Chlamydien

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Chlamydieninfektionen kommen bei zahlreichen wildlebenden Tieren, wie Säugern, Vögeln und Reptilien   vor. Somit können Chlamydien   auch bei nahezu allen in Haus und Hof gehaltenen Tieren auftreten. Beim Menschen gibt es spezielle an den Menschen adaptierte Arten, aber auch vom Tier auf den Menschen übertragbare Arten.

Die häufigsten Krankheitsbilder sind Konjunktivitiden (Bindehautentzündungen), Pneumonien (Lungenentzündungen), Polyarthritiden (Gelenkentzündungen), Enteritiden (Darmentzündungen), Meningitiden (Hirnhautentzündungen) und Infektionen   der Genitalorgane, die zum Abort   (Fruchttod) führen können. In vielen Fällen bleiben auch nach Ausheilung latent Erreger zurück, die zu erneuten Krankheitsschüben führen können. Als häufigste Infektionsquellen für den Menschen kommen Vögel, Schafe und Katzen in Betracht. Diese Zoonose   (auf den Menschen übertragbare Krankheit) ist meldepflichtig und hat besondere gesetzliche Bestimmungen.

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Erreger

Bei dieser Erregergruppe handelt es sich um echte Bakterien  , da sie über DNS und RNS   verfügen, sich durch Querteilung vermehren und über einen eigenen Stoffwechsel   verfügen. Da es sich bei diesen Bakterien um obligate Zellparasiten handelt, dachte man lange Zeit, es würde sich um eine Art großer Viren   handeln.

Chlam MikrophotoChlamydien sind als Elementarkörperchen kokkoide Mikroorganismen   von 0,3 µm Durchmesser. Chlamydia trachomatis kommt ausschließlich beim Menschen vor. Sie verursacht Bindehautentzündungen und Genitalinfekte. Chlamydia psittaci hingegen ist Verursacher verschiedener Krankheitsbilder beim Tier und Menschen. Die lichtmikroskopische Aufnahme zeigt einen Augenabstrich bei einer Katze. Die Epithelzellen der Bindehaut sind von Chlamydia psittaci befallen (Pfeil), Entzündungszellen (rot umrandet) weisen auf den Entzündungsprozess hin.

Chlamydie ElektronenmikroskopChlamydien Zellkern markiertDie elektronenmikroskopische Aufnahme links zeigt ein Elementarkörperchen. Die Zellwand   der Bakterie ist deutlich zu sehen. Im Inneren sind Organellen   und andeutungsweise die Erbsubstanz (DNS) sichtbar. Daneben ist eine Schleimhautzelle voller Elementarkörperchen; der Zellkern (Sternchen) liegt oben am Rand der Zelle  , kurz vor dem Platzen (Exklusion; siehe Zyklus  ).

Zyklus der Chlamydien:

Chlamydien sind eine besondere Art von Bakterien. Sie sind auf die Vermehrung in Zellen angewiesen, weil Chlamydien kein ATP   (Adenosin-Triphosphat) synthetisieren   können und somit auf Energieversorgung durch die Wirtszelle angewiesen sind. Außerhalb der Zellen können sie in Form der Elementarteilchen widrigen Bedingungen trotzen und neue Zellen infizieren. Die intrazellulären Retikularkörperchen sind nicht ansteckend!

Chlamydia Graph1Die Infektion   der Zelle erfolgt durch das Elementarteilchen, das durch eine Vakuole     (flüssigkeitsgefüllte Blase) in die Wirtszelle eingeschleust wird.


Chlamydia Graph2In der Zelle differenzieren sie sich zu Retikularkörperchen (grün). Die teilen sich und bilden vorübergehend Intermediärkörperchen (hellgrün), die zu Initialkörperchen reduziert werden.


Chlamydia Graph3Retikularkörperchen werden nachgebildet, die erneut in die infektiöse Form der Elementarteilchen zerfallen, bis die Zelle gefüllt ist. Der Zellkern wird verdrängt. Die Vervielfältigung wird nach 30 Stunden beendet.


Chlamydia Graph4Die in der Zelle gebildeten Elementarteilchen reifen noch etwas nach und werden als infektiöse Partikel freigesetzt. Die Zelle platzt (Exklusion) und setzt die Erreger frei. Es kann ein neuer Zyklus nach 35-40 Std. beginnen.

