Bordetellose

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Bakterien   der Gattung Bordetella   kommen bei allen Haussäugetieren und Wildtieren vor. Vor allem Bordetella bronchiseptica ist unter Tieren weit verbreitet. Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis hingegen sind auf den Menschen spezialisiert. Diese Erreger verfügen über eine große Affinität zu den Atmungsorganen, vor allem zu den Flimmerhärchen der Schleimhäute. Häufig werden diese Bakterien von anderen Keimen begleitet, wodurch das Krankheitsbild noch verschlechtert wird. Am bekanntesten ist sicherlich die Schnüffelkrankheit des Schweines, bei der sich > Pasteurella   multocida dazu gesellen. Vor allem bei Schweinen kommen die Keime latent (ohne klinische Symptome  ) vor. Aber auch kleine Nager, Hunde, Katzen und Vögel können die Erreger beherbergen und verbreiten.

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Erreger

 

Bordetella REMBordetella2 - Mikrophoto

Bordetella auf Nährboden


 

Die Struktur des Bakteriums ist kokkoid (beerenförmig, kugelförmig) bis oval. In der Größe variieren die Bordetellen zwischen 0,3-0,5 x 0,5-1,0 µm. Die Variationen werden besonders deutlich auf der elektronenmikroskopischen Aufnahme (Abb. links). Unter dem Lichtmikroskop (Abb. Mitte) erscheinen sie als kleine, kurze Stäbchen, die sich nach Gram-Färbung rot darstellen und somit als gramnegativ   klassifiziert werden. Die Bakterien kommen paarweise oder in kleinen Gruppen vor. Sie sind beweglich und besitzen kapselähnliche Strukturen an der Außenfläche (siehe Vergrößerung, Abb. rechts). Diese äußeren Membranproteine sind ein Ausdruck der Virulenz   (Grad der Agressivität der Mikrobe), die nach Passagierung (Übertragung von vermehrungsfähigen Keimen auf Nährmedien) durch Phasenmodulation verloren geht. So sind die bekapselten Bordetellen der Phase I am virulentesten, die Zwischenform sind die der Phase II, und die Bakterien der Phase III besitzen keine Kapselmembranproteine mehr und sind somit avirulent (harmlos). Die Bakterien dieser Gruppe verfügen über zwei hitzeempfindliche (thermolabile) Toxine   (Giftstoffe). Das eine heißt Dermonekrotoxin und verursacht schwere Gewebsschädigungen mit Gewebetod. Das zweite befindet sich in den Fimbrien (Geißelhärchen der Bakterie zur Fortbewegung) und wird als Hämagglutinin bezeichnet, weil es Blut verklumpt. Bordetella pertussis verfügt noch über ein spezielles Pertussistoxin, das einen besonders schweren Husten (Keuchhusten) durch Auslösung einer allergischen Reaktion mit vermehrter Produktion des Abwehreiweißes IgE verursacht, gefolgt von einer Histaminausschüttung aus den Mastzellen in das Gewebe   der Atemwege mit einer Schwellung der Schleimhaut und Schleimstau. Durch das tracheale Zytotoxin wird eine Lähmung der Flimmerhärchen der Schleimhaut verursacht, so dass der Selbstreinigungsmechanismus nicht mehr funktioniert und der Schleim nicht mehr abgehustet wird. So können sich die Bakterien ungestört vermehren.

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Übertragung

Infektionen   können durch direkten Kontakt mit Ausscheidungen (Augen- oder Nasensekret) und durch beim Niesen entstehende Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier übertragen werden.
Beim Menschen ist eine Übertragung von Bordetella bronchiseptica eher auf immunsupprimierte Personen, wie Leukämiepatienten oder AIDS-Patienten,beschränkt. Wie auch bei Infektionen beim Tier findet eine Ansteckung mit Bordetella pertussis oder Bordetella parapertussis durch Tröpfcheninfektion statt. Von entscheidender Bedeutung ist hier das Husten.

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Krankheit

Bordetellen FlimmerhärchenDie Bakterien werden mit kleinen Töpfchen aus den Atemwegen eines erkrankten Tieres geschleudert und gelangen über die Luft in die Atemwege eines gesunden Tieres, wo sie sich an die Flimmerhärchen der Schleimhaut anheften (siehe Grafik). Durch die Bildung von Giftstoffen wird der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege gelähmt. Durch verschiedene Toxine mit antigener Wirkung kann das Abwehrsystem auf die Eindringlinge aufmerksam werden. Gelingt die Verteidigungsattacke aber nicht rechtzeitig, verursachen weitere Giftstoffe durch Verklumpen des Blutes und Gewebeschädigungen den Zugang des Abwehrsystems zum erkrankten Bereich. Da im Nasenbereich besonders gute Bedingungen herrschen, können Erreger chronisch   ausgeschieden werden. Bei schlechter Abwehrlage kann die Entzündung   sich auf Bronchien und Lungen ausweiten!

 

Schweine  

SchweinRüsseldeformationkönnen die Erkrankung   häufig als latente Infektion   in sich tragen. Kommt es zur Besiedelung mit Pasteurella multocida, kann bei Jungschweinen durch Toxineinwirkung auf Schleimhaut und Knochen eine Rückbildung mit Verkrüppelung des Rüssels entstehen. Die Nase zeigt Verformungen und die typische Faltenbildung an der oberen Fläche. Diese Erkrankung wird als Schnüffelkrankheit bezeichnet und ist anzeigepflichtig. Es können sich schwere Bronchopneumonien anschließen, die zum Tod führen können. Für Schweinebestände können bei dieser Infektion schwerwiegende wirtschaftliche Schäden die Folge sein.

