Aktuelles zu SARS-CoV-19 beim Tier

Coronavirus SARS-CoV-19 und Pandemie

Allgemeines

CoronavirusZu diesem momentan äußerst aktuellen Thema wurde unsere telefonische Soforthilfe in letzter Zeit vermehrt in Anspruch genommen. Deshalb sollen hier nun die wichtigsten Fragen der Tierhalter in Bezug auf ihr Haustier einmal genau behandelt werden, da scheinbar einige grundlegende Dinge zu SARS-CoV-19 und der Pandemie aufgefrischt werden sollten. Beim aufmerksamen Lesen dieses Artikels können Sie sich evtl. unnötige Kosten für die Hotline ersparen.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Wissensstand dem von April 2020 entspricht und allgemein noch wenige 100 % verlässliche Informationen zur Verfügung stehen. 

Der SARS-CoV-19 Erreger   wurde erstmals Ende 2019 in der chinesischen Provinz Wuhan beschrieben. Er breitete sich schnell aus und führte im Januar 2020 zu einer Epidemie in China. Durch die hohe Ansteckungsrate und lange Inkubationszeit gelang es dem Virus  , sich über den Reiseverkehr weltweit zu verbreiten, sodass am 12. März 2020 die WHO diese Situation als Pandemie einstufte.

Der Erreger

Corona-Viren   sind Partikel von 80 bis 220 nm im Durchmesser mit einer unregelmäßigen Erscheinung. Die kleinen, keulenförmigen Peplomere (15-20 nm Länge) der Außenhülle ähneln einer Krone und haben dem Virus zu seinem Namen verholfen. Die Aufnahme links zeigt einige Coronaviren, deren Krone gut sichtbar ist. Im Inneren des Virus befindet sich das Erbgut, ein RNA   Strang. Im Gegensatz zu DNA  -Strängen können Viren mit RNA-Erbgut leicht mutieren, da durch das Fehlen des zweiten Stranges Korrekturmechanismen ausgehebelt werden.

Bei unseren Haustieren ist eine Vielzahl von Coronaviren bekannt, die jedoch meistens harmlos sind und keine ernsthaften Krankheiten   auslösen. Andere Coronavirus-Stämme verursachen unterschiedliche Krankheiten, wie beispielsweise Durchfall beim Hund, Infektionen   der oberen Atemwege oder die PIF-Erkrankung   der Katze. Coronaviren finden sich überall im Tierreich, vor allem bei Säugetieren, und so werden die unterschiedlichsten Virenstämme im natürlichen Reservoir   gehalten, die dann durch Mutationen zu einer Zoonose   werden können. Das Überspringen der Artenbarriere gibt dem Virus eine neue Qualität in der Ausbreitung und Durchseuchung der menschlichen Population. 

Woher kommt das Virus?

Wissenschaftler des La Jolla Instituts in Kalifornien haben die RNA verschiedener Coronaviren mit der des SARS-CoV-19 verglichen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine natürliche Mutation   eines Coronavirus handelt. Somit konnten die Aussagen einiger Verschwörungstheoretiker widerlegt werden, dass es sich hier um das Resultat einer vom Menschen genetisch veränderten Variante handelt. Der Irrglaube, dass es sich beim SARS-CoV-19 um eine aus einem Labor stammende Abart handelt, konnte einwandfrei widerlegt werden. Der Ursprung des Virus wird bei Fledermäusen vermutet, da diese einen natürlichen Pool für Viren bilden, zu denen auch Ebola, das SARS von 2002, Tollwut   und andere Zoonosen zählen.  Die Fledermaus ist nach den Nagern (Ratten, Mäusen etc.) das zweitgrößte Reservoir, das eine Vielzahl an potentiell für den Menschen gefährliche Erreger beheimatet. Somit scheint der Handel und Verzehr von Fledermäusen auf den Märkten der chinesischen Provinz Yunnan der Ursprung der Seuche zu sein, zumal das Genom   des in der Fledermaus gefundenen Coronavirus zu 99,8 % mit dem SARS-CoV-19 des Menschen übereinstimmt. Trotz allem ist ein Zwischenwirt, wie die schuppige Pangolin, Schlangen und Schleichkatzen, nicht ganz als Zwischenwirt ausgeschlossen. 

