MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

Spezieller MRSA  - Nährboden zur Bestimmung von MRSA innerhalb von 24 Stunden. Hier ist der Nährboden mit einer Reinkultur eines MRSA-Stammes beimpft worden - siehe rote Kolonien. Gleiches Bakterium   wie links mit 1000- facher Vergrößerung unter dem Mikroskop gesehen und mit einer Färbung nach Gram   behandelt. Dieser grampositive Staphylococcus   aureus zeigt hier nicht seine Eigenschaften als MRSA-Keim!

Was bedeutet eigentlich MRSA-Keim?

MRSA-Keime stammen ursprünglich aus harmlosen Bakterien  , die im Kommensalismus   mit ihrem Wirt leben. Diese Staphylokokken   besiedeln saprophytisch   die Haut und Schleimhäute von Mensch und Tier und halten diese gesund durch die Bildung eines Bioschutzfilms auf der Oberfläche. Durch eine oder wiederholte Antibiotika  -Exposition kann eine Veränderung des Bakteriums erfolgen, was zu einer Unempfindlichkeit gegen eines oder eine Vielzahl von Antibiotika führen kann, also einem Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.

Durch Mutationen können sich die „guten“ Staphylokokken, wie z. B. Staphylococcus saprophyticus, in bösartige Staphylococcus aureus verändern. Mit ihrer Eigenschaft zur Zersetzung von roten Blutkörperchen und Giftstoffbildung können sie z. B. zu Lebensmittelvergiftungen führen oder sich schließlich zu multiresistenten „MRSA“ -Erregern verwandeln.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Bakterium von Typ Staphylococcus aureus sich unter guten Bedingungen alle 30 Minuten teilt und somit verdoppelt, wächst die Population exponentiell innerhalb von nur 30 Stunden auf über drei Millionen Keime an. Durch die spezielle Größe der Erbsubstanz (Genom   2,8 x 106) ist mit ca. 300 Mutationen im Erbgut der Bakterien innerhalb dieser 30 Stunden zu rechnen. Nehmen wir jetzt ein Antibiotikum   ein, stirbt eine Vielzahl von Bakterien unter dessen Wirkung ab, doch durch die enorme Bakterienanzahl, die sich auf der Körperoberfläche und den Schleimhäuten ihres Wirts befindet und ihrer hohen Mutationsrate könnte es einigen Keimen gelingen, ihre Zelloberfläche so zu verändern, dass die notwendigen Strukturen für das Antibiotikum verändert werden und die äußere Zellmembran   undurchlässig für das Antibiotikum ist. Somit wäre dieses mutierte Bakterium resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum und dieses dadurch unwirksam in der Bekämpfung einer Infektion   mit diesem Keim. Durch das Prinzip der natürlichen Auslese überleben nun die resistent gewordenen Keime und vermehren sich, bis sie wieder auf ein Antibiotikum stoßen. Durch Mutationen und natürliche Auslese werden also Bakterien herangezüchtet, die Resistenzen gegen immer mehr Antibiotika aufweisen. In Japan sind Bakterien vom Stamm Staphylococcus aureus aufgetreten, die inzwischen Resistenzen gegen sämtliche bekannten Antibiotika zeigen. Sollte es nun zu einer Infektion mit diesem Keim bei einem Menschen oder einem Haustier kommen, kann dieses Krankheitsbild nicht mehr durch eine Therapie   mit Antibiotika kontrolliert werden!

Mutation   eines Staphylococcus

Wie schon angeführt, mutieren Batterien der Gattung Staphylococcus relativ schnell, was in diesem Versuch dargestellt werden sollte.

Ein Staphylococcus saprophyticus wurde über einen Zeitraum von drei Monaten in sich ständig ändernden Umgebungstemperaturen gehalten, die zwischen 37° Celsius und +4° Celsius wechselten. In dieser Zeit wurde der Nährboden sechsmal erneuert und dann der Keim einigen Tests unterzogen.

Spezieller Staphylokokken-Nährboden mit Staphylococcus saprophyticus, beimpft aus einer Reinkultur. Dieses ist ein normaler Bewohner der gesunden Hautoberfläche, der nicht krank macht, sondern Bestandteil des Bio-Films der Hautoberfläche ist.Links: gleicher Staphylococcus saprophyticus nach drei Monaten und sechs Passagen. Rechts: Staphylococcus aureus, sehr aggressiver Stamm, der Blut zersetzt, Giftstoffe produziert und im CAMP-Test positiv reagiert. Kein Unterschied!Links: gleicher Staphylococcus saprophyticus nach drei Monaten und sechs Passagen. Rechts: Staphylococcus aureus wie Mitte rechts. Beide zeigen eine beta-Haemolyse, zerstören also die roten Blutkörperchen im Nährboden. Kein Unterschied!


Unser Beispiel zeigt, wie der gutartige Keim, der den Schutzschild der Haut bildet, sich in einen bösartigen, krankmachenden Keim durch Mutationen im Erbgut verwandeln konnte.

