Das neue Hamburgische Hundgegesetz bald schon in ganz Deutschland?

Einleitung | Die zehn wichtigsten Inhalte | Kann sich das hamburgische Hundegesetz bundesweit etablieren | Die fünf wichtigsten Gründe gegen das Hamburgische Hundegesetz

Einleitung

ParagraphAus aktuellem Anlass und auf vielfältige Anfragen unser Internetbesucher haben wir die nachfolgende Information zu diesem Thema in abgekürzter Form verfasst. Den Gesetzestext mit genauem Wortlaut können Sie im Bereich Ratgeber unter der > Rubrik Recht / Verordnungen nachlesen.

Das neue Hamburgische Hundegesetz ist am 19. Januar 2006 vom Hamburger Senat beschlossen worden und tritt ab dem 01. April 2006 in Kraft.

Hierzu ist anzumerken, dass dieses Hamburger Modellgesetz, sollte es sich durchsetzen, möglicherweise auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden könnte. Aus tierärztlicher Sicht ist es jedoch nicht zu vertreten.

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Die zehn wichtigsten Inhalte

1. Haltung von Hunden der Kategorie I + II (> § 2 - Gefährliche Hunde): Für die Haltung von als gefährlich klassifizierten Hunden (Kategorie I) gilt ein allgemeines Verbot, welches durch die Erfüllung bestimmter behördlicher Auflagen aufgehoben werden kann, wenn eine Sondergenehmigung erteilt wird. Dieses recht umfangreiche Gebiet wird in dem Gesetzestext genauer erläutert.

2. Gehorsamsprüfung (> § 4 - Gehorsamsprüfung): Die Gehorsamsprüfung im Sinne dieses Gesetzes soll prüfen, ob das vom Halter geführte Tier den Anordnungen und Kommandos Folge leistet. Die Prüfung gilt allerdings nur für den Halter und seinen Hund. Sie ist nicht übertragbar. Demzufolge kann ein Hundesitter ohne Prüfung das Tier nicht ausführen. Die Prüfung soll von sachverständigen Personen oder Einrichtungen durchgeführt werden. Der Ablauf erfolgt nach einem noch nicht bekannten Prüfungsschema, das von der Behörde festgelegt wird.

3. Wesenstest (> Wesenstest): Durch den Wesenstest wird überprüft, ob ein Hund eine gesteigerte Aggressivität oder Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweist. Er wird nach festgelegten Standards von einer von der zuständigen Behörde anerkannten sachverständigen Person oder Einrichtung durchgeführt. Aus tierärztlicher Sicht lässt sich das gesamte Wesen eines Tieres nicht mit einem einzigen Test überprüfen, doch erlaubt dieser einen Eindruck von der Gefährlichkeit des Hundes zu bekommen.

4. Zuchtverbot (> § 21 - Verbot der Zucht, der Ausbildung   und des Handels): Hunde dürfen nicht mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren gezüchtet oder ausgebildet werden.

5. Aufsichtspflicht (> § 7 - Aufsichtspflicht) und Anleinpflicht (> § 8 - Anleinpflicht): Hunde sind so zu halten, zu führen und zu beaufsichtigen, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Hunde sind außerhalb des eigenen eingefriedeten Besitztums, in Mehrfamilienhäusern außerhalb der eigenen Wohnung, an einer geeigneten, insbesondere reißfesten Leine zu führen. Zur Anleinpflicht lesen Sie bitte unter > Aktuelles.

6. Anzeige- und Mitteilungspflicht (> § 13 - Anzeige- und Mitteilungspflicht): Die Halterin oder der Halter ist verpflichtet, der zuständigen Behörde unverzüglich nach Aufnahme der Hundehaltung folgende Angaben und Unterlagen zu übermitteln:

   
   
   
   
   
   

- Name und Anschrift der Halterin oder des Halters
- Nummer des Transponders
- Rassezugehörigkeit des Hundes oder Angabe der Kreuzung sowie Schulterhöhe des Hundes
- Geschlecht und Geburtsdatum des Hundes
- Bescheinigung des Versicherers über das Bestehen der Haftpflichtversicherung

7. Kotbeseitigungspflicht (> § 20 - Kotbeseitigungspflicht): Wer einen Hund außerhalb des eigenen eingefriedeten Besitztums, in Mehrfamilienhäusern außerhalb der eigenen Wohnung führt, ist verpflichtet, den Kot des Hundes aufzunehmen und ordnungsgemäß zu entsorgen, soweit dies im Einzelfall möglich und angemessen ist.

Besuchen Sie hierzu unseren > Ratgeber - Gassi gehen

8. Fälschungssichere Kennzeichnung (> § 11 - Kennzeichnungspflichten): Jeder Hund der den sechsten Lebensmonat vollendet hat, muss bis spätestens 31. Dezember 2006 mit einem > Mikrochip gekennzeichnet sein. Es ist ein schmerzfreies Verfahren, von dem auch keine gefährlichen Radiowellen für das Tier ausgesendet werden. Die Kennzeichnung durch einen elektronischen Mikrochip hat für den Tierhalter erhebliche Vorteile, die wir in unserem Abschnitt > Mikrochip genauer erläutern.

