielen im Sand infizieren, wenn dieser durch Kot verunreinigt wurde.


Toxocara Larve freiToxocara Leber klein5. Die freigesetzte Larve durchbohrt die Darmwand und dringt in den Blutstrom ein. Sie wandert in Organe und Muskulatur des Wirtes, um sich dort während einer Entwicklungspause (Hypobiose  ) einzunisten.


6. Im Darm beginnen einige Larven, sich zu häuten und wandern über das Blut zu den Organen, wie Lunge und Leber.


Toxocara Somatische W6a. Somatische Wanderung: Nach kurzem Aufenthalt im Organ wandern die Larven über den Brust- und Bauchraum  , wo sie in die Kapillargefäße eindringen und mit dem Blutstrom (hämatonene Streuung) ihr Zielgebiet erreichen, um sich dort einzukapseln.


Toxocara Lunge6b. Die gehäuteten Larven wandern über das Blut zur Lunge. Nun findet bei abwehrschwachen Tieren, z. B. Welpen, eine Wanderung über die Bronchien zur Luftröhre statt. Durch Husten werden die Larven in den Rachen geschleudert und dann in den Darm abgeschluckt.


Toxocaralarve-frei 26c. Häutung Larve L3 zur L4 im Darm - direkte Infektion neuer Wirte aus dem Darm, unter Umgehung der Reifung in der Umgebung.


7. Trachealer Wanderweg der Larven.


Toxocara Larve freiToxocara WM8. Im Darm wieder eingetroffen, findet die letzte Häutung statt. Nun wachsen die Nematoden und werden geschlechtsreif, um den Zyklus   zu vervollständigen.


Toxocara Golden-Retriever-mit-Jungen-kleinWährend der Trächtigkeit werden die in Hypobiose befindlichen Larven durch den hormonellen Wechsel am 42. Tag reaktiviert. Die Larven wandern in den Darm des Muttertiers, in die Milchdrüsen und können die Plazenta   (Mutterkuchen) überwinden, um die Nachkommen zu infizieren.


Toxocara Larve frei10. Während des Säugens werden Larven mit der Muttermilch ausgeschieden und infizieren kontinuierlich die Welpen.


Toxocara Welpen10. -(3, 6c)- Beim Putzen der Welpen kann sich die Mutter erneut infizieren. Die Welpen können durch Verschlucken der Eier, in denen sich die Larve L3 entwickelt hat oder ausgeschiedene Larven L4, reinfiziert werden.

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Infektion

Die Infektion findet durch Verschlucken der in der Umwelt befindlichen Eier oder während der Fellpflege eines infizierten Tieres statt. Nach Verschlucken der larvenhaltigen Eier wird die Larve L3 dann im Darm freigesetzt. Die Larve dringt in die Darmwand ein, worauf sich unterschiedliche Larvenwanderungen einstellen können.

Trachealer Wanderweg:

Nachdem die Häutung in der Darmwand nach 1 - 2 Tagen abgeschlossen ist, wandern die Larven zur Leber und Lunge. Nach acht Tagen Ruhe wandern die Larven beim Jungtier und bei abwehrgeschwächten alten Tieren in die oberen Atemwege ein, um mit dem ausgehusteten Sputum (Auswurf aus der Lunge) den Verdauungstrakt und schließlich den Darm zu erreichen. Nach durchschnittlich 28 - 39 Tagen sind die Larven zum geschlechtsreifen Wurm herangewachsen. Ein kleiner Teil der Larven dringt aber auch in den Blutstrom des Tieres ein, mit dessen Hilfe die Larven andere Organe im Körper des Wirttieres erreichen und befallen.

Somatische Wanderung:

Die Larven verlassen die Organe, in die sie eingewandert sind, und dringen im Fall der Lungen in die Brusthöhle (Pleurahöhle) und im Fall der Leber in die Bauchhöhle (Peritonealhöhle) ein. Über die feinen Kapillargefäße (Haargefäße) kehren die Larven in den Blutstrom zurück. Durch eine massive Streuung über die Blutbahnen (hämatogen) wandern sie vorzugsweise in den Kapillarbereich der quergestreiften Muskeln, wo sie von Kapseln oder geschwürigem Entzündungsgewebe (Granulomen) eingeschlossen werden und in Hypobiose übergehen. Beim Menschen kann es zur Fehlansiedelung in der Netzhaut oder im Gehirn   kommen, was Störungen der Funktionen in den Organen nach sich ziehen kann. Die eingekapselten Larven sind auf diese Weise mehrere Jahre überlebensfähig.