Pathogenese

Das SARS-CoV-19 befällt zunächst die oberen Atemwege, wie Nase, Rachenraum, Nebenhöhlen und Kehlkopf. In den Zellen vermehrt sich das Virus fleißig zwischen 5 bis 7 Tage. In dieser Vermehrungsphase können leichte Krankheitssymptome, die einer Erkältung ähneln, auftreten. Diese Phase kann aber auch symptomlos verlaufen. Während dieser Virusvermehrung können aber schon Viruspartikel über Speichel; Tränenflüssigkeit, Kot und Blut mittels Schmierinfektionen weitergegeben werden. Nach 7 bis 14 Tagen breitet sich das Virus weiter aus und es kann zu Erkältungssymptomen, wie Kratzen im Hals, Niesen und Husten kommen. In dieser Phase werden nicht nur durch Schmierinfektion, sondern auch durch ausgeschleuderte Tröpfchen- sogenannte Aerosole - Millionen an Viruspartikel in die Umgebung geschleudert. Diese können auf Gegenständen im Haushalt, aber auch u.a. auf Haustieren landen. In einer feuchten Umgebung kann das Virus gut überleben. Trocknet es jedoch ein, wird es inaktiviert. Der genaue Zeitraum hierfür ist noch unbekannt, da hier eine Vielzahl von Faktoren eine wichtige Rolle spielt. Ein Sputum (Hustenauswurf) oder Nieströpfchen, die auf den Boden fallen, können dann durch das Haustier aufgenommen werden und durch Belecken der Pfoten oder des Fells von Maul und Nase mit Hilfe der Zunge über das Fell verteilt werden. So könnten andere Personen im Haushalt oder Besucher durch das Streicheln oder Liebkosen des Tieres gefährdet werden. Hierbei bildet das Tier einen passiven Vektor  .

Die an den Peplomeren befindlichen Proteine dienen zur Andockung des Virus an die Zelle   des Wirtes und ermöglichen das Eindringen in die Wirtszelle. Eigentlich sind diese Eiweiße, die nach dem Schlüssel / Schlüssellochprinzip agieren, wirtsspezifisch, doch beim SARS-CoV-19 zeigt sich eine Kompatibilität zu den Zellen einiger Haustiere.

Die Inkubationszeit beim Menschen beträgt 8 bis 14 Tage, in manchen Fällen bis zu 27 Tagen. Beim Tier sind hierzu keine Daten verfügbar.

Infektion   bei Haustieren

Hunde

Bei Hunden scheint der Zugang in das Innere der Zelle für das Virus erschwert zu sein. Somit scheinen die Chancen zur Ansteckung für Hunde gering. Hunde können jedoch durch das Canine corona Virus CCoV infiziert werden, das hochgradig infektiös ist und zu schweren Darmerkrankungen, vor allem bei Welpen, führt. Dieses Coronavirus, das im Darm von Hunden sein Unwesen treibt, hat nichts mit dem SARS-CoV-19 des Menschen gemeinsam. In Hongkong wurden allerdings Hunde positiv auf das SARS-CoV-19 des Menschen getestet. Bei diesen Tieren sind jedoch keine Symptome   aufgetreten. Wahrscheinlich war die Viruslast zu gering und das Eindringen in die Zellen nicht in ausreichender Weise möglich. 

