Kampfhunde - Welche Bestimmungen sind zu beachten?

Welche Hunderassen umfasst der Begriff „Kampfhund“?

Schäferhund auf HundeplatzDer Begriff „Kampfhund“ ist irreführend, da er keine Rasse als solche bezeichnet. Vielmehr ist der Begriff Ausdruck und Spiegelbild seines über Jahrhunderte hinweg durch Zucht programmierten Verhaltens, das ursprünglich rein zweckgebunden für die besondere Eignung für Hundekämpfe erwünscht war. Erst im Laufe der Zeit wurden speziell für den Tierkampf einige klar voneinander abgetrennte Hunderassen gezüchtet. Bei deren heutigen Erben wird jedoch vor dem Hintergrund eines in vielen Ländern eingeführten Kampfverbotes die entsprechende Tierkampfeignung nicht mehr durch Auswahl und Zucht angestrebt.

Bei den besonders im 18. und 19. Jahrhundert beliebten, in speziellen Arenen durchgeführten Hundekämpfen erwiesen sich traditionell Terrier, Bulldog- sowie eingekreuzte Arten durch ihre Körper- und Bisskraft, ihre Schnelligkeit und Temperament als besonders geeignet. Tierwetten standen besonders im viktorianischen England hoch im Kurs.

Von juristischer Seite umfasst die heutige Rasseliste generell die Hunderassen, die potenziell als gefährlich eingestuft werden. Sie erscheinen unter dem Begriff „Kampfhund“ zusammengefasst und werden als Listen- oder Anlagehunde geführt. Die Liste ist Ländersache, es existiert zurzeit keine einheitliche Bundesregelung. So gelten bestimmte Rassen nach der Berliner Landeshundeverordnung als ungefährlich, in Bayern jedoch werden dieselben Rassen als aggressiv eingestuft.

Viele deutsche Bundesländer führen eine Liste mit Hunderassen, die rassebedingt als gefährlich aufgeführt oder deren Gefährlichkeit vermutet wird. In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg wird der Begriff „Kampfhund“ verwendet. In den meisten Bundesländern kann ein Hund nach Bestehen eines Wesenstests von den Maßnahmen befreit werden, die für Listenhunde vorgeschrieben sind, in einigen Ländern gilt das nicht für alle Rassen.

In Nordrhein-Westfalen etwa werden folgende Rassen und deren Kreuzungen untereinander sowie deren Kreuzungen mit anderen Hunden als potentiell gefährlich eingestuft:

  • Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Bullterrier

Auflagen bestehen auch für die Rassen

  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff
  • Mastiff
  • Mastín Español
  • Mastino Napoletano
  • Fila Brasileiro
  • Dogo Argentino
  • Rottweiler
  • Tosa Inu.

In Rheinland-Pfalz werden dagegen lediglich

  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Pit Bull Terrier

zu den potentiell „gefährlichen Rassen“ gezählt: Für das Halten der Listenrassen ist eine Erlaubnis erforderlich, die unter anderem ein begründetes Interesse an der Haltung voraussetzt. In Bayern dagegen sind es nicht weniger als 19 Rassen, die als gefährlich eingestuft werden.

Wie in Rheinland-Pfalz ist die Haltung der erwähnten Rassen in der Mehrzahl der Bundesländer nur mit einer Erlaubnis möglich. In einigen Ländern gilt Leinen- und Maulkorbzwang, wobei die Annahme der Gefährlichkeit mit einem positiv absolvierten Wesenstest widerlegt werden kann.

Leinenpflicht für bestimmte Hunderassen

Im Nachgang eines tragischen Vorfalls in Hamburg im Jahr 2000, bei dem ein Kind durch zwei Hunde eines polizeilich bekannten Halters getötet wurde, wurde über die Rassenlisten in den Hundeverordnungen der Länder auch eine Leinenpflicht für gefährliche Hunderassen eingeführt.

Für die sogenannten Listenhunde muss der Halter

  • ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen
  • eine Sachkundeprüfung ablegen
  • eine allgemeine Maulkorb- und Leinenpflicht beachten.

Jedoch: Maulkorb- und Leinenpflicht kann in einigen Ländern und bei bestimmten Hunderassen aber durch das Ablegen eines Wesenstests aufgehoben werden.

