Rohes Geflügelfleisch

Hunde und Katzen fressen rohes Fleisch zwar liebend gern, der Verzehr birgt jedoch etliche Gefahren für Mensch und Tier. Um das Risiko einer Erkrankung   zu vermindern, sollte die Keimbelastung durch Kochen oder Erhitzen des Fleischstückes soweit wie möglich reduziert werden. Die Bakterienmenge in ganzen Fleischstücken ist um ein Vielfaches geringer als z.B. in Gulasch oder Geschnetzeltem, da beim Zerkleinern die Oberfläche des Fleisches und damit die Angriffsfläche für Bakterienbefall vergrößert werden. Bei unzureichender Kühlung gelagert, kommt es zu einer starken Vermehrung der Keime. Wenn Sie rohes Geflügelfleisch schneiden oder zubereiten, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Benutzen Sie für Fleisch ausschließlich ein Brettchen, das nicht aus Holz besteht. Es sollte leicht zu desinfizieren sein (glatte Kunststoffoberfläche, hygienisch einwandfrei) und bei mindestens 75° im Geschirrspüler gereinigt werden. Es dürfen keine ungekochten Speisen wie Salat auf diesem Brettchen geschnitten werden.

  • Messer, Oberflächen und Geschirr, die mit dem rohen Geflügelfleisch in Berührung kommen und nicht auf Kochtemperatur erhitzt werden, sollten desinfiziert werden.

  • Waschen Sie nach der Zubereitung gründlich Ihre Hände!

  • Durch Kochen können die Keime abgetötet werden.

Welche Infektionserreger könnten in rohem Geflügelfleisch vorhanden sein?

  1. Toxoplasmen
    Die Toxoplasmose ist eine bekannte und vor allem von schwangeren Frauen gefürchtete Krankheit  . Für diesen Parasiten   ist der Zwischenwirt das Schwein. Besonders Katzen, die als Endwirte im Fortpflanzungszyklus dieses Parasiten agieren, können zu einer großen Gefahrenquelle für den Menschen werden. (Weiterlesen unter  Toxoplasmose beim Menschen).

  2. Salmonellen 
    Salmonellen können zu einer akuten Magen-Darm-Erkrankung führen mit wässrigem bis blutigen Durchfall und Erbrechen. Da diese Bakterien   beweglich sind, kann sich durch Entzündung   der Gallenblase und Gallengänge eine Gelbsucht entwickeln. Sollten die Bakterien in die Bauchspeicheldrüse einwandern, kann eine Pankreatitis   folgen. Über die Blutbahn können entfernte Organe bis hin zum Gehirn   erreicht werden.

  3. Campylobacter  
    Nach neuesten Untersuchungen sind diese Bakterien besonders stark im Geflügelfleisch zu finden und rangieren sogar noch vor den Salmonellen. Campylobacter können vor allem bei abwehrgeschwächten Tieren, z.B. bei Katzen mit FIV  , zu einer akuten Magen-Darm-Erkrankung verursachen mit Erbrechen und der Ausbildung   von Magengeschwüren oder der Entwicklung von Zwölffingerdarm-Geschwüren mit schleimig wässrigem Durchfall. Auch Fehlgeburten sind möglich.

  4. Clostridien   
    Clostridien können zu einer akuten Magen-Darm-Erkrankung führen mit wässrigem, explosionsartigen bis blutigen Durchfall. Der Darm ist durch die sehr heftige Gasentwicklung stark verkrampft, und durch Giftstoffe können schwere Organschäden verursacht werden.

  5. Escherichia coli.
    Coli  -Infektionen   sind Bakterien des Verdauungstraktes. Sie sind vor allem bei Neugeborenen und Jungtieren gefürchtet, da sie schwere, blutige Durchfälle mit Todesfolge verursachen können. Eine andere Gruppe dieser Bakterien, die als EHEC einige Bekanntheit erlangt haben, produzieren Giftstoffe, wie zum Beispiel das Verotoxin oder
    Shiga-like toxin. E. coli der Sero-Variante O157:H7 können Giftstoffe produzieren, die zu Nierenversagen führen. Besonders die empfindlichen Nieren der Katzen können durch STEC = Shigatoxin-bildende Escherichia geschädigt werden.

  6. Listerien
    Listerien können leicht durch verschmutztes Wasser, Fleisch oder Futtermittel aufgenommen werden. Als eine latente (schlummernde) Gefahr können sie bei einer Schwächung des Abwehrsystems ausbrechen. Sie zeigen sich durch vielfältige Nervenstörungen des Gehirns, aber auch durch Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungstraktes. Sollte es zu einem septikämischen Verlauf kommen, ist dieser immer tödlich. Nachdem erst einmal eindeutige Symptome   aufgetreten sind, ist
    die Prognose   zweifelhaft bis ungünstig.

  7. Staphylokokken   
    Staphylokokken sind häufig an Lebensmittelvergiftungen beim Menschen beteiligt. Man bezeichnet dieses fälschlicherweise oft als Lebensmittelvergiftung; die korrekte Bezeichnung für eine Infektion   durch Staphylokokken, die Giftstoffe absondern, ist jedoch die Staphylokokken-Enterotoxikose. Bei Hunden und Katzen kann es auch zu dieser Magen-Darm-Entzündung mit schweren Bauchkrämpfen, Erbrechen und Durchfällen kommen. Die Vermehrung der Staphylokokken im Verdauungstrakt führt
    zur gesteigerten Absonderung von Toxinen, die die Darmwand reizen und die Darmflora schädigen. Dieser Keim mutiert besonders leicht, sodass Staphylokokken entstehen, die sich durch ein besonders aggressives Verhalten oder die Bildung von Giftstoffen gegen ihre Mitstreiter behaupten können. Ein besonderes Merkmal ist die Bildung von Resistenzen gegenüber Antibiotika  . Erwirbt ein Keim eine Resistenz gegen eine Vielzahl an Antibiotika, wird er als multiresistenter Staphylokokkus   oder MRSA  -Keim bezeichnet.

  8. ESBL   
    ESBL–bildende Bakterien sind multiresistente Bakterien, die meistens durch Rohfleischfütterung auf Hunde und Katzen übertragen werden können. Wo diese Keime herkommen, ist meist nicht bekannt. Sie können aus Mastbetrieben, aber auch aus Krankenhäusern stammen und beim Mästen, Schlachten oder der Zubereitung von Lebensmitteln verbreitet werden. Sie stellen eine große Gefahr für Mensch und Tier dar.

  9. Yersinien
    Yersiniensind gefürchtete Darmbakterien, die häufig durch Schweine   und Rinder   übertragen werden können. Infizierte Hunde und Katzen können das Bakterium   auf den Menschen übertragen, wo meist das schwächste Glied in der Familie betroffen ist. Hier sind Kinder und alte und kranke Menschen besonders zu erwähnen. Yersinien lösen heftige Durchfälle aus,  die blutig werden und zur Septikämie   führen können. Über die Blutbahn werden dann auch Gelenke besiedelt. In schweren Fällen führt es zum Tod des betroffenen Individuums. Die Yersiniose ist eine Krankheit, die der Behörde angezeigt werden muss.

 

Fondue Topf und Essensreste

Besonders wenn rohes Fleisch nachts nach einem Fondue-Abend
herumsteht, kann so manche Katze einfach nicht widerstehen. Nicht
selten treten deshalb vermehrt speziell nach Silvester Salmonellosen
und Campylobakteriosen auf.

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