Influenza - Grippe

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Die Influenza  , im Volksmund auch Grippe genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren   verursacht wird. Influenzaviren kommen vor allem bei Menschen vor. Bei den Haustieren Pferd, Schwein und Vogel (Geflügelpest) können diese als wirtsspezifische Erreger nachgewiesen werden. Der beim Hund vorkommende Zwingerhusten   wird unter anderem durch ein Parainfluenzavirus verursacht, das nur eine gewisse Ähnlichkeit mit den Influenzaviren aufweist. Durch Rekombination oder Mutationen zwischen dem Virus   des Menschen mit Schweine  - oder Geflügelviren können besonders aggressive, für den Menschen gefährliche, Stämme (Serotypen) entstehen. Die Grippe des Menschen hat im letzten Jahrhundert mit drei großen Pandemien und mehreren kleineren, immer wiederkehrenden Epidemien kräftig zugeschlagen. So hat die Spanische Grippe im Jahre 1918/19 weltweit etwa 30.000.000 Menschenleben gefordert. Die Asiatische Grippe 1957/58 hatte ihren Ursprung in China. Sie forderte weltweit etwa 1.000.000 Menschenleben, davon 30.000 in Deutschland. Die Hongkong-Grippe im Jahre 1968, die bis 1970 aktiv war, forderte 700.000 Menschenleben, davon 30.000 in Deutschland. Wie die Asiatische Grippe, entstand das Virus der Hongkong-Grippe durch die Rekombination eines Influenzavirus des Menschen mit einem Vogelgrippevirus.

Alle Jahre kommt die Grippe des Menschen wieder. Dabei starben in der Epidemie von 2002/2003 alleine in Deutschland 16.000 erkrankte Personen. Selbst bei durchschnittlichen Grippeepidemien sind 5.000 bis 8.000 Tote in Deutschland zu beklagen. Durch immer wieder neue Rekombinationen der Grippeviren kommen immer wieder mehr oder weniger aggressive Influenzaviren in Umlauf.

nach oben

Erreger - das Virus

Influvir 2Die Influenzaviren gehören zum Genus (Geschlecht) der Orthomyxoviren. Influenzaviren können in die Serotypen A, B und C gegliedert werden. Alle 3 Serotypen kommen beim Menschen vor, nur die Serovariante vom Typ A konnte auch beim Pferd, Schwein und Vogel (Geflügelpest) nachgewiesen werden. Da Viren vom Typ A am verbreitetsten und aggressivsten sind, ist diese hier als wichtigste Gruppe zu betrachten. Die Viren bestehen aus sphärischen Teilchen von 80-100 nm.


Infuvir 3 GraphAn der Oberfläche des Virus befinden sich Spikes (Fortsätze), die dem Virus die Affinität zu Schleimhäuten verleihen und beim Einschleusen in die Wirtszelle helfen. Diese Spikes bilden Oberflächenantigene, die im Verhältnis 5:1 aus hämagglutinierenden (blutverklumpenden) Spikes (rot; H) und Neuraminidase-haltigen Spikes (Enzym  , das Neuraminsäure aus den Mucoproteinen der Schleimhaut spaltet; rosa; N) bestehen. Die Oberflächenantigene, die vom Abwehrsystem erkannt werden können, werden für die Bezeichnung des Virustyps unter Einbeziehung des Ursprungsortes und des Jahres verwendet. So wurde die Typenbezeichnung des Hongkong-Grippevirus von 1968 in die folgende Bezeichnung zusammengeführt: A/Hongkong/1/68 (H3N2). Das vor einiger Zeit in Asien grassierende Influenzavirus des Geflügels trägt die Bezeichnung (H5N1), da es 5:1 Oberflächenantigene aufweist. Im Kern verfügt das Virus über spiralförmig angeordnete RNS   (Ribonukleinsäure), die das Erbmaterial des Virus darstellt. Der Aufbau eines Virus ist sehr viel komplizierter, es soll jedoch hier nicht weiter ins Detail gegangen werden. Influenzaviren vom Serotyp B verursachen sporadische Erkrankungen in Ballungsgebieten, vorzugsweise in Altenheimen und Rehabilitationsstätten. Viren vom Serotyp C treten häufig auf, verursachen aber nur selten Krankheitssymptome.
nach oben

Übertragung

SneezeDie Übertragung der Viren erfolgt beim Menschen häufig durch Tröpfcheninfektion. Die Abb. rechts zeigt eine Person beim Niesen. Aufgenommen mit Stroboskopblitz und einer Hochgeschwindigkeitskamera, konnten die kleinen Tröpfchen sichtbar gemacht werden, die bei nur einer einzigen Niesattacke in den Raum geschleudert werden. Bei genauer Betrachtung der Wolke vor dem Gesicht können kleinste Tröpfchen und Schleimfäden erkannt werden, die nur von einem anderen Wirt eingeatmet werden müssen. Bei Pferden und Schweinen findet die Infektion   über ausgeworfene Keime im Aerosol statt. Hühner und Enten können sich außerdem über den Kot bereits erkrankter Tiere infizieren.

nach oben

Krankheit

Influenzaviren gelangen durch die Hilfe eines Sekrettröpfchens in die Atemwege eines gesunden, aber exponierten Tieres. Das Virus verfügt über eine hohe Affinität zu den Schleimhautzellen (Epithelien) der Atemwege. Durch die hämagglutinierenden Moleküle auf den Spikes dockt das Virus an Kohlenhydratmoleküle in der Membran   der Wirtszelle an. Dabei aktiviert das Virus Rezeptoren in der Zellmembran  , die eine Endozytose auslösen, mit der das Virus in die Zelle   eindringt. Durch einen Abfall des pH-Wertes im endosomalen Bläschen   verschmilzt die Virusmembran mit der Membran des Transportbläschens. Hierbei wird der Inhalt in das Zytoplasma   der Zelle freigesetzt. Das virale Erbgut (RNS; Ribonukleinsäure) wird in den Zellkern transportiert, wo frische Kopien erzeugt werden. Diese werden zurück in das Zytoplasma (Zytosol) der Zelle transportiert, wo sie in neue, frische Viruspartikel eingebaut werden. Durch die Hilfe der Neuraminidase-haltigen Spikes können die Viren die Zelle durch Aussprossung verlassen, um dann viele neue Zellen infizieren zu können.

