Zecken


Allgemein | Morphologie   | Entwicklung | Infektion   | Diagnose   | Therapie   | Profilaxe

Allgemeines:

Zecken sind Gliederfüßer (Arthropodia), die zur Klasse der Spinnentiere gehören. Zecken sind die größten Milbentiere des Tierreiches. Sie haben sich an eine parasitäre Lebensweise angepasst, um sich vom Blut warmblütiger Tiere, wie Säugetiere und Vögel, aber auch von Reptilienblut zu ernähern. Durch ihren Stich können während des Saugens gefährliche Krankheiten  , wie beispielsweise Borreliose  , FSME  , Piroplasmose etc. auf den Menschen oder einen anderen Wirt übertragen werden. Zecken sind weltweit verbreitet. Nach Region und Zeckenart können unterschiedliche Krankheitserreger   von der Zecke auf unterschiedliche Säugetiere, Vögel und Reptilien   übertragen werden. Durch in Bernstein eingeschlossene Zeckenfunde kann man heute mit Sicherheit sagen, dass diese Tiere schon seit über 50 Millionen Jahre ihr Unwesen treiben. Es sind rund 800 Zeckenarten bekannt.

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Morphologie

Zecken gehören zu den Spinnentieren; dies wird durch die acht Beine deutlich, die für diese Klasse charakteristisch sind. Sie verfügen über eine lederartige, dehnbare Außenhaut. Besonders das Weibchen ist auf diese Dehneigenschaft der Haut angewiesen, da sie zwischen 3.000 und 5.000 Eier produziert und in sich trägt.

Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock, Schildzecke)

Ixodes ricinus, männlichIxodes ricinus, weiblich


Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die in Europa am weitesten verbreitete Zeckenart. Er erreicht eine Größe von 2,5 bis 4,5 mm. Dabei sind die Männchen im Allgemeinen deutlich kleiner als die weiblichen Tiere. Der Name Ixodes ricinus hat seinen Ursprung in dem Erscheinungsbild der nicht vollgesogenen Zecke, die dann dem Samenkorn einer Rizinuspflanze ähnelt. Die Zecke ist weltweit verbreitet und kann gefährliche Krankheiten wie die Borreliose, Anaplasmose und FSME auf Mensch und Tier, vor allem den Hund, übertragen.

Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke)

Rhipicephalus sanguineus, männlichRhipicephalus-sanguineus,-adult,-weiblich


Diese Zeckenart kommt überwiegend in südlichen Ländern vor, ist jedoch bereits in Süddeutschland auf dem Vormarsch. Sie überträgt vor allem Babesien (Hundemalaria) und Ehrlichien.

Dermacentor reticulatus (Auwald Zecke, Buntzecke)

Dermacentor reticulatus, männlichDermacentor-reticulatus,-adult,-weiblich


Diese Zeckenart ist aus Italien, Österreich und osteuropäischen Ländern, wie z. B. Ungarn und Süd-Polen, nach Deutschland eingeführt worden. Ursprünglich in den Mooren der Auenwälder heimisch, ist dieser Blutsauger durch Klimawandel und Reiseverkehr nun auch in Deutschland anzutreffen. Selbst im Norden, z. B. Hamburger Umgebung, können diese Zecken die häufig tödlich verlaufende Babesiose (Hundemalaria) übertragen. Das große Problem mit dieser Zeckenart ist, dass ihr Lebenszyklus nur ein Jahr dauert ( vergl. Holzbock: 2 - 3 Jahre), was die Ausbreitung dieser Zecke ungemein beschleunigt und damit einhergehend die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Ein weiteres Problem dieser Zeckenart ist, dass sie auch Borreliosebakterien und FSME-Viren   aufnehmen und verbreiten kann.

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Entwicklungs- und Infektionszyklus:

Zecken-zyklus

1 - Kopulation  

Das geschlechtsreife Männchen, das wesentlich kleiner als das Weibchen ist, kriecht unter das Weibchen und heftet sich zur Begattung an ihren Unterleib.