Je nach Bundesland gelten innerhalb von Ortschaften mehr oder weniger umfangreiche Bestimmungen. Da keine allgemeine Leinenpflicht existiert, die ohne Ausnahme in einem gesamten Gemeindegebiet gilt, sollte sich der Hundehalter im Vorfeld über die gültigen Regelungen an seinem Wohnort informieren.

Im Zweifelsfall gilt: Den Hund stets anleinen, um mögliche Probleme oder Bußgelder zu vermeiden.
Informieren kann sich der Betreffende

  • online auf der Webseite des jeweiligen Bundeslands sowie der betreffenden Gemeinde
  • offline bei der zuständigen Ortsverwaltung.

Wer gegen die Leinenpflicht verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet wird. Seine Höhe liegt im Ermessen der betreffenden Gemeindebehörde, es existiert kein bundeseinheitlicher Bußgeldkatalog. Während bei ungefährlichen Arten Bußgelder zwischen 20 und 50 Euro fällig sind, liegen die Strafen bei gefährlichen Rassen in der Regel höher und können bis zu 150 Euro betragen.

Auflagen für die Haltung von Kampfhunden

Generell kann bezüglich der Haltung eines Hundes keine bundeseinheitliche Aussage getroffen werden. Denn: Nur weil ein Hund in einem Bundesland als gefährlich gilt, muss das nicht auch für andere Bundesgebiete gelten. Die rechtlichen Regelungen unterscheiden sich teilweise, je nach Bundesland. Welche konkreten Auflagen als Hundehalter zu beachten sind, muss der jeweiligen Landesverordnung entnommen werden.

Allgemein lassen sich jedoch folgende von einzelnen Bundesgebieten getroffenen Vorgaben auflisten. Demnach sollte etwa

  • der Halter volljährig sein
  • den örtlichen Behörden ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden, das entsprechendes Verantwortungsbewusstsein und Vertrauenswürdigkeit des Halters belegt
  • eine Sachkundeprüfung abgelegt werden
  • das Grundstück zum Schutz von Passanten und Anwohnern vollständig umzäunt sein
  • ein Wesenstest bestanden werden.

Wesenstest und Sachkunde

Die Mehrheit der Bundesländer verlangt ab Erreichen eines gewissen Alters des Listenhundes, zum Beispiel des Dobermanns, ein Sachkundenachweis und/oder ein Wesenstest. Ein Sachkundenachweis ist in einigen Bundesländern Voraussetzung für die Erlaubnis zur Hundehaltung oder zum Halten bestimmter Rassen sein. In ihm muss der Halter grundlegende theoretische Kenntnisse über Hunde und ihre Haltung nachweisen. Seine Inhalte können regional unterschiedlich gewichtet sein, geprüft von anerkannten Sachverständigen, Tierärzten oder Hundetrainern.

2 MastiffsDezidierte Prüfungen sind für Halter gefährlicher Hunde (entweder laut Rasseliste oder auffällig gewordener Tiere) in Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein und Thüringen vorgesehen, in den restlichen Ländern gelten Modifikationen, etwa in Form behördlich anerkannter Lehrgänge (Saarland). In Sachsen kann der Test auch durch ehrenamtliche oder berufliche Tätigkeit mit Hunden entfallen.

Im praktischen Prüfungsteil, dem Wesenstest, werden Gehorsam des Hundes und das Verhalten von Hund und Halter in der Öffentlichkeit bewertet.
Der Besitzer hat die Möglichkeit, durch positiven Ausgang des Tests von gewissen Auflagen wie etwa der Maulkorb- und Leinenpflicht befreit zu werden. Voraussetzung ist dafür, dass der Hund vor Experten nachgewiesen hat, dass von ihm kein gesteigertes, inadäquates Aggressionsverhalten ausgeht. Je nach Bundesgebiet muss der Hund frühestens mit 15 Monaten zum Test. Idealerweise wird der Termin bereits bei der Hunde-Anmeldung von den örtlichen Behörden mitgeteilt. In einigen Bundesländern muss der Wesenstest in einer gewissen Zeitspanne regelmäßig wiederholt werden. Bestehen nach dem ersten Test noch Zweifel, kann ein zweiter von dem Sachverständigen beantragt werden, eventuell auch in Kombination mit einem zweiten Sachkundenachweis (SKN).

Auch in Bezug auf den Wesenstest entscheidet das jeweilige Bundesland, von wem der Test durchgeführt wird, was zum Prüfungsinhalt gehört und wie das Verhalten des Hundes in einzelnen Situationen bewertet wird.

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