Fleischfresser - Hund und Katze

Bei Hunden zählt die Erkrankung mit zum Zwingerhustenkomplex, wobei die Vergesellschaftung von verschiedenen Erregern das Krankheitsbild deutlich verstärkt. Im allgemeinen verläuft die Krankheit ohne Fieber, multiple Organbesiedelung und Schwächung des Abwehrsystems. Nasenausfluss, Niesen und Husten sind jedoch häufig bei der Tracheobronchitis   (Luftröhren- und Bronchienentzündung) zu beobachten. Vor allem ein harter, lauter und trockener Husten ist kennzeichnend für die Erkrankung. In vielen Hundepopulationen sind nicht primär Bordetellen verantwortlich. In manchen Regionen können aber hohe Antikörpertiter nachgewiesen werden, was eine Primärinfektion nahelegt. Auch Hunde können asymptomatische Bordetellenträger sein und diese ausscheiden. Dies ist besonders wichtig für Hundepensionen und Tierheime.

Lungenentzündung Katze


Röntgenaufnahme einer Katze mit bakterieller Bronchopneumonie. Im hinteren Lungenlappen wolkige Entzündungsherde, in der Mitte ein zu großes Herz, das auf eine Herzinsuffizienz hinweist. Im Herzen können entzündliche Auflagerungen beobachtet werden.

 

Bei Katzen kommen erst seit jüngster Zeit Bordetellen ins Gespräch. Sie fallen unter den Katzenschnupfenkomplex und bilden eine wichtige Gruppe der Sekundärinfektionen. Katzen zeigen Symptome einer Atemwegserkrankung mit Niesen, Nasenausfluss, Husten und, in schweren Fällen, Rasselge- räuschen beim Abhören. Diese Anzeichen halten etwa zehn Tage an und klingen dann langsam ab. Bei Jungkätzchen kann eine schwere Bronchopneumonie (siehe Abb.) auch zu Todesfällen führen. Katzen mit deformierten Nasen, die ständig unter Schnupfen leiden, wie Perserkatzen, können chronisch Erreger ausscheiden. Dies ist besonders wichtig für Katzenpensionen und Tierheime, da eine Infektion sich schnell ausbreiten kann.

Nager

Vor allem bei Kaninchen, aber auch bei Ratten, Mäusen und Meerschweinchen, kommt es zu Niesen und evtl. Nasenausfluss, doch in den meisten Fällen ist eine Infektion symptomlos. Durch Sekundärinfektion, vor allem mit Pasteurellen oder in manchen Fällen auch mit > Chlamydien  , treten schwerwiegendere Symptome wie eitriger oder blutiger Augen- und Nasenausfluss auf. Nebenhöhlenentzündungen können zu Apathie   und Inappetenz   des erkrankten Tieres führen.

Mensch

Bordetella bronchiseptica kann nur bei Personen nachgewiesen werden, die über ein geschwächtes Abwehrsystem verfügen. Hierzu zählen unter anderem Menschen, die an Leukämie   oder HIV erkrankt sind. Das Bakterium   Bordetella pertussis verursacht den Keuchhusten, während Bordetella parapertussis eine Keuchhusten-ähnliche Bronchitis verursacht. Auch diese an den Menschen adaptierten Bakterien bilden Toxine (Giftstoffe), die schädigende Auswirkungen auf den Stoffwechsel   der Schleimhautzellen und Flimmerhärchen haben. Die meisten Keime werden in Form feiner Tröpfchen während der ersten und zweiten Woche nach Infektionsbeginn herausgeschleudert. Dies wird auch als katarrhale Phase bezeichnet, die einem grippalen Infekt sehr ähnelt. Die typische keuchende Phase mit sehr harten und "bellend-keuchenden" Hustenattacken tritt erst drei bis sechs Wochen nach der Infektion auf. Das Krankheitsbild beruhigt sich mit der ausklingenden Phase, die sich erst sechs bis acht Wochen nach Infektionsbeginn einstellt, zwei bis sechs Wochen dauert und mit Ausheilung endet. Außer einem wässrig-schleimigen Auswurf können Erbrechen und Schwindel auftreten. Beim Säugling können Komplikationen durch Blutungen, Lungenentzündung und Hirnhautentzündung auftreten und zum Tod führen. Eine Übertragung von Menschen auf kleine Haustiere ist möglich!

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Diagnose

Die Diagnose kann nur von spezialisierten Laboratorien durchgeführt werden. Die Tupferprobe muss während der Anfangsphase der Erkrankung genommen und zügig untersucht werden. Einige spezielle biochemische Reaktionen, wie die Katalase  -, Oxidase-, Nitrit- und Harnstoff-Spaltungs-Reaktion können zur Diagnosestellung beitragen. Das Bakterienwachstum ist jedoch recht langsam, so dass bis zur Diagnosefindung durchaus eine Woche vergehen kann.

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Therapie

Die Therapie muss vom jeweiligen Tierarzt   dem Schweregrad der Erkrankung angepasst werden. Mit Hilfe von Antibiotika  , wie Erythromycin oder Kombinationen, wie Sulfonamide mit Trimetoprim oder Amoxicillin mit Clavulansäure können Sekundärinfektionen vermieden und schwere Komplikationen verhindert werden. Auch Paramunitätsinducer und Interferone können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und zu einem beschleunigten Abklingen der Symptome führen.

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Vorbeugung

Für Hunde, Katzen und Menschen stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung. In vielen Fällen beherbergen die Tiere Erreger im Körper, die auf den richtigen Moment warten, um sich mit einem Verbündeten wie > Pasteurella multocida zusammen zu tun und eine schwere Erkrankung auszulösen. Vor allem hygienische Maßnahmen in Hundezuchten, Tierpensionen, Tierheimen und Ausstellungen sind von großer Bedeutung.

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