2 - Eiablage

Zecken EiablageNach der Paarung haben die Weibchen einen regelrechten Heißhunger auf Blut. Dabei können einige Arten bis zum 100-fachen ihrer eigentlichen Körpergröße anschwellen. Diese Blutmengen werden für die Produktion von Eiern benötigt. Ein Zeckenweibchen legt zwischen 2.000 - 20.000 Eier in ein Gelege. Das Weibchen überzieht die Eier mit einer Schutzschicht gegen Austrocknung. Das Gelege wird in das Laub der Umgebung abgelegt, dort schlüpfen dann auch die Larven.

3 - Schlüpfen der Larven

Zecken LarveDie Larve   schlüpft aus dem von einer weiblichen Zecke gelegten Ei, dabei hat sie eine Größe von kaum 0,5 Millimeter. Die Larve verfügt im Gegensatz zu einer adulten (ausgewachsenen) Zecke nur über sechs Beine.


4 - Infektion Kleinsäuger

Damit die Larve sich entwickeln kann, benötigt sie eine Blutmahlzeit. Diese erhält sie von Maus, Igel oder einem anderen Kleinsäuger. Beim Menschen sind sie eher im Ausnahmefall zu finden. Kinder werden dann bevorzugt gebissen, da deren Haut dünn und weich ist, und die noch nicht vollständig entwickelten Stechwerkzeuge der Zeckenlarve in diese besser eindringen können. Nach einer mehrwöchigen Pause häutet sich die Larve zur Nymphe  .

5 - Häutung zur Nymphe

ZeckennympheDie Nymphen sind etwa 1 mm groß, haben wie die adulten Zecken acht Beine und sind geschlechtslos. Sie besitzen eine gepanzerte Außenhülle und verbringen freilebend zunächst eine gewisse Zeit, bevor sie ihre erste Blutmahlzeit zu sich nehmen.


6 - Infektion Wild oder Haustiere

Für die erste Blutmahlzeit werden Kleinsäuger, wie Mäuse, Eichhörnchen, Igel bevorzugt; aber auch Füchse sind gern gewählte Opfer. Im Nymphenstadium ist die Population der Zecken am größten, Haustiere und Menschen werden in diesem Stadium von ihnen befallen.

7 - Häutung zur adulten Zecke

Nach der zweiten Blutmahlzeit häutet sich die Nymphe und entwickelt sich zur adulten, geschlechtsreifen Zecke.

8a - Infektion durch Larve

Bereits die jungen Larven können gefährliche Infektionserreger auf den Menschen übertragen, Infektionen   sind jedoch selten.

8b - Infektion durch Nymphe

Selbst vor Großsäugern macht die Nymphe nicht Halt.

8c - Infektion nach Lauerstellung

Die ausgewachsene Zecke lauert auf Gräsern oder Büschen ihrem Wirt auf. Wanderer mit Hunden sind dann eine willkommene "Beute".

8d - Infektion nach Kopulation

Zu diesem Zeitpunkt hat vor allem das Weibchen einen Heißhunger auf Blut.

9 - Erreichen der Geschlechtsreife

Rhipicephalus sanguineus, männlichIxodes ricinus, weiblichDie geschlechtsreifen Zecken unterscheiden sich nun durch ihre Größe. Der gemeine Holzbock erreicht - in nicht vollgesogenem Zustand - eine Größe von 2 - 4 mm; dabei sind die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Rückenschild, der beim Männchen den gesamten Rücken bedeckt, beim Weibchen nur ein Drittel bis zur Hälfte des Hinterleibes. Somit kann die weibliche Zecke sehr große Blutmengen aufnehmen und sich bis zum 100-fachen ihrer ursprünglichen Größe dehnen, wobei sich ihr Gewicht um das 200-fache erhöhen kann. Die Weibchen befallen dann vorzugsweise größere Säuger, wie Hirsche und Rehe, aber auch Hunde, Katzen und natürlich auch Menschen.


