Aspergillus

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Allgemeines

Aspergillus   gehört zu den Schimmelpilzen der Gattung Gießkannenschimmel. Diese Pilze   kommen vor allem im Heu und Kompost vor. Sonnenblumenkerne und Nüsse werden sehr oft befallen, so dass vor allem Papageien häufig von Aspergillus in den Lungen oder Luftsäcken erkranken. Es sind weltweit über 200 Arten bekannt. Die Wichtigsten für die Medizin sind Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus und Aspergillus clavatus. Im Haushalt ist der bekannteste Vertreter dieser Gattung Aspergillus niger, der als Mehltau auf feuchten Wänden wächst. Dieser Pilz ist auch von industrieller Bedeutung; einige seiner Stoffwechselprodukte, wie Zitronensäure (Konservierung und Säuerung von Nahrungsmitteln) und Lysozym (in Halsschmerztabletten, Konservierungsstoffen und in der Verwendung in der Käsezubereitung), finden unter anderem in der Lebensmittelindustrie Anwendung. Die morphologische Form des Pilzes erinnert an einen Gießkannenkopf, aus dem Wasser austritt und wurde erstmalig von dem Biologen P. Micheli 1729 beschrieben.

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Erreger

Durch die charakteristischen Eigenschaften der Kultur auf den Nährböden, dem morphologischen Aspekt der unterschiedlichen Fruchtkörper des Pilzes und der Anordnung der Pilzsporen, ist die Identifizierung des Erregers möglich. Die genaue Klassifizierung ist jedoch aufgrund der Artenvielfalt dieser Schimmelpilze   nur durch den erfahrenen Mykologen möglich. Da für die meisten Krankheitsbilder aber nur wenige Arten infrage kommen, ist auch der Tierarzt   in vielen Fällen in der Lage, eine Diagnose zu stellen.

Aspergillus fumigatus wächst unter Bildung von blaugrünen bis braunen Kolonien. Der Gießkannenkopf (Vesicula) hat einen Durchmesser von 30 μm und ist flaschenförmig. Die Konidiophoren (Wasseraustritt) haben eine max. Länge von 300 μm. Die Sporen   haben einen Durchmesser von 2,5 - 3,5 μm und besitzen eine raue, leicht wellige Oberfläche.

Aspergillus flavius wächst unter Bildung von gelbgrünen bis rotbraunen Kolonien. Die Vesicula hat einen Durchmesser von 65 μm und ist rund. Die Konidiophoren (Wasseraustritt) haben eine max. Länge von 2 000 μm. Die Sporen haben einen Durchmesser von 3,5 - 4,5 μm und eine glatte Oberfläche.

AspergillusAspergillus-fumigatusAspergillus-sporen


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Krankheitsbilder

1.- Lungen-Aspergillose  

Aspergillius-GraupapageiBei Papageienvögeln können Infektionen   der Luftsäcke und Lungen mit Pilzen der Gattung Aspergillus verhältnismäßig häufig vorkommen. Der Pilzbefall kann im Röntgenbild dargestellt werden. Die Lungen sind verdichtet und erscheinen mit einem höheren Kontrast als beim gesunden Tier. In den Luftsäcken befinden sich fleckenartige Veränderungen. Häufig ist an diesem Krankheitsbild Aspergillus fumigatus beteiligt. Zur genauen Diagnose sollte eine Endoskopie der Luftsäcke und Gewinnung von Pilzmaterial zur Diagnose erfolgen. Leider werden erkrankte Vögel häufig erst sehr spät in der tierärztlichen Praxis oder Klinik   vorgestellt, so dass diese zu geschwächt für eine endoskopische Untersuchung sind. Die Behandlung   muss in vielen Fällen auf Verdacht erfolgen. In großen Hühnerbeständen oder Geflügelfarmen kann es durch ungünstige Verhältnisse im Stallklima zu Infektionen mit Aspergillusarten bei den Küken kommen und zu großen wirtschaftlichen Verlusten führen.

Bei Säugetieren, wie zum Beispiel Hunden, kommt es zu Infektionen der Nase und Nebenhöhlen. Auch Pferde   sind für diese Pilzart empfindlich, eine Ansiedlung findet häufig in den Luftsäcken statt. Hunde und Katzen können an der Lungenaspergillose erkranken. Meist sind sie aber schon stark geschwächt oder haben ein schlechtes Abwehrsystem. Beim Menschen und bei Katzen kann diese Pilzerkrankung auch eine Komplikation bei der Inmunschwäche HIV oder Katzen-AIDS-Infektion   darstellen. Heimtiere  , z. B. Ratten, können verhältnismäßig oft an Infektionen der Nase und der Lungen mit Aspergillus erkranken.

