Ernährung nach Vergiftung

Was ist eine Vergiftung? | Wie kommt eine Vergiftung zustande? | Was kann ich bei einer Vergiftung tun? | Was bewirken Gifte   im Körper eines Tieres? | Was kann ich meinem Tier nach der Schädigung durch Giftstoffe füttern?

Was ist eine Vergiftung?

Ernährung nach Vergiftung TotenkopfschildEine Vergiftung ist eine Stoffwechselstörung im Organismus  , verursacht durch Aufnahme eines Stoffes (Gift  ), welcher zu Schädigung einzelner Zellen oder Zellverbände (Organe) führt.

Bei leichten Vergiftungen können diese häufig vom Körper des Tieres ausgeglichen werden. Es können keine wesentlichen Störungen des Allgemeinbefindens festgestellt werden. Ein Beispiel sind handelsübliche Ameisenköderboxen, die auf Chlorpyriphos und Fuchsin basieren. Sie führen zur Reizung der Magenschleimhaut, Übelkeit und Erbrechen.

Bei mittleren Vergiftungen kommt es zu Störungen des Stoffwechsels mit Funktionsstörungen einzelner Organe, bei denen deutliche Störungen des Allgemeinbefindens beobachtet werden. Beispielsweise führen Pflanzenschutzmittel auf der Basis von organischen Phosphorverbindungen zu Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluß und Krämpfen.

Bei schweren Vergiftungen kommt es zu Funktionsausfällen in den Organen, was schließlich zum Erliegen der Organfunktionen bis zum Erlöschen der Lebensfunktionen führt. Ein starkes Gift sind die Salze der Blausäure, die eine Verbindung mit dem roten Blutfarbstoff eingehen. Der Tod folgt durch Ersticken.

Die Dosis macht das Gift - so ist auch Kochsalz in einer extremen Menge giftig!

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Wie kommt eine Vergiftung zustande?

Die häufigsten Vergiftungen kommen im Haushalt durch harmlose Stoffe zustande, die uns von der chemischen Industrie zur Verfügung gestellt werden. Diese Substanzen werden durch ungünstige Umstände versehentlich von einem Haustier aufgenommen und können zu einer Vergiftung führen. Die Stoffe, die hierzu zählen, sind Dinge des täglichen Lebens, wie Reinigungsmittel, Pflanzendünger, Pflanzenschutzmittel oder Frostschutzmittel fürs Auto. Dies kann schon einmal von einem Hund verschluckt werden. Auch bei einem Besuch in einem Restaurant besteht die Möglichkeit, dass der unter dem Tisch sitzende Hund eine Köderdose mit Mäuse- oder Rattengift findet und anfängt, sie aufzuknabbern.

Katzen hingegen sind sehr viel vorsichtiger als Hunde, nagen aber häufig an Zimmerpflanzen. Dies kann unter Umständen Vergiftungen nach sich ziehen. Aber auch der Verzehr einer Maus oder Ratte, die zuvor eine größere Menge Rattengift (Dicumarol- oder Warfarin-Derivate) aufgenommen hatte, kann zur Vergiftung einer Katze führen.

Auch bei frei fliegenden Vögeln, vor allem Papageien, können Vergiftungen häufig nachgewiesen werden. Die Vögel spielen beispielsweise mit dem Saum einer Gardine und ziehen die Bleischnüre heraus. Das Verschlucken des giftigen Bleis bleibt häufig nicht aus und kann schwere Konsequenzen nach sich ziehen.

Gezielte Vergiftungen durch böswillige Nachbarn sind sehr viel seltener als angenommen wird.

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Was kann ich bei einer Vergiftung tun?

Sollten Sie eines der folgenden Symptome   bei Ihrem Tier bemerken, so zögern Sie bitte nicht, Ihren Tierarzt   / Ihre Tierärztin zu konsultieren, da Magenerkrankungen im Frühstadium leichter und schneller behandelt werden können.

  1. Ruhe bewahren
  2. Das Tier zum Erbrechen der aufgenommenen Stoffe bringen durch die Eingabe einer gesättigten Salzlösung oder einer 3%-igen Wasserstoffperoxidlösung. Bitte geben Sie auf keinen Fall Milch   ein, da diese durch die in ihr gelösten Fette die Giftstoffe förmlich in den Körper transportiert !
  3. Nehmen Sie die Verpackung und Herstellerangaben des Giftes mit zu Ihrem Tierarzt.
  4. Fahren sie auch bei Vergiftungsverdacht zu Ihrem Tierarzt zur Untersuchung.
  5. Fahren Sie umgehend zu Ihrem Tierarzt oder in eine Tierklinik  .

Verschleppung oder Nachlässigkeit in der Behandlung   eines Vergiftungsfalles führt häufig zu gesundheitlichen Folgeschäden!

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Was bewirken Gifte im Körper eines Tieres?

1. Gifte, die Atemwege angreifen.

Diese werden bei Wohnungsbränden freigesetzt. Bei der Verbrennung von Kunststoffen (Gardinen, Teppiche, Wand und Deckenverschalungen) können hochgiftige, aggressive Stoffe freigesetzt werden. Aber auch Kohlenmonoxid, das bei Bränden gebildet wird, führt zur Schädigung des Lungengewebes und Blutes. Gleiches gilt für das zur Rattenbekämpfung nicht mehr so verbreitete ANTU, ein Thioharnstoffabkömmling, der zu Erbrechen, Schleimhautentzündung, Wasseransammlungen in der Lunge und schließlich zum Ersticken des Tieres führt. Die Schäden sind schwerwiegend und führen häufig nach kurzer Zeit zum Tode.