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Übertragung

Eine Übertragung findet im Allgemeinen durch Tröpfcheninfektion statt. Auch Schmierinfektionen durch Aufbringen von Absonderungen auf entsprechend geeignete Körperregionen, wie Schleimhaut der Augen, Nase oder des Genitalbereichs kommen vor. Ein Verschlucken der Erreger mit verunreinigtem Futter ist eher selten der Fall.

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Krankheit

Chlamydiosen   bei Haustieren und Heimtieren verlaufen in der Regel symptomlos. Die Erreger können in ein latentes Stadium übergehen, wobei sie sich in Organen verschanzen und so unzugänglich für das Abwehrsystem sind. Bei Rind, Ziege und Schaf wird der Fortpflanzungsapparat bevorzugt. Es kommt dann zu Fehlgeburten, wobei Fötus   und Mutterkuchen für den Menschen sehr ansteckend sind. Auch Erkrankungen der Atemwege, Gelenke, Augen und des ZNS   (Zentralnervensystem) sind durchaus von Bedeutung.
Eine häufig nicht beachtete Gruppe, die in jüngster Zeit zunimmt, sind Reptilien und Amphibien, bei denen auch Chlamydiosen nachgewiesen werden konnten.

Chlamydienschnupfen der Katze:

Chlam-ktz KonjunktivaBei unseren Haustieren gibt es keine klinischen Anzeichen, die auf eine Infektion mit Chlamydien hinweisen. Im Verdachtsfall sollte eine mikrobiologische Untersuchung zur Klärung eingeleitet werden. Bei unseren Hauskatzen wird die chlamydienbedingte Bindehautentzündung durch eine eigene Art der Chlamydophila felis verursacht. Der Erreger kann durch Schmierinfektionen auf den Menschen übertragen werden und ein ähnliches Krankheitsbild beim Tierhalter verursachen. Bei der Katze und beim Menschen kann die Erkrankung   bei unzureichender Behandlung   chronisch   verlaufen und zu rezidivierenden Infektionen führen. Zusätzlich können Symptome   einer Rhinitis, wie Niesen und Schnupfen, auftreten. Da die Bakterien recht resistent gegenüber einer Behandlung mit Antibiotika   sein können und die Erkrankung meist bei jungen Tieren innerhalb des Katzenschnupfenkomplexes auftritt, ist die genaue Diagnose von großer Bedeutung für die richtige und gezielte Therapie. Des Weiteren ist es für die Familienmitglieder wichtig, auf etwaige Symptome zu achten, um einen sogenannten "Ping-Pong-Effekt" durch Re-Infektion zu vermeiden!

Psittakose (Papageienkrankheit) und Ornithose:

Psitacose-vogel

Chlamydien sind bei mindestens 380 verschiedenen Vogelarten nachgewiesen worden. Papageien sind häufig Träger von Chlamydia psittaci, besonders wenn es sich dabei um Wildfänge handelt. Dabei treten häufig keine Symptome oder Krankheitserscheinungen auf. Aus diesem Grund sind Regelungen und entsprechende > Gesetzestexte erlassen worden. Auch Wirtschaftsgeflügel, z. B. Puten und Enten, sowie auch Ziervögel  , Papageien und Tauben können Chlamydien beherbergen. Durch Kot und Staubaufwirbelungen kommt es zur Ansteckung des Menschen mit der Ornithose.

Erkrankte Vögel zeigen zunächst eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit Schwellung der Augenlider. Die Tiere sitzen aufgeplustert im Käfig mit verklebten Augen und Nasenöffnungen, wobei häufig ein grüngräulicher Kot in Form von Durchfall abgesetzt wird. Die Milz und Leber sind dabei stark vergrößert. Chronisch kranke Tiere zeigen eine angestrengte Atmung mit Entzündung   der Luftsäcke, Lungen, des Herzbeutels und Herzens. Papageien verweigern das Futter, sind lustlos und desinteressiert. Der Tod tritt nach zwei bis drei Wochen ein.

