Tuberkulose

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Die Tuberkulose wird durch ein Bakterium   übertragen, das Mensch und Tier befällt; daher wird die Erkrankung   als Zoonose   eingestuft. Obwohl Deutschland zu den tuberkulosefreien Ländern zählt, kommen doch hin und wieder in der Tiermedizin Infektionen   mit Mykobakterien vom Typ bovis und avium vor. Besonders groß ist jedoch die Gefahr, durch Reisen nach Osteuropa (z. B. Russland) oder durch Reisen nach Afrika oder Südamerika, beispielsweise Brasilien, Mycobacterium   tuberculosis oder atypische Stämme nach Deutschland einzuschleppen. Besonders die osteuropäischen Stämme verfügen über eine ungewöhnlich hohe Resistenz gegenüber bewährten Behandlungen mit Antibiotika  , so dass spezielle Reserveantibiotika eingesetzt werden müssen, was die Kosten mitunter bis um das 100-fache der üblichen Behandlungssätze erhöht.

Die TBC wird auch als die "vergessene Gefahr" bezeichnet, da weltweit alle 20 Sekunden ein Mensch an dieser Krankheit verstirbt und sogar in jeder fünften Sekunde jemand an Tuberkulose erkrankt.

Die Tuberkulose flammt immer wieder auf, auch in Industriestaaten, so dass Mensch und Tier von ihr ständig bedroht werden!

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Erreger

TBC - EMC-PhotoRasterelektronenmikroskopische Mikrophotographie von M. tuberculosis. Deutlich ist die Stäbchenform des etwa 10.000-fach vergrößerten Bakteriums zu erkennen. Es handelt sich um unbewegliche Bakterien  , die an den Polen abgerundet sind und keine Sporen   bilden. Die Länge variiert zwischen 1-5 µm und der Durchmesser zwischen 0,2 - 0,5 µm. Außer dem Erreger Mycobacterium tuberculosis des Menschen gelten in der Tiermedizin M. bovis vom Rind und M. avium des Geflügels als wichtige pathogene (krankmachende) Erreger. Es sind noch eine Vielzahl anderer Erreger dieser Familie bekannt, die aber nur gelegentlich zu Infektionen von Wichtigkeit führen. Alle diese Bakterienstämme können auf den Menschen und auf Haussäugetiere ,wie Hunde, Katzen und Meerschweinchen, übertragen werden. In seltenen Fällen ist eine Verschleppung durch wildlebende Vögel möglich.

TBC MikrophotoTBC auf LoewensteinagarLichtmikroskopische Mikrophotographie eines nach Ziehl-Neelsen gefärbten Auswurfes mit deutlich zu erkennenden TBC-Erregern als rote Stäbchen. Diese Bakterien sind säureresistent und somit widerstandsfähig gegen eine Vielzahl von Farbstoffen. Sie können nur mit Spezialfärbungen sichtbar gemacht werden. Zum Nachweis werden Begleitkeime durch Säure abgetötet und die TBC-Bakterien auf speziellem Löwenstein-Jensen-Medium (rechte Abb.) angezüchtet. Abschließend muss die Keimbestimmung durch Genanalyse erfolgen - ein zweifelsfreier Beweis.

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Übertragung

Die Übertragung erfolgt üblicherweise durch Tröpfcheninfektion. Vor allem mit dem Husten werden kleinste Flüssigkeitströpfchen als feines Spray in die Luft geschleudert. Jedes der Tröpfchen enthält eine Vielzahl von Erregern, die von einem anderen Tier durch Inhalation in die Lungen aufgenommen werden kann.

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Die Infektionskrankheit - allgemeine Mechanismen

Nach Erreichen eines neuen Wirtes gelangen die Erreger durch Inhalation tief in die Lungen bis in die Alveolen   (Lungenbläschen). Zunächst findet eine Vervielfältigung der Bakterien im Lungengewebe statt. Anschließend können die Keime in die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf einbrechen. Der Befall der örtlichen Lymphknoten oder benachbarten Organe folgt. Im Anschluss breitet sich der Erreger über den gesamten Organismus   aus. Das Abwehrsystem beginnt erst nach 4 - 6 Wochen mit einer Immunantwort, um der Fortpflanzung der Bakterien Einhalt zu gebieten. Dabei bleiben in vielen Fällen die stärksten Erreger zurück, die in eine latente Phase von einigen Monaten bis Jahren verfallen. Andere Infektionskrankheiten, die das Abwehrsystem belasten, aber auch Stress und schlechte Ernährung  , können die Tuberkulose wieder aufflammen lassen. In dieser Phase der Erkrankung sind die Erreger deutlich aggressiver. Sie zerstören die Lungen, aber auch andere Organe. Vor allem der Auswurf (Sputum) ist hochinfektiös, da eine Vielzahl von Erregern in ihm enthalten sind. Sie werden beim Abhusten mit Flüssigkeit als feines Spray in die Luft geschleudert.

