Katzenschnupfen-Komplex

 Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Definition

Katze mit KatzenschnupfenUnter dem Begriff "Katzenschnupfen  " wird eine Reihe von Krankheiten   zusammengefasst, die ein ähnliches klinisches Bild haben, jedoch von ganz unterschiedlichen Erregern verursacht werden. In einigen Fällen können auch mehrere Erreger am Krankheitsbild beteiligt sein. Je nach Erreger, Anzahl der beteiligten Keime, Ernährungszustand und Abwehrlage des erkrankten Tieres, kann der Katzenschnupfen-Komplex auch zu einer schwerwiegenden Erkrankung   mit Todesfällen führen.

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Erreger

Da es sich bei dieser Krankheit um einen Krankheitskomplex handelt, der durch eine Vielzahl von Erregern, wie Herpesviren, felinen Caliciviren, Picornaviren, Reoviren, Parainfluenzaviren, Chlamydien  , Mykoplasmen   und Bakterien   verursacht werden kann, wird an dieser Stelle nur auf die Wichtigsten eingegangen, die in Bezug auf schwere Infektionen   und Impfung von Bedeutung sind.

1. Calicivirus

CalicivirusDas Calicivirus der Katze zählt zur Gruppe der Picornaviren und ist daher ein sehr kleines RNS  -Virus  . Die Inkubationszeit des Virus beträgt nur 1-2 Tage unter natürlichen Bedingungen. Das Virus vermehrt sich in der Schleimhaut der Bindehäute der Augen, der Mundschleimhaut und den Mandeln. Nach 4-7 Tagen kann das Virus in den Körper ausschwärmen, wo dann die Luftröhre und Lungen vorzugsweise befallen werden, und Bakterien gesellen sich zum Geschehen, was zur Lungenentzündung führen kann. Aufgrund der starken Schmerzen im Maulbereich bei der Nahrungsaufnahme stellen die Tiere häufig das Fressen ein, was Auszehrung und Energieverlust bewirkt. Oft ist eine Intensivtherapie notwendig, um den Patienten zu retten.

2. Herpesvirus

HerpesvirusHerpesvirus beim Angiff auf eine KörperzelleDas Herpesvirus vom Typ-1 der Katzen ist ein DNA  -Virus, das sein Erbgut in die infizierten Zellen einschleust und fest mit dem Erbgut der Wirtszelle verankert. Das Herpesvirus verbleibt auch nach der Heilung für das gesamte verbleibende Leben im Körper der Katze. Dieses kann zu chronischen, sporadisch aufflackernden Krankheitsphasen führen. Es wird auch diskutiert, dass die Bildung von Tumoren im Nasen- und Rachenbereich durch dieses Virus begünstigt werden kann. Die Inkubationszeit beträgt 2-5 Tage. Der lateinische Name (Rhinotracheitisvirus) verrät, dass dieser Erreger Entzündungen der Nase und der Luftröhre verursacht. Er bildet zunächst Bläschen  , anschließend Schleimhautgeschwüre durch das Absterben von Bereichen des Rachens und der Nase, wobei auch die Nasenmuscheln stark zerstört werden. Durch die Geschwüre im Maul und auf der Zunge werden Schluckbeschwerden verursacht, die zur Futterverweigerung führen. In schweren Fällen kann eine Ausbreitung des Virus in die Lungen erfolgen, und bei besonders schweren Krankheitsverläufen kann auch das Zentrale Nervensystem (ZNS  ) befallen werden. Häufiger ist jedoch ein Befall der Hornhaut der Augen durch das Virus.

3. Chlamydien

ChlamydieChlamydien REMChlamydien sind eine Erregerform, die zwischen Virus und Bakterie steht. Chlamydien pflanzen sich in einer Wirtszelle fort, einem Virus ähnlich, können aber im Gegensatz zu Viren   mit Antibiotika   behandelt werden. Sie befallen vorzugsweise die Atemwege und den Genitaltrakt. Sie können durch Spezialfärbungen in Zellen als Elementarteilchen sichtbar gemacht werden oder mit Hilfe vom Antigennachweiß (Erregernachweiß) in infiziertem Material durch spezielle biochemische Verfahren nachgewiesen werden. Eine Behandlung   gestaltet sich im allgemeinen schwierig und hartnäckig.