9. Haftpflichtversicherung (> § 12 - Haftpflichtversicherung): Die Halterin oder der Halter eines Hundes ist verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung ohne Selbstbeteiligung oder mit einer Selbstbeteiligung von höchstens 500 Euro zur Deckung der durch den Hund verursachten Schäden mit einer Mindestversicherungssumme in Höhe von 1 Million Euro für Personen- und sonstige Schäden abzuschließen und aufrechtzuerhalten. Über den für Ihr Tier richtigen und notwendigen Versicherungsschutz informieren Sie sich bitte auf unserer Seite > Versicherungsschutz für Halter und Tier oder unserem Partnerunternehmen der > Agila Haustierkrankenkasse.

10. Zentrales Register (> § 24 - Zentrales Register): Es wird ein zentrales Register bei den Ordnungsämtern angestrebt, in dem sämtliche Angaben von Halter und Tier gespeichert und auswertet werden können. Dieses Verfahren sichert auch die Einnahme der Hundesteuer.

tasso ev  
   
   

Registrierung im Zentralen Tierregister Deutschlands TASSO e.V.;
es arbeitet eng mit Tierschutzvereinen, Behörden und Tierärzten im gesamten Bundesgebiet zusammen. TASSO e.V. verfügt über eine zwanzigjährige Erfahrung bei der Rückvermittlung von Tieren. Im vergangenen Jahr konnten rund 30 000 Tiere rückvermittelt werden.
Die Rückermittlung ist - ebenso wie alle anderen Leistungen der TASSO e.V. - völlig kostenlos. Auch Tiere ohne Mikrochip können bei der TASSO e.V. registriert werden, jedoch gestaltet sich die Rückvermittlung dann erheblich schwerer.


Besuchen Sie jetzt die TASSO unter:

www.tiernotruf.org

iftaRegistrierung auf Internationaler Ebene bei der Internationalen Zentrale für Tierregistrierung IFTA.

 

Hier arbeiten verschiedene Tierregistrierungsstellen aus unterschiedlichen europäischen Ländern zusammen. Dies ist besonders von Vorteil, wenn Tiere die Familie auf Auslandsreisen begleiten. Auch im Ausland kann mit einem Lesegerät der elektronische Code des Mikrochips nach ISO-Norm gelesen werden. Durch die Eingabe des 15stelligen Nummerncodes in die Suchmaske der IFTA unter:

www.tierregistrierung.de
www.europetnet.com

www.europetnet.com kann mit Hilfe der angeschlossenen Datenbank das Fundtier seinem Besitzer wieder zugeführt werden.

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Kann sich das Hamburgische Hundegesetz bundesweit etablieren?

Wir denken, dass die Punkte sieben bis zehn so wichtig sind, dass eine bundesweite Einführung sehr wahrscheinlich ist. Die anderen Punkte, die hauptsächlich dazu dienen, den Bürger vor aggressiven Hunden zu schützen, werden nach Ansicht vieler Tierärzte zur Zunahme von aggressionsgeladenen, verhaltensauffälligen Hunden führen. Durch die Aktion "Fünf vor Zwölf" legte ein Großteil der Hamburger Tierärzteschaft symbolisch die Arbeit nieder, um nicht nur gegen die fachlichen Mängel des Gesetzes zu protestieren, sondern auch gegen die erheblichen finanziellen Belastungen, die auf die Tierhalterinnen und Tierhalter in Hamburg zukommen. Der vorgesehene generelle Leinenzwang ist schon unter Tierschutzaspekten bedenklich. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zum > Leinenzwang.

Grundsätzlich positiv ist es, Halter zur Erziehung ihrer Hunde zu animieren, allerdings sollte dies auf freiwilliger Basis geschehen, honoriert z.B. durch eine Steuerermäßigung.

Für bedauerlich halten die Tierärzte den kompletten Verzicht auf die Schulung der Halter in Sachkunde. Weil die meisten Zwischenfälle mit Hunden im privaten, häuslichen Bereich passieren, wäre mehr Sachkunde der Hundehalter die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Gehorsamstests der Hunde ändern an diesen Zwischenfällen gar nichts.

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Die fünf wichtigsten Gründe gegen das Hamburgische Hundegesetz

1. Rasselisten (trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse)

2. > Maulkorb und > Leinenzwang

3. Gefahr, dass sich sozial unverträgliche Hunde entwickeln (durch fehlende Gelegenheit zu normalen Hundekontakten aufgrund des Leinenwangs und zu wenig Freilaufflächen)

4. Trotz aller Reglementierungen keine effektive Vorbeugung vor möglichen Gefahren (die meisten Zwischenfälle geschehen im häuslichen Bereich)

5. Gefahrenpotential würde nur durch Wissen verringert (praktische Gehorsamsprüfungen unter Druck erhöhen nicht die Lust zu lernen - und die Sachkunde des Halters ist in Hamburg nicht gefragt).

Seitdem das neue Hamburgische Hundegesetz in Kraft getreten ist, mehren sich die Anrufe von Tierhaltern, die das Aussetzen ihres Hundes anonym anzeigen wollen.

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