Pferde  -Influenza:

Verursacht durch Influenzaviren vom Typ A equi 1 und equi 2. Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage. Die Krankheit verläuft mit Entzündung   der Nasen- und gesamten Atemwegsschleimhaut, der Bindehäute (Konjunktiven), Schwellung der Mandeln (Tonsillitis), Fieber und trockenem Husten. Gesellen sich noch Bakterien   zu diesem Krankheitsbild, folgt eine Bronchopneumonie (Entzündung der Bronchien und der Lungen). Alle ungeimpften Pferde werden angesteckt, etwa 1 % stirbt.

Schweine-Influenza:

2 -3 Tage nach der Infektion beginnt die Schleimhaut der oberen Atemwege abzusterben. Die Tiere sind ruhiger, appetitlos, haben Fieber, trockenen Husten, Nasenausfluss und eine Bindehautentzündung. 4-6 Tage nach der Infektion kann eine Lymphknotenschwellung auftreten und in mehreren Bereichen der Lungen können sich eitrige Herde entwickeln. In einem Stall erkranken meistens 25 -40 % der Tiere. Einige Tiere zeigen keine Symptome  , können aber zu Erregerträgern werden.

Geflügel  -Influenza:

Siehe Geflügelpest. Sie ist eine hochinfektiöse Krankheit von Hühnern, Enten und einigen Wildvögeln.

Influenza des Menschen:

Sie ist besser als Grippe bekannt, jedoch nicht mit einer Erkältung zu verwechseln. Nach einer Inkubationszeit von 1-3 Tagen treten Halsschmerzen, Niesen, Husten, Fieber mit Schüttelfrost, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen auf. Die bei der Grippe auftretende Bindehautentzündung, Pharyngitis (Rachenentzündung) und Bronchitis kann sich leicht zur Pneumonie (Lungenentzündung) ausweiten und wird oft von Durchfall und Erbrechen begleitet. Wenn keine Komplikationen auftreten, hat das Abwehrsystem die Erkrankung   nach 1-3 Wochen im Griff, und die Genesung setzt ein. Bakterielle Begleitinfektionen können das Krankheitsbild drastisch verschlechtern.

nach oben

Diagnose

Die Diagnose kann nur vom Tierarzt  , Arzt oder Pathologen gestellt werden. Außer den klinischen Anzeichen können Erregernachweise in Zellkulturen erbracht und spezielle Bluttests durchgeführt werden (Serologie : HAH-, AGP und Neuraminidase-Test sowie Subtypennachweise H1N1, H1N2, H3N2, H5N1, H7N1 etc.). Anatomisch-histopathologische Untersuchungen durch einen erfahrenen Human- oder Veterinärpathologen können post mortem zur Diagnosestellung führen.

nach oben

Therapie

Beim Tier gibt es keine Therapie. Durch Antibiotika   kann Vorsorge gegen bakterielle Sekundärinfektionen betrieben werden. Die Tiere sollten in ihren Stallungen ruhig eingestellt werden. Zugluft sollte vermieden werden. Eine gute Stallhygiene ist wichtig.
Beim Menschen gilt die Ruhigstellung (Bettruhe) als sehr wichtig. Durch antivirale Stoffe wie Zanamivir und Oseltamivir kann das Virus an der Fortpflanzung gehindert werden, wenn die Medikamente   zu Beginn der Krankheit eingenommen werden. Durch die Gabe von Antibiotika können bakterielle Sekundärinfektionen vermieden werden.

nach oben

Vorbeugung

Da die Exposition meist nicht vermieden werden kann und das Virus hoch infektiös ist, sollte man auf einen guten Impfschutz zählen. Für Pferde stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Diese sind jedoch nur sinnvoll, wenn alle Tiere im Stall diesen Impfschutz erhalten. Auch für Rinder   und Schweine sind Impfstoffe erhältlich. Der Impfschutz ist aber nur von kurzer Dauer und muss regelmäßig aufgefrischt werden. Für das Geflügel ist eine Impfung nicht zulässig, eine Grippeinfektion wird als Seuche definiert - die Tötung infizierter Bestände ist gesetzlich vorgeschrieben!

Für den Menschen wird jedes Jahr ein neuer Cocktail zur Schutzimpfung   gegen Grippe zusammengestellt. Dies ist notwendig, da die Oberflächenstruktur durch Rekombinationen oder Mutationen des Virus ständig verändert wird und vom Abwehrsystem des Körpers nicht mehr erkannt werden kann. Besonders gefährdete Personen wie Senioren oder chronisch   Kranke sollten sich einer Impfung unterziehen. Nur durch einen guten Impfschutz können die eingangs erwähnten Pandemien verhindert werden !

nach oben

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Benötigen Sie eine zweite Meinung? –
Oder möchten Sie einen Tierarzt sprechen?

0900-1-8437362**

**Telefon Sofort-Hilfe. Täglich von 10:00 - 19:00 Uhr für 1,99 €/Minute (Mobilfunkpreise können abweichen).

Weitere Informationen