Wo werden MRSA-Keime am häufigsten nachgewiesen?

Diese Keime sind vor allem in Krankenhäusern zu finden, wo sie insbesondere auf Intensivstationen, wo eine hohe Keimdichte auftreten kann, durch mangelhaft ausgebildetes Personal und unzureichende Hygienemaßnahmen auftreten können. So können die MRSA-Erreger   indirekt durch Handtücher und Gegenstände des Inventars übertragen werden.

Hauptbrutstätten sind jedoch Betriebe, die Massentierhaltung betreiben, aber auch Biobetriebe können durch MRSA belastet sein. Vor allem betroffen sind Mastbetriebe, die Geflügel (20 % MRSA), Puten (40 % MRSA) und Schweine   (30 % MRSA) halten. Inzwischen wird jedoch auch in Rindermastbetrieben (Kälber ca. 20 %) eine steigende MRSA Belastung nachgewiesen. Personen, die in Mastbetrieben mit einer intensiven Tierhaltung und einem hohen Antibiotikaeinsatz arbeiten, haben ein 180 % höheres Risiko, sich mit MRSA zu infizieren.

Welche möglichen Infektionsquellen für MRSA sind möglich?

Bei Menschen und Schweinen können MRSA-Keime durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen werden. Häufig befinden sich bei chronischen Trägern die MRSA-Keime in der Nase. Durch Niesen gelangt der Keim in die Umgebung, wo er sich verteilt. Auch durch Schmierinfektionen über die Hände gelangen die Keime auf Arbeitsflächen, Handtücher und gegebenenfalls auf Lebensmittel. Die infizierten Träger zeigen bis zum Zeitpunkt der Entwicklung einer Infektionskrankheit keine Symptome  . Auch Operationen können das Abwehrsystem schwächen und somit die Vermehrung der MRSA begünstigen.

In deutschen Krankenhäusern ist das MRSA-Screening noch sehr lückenhaft. Dennoch konnten bei ersten Untersuchungen 20 – 30 % der Patienten positiv getestet werden.

Welches Fleisch ist wie hoch mit MRSA belastet?

  • Putenfleisch (in Lebensmittelqualität aus dem Supermarkt) 88 % MRSA (Bund 1.2015)
  • Hähnchenfleisch (in Lebensmittelqualität aus dem Supermarkt) 26 % MRSA (Robert Koch Institut Dullweber Diss. 2010)
  • Masthähnchen, Abstrich der Atemwege 62,5 % MRSA (Robert Koch Institut Dullweber Diss. 2010)
  • Schweinefleisch (in Lebensmittelqualität aus dem Supermarkt) 43 - 70 % MRSA- positiv der getesteten Proben, auch Biofleisch (Ärzteblatt 1.2012)
  • Kälbermastbetriebe 89 % MRSA (Graveland et al. 2008)
  • Milchvieh – Euterentzündungen durch MRSA 14% (Vicca et al. 2008)
  • MRSA-Keime konnten auch bei Pferden, Hunden, Katzen und Meerschweinchen nachgewiesen werden, aber genaue Zahlen fehlen!

Hohe Zahlen an infizierten oder erkrankten Personen konnten in Regionen mit einem hohen Anteil an Schweinezucht und Mastbetrieben nachgewiesen werden. Vor allem die Bevölkerung in Niedersachen zeigt eine hohe Kasuistik.

Bei dem Verzehr von Fleisch, das mit MRSA-Erreger kontaminiert ist, besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dadurch zu erkranken. Vielmehr können durch die Zubereitung des rohen Fleisches im täglichen Leben Bakterien versehentlich verschmiert werden. Zum Beispiel öffnet die Mutter den Kühlschrank, während sie das rohe Fleisch zubereitet und bringt etwas Fleischsaft an den Griff der Kühlschranktür. Das Kind, das sich dann später etwas aus dem Kühlschrank nimmt und anschließend die Nase putzt, kann die MRSA-Keime dabei auf die Nasenschleimhaut aufbringen. Hier vervielfältigt sich dieser Erreger und gesellt sich zur natürlichen Flora der Schleimhaut, ohne dass irgendwelche Krankheitssymptome auftreten müssen. Erkrankt das Kind dann zum Beispiel an Masern, könnte der MRSA-Keim in den Körper streuen und im schlimmsten der Fälle zum Tod des Kindes führen.

Spezieller MRSA- Nährboden

Werden Arbeitsgeräte und Schneidbretter nur unzureichend gesäubert und desinfiziert, können über Schmierinfektionen MRSA-Keime in Wunden oder Lebensmittel gelangen.

Da zur Zeit keine aktuellen Zahlen in Bezug auf MRSA-Keime im Fleisch zur Verfügung stehen, wird Tierklinik  .de in Kürze eine Untersuchung in Auftrag geben, um aktuelle Zahlen über die Belastung mit MRSA in rohem Futterfleisch zu ermitteln!

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