  II.- Organische Substanzen
a.) Kohlenhydrate oder Zucker
Zu den Kohlenhydraten zählen kurzkettige Zucker (z.B. Glukose), langkettige Zucker wie beispielsweise Stärke (z.B. Mais- oder Weizenmehl) und extrem langkettige Zucker wie beispielsweise Zellulose. Bei der Verbrennung dieser Substanzen wird Energie freigesetzt. Die hauptsächliche Aufgabe der Kohlenhydrate im Organismus ist das Speichern und bei Bedarf Freisetzen von Energie für die biochemischen Prozesse des Lebens.
Ein einfacher Zucker (Monosaccharid) ist die Glukose (C6H12O6). Sie wird als Hexose (Sechserzucker) bezeichnet, da diese Substanz ein aus sechs Kohlenstoffatomen bestehendes Skelett besitzt. Durch Entfernung von Wasser können zwei oder mehrere Glukosemoleküle zu einer Kette zusammengefügt werden. Eine solche Kette wird als Disaccharid (Doppelzucker) oder Polysaccharid (Vielfachzucker) bezeichnet. Beispiele für solche Polysaccharide sind Stärke, Zellulose und Glykogen (Energiespeicher). Diese Zuckerketten können durch Hydrolyse (Hinzufügen von Wasser) in Monosaccharide gespalten werden und somit der Zelle als Energiequelle zurückgeführt werden.
Polysaccharide wie beispielsweise Stärke werden beim Säugetier in der Leber gespeichert und bei Bedarf in Monosaccharide zurückgewandelt, um als Glukose dem Krebszyklus zur Energiegewinnung zugeführt zu werden. Einen wichtigen Teil zur Regelung dieser Prozesse tragen Hormone bei. Insulin sorgt für Zuckerspeicherung, Glukagon sorgt für die Freisetzung von Glukose und Erhöhung des Blutzuckerspiegels.
Die Abbildung demonstriert, wie ein einfacher Zucker (Glukose) in einen Zweierzucker (Disaccharid; Maltose) und anschließend in eine lange Zuckerkette verwandelt werden kann. Dieser Prozess findet z.B. in einer Pflanze durch Photosynthese statt. Das produzierte Polysaccharid wird als Stärke beispielsweise in Kartoffeln gespeichert. Die Stärke konnte hier bei der Kartoffel sichtbar gemacht werden, indem Jodreagenz in Form einer Schlangenlinie aufgetragen wurde und dieses von dunkelbraun zu blau die Farbe wechselte.
b.) Proteine oder Eiweiß
Eiweiße spielen eine wichtige Rolle in der Bildung von Strukturen des Organismus. Sie unterscheiden sich von den Kohlenhydraten und Fetten dadurch, dass sie immer Stickstoff enthalten. Zusätzlich können Schwefel, Phosphor und andere Elemente vorhanden sein.
Die Proteine werden durch die Aminosäuren gebildet. Dies ist vergleichbar mit der Bildung von Polysacchariden durch die Monosacharide. Alle Aminosäuren besitzen eine Aminogruppe (-NH2) und eine Karboxylgruppe (-COOH). Durch Kondensation (Entziehung von Wasser) können Di- oder Polypeptide gebildet werden. Sehr lange Polypeptidketten bilden ein Protein. Allerdings werden Proteine meistens durch mehrere Polypeptidketten gebildet, die wiederum durch Wasserstoff- oder Schwefel-Brücken verbunden sind. Obwohl es nur zwanzig Aminosäuren gibt, ist ihre Kombinationsmöglichkeit nahezu unendlich. Zehn Aminosäuren können vom Körper nicht hergestellt werden und müssen aus diesem Grund mit der Nahrung aufgenommen werden (sie werden deshalb als essentielle Aminosäuren bezeichnet).
Fleisch und Eiklar bestehen größtenteils aus Eiweiß. Dies ist aus Aminosäuren zusammengesetzt, die dem Organismus dienen, neue Eiweiße und Polypeptide zu bilden.
c.) Lipide oder Fette
Hierzu werden Fette (bei Raumtemperatur fest) und Öle (bei Raumtemperatur flüssig) gezählt. Sie bestehen wie die Zucker aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, der Sauerstoffanteil ist jedoch geringer. Obwohl die Zucker den wichtigsten Energielieferanten im Organismus bilden, kommt den Fetten eine wichtige Rolle in der Speicherung von Energie zu. Bei der Verbrennung wird durch Fette mehr Energie freigesetzt als durch die Verbrennung von Zucker.
Die meisten Fette können durch den Metabolismus der Kohlenhydrate und Eiweiße gebildet werden. Einige ungesättigte Fettsäuren können nicht vom Organismus hergestellt werden; diese müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Man bezeichnet diese als essentielle Fettsäuren. Fette befinden sich z.B. in Steroiden, in der Zellmembran als Cholesterin oder in Sexualhormonen.
