Listeria

Allgemeines

Bakterien   der Gattung Listeria sind Keime, die weltweit Verbreitung finden. Einige Spezies sind apathogen, andere, wie z.B. Listeria monocytogenes, können pathogen   sein. Sie sind hochansteckend, aber nur vom mäßig krankheitsauslösender Wirkung.  Trotzdem  kommt es dennoch gelegentlich zu Krankheitsausbrüchen beim Menschen, bei Haustieren oder freilebenden Tieren. Der Mensch kann durch verunreinigte Lebensmittel, aber auch durch einen sehr engen Kontakt mit dem Haustier angesteckt werden.

Bei Säugetieren und Vögeln kommen häufig subklinische Erkrankungen vor, wobei sich das Bakterium   im Darm einnistet und kontinuierlich mit dem Kot ausgeschieden wird. Die Krankheit  , die als Listeriose bezeichnet wird, entwickelt sich häufig erst nach einer Schwächung des Abwehrsystems, und Infektionen   können sporadisch durch diesen Keim aufflammen. Besonders betroffen sind landwirtschaftliche Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder  . Bei diesen Tieren unterliegt die Erkrankung   der Meldepflicht durch den Tierarzt  .  Bei Pferden und Schweinen sowie Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen kommt es eher selten und nur sporadisch zu Krankheitsausbrüchen.

Die Infektion   ist zunächst unauffällig ohne eine klinische Symptomatik  . Bei gleichzeitig auftretenden Faktoren, die das Abwehrsystem schädigen, wie zum Beispiel Wurmbefall, Futterumstellung, Trächtigkeit, aber auch durch andere Infektionskrankheiten durch Bakterien oder Viren   kann es zu einem Ausbruch der Listeriose kommen. Die ursprünglich über die Nahrung aufgenommenen Listerien sind jetzt in der Lage, über die Darmwand in den Körper von Tieren und Menschen zu gelangen. Als Folge davon kann es zur Blutvergiftung bis hin zur gefährlichen Hirnhautentzündung kommen.  Listerien können in den Körper eindringen mit Hilfe von strukturellen  Eiweißen auf ihrer Oberfläche, die es ihnen ermöglichen, die normale Barriere des Darmepithels zu durchbrechen. Diese Eiweißstoffe stimmen mit Eiweißstrukturen auf den Darmepithelzellen überein und bilden somit den Schlüssel für das Bakterien zum Eintritt in den Wirtsorganismus. Die Epithelzelle stülpt sich über das Bakterium und holt sich damit den Feind ins Innere. Dort angekommen vermehrt sich das Bakterium ungehemmt. Nach der ersten Vermehrungsphase kann es über die Blutbahn verteilt werden und schließlich das Gehirn   angreifen.

Erreger  

Listeria monocytogenes ist ein grampositives, kokkoides bis stäbchenförmiges Bakterium mit einer Größe von 0,6 -2,0 µm. Die nicht sporenbildenden Stäbchen konnten noch keiner Familie zugeordnet werden. Bei niedrigen Temperaturen von 20° C bildet Listeria monocytogenes Geißeln aus, die es ihr ermöglichen sich zu bewegen. Bei höheren Temperaturen von etwa 37°C werden die Flagellen (Geißeln) zurückgebildet.

Listerien wachsen gut auf allen handelsüblichen Nährböden. Oft gelingt ein guter Nachweis erst nach Anreicherung der Bakterien in einer selektiven Nährbouillon und auf selektiven, festen Nährmedien, wie z.B. Selektivnährboden Oxford und chromogenem Listerien-Agar.

Bild von Listeria monocytogenesBild von Listeria monocytogenesBild von Listeria monocytogenes


Bakterien bilden eine schwache Hämolyse  -Zone direkt unterhalb der Kolonie. Sie verstoffwechseln Glukose, gelegentlich auch Laktose. Listerien sind Aesculin- und  Catalase-positiv. Der Oxidase-, Indol- und H2S-Test ist negativ.

