Gespräch mit Prof. Zentek zum Thema BARFen

Gespräch mit Professor Dr. med. vet. Jürgen Zentek, Freie Universität Berlin, zum Thema BARFen (biologisch artgerechte Rohfleischfütterung)

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Heute zum Thema "BARFen" von Hunden und Katzen

Fotografie von Herrn Univ.-Prof. Dr. Jürgen Zentek

Die Ausführungen von Professor Dr. med. vet. Jürgen Zentek, Direktor des Instituts für Tierernährung   an der Freien Universität Berlin, werden Ihre Fragen zu dem sehr aktuellen Thema "BARFen" (biologisch artgerechte Rohfleischfütterung) mit Sicherheit beantworten.


Herr Professor Zentek, als international anerkannter Tierernährungswissenschaftler der FU Berlin, würden wir Ihnen gerne einige der von unseren Lesern häufig gestellten Fragen zur Beantwortung weiterleiten.

tierklinik.de: Wofür steht BARFen?
Prof. Zentek: BARF ist die Abkürzung für „biologisch artgerechte Rohfleischfütterung“, eine zur Zeit sehr populäre Methode zur Ernährung   von Fleischfressern.

tierklinik.de: Ist es denn möglich, Hunde durch Zusammenstellung von Lebensmitteln unter Zumischung von Rohfutter ausgewogen zu ernähren?
Prof. Zentek: Es ist ohne Weiteres möglich, Hunde mit selbsthergestellten Rationen ausgewogen zu füttern. Allerdings muss die Zusammenstellung passen, sonst besteht die Gefahr der Unterversorgung an Nährstoffen. Die ausgewogene Bereitstellung mit Eiweißen, Kohlenhydraten, Fetten, Mineralstoffen und Vitaminen muss gewährleistet werden. Dies ist zunächst unabhängig davon, ob das Futter roh (BARF-Fütterung) oder in gekochtem Zustand angeboten wird. Ein Problem in der Herstellung einer eigenen Mischung ist der schwankende Nährstoffgehalt der Einzelkomponenten, so dass das Futter einen variierenden Nährstoffgehalt haben kann. Eine bedarfsdeckende, ausgewogene Rezeptur ist Voraussetzung für die langfristige Gesunderhaltung des Tieres.

tierklinik.de: Was ist beim BARFen zu beachten?
Prof. Zentek: Es kommt darauf an, dass der Fleischanteil in Relation zu den übrigen Rationskomponenten ausgewogen ist. Hauptbestandteil von Fleisch ist Eiweiß, das eine hochwertige Aminosäurenzusammensetzung aufweist und sehr gut verdaulich ist. Allerdings fehlen hier wichtige Mineralstoffe, wie Kalzium und Natrium sowie Spurenelemente und Vitamine. Die für die Regulation der Verdauung nötigen pflanzlichen Faserstoffe (Ballaststoffe) werden nicht geliefert. Ein Kalziummangel kann zu Störungen am Skelett führen. Jodmangel beeinträchtigt die Schilddrüsenfunktion. Häufig kommt es bei einseitiger Ernährung mit Fleisch oder Schlachtabfällen zu Störungen der mikrobiellen Besiedlung des Darms mit Fehlgärungen im Dünn- oder Dickdarm.