Ein Pomerianer in Hongkong, dessen Halter mit dem SARS-CoV-19 infiziert waren, wurde zunächst schwach positiv auf das Coronavirus getestet. Nachdem die Tierhalter die Quarantäne beendet hatten, verstarb ihr Hund zwei Tage danach. Leider stimmten die Tierhalter einer Autopsie/Sektion des Hundes nicht zu. Da der Hund allerdings schon 17 Jahre alt war, könnte auch Altersschwäche die Todesursache gewesen sein. 

Die Viren, die bei den Hunden nachgewiesen wurden, scheinen eher durch infizierte Tierhalter auf die Hunde übertragen worden zu sein. Der Lebensraum der Hunde war also verstärkt mit dem Virus belastet. Die Hunde zeigten jedoch keine Anzeichen einer Erkrankung, wodurch es scheint, dass das Virus keine pathogenen Effekte beim Hund auslöst. 

Vermuten lässt sich lediglich eine transiente Magendarm-Infektion; in anderen Geweben konnte das Virus nicht nachgewiesen werden.


Bisher sind keine stichhaltigen Beweise für die Infektion von Hunden mit dem SARS-CoV-19 des Menschen bekannt.

Katzen

Katzen sind im Gegensatz zu Hunden schon empfindlicher gegen Coronaviren. Die bekannteste Erkrankung bei Katzen ist die Feline Infektiöse Peritonitis   (FIP  ), bei der das Virus durch Eindringen in die Zellen der oberen Atemwege einen Zugang zum Organismus   findet. Auch einige Coronaviren können zu Schnupfensymptomen bei Katzen führen. Diese sollten jedoch nicht mit dem klassischen Katzenschnupfen   verwechselt werden, der meistens durch Caliciviren oder Herpesviren verursacht wird.

Bei Katzen scheint der „Schlüssel“ deutlich besser zu passen, da bei den Feliden schon ähnliche atemwegsaffine Coronaviren vorkommen. Sie entwickeln, wie der Mensch, Atemwegserkrankungen.

In Belgien konnte bei einer Katze eindeutig das SARS-CoV-19 des Menschen nachgewiesen werden. Die Katze stammte aus einem Haushalt, in dem eine an SARS-CoV-19 erkrankte Person lebte und die klassischen Symptome zeigte. Eine Woche, nachdem die Diagnose   beim Tierhalter stand, zeigte die Katze Symptome wie Atemnot, Erbrechen und Durchfall. Der beim Menschen Anwendung findende PCR  -Test (Polymerase Kettenreaktion) konnte bei der Katze ein eindeutig positives Ergebnis einer SARS-CoV-19 Belastung nachweisen. Es wurden aber keine weiteren Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen. Somit ist nicht klar, ob die Katze wirklich unter dem SARS-CoV-19 litt, von dem sie sich anschließend auch wieder erholte.

Eine aktuelle Studie aus China  zeigt, dass experimentell infizierte Katzen und Frettchen sich unter Laborbedingungen mit dem SARS-CoV-19 des Menschen infizieren lassen, die Krankheit   durchmachen und andere Katzen anstecken können. 

Eine weitere chinesische Studie zeigt, dass Katzen die Krankheit durchmachen können. Bei 140 Katzen aus dem Epizentrum Wuhan wurden 109 Blutproben genommen, 11 dieser Katzen hatten Antikörper   gegen das SARS-CoV-19 Virus gebildet und somit die Krankheit durchgemacht.

Diese Studie zeigt, dass, obwohl das Virus Katzen befallen kann, die Inzidenz   niedrig ist. 

Ein Fall aus einem New Yorker Zoo zeigt die Erkrankung bei einem Tiger. Dieser ist durch einen infizierten Tierpfleger   angesteckt worden. Auch bei diesem Tier konnte das SARS-CoV-19 des Menschen nachgewiesen werden. Der Tiger zeigte nur leichte Symptome, wie einen verringerten Appetit und trockenen Husten. Ähnliche Symptome wurden in anderen zoologischen Gärten bei Großkatzen, wie Tigern und Löwen, beschrieben.