4. Bordetella  

BordetellaDiese kleinen gramnegativen kurzen Stäbchen sind bewegliche Bakterien, denen seit Kurzem erst Aufmerksamkeit im Katzenschnupfen-Komplex geschenkt wird. Beim Zwingerhusten   des Hundes sind diese Erreger häufig beteiligt und öffnen für andere Keime Tür und Tor. Besonders in Zuchten, Tierheimen und Tierpensionen ist dieser Keim von großer Wichtigkeit. Oft unauffällig eingenistet, kommt es beispielsweise unter Stresssituationen zum Ausbruch von Erkrankungen der oberen Atemwege bei älteren Katzen mit Schnupfen und/oder Husten. Durch bakteriologische Untersuchung eines Rachen- oder Nasenabstriches kann der Keim nachgewiesen werden.

5. sekundär Flora

MykoplasmenMykoplasmen sind sehr kleine Mikroorganismen   (kleiner als Bakterien), die über ein aus DNA bestehendes Erbgut verfügen. Obwohl sie keine eigene Zellwand   besitzen, können sie sich selbstständig außerhalb von Zellen vermehren. Die Mykoplasmen leben parasitär auf den Schleimhäuten der Tiere, sind aber nicht alle pathogen   (krankmachend).


Pasteurella multocidaPasteurella   multocida kommt bei praktisch allen warmblütigen Tieren vor. Es handelt sich um ein gramnegatives, kurzes, nicht bewegliches Stäbchen, das Giftstoffe (Haemolyse und Gewebenekrose) verursacht. Es bevorzugt den Rachen-Nasenraum, Mandeln und obere Atemwege. Besonders bei Kaninchenzuchten verursacht es schwere Verluste. Aber auch bei Hund und Katze können Pasteurella multocida aus den oberen Atemwegen isoliert werden.

Klebsiella pneumoniaeKlebsiella   pneumoniae kommen einerseits in der Umwelt der Tiere (Erdboden, Wasser, Einstreu, Futtermittel) und andererseits als Besiedler der Schleimhäute vor. Dieses gramnegative Bakterium   kommt auch häufig im Darm vor. Es verursacht schwere Lungenentzündungen als Sekundärinfektion, beispielsweise im Anschluss an eine Virusinfektion.


StreptokokkusStreptokokkus  : Einige dieser grampositiven Bakterien leben saprophytisch   in der Mundflora, andere haben pathogene (krankmachende) Eigenschaften erlangt, wie die Bildung von Toxinen und Besiedelung neuer Lebensräume, wie zum Beispiel die Lunge. Dieses Bakterium bildet kurze oder lange Ketten und gesellt sich gern zu bestehenden Krankheitsprozessen.


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Übertragung

Die Übertragung erfolgt durch Versprühen von infektiösem Material durch Niesen oder Husten, also als Tröpfcheninfektion von Katze zu Katze. Auch über den Speichel kann eine Infektion   stattfinden, wenn ein nichtinfiziertes Tier direkten Kontakt mit einem infizierten Tier hat.

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Krankheit

Katzenschnupfen SiamkatzeDer Katzenschnupfen-Komplex sollte nicht mit einer gewöhnlichen Erkältung verwechselt werden! Es handelt sich, wie bereits beschrieben, um eine schwere Erkrankung der oberen Atemwege und der Schleimhäute der Augen. Die Krankheit bricht je nach verursachendem Erreger nach ein bis fünf Tagen aus. Zunächst röten sich die Schleimhäute durch eine vermehrte Durchblutung und schwellen durch das Entzündungsgeschehen an. Die Viren zerstören Zellen der Schleimhaut, welche aufbricht und geschwürartige Defekte bilden kann. Diese werden von Bakterien besiedelt, die durch ihre Giftstoffe die Gewebeschädigung verstärken.

Katzenschnupfen Rachen Geschwür auf ZungeDie Kätzchen haben starke Schmerzen beim Fressen und der Wasseraufnahme. Das abgestorbene Gewebe   wird in Form von eitrigem Sekret   ausgeschieden. Da die Tiere häufig nicht sehen und riechen können, der allgemeine Zustand schlecht ist und starke Schmerzen und Unwohlsein das Krankheitsbild begleiten, wird eine Behandlung in einer Tierklinik   unumgänglich. Das Krankheitsbild kann wenig spezifisch sein mit Mattigkeit, Appetitverlust, Gewichtsabnahme   und Fieberschüben. Durch den Befall des Abwehrsystems (Lymphdrüsen) wird eine Immunschwäche ausgelöst, die Tür und Tor für andere Erreger öffnet. So kann eine Katze eine Schnupfensymptomatik zeigen, wie die links im Bild mit eitrigem Nasenausfluss und tränenden Augen. Es können außerdem Entzündungen des Rachenraumes auftreten und Durchfall. Die weißen Blutkörperchen können vermehrt oder vermindert auftreten. Eine Gelbsucht kann das Krankheitsbild begleiten.

