Mycoplasma

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Allgemeines

Mykoplasmen   sind Bakterien  , die über keine Zellwand   verfügen und sehr klein sind. Da sie über keine Zellwand verfügen, sind sie unempfindlich gegen Antibiotika   der Penicillingruppe, die an der Zellwand angreifen. Mykoplasmen sind Mikroorganismen  , die ausschließlich Wirbeltiere befallen und am besten bei der Körpertemperatur ihres Wirtes gedeihen. Von den Mykoplasmen sind etwa 80 unterschiedliche Arten bekannt, die sowohl die Tiere als auch den Menschen parasitär befallen; dabei sind sie jedoch sehr spezifisch an ihren Wirt gebunden.

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Erreger

Es handelt sich um winzige Erreger, die selbst bakteriendichte Filter überqueren können. Diese Keime besitzen keine starre Zellwand wie die Bakterien, sondern nur eine Zellmembrane von 100 Angstöm im Durchmesser, die der Zellmembrane der Säugetierzelle ähnelt. Ihr Stoffwechsel   erlaubt es ihnen, z.B. Glukose (Zucker) zu verstoffwechseln, aber auch ein Haemolysin zu produzieren, das die Blutzellen zerstört. Sie heften sich vorzugsweise auf die Zellmembran   von Schleimhautzellen, Bindehaut, Nasenschleimhaut, Lungengewebe, Schleimbeuteln der Gelenke (Bursa   synovialis), Schleimhaut der Geschlechtsorgane und in schweren Fällen an die Hirnhäute. Sie sind die kleinsten Mikroorganismen, die sich selbstständig außerhalb einer Zelle   vermehren können. Die Mycoplasmen unterteilen sich in vier Familien und fünf Geschlechter, die in eine Vielzahl von Spezies unterteilt werden.

Die wichtigsten sind beim

Rind:

Mycoplasma mycoides und Mycoplasma bovis, die in Deutschland die wichtigsten Erreger darstellen. Sie verursachen hautsächlich beim Milchvieh Euterentzündungen (Mastitis  ). Diese Mikroorganismen können über die Gebärmutter auf den Fötus   übertragen werden. An zweiter Stelle stehen sie als Verursacher der Lungenseuche der Rinder  .

Ziege und Schaf:

Mycoplasma agalactiae verursachen Polyarthritiden (Gelenkentzündungen) und Pneumonien (Lungenentzündung)

Pferd:

Mycoplasma equigenitalium, Scheide und männlicher Genitaltrakt
Mycoplasma equirhinis verursacht Infektionen   der Atemwege bei Einhufern.

Schwein:

Mycoplasma hyorhinis, Mycoplasma hyopneumoniae, Infektionen der Nase und Lunge; verlaufen meist relativ gutartig und werden durch sekundäre Infektionen, z.B. mit Pasteurella  , bis hin zur Lungenentzündung geführt. Gleichzeitig werden die Herzklappen in Mitleidenschaft gezogen.

Geflügel  :

Mycoplasma gallisepticum; chronische   Entzündungen der Atemorgane, Mycoplasma meleagridis; bei Puten Sinusitis, Brutverlust, Verkürzung der Knochen, Mycoplasma iowae, Mycoplasma synoviae; Schleimbeutelentzündung bis Lungenentzündung.

Hund:

Mycoplasma canis, Mycoplasma haemocanis = Haemobartonella canis.

Katze:

Mycoplasma felis, Mycoplasma haemofelis = Haemobartonella felis, Mycoplasma haemominutum, Mycoplasma turicensis.

Ratte:

Mycoplasma pulmonis:

Lungenentzündung; Mycoplasma neurolyticum: Drehkrankheit

Mensch:

Mycoplasma pneumoniae, Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Anämien  , Mycoplasma genitalium, Infektionen im Genitalbereich, milde Nasen-, Rachen- und Halsentzündungen.