tierklinik.de: Besteht durch die Rohfütterung von Fleisch eine Gefahr für Mensch und Tier?
Prof. Zentek: Die BARF-Fütterung ist unter hygienischen Aspekten nicht ganz problemlos, da hier die Nahrungskomponenten roh verfüttert werden. Fleisch, vor allem rohes Geflügelfleisch, ist möglicherweise Träger krankheitsauslösender Bakterien   oder auch anderer infektiöser Organismen. Besondere Bedeutung haben die Salmonellen. Durch mögliche Infektionen   über rohe Futterkomponenten ist dies nicht nur für den Hund, sondern durch den engen Kontakt mit seinem Haustier auch für den Menschen gefährlich. Eine Salmonelleninfektion kann besonders bei kleinen Kindern und älteren Menschen lebensbedrohliche Situationen hervorrufen. Als besonders kritisch ist hier die oft mangelhafte Hygiene   der Kinder im Umgang mit Hunden zu betrachten.
Eine weitere Gefahr der Verfütterung von rohem Fleisch liegt in der möglichen Infektion   mit der Aujeszkyschen Krankheit   durch rohes Schweinefleisch. Diese ist eine virale Erkrankung   des Schweins, die Hund und Katze gefährden kann und bei diesen tödlich verläuft. Deutschland ist seit 2003 offiziell frei von der Aujeszkyschen Krankheit. Dennoch sollte auf die Verfütterung von rohem Schweinefleisch verzichtet werden, da die Herkunft des Fleisches nicht immer bekannt ist. Hier ist auch an den internationalen Handelsverkehr zu denken. Unter den Infektionserregern haben auch Parasiten   eine gewisse Bedeutung, unter anderem Sarkosporidien.

tierklinik.de: In vielen Foren wird die Zufütterung von rohem Gemüse empfohlen. Ist dies sinnvoll?
Prof. Zentek: Rohes Gemüse kann in beschränktem Umfang verwendet werden, allerdings gibt es einige Besonderheiten zu beachten. So sind rohe Kartoffeln für den Hund unverdaulich, gekocht sind sie und andere Kartoffelprodukte gut verdaulich und können bis zu 50 % der Ration einnehmen. Durch Kochen kann die Verdaulichkeit von Erbsen und Bohnen auf 85 - 95 % erhöht werden, so dass sie bis zu 5 - 10 % in der Nahrung von Hunden einsetzbar sind. Ungekochte Erbsen und Bohnen weisen nicht nur eine geringere Verdaulichkeit auf, sie enthalten ebenfalls Schadstoffe, wie Tannine, Lektine, Glukoside und Alkaloide.

tierklinik.de: Besitzer, die Ihr Tier durch BARFen ernähren, nutzen oft die Fütterung von Knochen, um den Mineralstoffbedarf Ihres Tieres zu decken. Birgt dieses Vorgehen auch Gefahren für das Tier?
Prof. Zentek: Knochen stellen bei der BARF-Fütterung einen mengenmäßig großen Bestandteil des Futters dar. Bei der Verfütterung von Knochen kann der Mineralstoffbedarf von Hunden gedeckt werden. Es sollte allerdings auf die Menge geachtet werden, um der Entstehung von schweren Verstopfungen (sogenanntem Knochenkot) vorzubeugen. Die Gesamtaufnahme von Knochen sollte 10 Gramm pro kg Körpergewicht und Tag beim ausgewachsenen Hund nicht überschreiten. Splitternde Knochen oder unzerkaute Knochenteile können außerdem zu Verletzungen im Mund und Rachenraum und im weiteren Verlauf des Magen-Darm-Traktes führen. Auf Röhrenknochen von Geflügel   sollte gänzlich verzichtet werden, da diese – insbesondere wenn sie von älteren Tieren - stammen, sehr stark splittern können.

tierklinik.de: Was ist Ihr Fazit?
Prof. Zentek: Abschließend kann gesagt werden: Futtermischungen müssen in jedem Fall dem Alter und dem Gesundheitszustand des Hundes angepasst werden. Leider kommt es in der Praxis oft zu Unter- oder auch massiven Überversorgungen, so dass man sich im Zweifelsfall von einem Fachmann beraten lassen sollte.

tierklinik.de: Professor Zentek, vielen Dank für das sehr aufschlussreiche Gespräch zu diesem aktuellen Thema.

Wenn Sie Hilfe bei der Erstellung einer ausgewogenen Futterration für Ihr Tier benötigen, zögern Sie nicht, einen unserer Tierspezialisten   im Bereich der "Spezialistensuche" auf www.tierklinik.de zu kontaktieren.

 

rohes Fleisch

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