Pasteurellose

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

PasteurDas prominenteste zu dieser Gattung gehörende Bakterium   ist Pasteurella   multocida, das bei fast allen warmblütigen Tieren nachzuweisen ist. Dem französischen Wissenschaftler Louis Pasteur (27.12.1822 - 28.09.1895) wurde mit dieser Bakteriengruppe ein Denkmal gesetzt, da er unter anderem Impfstoffe gegen Geflügelcholera, Tollwut   und Milzbrand entwickelt hat. Das Verfahren, mit dem Lebensmittel durch Erwärmung länger haltbar gemacht werden können, heißt heute noch Pasteurisierung oder Pasteurisation.

Da sich die Erreger auf der Schleimhaut der Nasenmuscheln und des Rachenraums einnisten und nicht gerade wählerisch in der Wahl des Wirtes sind, ist eine großzügige Verbreitung möglich. Eine ganze Reihe von Tieren können inapparente (unauffällige) Pasteurellenträger sein. Erpel erkranken selten. Katzen können die Erreger beherbergen und durch Kratz- oder Bissverletzungen übertragen. Bei landwirtschaftlichen Nutztieren und Kaninchenbeständen können diese Erreger schwere wirtschaftliche Einbußen verursachen. Häufig begünstigen Infektionen   mit Bordetella   bronchiseptica, Chlamydien   und Mycoplasmen den Verlauf der Erkrankung  . Diese Krankheit kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden; daher wird sie als Zoonose   klassifiziert.

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Erreger

Pasteurella mult. MikrophotoDiese Bakterien   sind kokkoide (nahezu runde) Kurzstäbchen von 0,4 x 1,0-1,4 µm. Bei der Gramfärbung   reagieren sie negativ und färben sich rot. Sie zeigen Neigung zur bipolaren Färbung, die aber kein Erkennungsmerkmal ist (s. Abb.). Diese Keime sind unbeweglich und gedeihen gut unter normalen atmosphärischen Bedingungen auf einem mit Blut und Eiweiß angereicherten Nährboden.


Pasteurella Blutagar

Dem Wachstum der Kolonien auf dem Nährboden entsprechend werden sie in die Typen M = mucoid (schleimig), S = smooth (glatt und gleichmäßig, s. Abb.) und R = rough (unregelmäßig; selten) eingeteilt. Pasteurella multocida bildet Toxine   (Giftstoffe), die beim Schwein für die Rhinitis atrophicans (Schnüffelkrankheit) verantwortlich sind.


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Übertragung

Infektionen können durch direkten Kontakt mit Ausscheidungen (Augen- oder Nasensekret), durch Biss- und Kratzwunden auftreten, aber häufiger noch durch fäkale Kontamination (z. B. durch Ratten, Mäuse oder Kaninchen). Da eine Vielzahl von warmblütigen Tieren Pasteurellen beherbergen können, sind auch vielfältige Infektionswege möglich. Bei chronisch   erkrankten Tieren ist beim Niesen eine Übertragung in Form einer Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier oder von Tier zu Mensch möglich.

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Krankheit

Da Pasteurella multocida bei einer Vielzahl von warmblütigen Tieren eine Infektion   der oberen Atemwege verursacht, soll hier nur kurz auf die wichtigsten eingegangen werden. Meist beträgt die Inkubationszeit 2-9 Tage. Chronische   Dauerausscheider sind nicht selten.

Die Erkrankung beim Schwein:

 
   

Schweinenase 1Rhinitis atrophicans, die sog. Schnüffelkrankheit, des Schweins wird durch Pasteurella multocida verursacht, besonders wenn das Wachstum durch > Bordetella bronchiseptica unterstützt wird. Durch Giftstoffe der Keime werden die Zellen der Schleimhaut geschädigt. Gleichzeitig sorgen die Giftstoffe und abgestorbenen Zelltrümmer für eine starke Entzündungsreaktion. Hierbei werden die Schleimhaut und der Knochen der Nasenmuscheln abgebaut, so dass die untere Nasenmuschel häufig vollständig verschwindet und der Rüssel vor allem bei jungen Schweinen zurückgebildet wird und verkrüppelt. Die Abbildungen zeigen den Querschnitt durch eine Schweinenase.

 

Schweinenase2Auf der oberen Abbildung sind die Nasenmuscheln intakt, die untere Abbildung zeigt das vollständige Fehlen der unteren Nasenmuscheln und einen deutlichen Rückgang der Strukturen im oberen Bereich der Nase.