2. Gifte, die die Blutgerinnung stören.

Sie sind in modernen Ködern zur Vernichtung von Nagern enthalten. Dicumarol- oder Warfarin-Derivate sind langsam wirkende Gifte, die erst nach 1 - 4 Wochen zum Tode des betroffenen Tieres durch Verbluten führen. Durch Blutuntersuchungen kann im Labor die Menge des aufgenommenen Giftes bestimmt werden, sowie der Grad der Gerinnungsstörung. Dem Tierarzt steht als wirksames Gegengift das Vitamin K1 zur Verfügung, das teilweise sehr hoch dosiert werden muss.

3. Gifte, die die Leber mit ihren Stoffwechselaufgaben stören.

Dies sind z.B. Bestandteile von Lorcheln, Morcheln und aufgewärmten Pilzgerichte und können für Hunde und Katzen durch die enthaltene Helvellsäure zu schwerer Vergiftung der Leber führen. Schon geringste Spuren reichen, um Symptome wie Unruhe, Erbrechen, blutigen Harnabsatz, Eiweißverluste und Gelbsucht auszulösen, bis hin zum Tode des Individiums.

4. Gifte, die Nierenschäden verursachen.

Dies sind z.B.Schwermetalle wie Quecksilber in Saatbeizmitteln und Pflanzenschutzmitteln mit Antipilzeigenschaften, oder Arsenverbindungen aus Insektenvernichtungsmitteln und Pflanzenschutzmitteln. Symptome variieren von Speichelfluss, Erbrechen, blutigen Durchfällen und blutigem Harnabsatz über Herzschwäche und Krämpfen bis hin zum Kollaps und Tod.

5. Giften, die Hirnschäden oder Lungenschäden durch Ödeme   verursachen.

Dazu gehört z.B. das in Schneckenbekämpfungsmitteln enthaltene Metaldehyd, das zunächst zu Speichelfluss, Erhöhung der Körpertemperatur, gesteigerten Reflexen, Wasseransammlung in Lungen, Gehirn   und anderen Organen führt. Dies kann zu Krampfanfällen, Koma und schließlich zum Tode führen.

Oftmals läßt sich die Vergiftung nicht in eine einzelne Gruppe einteilen, da die verschiedensten Organe durch die Einwirkung des giftigen Stoffes geschädigt werden. Es kann nicht nur eine Leberschädigung auftreten, sondern auch eine Schädigung der Nieren, des Blutes und der Lungen oder anderer wichtiger Organe. Ihr Tierarzt wird durch die allgemeine klinische Untersuchung, Blutuntersuchung und /oder weiterführende Untersuchungen den Schweregrad der Vergiftung feststellen.

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Was kann ich meinem Tier nach der Schädigung durch Giftstoffe füttern?

Ihr Tierarzt ist auf jeden Fall der Ansprechpartner bei der Ernährungsberatung nach Vergiftungen!

1. Fütterung bei geschädigten Atemwegen durch Giftstoffe:
Wichtig ist, dass keine großen Futtermengen verfüttert werden, damit kein zu hoher Druck vom Magen auf das Zwerchfell ausgeübt wird. Das Eiweiß muß leicht verdaulich und sehr fettarm sein, damit eine kurze Verweildauer im Magen erzielt werden kann. Zusätzliche Vitamingaben sind zu empfehlen.

2. Gifte, die die Blutgerinnung stören, können in fortgeschrittener Phase der Vergiftung zu Blutungen mit teils recht heftigen Blutverlusten führen. Bluthaltige Organe wie Leber und Milz können im begrenzten Umfang bei der Blutbildung helfen. Auch für hochwertige Eiweißquellen von Rind und Lamm muß gesorgt werden. Vitamin-Mineralstoff-Präparate, die auch Eisen enthalten, können die Blutbildung unterstützen, jedoch kann diese bis zu drei Monaten dauern. Fütterungsinformationen finden Sie im Kapitel das säugende Muttertier.

3. Bei Giften, die die Leber mit ihren Stoffwechselaufgaben stören, füttert man fettarm, am besten leicht verdauliches Eiweiß wie Magerquark. Dazu verabreicht man reichlich gut verdauliche Kohlenhydrate in Form von Reis mit einem Zusatz von Traubenzucker oder Honig. Die zusätzliche Gabe von Vitamin C und E sowie Rote Beete-Pulver hilft, aggressive freie Radikale einzufangen und zu binden. Fütterungsinformationen finden Sie im Kapitel Lebererkrankungen.

4. Bei Giften, die Nierenschäden verursachen, ist eine reichhaltige Wasserzufuhr nötig, um die Nieren nicht durch Anhäufung von Abbauprodukten zu belasten. Das Futter sollte leicht verdaulich sein, mit einem reduzierten Anteil an Eiweiß und salzarm, um die Nieren durch geringe Mengen an harnpflichtigen Stoffen möglichst gering zu belasten. Leichtverdauliche Eiweißquellen, wie Quark, Geflügelfleisch, mageres Fleisch und eventuell Sojamehl. Als Kohlenhydratquelle eignen sich Reis oder Nudeln. Fütterungsinformationen finden Sie im Kapitel Nierenerkrankungen.

5. Bei Giften, die Hirnschäden oder Lungenschäden durch Ödeme verursachen, wird die Wasserzufuhr nach Anweisung des behandelden Arztes reduziert. Eine leichte salzarme Kost wird empfohlen. Fütterungsinformationen finden Sie im Kapitel Herzerkrankungen.

Bei Vergiftungen kann nur der Tierarzt die richtige Futterempfehlung geben, da Ihr Tierarzt die Schädigung der verschiedenen Organe beurteilen und mit den notwendigen Medikamenten und dem für die Situation adäquaten Futter entsprechend reagieren kann.

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