Pränatale Infektion:

Die im Mutterleib befindlichen Larven werden ab etwa dem 42. Tag der Trächtigkeit durch die hormonellen Veränderungen aus ihrem hypobiotischen Zustand geweckt und aktiviert. Sie dringen in die Blutbahn ein und überqueren die Blutschranke der Plazenta (Mutterkuchen), so dass sie selbst noch eine Woche vor der Geburt   der Welpen diese infizieren. In den Föten reisen sie über die Blutbahn zur Leber. Nur wenige Larven wandern in die Muskulatur, Lungen, Nieren und das Gehirn. Die Weiterwanderung in Lunge und Darm erfolgt unmittelbar nach der Geburt. Durch den langen Überlebenszeitraum der Larven in der Muskulatur des Muttertieres, können mehrere Würfe infiziert werden. Durch das Sauberlecken der Welpen nach der Geburt und während des Säugens kommt es zur Reinfektion des Muttertieres mit den aus dem Darm ausgeschiedenen Larven L4.

Transmammäre Infektion:

Die durch die hormonelle Umstellung im Muttertier aktivierten Larven wandern in die Brustdrüse ein und werden mit der Milch   an die saugenden Welpen übertragen (laktogene Infektion). Die Larvenauscheidung über die Milch erfolgt wenige Tage nach der Geburt der Welpen und hält üblicherweise 2 - 3 Wochen an, in einigen Fällen über den gesamten Zeitraum der Stillzeit.

Wanderung in paratenischen Wirten:

In nicht spezifischen Wirten, wie Kleinsäugern (z. B. Ratten, Mäuse), aber auch dem Mensch, kommt es zunächst zur somatischen Wanderung und anschließend zur Einwanderung in die Muskulatur und des ZNS   (zentrales Nervensystem). Nach Verzehr befallener Wirtstiere durch wildlebende Caniden (Wölfe, Dingos etc.) kann es zur Infektion der Beutegreifer kommen.

 

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Klinik

Toxocara WurmkotzHund Wurmbefall KleinHundDie Erkrankung   verläuft in den meisten Fällen symptomlos. Es kann zu Erbrechen kommen und gelegentlich können Würmer im Erbrochenen enthalten sein. Schleimig-blutiger Durchfall ist keine Seltenheit. Große Ansammlungen von Würmern können zur Verstopfung führen. Auch ein wechselnder Verlauf zwischen Durchfall und Verstopfung ist möglich. Vor allem Welpen können einen aufgeblähten, schmerzempfindlichen Bauch haben. Der Wurmbefall führt zu Abmagerung, Entwicklungsstörungen, schlechtem Haarkleid und kann - bei starkem Befall - eine Blutarmut (Anämie) zur Folge haben, die vor allem bei Welpen nicht selten Ursache für eine hohe Sterblichkeit der Jungtiere sein kann. Bei massivem Befall können, durch die Leber- und Lungenwanderung der Larven, Schäden in diesen Organen, die Krankheiten   wie Leberzirrhose oder eine Lungenentzündung als Folgeerkrankung nach sich ziehen können, auftreten.

Toxocara Somatische WDer Mensch ist eher als Zufallswirt oder, genauer gesagt, als paratenischer Wirt   zu betrachten. Nach der somatischen Wanderung der Larven kommt es zur Einnistung in der quergestreiften Muskulatur. Einige der Larven wandern jedoch in wichtige Organe ein, wie beispielweise die Netzhaut der Augen, wo Granulome als Antwort auf die Entzündungsreaktion gebildet werden, die zur Erblindung oder zur Beeinträchtigung der Sehfähigkeit führen können. Das Einwandern der Larven in das zentrale Nervensystem kann zu Epilepsie   und Störungen in der Koordination von Bewegungsabläufen (Motorik) der betroffenen Person führen. Besonders soll auf Baylisascaris procyonis hingewiesen werden, der Waschbären parasitisiert und immer häufiger auch bei Hunden nachgewiesen wird. Seine Larva   migrans visceralis ist besonders wanderfreudig!