Dies sind deutliche Hinweise, dass eine Übertragung des SARS-CoV-19 vom Menschen auf  Feliden möglich ist.

Frettchen

Das Friedrich-Löffler-Institut konnte unter Versuchsbedingungen zeigen, dass SARS-CoV-19 sich auf Frettchen übertragen lässt und auch von Tier zu Tier übertragbar ist.

Schweine  , Hühner und Enten

Diese Tiere sind nach den momentanen Erkenntnissen wahrscheinlich nicht empfänglich für das SARS-CoV-19.

Vaccination

Ein Impfstoff steht zur Zeit weder für den Menschen noch für das Tier zur Verfügung.

Therapie  

Es wird Weltweit intensiv nach wirksamen Antivitalstoffen gegen das SARS-CoV-19 geforscht. Für Tiere werden ersteinmal keine zur Verfügung stehen, da der Mensch vorrang hat.

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass 

  • Katzen und Frettchen empfänglich sind für das SARS-CoV-19
  • in ihren Zellen sich das Virus replizieren (vervielfältigen  ) kann
  • die Ansteckung von Artgenossen durch Tröpfcheninfektion wie beim Menschen erfolgen kann
  • der Krankheitsverlauf bei Katzen und Frettchen mild ist
  • die Infektion in erster Linie durch infizierte Menschen erfolgt
  • die Infektion über die hoch virusbelastete Umgebung erfolgt.

Bisher gibt es keine Hinweise auf die Ansteckung des Menschen durch Haustiere, so dass die Katzen- und Frettchenhaltung keinen Risikofaktor für den Menschen darstellt.

Empfehlungen vom Friedrich-Löffler-Institut zu Haustieren, die sich in häuslicher Quarantäne befinden.

  1. Für Hunde, Katzen und Frettchen, die sich im Haushalt bei Personen befinden, die unter häuslicher Quarantäne stehen, werden keine Maßnahmen zur Absonderung / Trennung empfohlen.
  2. Die allgemeinen Hygienemaßnahmen sollten beachtet und ein zu enger Kontakt zum Tier vermieden werden. Nach dem Streicheln bitte die Hände waschen. Es sollte in die Armbeuge gehustet und der Kontakt des Haustieres mit diesem Bereich vermieden werden. Beim Umgang mit Lebensmitteln und Tierfutter ebenfalls vorher gründlich die Hände waschen.
  3. Bei eventuell auftretenden Symptomen kann eine Testung erfolgen. Fragen sie Ihren Tierarzt  , damit eine PCR (Polymerase Kettenreaktion) in einem Labor Klarheit über die Krankheit Ihres Lieblings geben kann.
  4. „Freigänger“ dürfen nicht den unter Quarantäne gestellten Haushalt verlassen.
  5. Katzen sollten nicht in einer Tierpension untergebracht oder mit fremden Katzen gehalten werden.
  6. Sollte ein Haustier positiv auf SARS-CoV-19 getestet werden, ist dies kein Grund für eine Einschläferung.

 

Abschließend kann gesagt werden:

  • Die Testung von Katzen und Frettchen mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion) kann bei einem speziell ausgestatteten Labor durch Ihren Tierarzt eingeleitet werden.
  • Die Testung von Hunden ist nach heutigem Kenntnistand nicht sinnvoll
  • Schweine und Geflügel   sind nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht empfänglich für das SARS-CoV-19.
  • Zu Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen sind derzeit keine Informationen zu finden.
  • Derzeit sind positive Nachweise bei Tieren nicht meldepflichtig. Es ist jedoch dringend zu empfehlen, die zuständigen Gesundheitsämter in Kenntnis zu setzen.
  • Ob künftig die Gesundheitsbehörden im Falle eines positiven SARS-CoV-19-Nachweises beim Tier seuchenhygienische Maßnahmen ergreifen werden, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht bekannt.