 

Lungenpasteurelose Lungenentzündung beim Schwein, verursacht durch Pasteurella multocida. Der obere Lungenlappen ist atelektatisch (nicht mit Luft gefüllt) verklebt durch eitrige Flüssigkeit, was den Funktionsverlust des Lungenabschnittes verursacht. Zahlreiche eitrige Knötchen sind gut sichtbar im Lungengewebe. In den meisten Fällen besteht eine Primärerkrankung, wie eine Bordetelleninfektion oder Infektionen mit Mycoplasmen. Diese Krankheit ist hochgradig ansteckend, besonders wenn viele Tiere auf sehr engem Raum leben, z. B. in Schweinebeständen, in denen eine intensive Stallhaltung betrieben wird. Auch bei Kaninchenzüchtern kann ein erkranktes Tier schnell den ganzen Bestand anstecken. Der wirtschaftliche Folgeschaden kann verheerend sein.

Geflügelcholera oder Pasteurella-Infektion

Huhncolera2Huhncolera 1Bei Pute, Huhn, Gans, Ente und anderen Vogelarten nimmt diese Infektionskrankheit einen hochakuten oder chronischen Verlauf. Als Verursacher kann in den meisten Fällen Pasteurella multocida nachgewiesen werden. P. hämolytica und gallinarum haben nur als Sekundärerreger Bedeutung. Diese Erreger gehören nicht zur Normalflora der Vögel.

In der letzten Zeit konnte vor allem bei Erpeln eine chronische   Ausscheidung dieser Bakterien nachgewiesen werden, ohne dass diese Tiere erkranken. Im perakuten Krankheitsverlauf zeigen sich im Bestand der betroffenen Tiere nach einer Inkubationszeit von 4 bis 24 Stunden plötzlich auftretende Todesfälle mit stecknadelkopfgroßen Blutungen. Im akuten Krankheitsverlauf mit einer Inkubationszeit von 1 bis 4 Tagen kommt es zu Durchfall, Austritt von Schleim aus Schnabel und Nasenöffnungen sowie Atemnot. Der chronische Verlauf kann 1-2 Wochen und länger dauern. Es können Atemgeräusche mit schleimigem Nasen- und Augenausfluss auftreten. Schwellungen der Nebenhöhlen am Kopf, wobei die Augen und/oder Kehllappen anschwellen, sind nicht selten. In der Endphase wird der Kopf verdreht.

Pasteurellose beim Kaninchen/Kaninchenschnupfen:

KaninchenschnupfenBei Kaninchen ist dieser Erreger nicht nur für den sehr ansteckenden Kaninchenschnupfen verantwortlich, sondern kann auch häufig bei anderen Organerkrankungen nachgewiesen werden. Zu diesen zählen Bindehautentzündungen, Mittelohrentzündungen und Pneumonien (Lungenentzündungen). Infektionen des weiblichen und männlichen Geschlechtsapparates treten gelegentlich auf. Führen die Pasteurellen zu einer Septikämie   (Blutvergiftung), kann es zu plötzlichen Todesfällen kommen.

Auch bei Ratten und anderen Nagern treten Pasteurellen latent in den Atemwegen und im Verdauungssystem auf. Bei Ratten und Mäusen gehören sie zu den wichtigsten Krankheitserregern.

Erkrankung beim Menschen

Beim Menschen können nach Tierbissen Schwellungen der Lymphbahnen und -knoten auftreten. Folgt eine Sepsis   (Blutvergiftung), können die Keime zu einer Knochenentzündung (Osteomyelitis  ) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) führen. Eine Infektion im Bereich der Atemorgane kann von einer chronischen Bronchitis bis zur Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Chronisch erkrankte Personen können Keimträger sein und kontinuierlich Keime ausscheiden.

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Diagnose

Eine Möglichkeit der Diagnosestellung ist der mikrobiologische Erregernachweis, der von spezialisierten Laboratorien erbracht werden kann. Es stehen auch serologische Tests zur Verfügung, mit denen in einer Blutprobe Antikörper   nachgewiesen werden können.

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Therapie

Bei einer Reihe von Tieren ist eine Behandlung   nicht sinnvoll, da die Gefahr, Dauerausscheider zurückzubehalten, zu groß ist. Bei anderen Tieren kann eine Behandlung mit Antibiotika   versucht werden. Diese sollte aber nach einem Resistenztest erfolgen. In der Vergangenheit wurden Chloramphenicol und Gyrasehemmer, wie Enrofloxacin, empfohlen. Diese sind jedoch häufig nicht mehr wirksam. Außerdem sollten zusätzlich begleitende Maßnahmen in Betracht gezogen werden, die den Erfolg einer Behandlung steigern können.

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Vorbeugung

Hygienische Maßnahmen sind von entscheidender Bedeutung, z. B. ein  Vorgehen gegen Nager und deren Ausscheidungen, vor allem in Bereichen, in denen Futter gelagert wird. Für viele Tiere stehen Schutzimpfungen zur Verfügung, die in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden sollten.

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