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Infektion

Zecke lauertDie hungrige Zecke lauert auf Sträuchern und Gräsern auf ihre Beute. Dabei streckt sie die Vorderbeine aus, an denen sich die Hallerschen Organe und zahlreiche Tasthaare befinden und wedelt mit diesen durch die Luft. Die Hallerschen Organe ermitteln Körperausdünstungen der Wirte, wie beispielsweise Ammoniak, Milchsäure und vor allem Buttersäure, die im Schweiß enthalten sind, aber auch das Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft. Die Tasthaare ermitteln Wärme und Bewegungen der potentiellen Opfer. Auch Lichtreize und Vibrationen können den Appetit der Zecke wecken. Wenn das Mischungsverhältnis stimmt, verlässt die Zecke ihr Versteck, um den auserkorenen Wirt anzuspringen. Das richtige bzw. falsche Mischungverhältnis der verschiedenen von der Zecke registrierten Ausdünstungen und Reize eines potentiellen Wirtes ist der Grund, warum einige Menschen und Tiere gar nicht oder nur äußerst selten von Zecken attackiert werden. Nach Erreichen des Wirtes wandert die Zecke manchmal über Stunden auf dem Wirt umher, um eine geeignete Stelle zum Saugen zu finden. Dabei sucht sie bevorzugt nach feuchten und warmen Bereichen, wo die Haut dünn und gut durchblutet ist. So findet man Zecken häufig im Bereich der Ohren, Augen, Nase, Innenschenkel und Achselhöhlen. Bei der ersten Blutmahlzeit im Larvenstadium können diese Zecken sich bereits bei einer Maus oder anderen Kleinsäugern mit gefährlichen Krankheitserregern infiziert haben. Diese können dann in der Zecke lange Zeit infektiös bleiben und nun von der Zecke während einer erneuten Blutmahlzeit mit ihrem Speichel auf einen gesunden Wirt übertragen werden.

Zecken RüsselDie Mundwerkzeuge (Proboscis) der Zecken bestehen aus einer Lanze (Cheliceren), die in die Haut eingeschoben wird und durch Widerhaken den Halt der Zecke sichert. Somit kann ein alter Aberglaube widerlegt werden, wonach es beim Rausdrehen einer Zecke von wesentlicher Bedeutung sein soll, in welche Richtung gedreht wird, ob im Uhrzeigersinn oder entgegengesetzt. Das Beißwerkzeug der Zecke hat kein Gewinde! Das nach dem Biss austretende Blut oder die Lymphe   werden von der Zecke aufgeleckt. Der Speichel der Zecke verhindert dabei die Blutgerinnung und somit das Verstopfen ihres Saugrüssels. Der Speichel enthält ein örtliches Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Ein mit dem Speichel in die Bisswunde eingebrachter entzündungshemmender Stoff unterdrückt gleichzeitig das Abwehrsystem des Wirtes an der Einstichstelle, sodass die Zecke sich ungestört über Stunden an dem austretenden Blut laben kann. Dabei kann das gemeine Holzbockweibchen eine Größe von bis zu 3 cm erreichen. Während des Saugaktes produzieren Zecken nach 10 bis 30 Minuten eine Art Klebstoff, mit dem sich der Parasit   an seinen Wirt förmlich anzementiert. Der Name des gemeinen Holzbocks Ixodes ist abgeleitet vom lateinischen Wort "ixos", welches für Mistel steht. Die Römer verwendeten diese Pflanze, um daraus Klebstoff zu gewinnen.

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Diagnose

Zecken OhrrandDie Diagnose ist einfach und kann vom Laien ohne große Vorkenntnisse gestellt werden. Dennoch können Verwechselungen mit Warzen  , gestielten Talkzysten und Tumoren auftreten. Werden diese vom Tierhalter einem Versuch der Entfernung unterzogen, kann das schmerzhafte Folgen für das Tier nach sich ziehen.

(Bei einem Igel hatte ein Halter durch Drehen versucht, Zecken zu entfernen. Wir mussten den Tierhalter jedoch darüber aufklären, dass es sich bei diesen vermeintlichen "Zecken" nicht um Parasiten  , sondern um die Brustwarzen des Igels handelte, die an dieser Stelle ihre natürliche Lokalisation haben.)

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Therapie

Zur Entfernung von Zecken sind die unterschiedlichsten Werkzeuge entwickelt worden. Einige sind besser geeignet als andere.