Chlamydien-Infektionen beim Menschen:

ChlamdickZu den häufigsten Erregern beim Menschen gehört Chlamydia trachomatis, die eine Geschlechtskrankheit hervorruft, z. B. beim Mann die Chlamydien-Urethritis, die sich durch den typischen "Bonjour-Tropfen" (einen morgendlichen Sekrettropfen, s. Abb.) kennzeichnet. In tropischen Ländern wird durch dieses Bakterium   eine Konjunktivitis (Bindehautentzündung) verursacht, die zum sog. Trachom führt (Schwellung der Lymphfollikel am oberen Lidrand) mit Lichtempfindlichkeit und verstärktem Tränenfluss bis hin zu Veränderungen an der Hornhaut und Erblindung.

Die geschlechtsbedingte Erkrankung ist die am häufigsten auftretende Chlamydieninfektion beim Menschen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland immerhin 10 % der Bevölkerung infiziert sind! Einige Subtypen der Chlamydia trachomatis konnten auch bei Tieren nachgewiesen werden. Auch Chlamydia pneumoniae spielt eine große Rolle. Wie ihr Name schon andeutet, führt diese Art zu Lungenentzündungen (Pneumonien) und zur Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Als Dritte im Bunde ist Chlamydia psittaci eher selten beim Menschen zu finden. Diese in den meisten Fällen von Vögeln übertragene Erkrankung verursacht grippeähnliche Symptome, die zu einer Lungenentzündung führen können.

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Diagnose

Chlam TestDer Erregernachweis ist schwierig zu erbringen, zumal für die Vermehrung lebende Zellen benötigt werden. Üblicherweise werden zu diesem Zweck bebrütete Hühnereier oder Zellkulturen eingesetzt. Für die Diagnose der Psittakose (Papageienkrankheit) mussten bis in jüngster Zeit Tierversuche mit Mäusen zur Diagnosefindung durchgeführt werden, da Chlamydia psittaci sich besonders gut im Bauchfell und in der Hirnhaut von infizierten Mäusen mikroskopisch nachweisen lässt. Heutzutage stehen moderne ELISA-Testverfahren zur Verfügung. In der tierärztlichen Praxis kann das QuickVue® System eingesetzt werden, das einfach in der Durchführung ist und als Schnelltest eingesetzt werden kann. Die blauviolette Kontrolllinie "C" zeigt die einwandfreie Funktion des Tests an. Durch die rote Linie "T" wird ein auf Chlamydien positiv getestetes Ergebnis angezeigt. Das links veröffentlichte positive Testergebnis stammt von dem bereits gezeigten Katzenauge mit der deutlichen Rötung der Bindehäute. Hier wurden mit einem sterilen Tupfer Zellen der Konjunktiva (Bindehaut) entnommen und durch chemische Methoden in der Probe zerstört, um die Elementarteilchen freizusetzen, die dann ein positives Ergebnis herbeiführten.

Andere moderne Untersuchungsmethoden sind geeignet und besser als ein Schnelltest, doch um einen ersten Anhaltspunkt zu erhalten, ist diese Methode durchaus angemessen. Der Tierarzt   kann eine Probe entnehmen und an ein spezialisiertes Labor einsenden. Eine Immunfluoreszenz-Untersuchung kann den Erreger in Organ- und Gewebeproben aufspüren. Heutzutage setzt sich jedoch immer mehr die Polymerase-Ketten-Reaktion durch, die von spezialisierten Diagnosezentren durchgeführt werden kann und kleinste DNS-Reste des Erregers aufspürt.

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Therapie

Da es sich bei diesen Erregern um Bakterien handelt, können einige Antibiotika therapeutisch wirksam und sinnvoll sein. Zu diesen Antibiotika zählen Tetrazykline wie Doxycyclin, Makrolide (z. B. Erythromycin) und Gyrasehemmer (wie Enrofloxacin und Marbofloxacin). Behandlungen sind im Allgemeinen langwierig, schwierig und führen häufig zu latenten Infektionen, die immer wieder aufflammen können. So muss der behandelnde Tierarzt entscheiden, ob eine Therapie überhaupt sinnvoll ist. Da die Erreger sich in den Zellen verstecken, sind sie vor dem Abwehrsystem geschützt, können aber bei erneutem Ausbrechen eine Infektion des Menschen verursachen.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung für Katzen stehen zurzeit zwei in Deutschland zugelassene Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Es kann sowohl gegen Chlamydien, > Katzenschnupfenerreger wie Caliciviren und Herpesviren sowie Katzenseuche   immunisiert werden. Für Schafe steht ein Impfstoff zur Verfügung.

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