Übertragung

Unsere Haustiere nehmen die Listerien bei der Futteraufnahme durch verunreinigte Pflanzen, Rohfleisch und Rohmilchproduckte auf. Die häufigste Infektionsquelle sind jedoch Pflanzen oder verschluckter Erdboden, der zu einer latenten Infektion mit dem Erreger führen kann.

Krankheit

  1. Zerebrale Form (Entzündung   des Gehirns und der Hirnhäute)
    Diese Erkrankungsform ist vor allem bei Schafen und Rindern von Bedeutung. In den letzten Jahren sind die Fallzahlen vor allem beim Rind ansteigend.
  2. Septikämische Form (Blutvergiftung)
    Diese Form der Erkrankung tritt vor allem bei Neugeborenen auf, bei denen sich herdförmige Veränderungen in Organen bilden. Von der septikämischen Form sind besonders häufig Nagetiere, wie z.B. Chinchilla, und Vögel, wie z. B. Hühner, betroffen.
  3. Metrogene Form (führt zu Fehlgeburten = abortive Form)
    Latent im Uterus   angesiedelte Bakterien führen zu Frühgeburten oder zum Absterben der Frucht. Neugeborene, die überlebt haben, sind nicht lebensfähig. Diese Form der Erkrankung kommt vermehrt bei Rindern, Schafen und Schweinen auf.
  4. Mastitis   – Gesäuge  -Entzündung
  5. Latente Ausscheider
    Diese subklinisch erkrankten Tiere haben keine offensichtlichen Anzeichen der Erkrankung, da sie das Bakterium mit dem Darminhalt ausscheiden.

Diagnose  

Die Diagnose kann durch bakteriologische Isolierung aus Hirnwasser (Liquor),  Blut, Kot, Scheidenausfluss, Milch   oder Flüssigkeit aus dem Euter und Nachgeburten nach Anzüchtung gestellt werden.

Von verendeten Tieren können Hirnstamm, veränderte Organe (Leber, Milz und Nieren) entnommen werden. Durch Bebrütung auf einer Blutagar- Platte bei 30° C können dann die Listerien isoliert werden. Ist mit nur einer geringen Anzahl an Listerien zu rechnen, wie z.B. im Hirnwasser (Liquor), kann die selektive Anreicherung zum Nachweis des Bakteriums herangezogen werden. Nach der Anzucht werden die Stoffwechseleigenschaften der Keime sowie die pathogenen Eigenschaften wie Hämolyse, Toxinbildung und Beweglichkeit bei 20 °C überprüft.
Mittels spezifischer Antikörper   kann in spezialisierten Referenzlabors die Typisierung der Antigenstruktur zur Bestimmung der Serovare vorgenommen werden. Es sind zur Zeit 17 Serovare bekannt.

Therapie  

Da der Nachweis der Listeriose eine Herausforderung darstellt und häufig nicht rechtzeitig gestellt werden kann, kommt die Behandlung   oft zu spät.  Im Verdachtsfall kann eine antibiotische Behandlung mit Kombinationen aus Amoxicillin mit Clavulansäure plus Gentamycin oder mit Trimetropin verstärkte Sulfonamide in Kombination mit Gentamycin erfolgen. Bei bestehenden Nierenschäden  kann Gentamycin durch Erythromycin ersetzt werden.

Vorbeugung

Futter und Lebensmittel sollten durch ausreichendes Erhitzen für die Fütterung vorbereitet werden. Bei der Zubereitung von Gemüse und rohem Fleisch sollten im Anschluss die Hände, Arbeitsflächen und Werkzeige wie Messer gründlich gesäubert werden. Kranke, Immungeschwächte und Schwangere sollten grundsätzlich rohes Fleisch, Rohmilch und Rohmilchprodukte wie Käse meiden.

Benötigen Sie eine zweite Meinung? –
Oder möchten Sie einen Tierarzt sprechen?

0900-1-8437362**

**Telefon Sofort-Hilfe. Täglich von 10:00 - 19:00 Uhr für 1,99 €/Minute (Mobilfunkpreise können abweichen).

Weitere Informationen