Die richtige Entfernung einer Zecke

Am besten entfernt man die Zecke, in dem man sie möglichst tief unten am Kopf mit einer feinen Pinzette packt, - dabei aber bitte nicht den Leib quetscht - und durch langsames und gefühlvolles Ziehen die Zecke entfernt. Nach dem Entfernen sollte die Zecke zerquetscht werden, da das hungrige Tier durchaus noch auf die Jagd gehen kann und dabei nicht selten ein menschliches Opfer nicht verschmäht.

Zecken-ExWie auf der Abbildung deutlich zu sehen, besitzen Zecken kein Gewinde, sondern lediglich Widerhaken. Beim Herausdrehen mit einer Zeckenzange spielt die Drehrichtung also keine Rolle. Eine weiteres sog. Ammenmärchen, das sich leider in vielen Köpfen von Tierhaltern festgesetzt hat, ist, dass zum Entfernen einer Zecke Klebstoff, Benzin, Nagellack oder Öl auf den Hinterleib gestrichen werden soll. Dies ist vollkommen falsch, da die Zecke in ihrem Todeskampf vor allem die Infektionserreger in die Wunde erbrechen würde.
Instrumente zur Entfernung von Zecken erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt   oder Ihrer Apotheke.

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Prophylaxe  - Vorbeugung

Einen sicheren Schutz vor Zecken gibt es weder für Menschen noch für Tiere!

Beim Menschen

  1. In entsprechenden Zeckengebieten vermeiden Sie den Aufenthalt im Gras und Unterholz.
  2. Tragen Sie eine lange Hose und Oberbekleidung mit langen Ärmeln.
  3. Ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine.
  4. Tragen Sie helle Kleidungsstücke, so können die Zecken darauf leichter erkannt und möglicherweise vor dem Biss entfernt werden.
  5. Verwenden Sie insektenabweisende Mittel, die sogenannten Repellentien  .
  6. Suchen Sie Ihre gesamte Körperoberfläche nach Zecken ab, nachdem sie sich im Freien aufgehalten haben.

Beim Tier

vor allem beim Hund, da dieser leicht an Borreliose, Ehrlichose, Babesiose, Anaplasmose, FSME etc. erkranken kann:

  1. Wenden Sie regelmäßig vorbeugend ein geeignetes insektenabweisendes Mittel, ein sogenanntes Repellent  , bei Ihrem Tier (Hund oder Katze) an. Die Auswahl für Hunde ist deutlich größer als für Katzen. Ihr Tierarzt wird Sie in dieser Frage gerne und sachkundig beraten.
  2. Nach einem Spaziergang im Freien sollten Sie Ihr Tier immer absuchen, um die Quälgeister möglichst frühzeitig zu entdecken und zu entfernen.
  3. Eine Impfung gegen die Borelliose ist für Tiere zugelassen und kann von Ihrem Tierarzt auf Verlangen durchgeführt werden. Sie sollten sich erkundigen, vor allem auch, wann der geeignete Zeitraum für eine Impfung ist.

Nichtsdestotrotz sind beim Tier vor allem die insektenabweisenden Mittel von großer Bedeutung, da im dichten Fell Zecken schlecht auszumachen sind. Auch sagt der durch die Repellentien erzeugte Geruch eines potentiellen Wirtes den Zecken meist erst gar nicht zu, sodass es weder zu einer Zeckenattacke oder gar zu einem Biss kommt. Eine häufige Fehlannahme besagt, dass, wenn eine Zecke rechtzeitig entfernt wird, es nicht zu einer Infektion mit Krankheitserregern kommen kann. Das ist falsch. Dies gilt nur, wenn die Zecke nicht zum Stich kommt.

Eine Zeckenprophylaxe ist insoweit sinnvoll, wie Zeckenpopulationen proportional durch Klimawandel und Reiselust deutlich ansteigen, wobei auch häufig gefährliche Infektionskrankheiten mit "im Gepäck" sind, die dann von den heimischen Zecken aufgenommen werden und eine unkontrollierte Verbreitung erfahren könnten. Dieser Trend zeichnet sich nach Untersuchungen der Firma Baxter schon jetzt ab. So ist eine signifikante Zunahme der Infektionen beim Menschen durch Zeckenbisse zu beobachten.

Grafische Darstellung der Übertragung von Infektionen durch Zecken auf den Menschen

Zecken-Tabelle

Quelle: Baxter Deutschland

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