2.- Aspergillom

Aspergillom Graupapagei 1Aspergillom chirugisch geöffnet


Aspergillus Nasenkatze

Die chronische   Entzündung   durch Aspergillus-Schimmelpilze im Gewebe   kann vor allem im Bereich der Nasenmuscheln zu tumorartigen Veränderungen und Wucherungen führen.


3.- Aspergillus-Abort  

Aspergillus fumigatus und andere Arten der Gattung Aspergillus können beim Rind und Pferd durch die Aufnahme von Mycotoxinen (Pilzgifte) mit verdorbenem Futter zu Fehlgeburten führen.

4.- Aspergillus-Intoxikation

Einige Arten der Gattung Aspergillus, z. B. Aspergillus flavus, können hochgiftige Toxine  , wie Aflatoxine, die bei leichten Vergiftungen Durchfall verursachen, bei schweren Vergiftungen sogar zum Tod führen, produzieren. Sicherlich ist das abhängig von der Dosis, dennoch sind die Aflatoxine hochwirksame Giftstoffe, die schon in kleinen Mengen über eine tödliche Wirkung verfügen. Sie führen auch häufig zu schweren Leberschädigungen. Werden Lebensmittel, die durch Schimmelpilze der Gattung Aspergillus verseucht sind, vom Menschen wiederholt aufgenommen, können durch diese Pilzgifte (Mycotoxine) Tumorerkrankungen der Leber und des Magens ausgelöst werden.

5.- Allergien durch Aspergillus

Schimmelpilze können zu einer Überempfindlichkeit des Abwehrsystems mit allergischen Reaktionen führen. Nicht nur der Mensch kann mit Asthma auf die Pilzsporen reagieren, sondern auch Hunde und Katzen. In einigen Fällen kann eine Entzündung der Atemwege und des Lungengewebes zu einer allergischen Bronchopneumonie mit starker Atemnot und Auswurf führen.

6.- Hirnaspergillose - Mykose des Zentralen Nervensystems (ZNS  )

Über die Blutgefäße kann der Pilz bei stark eingeschränkter Abwehrlage des Organismus   auch das Gehirn   und die Hirnhäute erreichen. Diese Infektionsvariante wird beim lebenden Tier meist nicht gestellt, kann aber im Hirnwasser nachgewiesen werden. Als pathologischer Sektionsbefund kann aber in seltenen Fällen der Aspergillus im Gehirn dargestellt werden.

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Diagnose

Granulome und Aspergillome können im Röntgenbild dargestellt werden. Eine genauere Diagnose kann erst durch eine Endoskopie mit Biopsie   (Gewebeproben-Entnahme) oder Sekretgewinnung erfolgen. Auch Biopsien von Lymphknoten oder Organen können durch histopathologische Aufarbeitung zur Diagnose führen. Im Sekret   der Bronchien und aus Luftsackspülflüssigkeit und aus Hirnwasser (liquor cerebrospinalis) kann beim Säugetier der Erreger mikroskopisch nachgewiesen werden. Bei einer Allergie   ist der Nachweis schwieriger. Durch einen Reaktionstest der Haut auf eine spezielle Schimmelpilztestsubstanz kann der Allergiker erkannt werden. Es kann der kulturelle Nachweis des Pilzes durch Anzüchtung auf einem Sabouraud-Dextrose-Agar nachgewiesen werden. Diese Schimmelpilze wachsen schnell. In der Regel sind nach 48-72 Stunden Kolonien gewachsen, die mithilfe der morphologischen Charakteristika der Pilze die Klassifizierung ermöglichen. Aspergillus fumigatis kann verhältnismäßig leicht identifiziert werden, da er auch bei höheren Temperaturen als 37° C auf dem Nährboden anzüchtbar ist.

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Therapie

Die Behandlung ist schwierig und langwierig. Da Pilze zu den Eukaryoten (Lebewesen, die über einen echten Zellkern und eine Zellmembran   verfügen) zählen, und die Zellen der Säugetiere und Vögel auch, haben Pilzmedikamente (Antimykotika  ) einen stärkeren toxischen Einfluss auf die Organe von erkrankten Tieren als Antibiotika   und müssen sehr viel exakter dosiert werden. Wirksame Medikamente   sind Amphotericin-B, Caspofungin, Fluconazol und Voriconazol. Die Behandlung muss über viele Monate erfolgen.
Systemische Mykosen (Ausbreitung des Pilzes im gesamten Organismus) sind fast immer hoffnungslos und führen ausschließlich zum Tod des Individuums.

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