Öle und Fette bestehen aus sehr langkettigen Fettsäuren, die dem Körper Energie liefern, z. B. während des Winterschlafes.
d.) Enzyme
Ein Enzym ist ein Protein, das chemische Reaktionen im Organismus beschleunigt, ohne bei der Reaktion selber verändert oder aufgebraucht zu werden. Enzyme arbeiten sehr schnell, sind abhängig von der Temperatur und dem pH-Wert. Enzyme sind immer spezifisch für ein bestimmtes Substrat.
In dem Experiment links im Bild wird ein Stück rohe Leber in eine 3%ige Wasserstoffperoxidlösung getaucht. Dabei lösen sich die im Gewebe enthaltenen Enzyme in der Flüssigkeit auf und reagieren mit dem Substrat, dem Wasserstoffperoxid. Dieses wird durch das Enzym Peroxidase gespalten und Sauerstoff wird in Gasblasen freigesetzt. Das Wasser verbleibt in der Lösung.
Eine enzymatische Reaktion kann in beide Richtungen verlaufen: Substrat zu Produkt oder Produkt zu Substrat, wobei die Richtung abhängig ist von der Konzentration. So ist die Reaktionsgeschwindigkeit abhängig von der Konzentration des Substrates. Daraus folgt, dass bei einer hohen Substratkonzentration die Reaktionsgeschwindigkeit hoch ist.
Enzym + Substrat <-> Enzym-Substrat-Komplex <-> Enzym-Produkt-Komplex <-> Enzym + Produktmolekül
Ein Enzym ist immer sehr spezifisch für ein bestimmtes Substrat und verfügt über einen aktiven Bereich, an den das Substratmolekül andockt. Einige Enzyme arbeiten nur, wenn ein Cofaktor vorhanden ist. Diese Coenzyme können einfache Spurenelemente sein wie beispielsweise Metall-Ionen von Zink, Eisen oder Kupfer, sie können aber auch komplexe organische Moleküle sein wie beispielsweise das NAD (Nikotinamid-Adenin-Dinukleotid), welches vom Körper aus dem Vitamin Nicotinamid, einem Abkömmling der Nikotinsäure, gewonnen wird und bei der Zellatmung eine wichtige Rolle spielt.
e.) Vitamine
Vitamine sind organische Verbindungen, die vom Organismus in geringen Mengen benötigt werden. Sie steuern eine Vielzahl an metabolischen Prozessen. Diese Vitamine werden von Pflanzen synthetisiert, aber Tiere müssen die meisten über die Nahrung aufnehmen. Tritt ein Defizit an Vitaminen auf, können ernsthafte Erkrankungen entstehen. Beispielsweise kann das Riboflavin (Vitamin B2) mit gewissen Phosphorverbindungen den Komplex FAD (Flavin-Adenin-Dinukleotid) bilden, der ähnlich dem bereits erwähnten NAD auch eine wichtige Rolle beim Transport von Wasserstoff-Ionen bei der Zellatmung trägt. Es befindet sich in Blattgemüse, Eiern und Fisch. Die Ascorbinsäure (Vitamin C) wird von unseren Haus- und Nutztieren selber gebildet, nur Menschen, Affen und Meerschweinschen können ihren Bedarf nicht decken.
Eine Störung in der Synthese von Vitamin C bewirkt bei Hunden und Katzen ähnlich wie beim Kleinkind die Möller-Barlowsche Erkrankung - eine Störung der Kollagenbildung mit Osteoporose und Blutungsneigung. Beim erwachsenen Menschen ist vor allem Skorbut bekannt. Das Vitamin C unterstützt das Abwehrsysten und die Gesunderhaltung der Schleimhäute. Ähnlich zum Vitamin E wirkt es als antioxidative Substanz und als Radikalfänger.
An dieser Stelle soll nicht auf die einzelnen Vitamine und deren Funktion im Organismus eingegangen werden, sondern nur auf deren große Wichtigkeit für die Stoffwechselprozesse des Organismus hingewiesen werden.
Da diese Stoffe nur in kleinen Mengen benötigt werden, kann auch ein Überangebot an Vitaminen ernsthafte Erkrankungen verursachen! Besonders die fettlöslichen Vitamine A, D und E sind nicht ungefährlich, da sie in der Leber gespeichert werden und Leberschäden verursachen können. Eine Hypervitaminose A (Überangebot an Vitamin A) kann zu Bewegunsstörungen, Schmerzen, Gelenkproblemen, Knochen- und Nervenstörungen führen. Ursache für eine Hypervitaminose A bei Katzen und Hunden ist vor allem eine übermäßige Fütterung von Leber, Vitaminpasten oder konzentrierten Vitaminpräparaten.
Also bitte immer mit Maßen!
Fragen Sie Ihren Tierarzt / Ihre Tierärztin
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