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Diagnose

Die Diagnose im Hunde- oder Katzenkot kann verhältnismäßig leicht vom Tierarzt   mit Hilfe der Flotationsmethode gestellt werden.

toxocara 1Toxocara baylisascaris

Toxocara Ascaris-lumb-ei


Der Tierarzt oder Arzt kann die Eier unter dem Mikroskop nachweisen. Die Eier sind als kugelige Gebilde von 75 - 90 µm Durchmesser mit dicker Schale im Mikroskop sichtbar. Mit Hilfe von genetischen Markern kann mit der PCR   (Polymerasekettenreaktion  ) eine genauere Diagnose gestellt werden. Bei Erkrankungen, die durch die Larvenwanderung mit anschließender Granulom- oder Zystenbildung einhergehen, ist die Diagnose schwierig.

Diagnose post mortem:

Ascaridia Spulwurm DünndarmspulwurmbefallBei vielen Tieren wird die Diagnose erst nach dem Tode gestellt, wenn vom Pathologen eine Sektion des Tierkörpers durchgeführt wird. Dabei können gelegentlich massive Spulwurm-Ansammlungen im Dünndarm dargestellt werden. Die Granulome und Zysten  , die durch die Einkapselung der Larven entstehen, können in diesem Stadium gut nachgewiesen werden.

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Therapie

Zur Behandlung   von Spulwurmbefall bei Mensch und Tier stehen verschiedene Medikamente  , sogenannte Anthelminthika, zur Verfügung. Gut wirksam sind Pyrantel-Verbindungen, die sich wegen der guten Verträglichkeit vor allem zur Behandlung von Welpen anbieten. Die meisten Anthelminthika sind aber nur gegen Parasiten im Darm wirksam. Wird eine Behandlung durchgeführt, sollte diese jedoch über 3 - 5 Tage erfolgen. Bei Welpen, die von der Mutter gesäugt werden, ist ab der 2. Woche eine Entwurmung angezeigt. Diese kann mit 4, 6, 8, 12 und 16 Wochen wiederholt werden, da die Tiere sich immer wieder anstecken können. Reinfektionen können durch die in der Umgebung befindliche Larve L4 und die reifen Eiern des Parasiten stattfinden. Bei älteren Tieren sollte zwischen den Impfterminen eine Entwurmung durchgeführt werden. Zur eigenen Sicherheit und zum Schutz der Familie sind regelmäßige Entwurmungen in vierteljährlichen Abständen mit wechselnden Anthelminthika zu empfehlen.

Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt und bei welchem Tier einzusetzen sind, kann nur die Tierärztin/der Tierarzt entscheiden.

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Vorbeugung oder Prophylaxe

Da Welpen ab dem 21 Tag nach der Geburt infektiöse Eier ausscheiden können, ist eine Behandlung im Alter von 2 Wochen als Erstbehandlung durchaus sinnvoll. Hierdurch werden die im Darm befindlichen Würmer vor der Geschlechtsreife abgetötet und der Zyklus an dieser Stelle unterbrochen. Durch das im Abschnitt "Therapie" aufgezeigte Behandlungsschema werden auch die mit der Milch ausgeschiedenen (galaktogenen) Larvenstadien erfasst, jedoch nicht sicher vermieden. Trächtige Hündinen sollten ab dem 40. Tag der Trächtigkeit eine Behandlung mit einem Anthelminthikum erhalten. Diese Therapie zeigt jedoch keinen Erfolg bei Wanderlarven. Heutzutage sind erfolgreiche Behandlungen gegen die Wanderlarven möglich, aber teuer. Sie lohnen sich wohl nur für Züchter mit großen Tierbeständen.

Besonders wichtig ist die Spulwurmprophylaxe, da in jüngster Zeit in Deutschland auch Waschbären heimisch sind, die aus den USA eingeführt wurden. Mit ihnen wurde Baylisascaris procyonis eingeschleppt, der gelegentlich in Hundekot nachgewiesen werden kann. Auf diese Spulwurmart ist - im Hinblick auf die Gefährdung von Mensch und Tier - eine besondere Aufmerksamkeit zu richten, da dieser Parasit   die recht aggressive Larva migrans visceralis ausbildet.

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