Helicobacter

Allgemeines:

Beim Menschen ist Helicobacter pylori bekannt als Erreger   für chronische   Magenschleimhautentzündungen sowie als ursachlicher oder begünstigend auslösender Faktor für Magengeschwüre und einige Formen des Magenkrebses.

Bei Hunden und Katzen können eine Reihe von diesen spiralförmigen Bakterien  , die als „helicobacter-like-organisms“, bezeichnet werden, nachgewiesen werden. Die Identifizierung der Spezies ist jedoch schwierig. So konnten für die Katze Helicobacter felis und bei Hunden und Katzen Gastrospilillium-like-organism (GLO)  sowie Helicobacter heilmannii (Letzterer auch beim Menschen) nachgewiesen werden.

In der Literatur wird davon ausgegangen, dass diese Keime zur „Normal-Flora“ der Magenschleimhaut gehören. Ursprünglich war man der Auffassung, dass durch die aggressive Magensäure kein Überleben von Bakterien im Magen möglich wäre.  Diese Bakterien verstoffwechseln jedoch Harnstoff zu Ammoniak und schaffen so ein alkalisches Milieu in ihrer Umgebung, das ihnen das Überleben sichert. Heute wird ihnen eine gewisse Pathogenität   zugesprochen, obwohl die Faktoren dafür noch nicht erforscht sind.

Helicobacter mit Gramfärbung Helicobacter mit Quick-Diff-Färbung
Helicobacter mit Gramfärbung   aus einem Magenabstrich einer Katze. Verhältnismäßig viele Bakterien im Ausstrich. Helicobacter mit Quick-Diff-Färbung aus einem Magenabstrich einer Katze. Ganze „Bakterien-Nester“, in denen sich unzählige H.felis tummeln.

Erreger:

Die Helicobacter unserer Haustiere werden häufig als „heliocobacter- like- organisms“  bezeichnet, da noch keine ausreichenden Studien zur Isolierung und Klassifizierung durchgeführt werden konnten.

Diese Bakterien haben einen spiralförmigen Körper, der sich mit der Gram  - Färbemethode negativ (rot) darstellt. Helicobacter bei Fleischfressern weisen eine Länge zwischen 4,5 bis 10 µm Länge auf. Sie lassen sich zum Teil nicht mit speziellen Helicobacter-Nährmedien anzüchten.

Es können soweit drei Bakterienarten erkannt werden:

  1. Helicobacter felis kommt bei katzenartigen Tieren vor, kann aber auch auf Hunde, Ratten und Mäuse übertragen werden. Diese Bakterien produzieren Zellschäden der Magenschleimhaut, indem sie der Magenschleimhaut  aufliegen oder in die Zellen eindringen. Wie der Zellschaden entsteht, ist nicht bekannt. (Lecoindre et al.; 1996).
  2. Gastrospilillium-like-organism (GLO). Es kommen  wahrscheinlich mehrere Arten bei Hund, Katze und Frettchen vor.
  3. Helicobacter heilmannii wird überwiegend bei Hunden angetroffen.  Diese Erreger dringen in die Magenschleimhaut, ohne zellschädigende Eigenschaften zu zeigen.

Übertragung

Die Aufnahme von Helicobacter findet über die oro-orale (Verschlucken von Speichel eines Trägertieres) oder durch oro-anale Übertragung (Belecken des Afters) statt. Auch Menschen können sich infizieren. Inwieweit  die Übertragung von Helicobacter pylori des Menschen auf das Haustier als Auslöser für chronische Gastritiden verantwortlich gemacht werden kann, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Reservoir  

Nach heutigem Kenntnisstand  können vor allem Katzen wie auch Frettchen als potenzielle Reservoirs für Gastrospilillium-like-organisms (GLO)  angesehen werden.

Pathogenität

Über den Pathogenitätsgrad der Helicobacter und Gastrospirilien ist wenig bekannt. Bei einem hohen Aufkommen dieser Bakterien mit gleichzeitigem Auftreten vermehrter Entzündungszellen, wie neutrophilen Granulozyten und Ausprägung der Lymphfollikel in der Lamina propria der Magenwand, geht man jedoch von einem durch Helicobacter ausgelösten Krankheitsbild aus. Besonders Gastritiden (Magenschleimhautentzündungen) der Katze, die mit lymphoplasmazellulären Infiltraten in der Magenwand oder deutlich erhöhten Zellzahlen der eosinophilen Granulozyten einhergehen, können als Indikator für Pathogenität von Helicobacter gesehen werden.

Diagnose  

Die Diagnose erfolgt häufig durch eine Gastroskopie, bei der die Veränderungen der Schleimhaut, wie zum Beispiel Rötung, beurteilt werden. Im gleichen Arbeitsgang werden Proben durch ein zytologisches Brushing entnommen, um einen Überblick über die Anzahl von Helicobacter und Entzündungszellen in der Probe beurteilen zu können. In einem weiteren Untersuchungsabschnitt werden Biopsien aus der Magenwand entnommen zur histopathologischen Beurteilung durch einen Pathologen. Zu guter Letzt werden Proben für die bakteriologische Aufarbeitung gewonnen, damit beispielsweise Campylobacter   nachgewiesen werden können.
Eine einfachere und für den Patienten schonendere Methode ist die PCR  , die aber leider keinen Anhaltspunkt über die möglichen Schäden, pathogenen Eigenschaften und Beteiligung von anderen Keimen geben kann.

Therapie  

Die Behandlung   wird dann erforderlich,  wenn chronische Magenschleimhautentzündungen über einen längeren Zeitraum bestehen und die Diagnostik entsprechende Hinweise auf eine durch Helicobacter ausgelöste Pathologie   ergab. Auch bei entsprechenden Verdachtsfällen hat die Therapie Erfolge gezeigt. Es werden verschiedene Behandlungsschemata empfohlen, von denen wir hier nur eines aufführen werden:

Amoxocillin mit Claculansäure verstärkt, 2x tgl. 20 mg/Kg KGW über 14 Tage
plus Metronidazol 2x tgl. 20 mg/Kg KGW über 14 Tage
Omeorazol 0,5 mg / Kg KGW während der ersten Woche
Danach Wismutsubsalicylat, 2 x tgl 10 mg / Kg KGW über 6 Wochen.

Dies ist lediglich ein Beispiel, das gute Ergebnisse geliefert hat. Andere Therapien mit Medikamentenkombinationen können vom Tierarzt   / Tierärztin frei je nach Fall zusammengestellt werden.

Kommt dem erkrankten Tier keine adäquate Therapie zugute, können sich in seltenen Fällen auch durch Einfluss anderer Medikamente   Magengeschwüre oder Magenkrebs entwickeln.

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