Rindertuberkulose:

Die Rindertuberkulose wird durch das Mycobacterium bovis verursacht und ist sicherlich die wichtigste Infektionsquelle für den Menschen sowie für Haussäugetiere wie Katzen, Schweine   etc. Vor allem in Entwicklungsländern ist das Vorkommen deutlich erhöht. Der Hauptübertragungsweg sind Milch  - und Rohmilch-Produkte (nicht pasteurisiert). Die Übertragung über die Atemluft ist eher selten. Rinder   werden jedoch über die Atemwege infiziert, wobei der Erreger sich in der Lunge einnistet. In Anschluss befällt das Bakterium die angrenzenden Lymphknoten der Lungen und das Mycobacterium bovis überträgt sich auf die Leber, Nieren und Milz. In der Lunge entwickelt sich eine chronische   Entzündung   der Bronchien und des Lungengewebes, während die Organe die typischen Granulome (TBC-Knoten) bilden. Rinder sind sehr resistent gegen Mycobacterium tuberculosis des Menschen und Mycobacterium avium des Geflügels. Alle drei Erreger können jedoch Mensch und Schwein befallen.

Geflügeltuberkulose:

Dieses Krankheitsbild kann bei Zoo- und Liebhabervögeln auftreten. Der häufigste Erreger ist Mycobacterium avium. Doch auch andere Erreger können gelegentlich nachgewiesen werden, zumal als Infektionsquellen auch Menschen und andere Säugetiere infrage kommen. Die Erreger gelangen üblicherweise mit dem Futter oder durch Einatmen in die Lungen und Luftsäcke der Vögel. Die Ausscheidung der Keime erfolgt meistens mit dem Kot oder über die Eier. Auf diesen Wegen können die Mykobakterien auch auf Säugetiere übertragen werden und sich ausbreiten. Wie auch beim Rind und beim Menschen werden die verschiedenen Organsysteme beim Vogel befallen. Über Granulome (TBC-Knoten), die durch den Darm eine offene Verbindung zur Außenwelt haben, werden Keime mit dem Kot an die Umgebung abgegeben.

Tuberkulose des Menschen:

TBC LungeBei der Infektion   des Menschen ist mit einer Mortalität   (Sterberate) von 50 % der unbehandelten Patienten zu rechnen. Die Zahl der Patienten, die chronisch   erkranken, beläuft sich auf etwa 25 %, und diese scheiden auch dauerhaft Bakterien aus. Das verbleibende Viertel erfährt eine Spontanheilung durch das eigene starke Abwehrsystem. Der Zeitraum der Infektion ist dabei über fünf Jahre anzusetzen. Infizierte Personen können ohne klinische Symptome   erkrankt sein, dabei aber Bakterien ausscheiden und andere Personen infizieren. Häufiger Sitz von Mycobacterium tuberculosis sind die Lungen. Auch Organe, wie die Leber und die Nieren oder Knochen, können befallen werden.

TBC Haut Mensch offenTBC - Wirbel


Einige Personen können durch eine Verletzung   der Haut einen lokalen Primärinfekt durchmachen (siehe Abb.) oder bei Streuung eine generalisierte TBC der Haut entwickeln. In sehr schweren Fällen können die Hirnhäute und das Gehirn   von dem Bakterium befallen werden, besonders begünstigt durch eine HIV-Infektion.

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Diagnose

In der ersten Phase der Krankheit ist die Diagnose durch die intrakutane Tuberkulinprobe möglich. Spezielle serologische Verfahren ermöglichen es, Abwehrstoffe im Blut nachzuweisen. Damit diese Möglichkeiten zum Nachweis dieser gefährlichen Infektionskrankheit aussagekräftig bleiben, ist die Schutzimpfung   von Tieren verboten!

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Therapie

Bei Tieren darf eine Behandlung   nicht durchgeführt werden, da eine Infektionsgefahr für den Menschen während oder nach der Behandlung durch resistente Keime oder chronisch keimausscheidende Tiere zu groß ist.
Beim Menschen muss über einen langen Zeitraum mit speziellen Antibiotika intensiv behandelt werden.

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Prophylaxe  

Die Impfung von Tieren ist verboten! Gute Hygiene   bei der Haltung von Tieren ist essentiell! Serologisch positive Tiere müssen getötet werden!

In einigen Ländern werden Kinder gegen die Tuberkulose geimpft. Der Impfstoff genügt aber heutigen Standards nicht mehr. Vor allem die multiresistenten osteuropäischen Stämme verlangen nach einem neuen modernen Impfstoff. Auch wenn in Deutschland jährlich nur 7.000 bis 8.000 Personen an TBC erkranken, kommt die Gefahr vor allem aus dem Osten, wo die Zahlen um ein Vielfaches höher sind - bei schlechten Behandlungsbedingungen und mutierten Erregern.

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