 

Mykoplasma remMykoplasma Kolonien SpiegeleiformMykoplasma Isolierung auf PPLO


 

Zur Anzüchtung dieser Erreger sind spezielle Nährmedien, z.B. PPLO (pleuropneumonia-like organism), notwendig, da diese Keime sehr hohe Ansprüche an das Nährsubstrat stellen.

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Krankheit

Beim Hund verlaufen die Symptome   meist unauffällig. Selten werden Anämien mit Milzvergrößerung und Schwäche des Abwehrsystems bei den Tieren beobachtet. Häufiger ist die zufällige Befundung bei Tieren, die als Mitbringsel aus dem Urlaub nach Deutschland eingeführt werden. Bei der Katze kann eine Infektion   leicht mit Rötung und Schwellung der Bindehäute, Nasenschleimhaut und schnupfenartigen Symptomen einhergehen, die nach etwa 14 Tagen abklingen. Es kann aber auch eine infektiöse Katzenanämie, die durch Mycoplasma felis oder Mycoplasma haemofelis verursacht wird, ausgelöst werden. Diese Erkrankung   wurde 1942 zuerst von Clark in Südafrika beschrieben. Er bezeichnete den Erreger Eperythrozoon felis als Verursacher der Hämobartonellose der Katze. Als Übertragungswege kommen blutsaugende Vektoren  , wie Flöhe und Zecken, in Betracht, aber auch die direkte Übertragung von Katze auf Katze ist möglich. Katzen können über Monate bis Jahre klinisch unauffällig sein. Durch Stress oder andere Krankheiten   kann die Infektion ausgelöst werden, wobei ein akuter Verlauf mit Fieber, blassen Schleimhäuten, Gelbsucht, allgemeiner Schwäche und Atemnot auftreten kann. Beim langsamen, chronischen Verlauf zeigen die Katzen Schwäche, blasse Schleimhäute und magern ab.

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Diagnose

Mykoplasmose Haemobartonellen KettenIm klinischen Laboratorium kann in vielen Fällen die Verdachtsdiagnose durch einen gefärbten Blutausstrich erstellt werden. Dabei zeigen sich die Haemobartonellen als einzelne kleine Stäbchen oder kleine Ketten. Diese können jedoch häufig mit Schmutz in der Färbelösung oder mit Howell-Jolley- Körperchen verwechselt werden, die aber größer sind. Beim Hund sind häufig Auslandsaufenthalte vorausgegangen; oftmals sind die Hunde unauffällig, und die Diagnose wird rein zufällig gestellt. Eine Anämie   kann durch das Haemolysin der Mykoplasmen bei vermehrter Aktivität des Parasiten   nach Stress ausgelöst werden. Eine Diagnosesicherung kann dann durch eine Fluoreszenzuntersuchung von frischem Blut oder durch eine heute immer beliebtere und sichere Methode der PCR   (Polymerase-Kettenreaktion) bestätigt werden, solange die Antibiotikabehandlung noch nicht zum Einsatz gekommen ist.

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Therapie

Die Erkrankung kann spontan   ausheilen, doch die infizierten Tiere bleiben zeitlebens Träger der Mykoplasmen. Auch bei einer Therapie mit Antibiotika kann eine vollständige Erregerelimination nicht erreicht werden. Behandelt werden kann mit Doxycyclin, Enrofloxacin, Tetracyclinen. Bei schweren Fällen wurden auch Caparsolate (Thioacetarsamid-Natrium) eingesetzt. Was letztendlich zum Einsatz kommt, muss der behandelnde Tierarzt   / Tierärztin entscheiden. Dies kann von Fall zu Fall variieren.

Bei Auslandsaufenthalten besser das Haustier nicht mitnehmen oder wenigstens eine strikte Zecken- und Flohprophylaxe durchführen.

Für Rinder, kleine Wiederkäuer   und Geflügel stehen Impfstoffe zur Verfügung.

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