Erkrankung der Harnwege

Kater steht mit erhobenen Schwanz und versucht zu urinieren.Während dieser Jahreszeit verlieren unsere Haustiere gerade ihr Sommerfell, was sie anfälliger macht. Sie verfügen nicht über eine ausreichende Isolierung gegen die Kälte, da sie das Winterfell noch nicht gebildet haben. Die Folge: eine Unterkühlung der Blase, die sich gereizt zeigt. Durch Belecken der äußeren Genitalien kann Speichel oder mit Darmbakterien  versetzter Speichel in den Genitaltrakt massiert werden. Dies kann das klinische Bild erheblich verschärfen. Durch die Besiedelung der Harnwege mit coliformen Bakterien können Infektionen entstehen, die im Endstadium zum Nierenversagen führen.

Wie erkennen Sie, dass Ihr Tier eine Blasenentzündung hat?

Die drei wichtigsten Symptome sind zur verbesserten Einprägung grafisch in der Tabelle dargestellt worden.

Zeichnung einer Katze die den Genitalbereich intensiv.Kater steht mit erhobenen Schwanz und versucht zu urinieren.Zeichnung einer Katze die während der Bauchpresse erbricht.


Sollte Ihr Tier die ersten zwei Symptome aufzeigen, ist ein Tierarztbesuch zur Abklärung unbedingt erforderlich. Zeigt das Tier bereits die Symptome der Abbildung 3., ist umgehend ein tierärztlicher Notdienst zu kontaktieren, den Sie in unserer Notdienstsuche ganz in Ihrer Nähe finden können.

Welches können die Ursachen für dieses Krankheitsbild sein?

Ein wichtiger Grund vor allem in dieser Jahreszeit können Bakterien sein, die von außen über die Harnröhre zur Blase aufsteigen. Durch das Sitzen auf einem kalten Untergrund unterkühlt der Bereich der Blase, da dieser nur durch die dünne Bauchdecke vor der kalten Fläche geschützt wird. Da in diesem Bereich nun die „normale Betriebstemperatur“ sinkt, arbeitet das Abwehrsystem nicht einwandfrei. Dies öffnet Eindringlingen, wie beispielsweise Bakterien, „Tür und Tor“. Für detaillierte Informationen lesen Sie weiter im Medizinlexikon das Kapitel Urologie – Infektion der Harnwege. Vor allem weibliche Tiere können betroffen sein, da die ableitenden Harnwege weiter und die Harnröhrenöffnung größer sind als beim männlichen Tier. Tiere mit einem besonderem Reinlichkeitsverhalten oder einer psychischen Störung, die zum frustbedingten, intensiven Belecken des äußeren Genitaltraktes führen, erkranken häufiger. Mit dem Speichel und der Kapillarwirkung der Harnröhre wird der Speichel förmlich nach innen gezogen.
Durch eine Infektion kann der natürliche pH-Wert des Harns verschoben werden.

Harnsediment unter dem Mikroskop, sehr spitze Kristalle sind sichtbar.

Der nun überwiegend saure oder stark  alkalische Harn kann zur Bildung von Harnkristallen oder Harnsteinen führen. Diese reizen beim Urinieren die Harnröhre oder verursachen Schmerzen. Durch intensives Putzen des äußeren Genitalbereichs werden weitere Keime eingeschleust, die eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes bewirken. Durch Entzündungseiweiß verkleben die kleinen Harnkristalle oder Harnsteine, was zur Verstopfung der Harnwege und zum Erliegen des Harnflusses führen kann. Für detailliertere Informationen lesen Sie im Medizinlexikon das Kapitel Urologie – FLUTD und FUS. weiter.

Kann ich selber eine Diagnose stellen?

Nein, leider nicht, da unterschiedliche Ursachen für das Krankheitsbild verantwortlich sind. Erschwerend kommt das gelegentliche Auftreten einer Kombination von krankmachenden Faktoren hinzu, die für eine unklare Symptomatik verantwortlich sind. Der Laie kann jedoch die Verhaltensauffälligkeiten bewerten und dann einen Tierarzt aufsuchen.
Nottierärzte in Ihrer Nähe finden Sie in unserer Notdienstsuche, unter „Tierärztlicher Notdienst“, jetzt auch als App für das iPhone® und iPad® kostenlos auf Tierklinik.de oder im Applestore verfügbar.
Der Tierarzt/die Tierärztin verfügt über besondere Diagnoseverfahren, wie die Untersuchung des Harns. Für detaillierte Informationen lesen Sie in unserem Medizinlexikon das Kapitel Urologie – Urinuntersuchung. Natürlich können auch Röntgenuntersuchungen und Sonografie weitere wichtige Hinweise liefern. Für mehr Informationen empfiehlt Tierklinik.de das Kapitel Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Stellt sich eine Infektion der Harnwege heraus, kann unser Kapitel Infektionen der Harnwege dem Laien interessante Aspekte zur Ursache, Diagnose und zu therapeutischen Maßnahmen vermitteln.

Die Behandlung

Der Tierarzt/die Tierärztin kann nach der Diagnosestellung eine entsprechende Behandlung anschließen. Diese kann von Verabreichung ausgewählter Antibiotika bis zu diätetischen Maßnahmen reichen.
Eine Behandlung mit Antibiotika sollte immer nach der Bestimmung des Resistenzverhaltens der Keime erfolgen. Die Gabe des Antibiotikums sollte regelmäßig über einen ausreichenden Zeitraum erfolgen. Während der Behandlung mit Antibiotika sollte der Urin erneut untersucht werden, damit eine Erfolgskontrolle der Behandlung erfolgen kann. Abschließend sollte 3 - 4 Wochen nach Beendigung der Antibiotikagabe eine weitere Harnuntersuchung erfolgen, damit die Behandlung als erfolgreich abgeschlossen und der Patient als geheilt aus der Therapie entlassen werden kann.
Harnsteine und Tumore bedürfen im Allgemeinen chirurgischer Maßnahmen, die im Einzelfall mit dem Tierarzt/der Tierärztin erörtert werden müssen.
Erkrankungen durch Harnkristalle, wie beispielsweise bei FLUTD oder FUS, können in einigen Fällen durch diätetische Maßnahmen behandelt oder vermieden werden. Als weiterführende Literatur empfiehlt Tierklinik.de unseren Ratgeber – Ernährung Harnsteine und FLUTD.
Denken Sie bitte daran, dass diese leicht zu übersehende Krankheit fortschreitet, wenn sie keiner rechtzeitigen Behandlung zugeführt wird. Das Resultat ist die Zerstörung der Nieren, was eine Urämie des Tieres nach sich zieht und schließlich zum Tod führt.
Einige Tierärzte setzen sich mit dieser recht brisanten Thematik gezielt auseinander. Spezialisten finden Sie in unserer Rubrik „Tierspezialistensuche“ im Spezialbereich Urologie.

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