Bei Infektionen mit dem Herpersvirus können auch Krankheitsrezidive auftreten, da das Virus im Körper verbleibt. Beispielsweise bildete sich bei dieser erwachsenen Katze, die zuvor schon einen Katzenschnupfen erlitten hatte, erneut ein Zungengeschwür nach einer Stresssituation, wodurch die Abwehrlage vermindert wurde und die Krankheit ausbrach.

Katzenschnupfen Infekt im AugeAuch Herpesinfektionen am Auge können rezidivieren (erneut auftreten). Das Auge der Katze ist mit einem Farbstoff angefärbt; sichtbar sind die typischen dendritischen (strahlenförmig) Ausläufer auf der Hornhaut. Eine Behandlung ist auf jeden Fall notwendig. Schwere Augenentzündungen können zur Erblindung und zum Verlust des Augenlichtes führen.

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Diagnose


Die Diagnose kann nur der Tierarzt   / die Tierärztin stellen. Außer der klinischen Untersuchung können aber auch Blutuntersuchungen hilfreich sein, um den Zustand des Patienten beurteilen zu können. In einigen Fällen können Abstriche helfen, gewisse Keime zu überführen oder Resistenzbestimmungen durchführen zu lassen. Die verschiedenen Untersuchungen helfen Ihrem Tierarzt / Ihrer Tierärztin die notwendige Behandlung einzuleiten.

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Therapie

Katzenschnupfen InhalationstherapieDie Therapie sollte möglichst frühzeitig begonnen werden. Sie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Der Tierarzt kann eine Passivimpfung einsetzen, die dem Tier vorgefertigte Abwehrstoffe gegen Herpes- und Caliciviren zur Verfügung stellt. Antibiotika können bakterielle Sekundärinfektionen bekämpfen oder verhindern. Künstliche Ernährung   und Dauertropftherapie können in schweren Fällen notwendig werden. Paramunitätsinducer und Interferone können das Abwehrsystem stimulieren und vor allem bei Viruserkrankungen von wertvoller Hilfe sein. Der letzte Schritt der Behandlung soll das Leid und die Schmerzen lindern, die Inhalation von ätherischen Ölen, beispielsweise Kamille, feuchtet die Atemwege an. Bei der Inhalation ist darauf zu achten, dass das Fell der erkrankten Tiere möglichst trocken bleibt oder anschließend getrocknet wird, um die Krankheit nicht zu verschlimmern.
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Prophylaxe   / Vorbeugung

Katzenschnupfen SpritzenDie beste Möglichkeit, eine schwere Schnupfenerkrankung zu verhindern, ist die Impfung. Es stehen hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung gegen Calicivirus, Herpesvirus, Chlamydien und Bordetella bronchiseptica. Die Impfung sollte jährlich erfolgen, aber Ihr Tierarzt wird sicherlich die speziell für Ihr Tier notwendige Impfpraxis entscheiden. Auch was geimpft werden soll, entscheidet am besten Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin, der / die Ihren Liebling am besten kennt.

Um Erkältungskrankheiten vorbeugen zu können, müssen allgemein vorsorgliche Maßnahmen getroffen werden, die sich immununterstützend auswirken und einen Angriff durch Bakterien und Viren abzuwehren helfen. Sehr wichtig ist eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft. Bei nassem Wetter sollten durchnässte Katzen mit einem Handtuch trocken gerieben werden und an einen warmen Ort zur Nachtrocknung gesetzt werden (Ofen oder Heizung, nicht zu heiß!). In der Übergangszeit vom Herbst zum Winter können Vitaminpräparate das Abwehrsystem unterstützen. Therapeutika, sei es Homöopathika oder pflanzliche Präparate, sollten nur nach tierärztlicher Anleitung und Absprache verabreicht werden. Die trockene Heizungsluft im Winter belastet auch die Schleimhäute unserer Haustiere, so dass eine Luftbefeuchtung durch Zimmerbrunnen oder Raumbefeuchter anzuraten ist.

Wichtig: Entgegen der fälschlichen allgemeinen Meinung müssen auch reine Hauskatzen und alte Katzen regelmäßig gegen Katzenschnupfen geimpft werden!

Auch bei alten Menschen wird die Grippeschutzimpfung empfohlen, da im Alter das Abwehrsystem träge wird und so ein wenig auf Trab gebracht wird!

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