Pocken oder Blattern

Definition | Erreger   | Übertragung | Krankheit   | Diagnose   | Therapie   | Vorbeugung

Allgemeines

Die Ursprünge der Pocken   sind nicht bekannt, jedoch durch alte Überlieferungen kann die Krankheit beim Menschen auf mindestens 3.000 Jahre zurückverfolgt werden. Die Mumie des ägyptischen Königs Pharao Ramses des II. zeigt deutliche Pockennarben. Auch alte indische Aufzeichnungen beschreiben eindeutig diese antike Krankheit. Bei den Pocken handelt es sich um eine fieberhafte Infektionskrankheit, die Menschen und Tiere befallen kann. Chronisch Kranke gibt es nicht, da nach überstandener Krankheit eine langanhaltende Immunität eintritt. Das Virus   ist jedoch in den meisten Fällen wirtsspezifisch, so dass eine ganze Reihe an unterschiedlichen Viren   zu dieser Familie gehören. Die Kuhpocken sind die am weitesten verbreitete Pockenerkrankung. Die Affenpocken haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Windpocken des Menschen (Windpocken werden durch ein Herpesvirus verursacht). Sie können auf den Menschen übertragen werden. Kamelpocken befallen auschließlich Dromedare und Kamele, obwohl sie dem menschlichen Variola vera Virus sehr ähneln. Weitere Pockenviren sind Mäusepocken, Schweinepocken, Schaf- und Ziegenpocken, Leporipoxvirus der Kaninchen, Parapoxvirus der Rinder   und Avipoxviren des Geflügels. Pockenerkrankungen sind meldepflichtige Infektionskrankheiten!

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Erreger

Orthopoxvirus 2Die Familie der Pockenviren beherbergt die größten bekannten Viren mit einem Ausmaß von ca. 200-250 nm x 300-350 nm. Sie können im Lichtmikroskop sichtbar gemacht werden. Poxviridiae werden in die Gattungen: Orthopox-, Avipox- und Leporipoxvirus unterteilt. Bei elektronenmikroskopischer Untersuchung erscheinen Orthopockenviren als backsteinförmige Partikel mit unregelmäßiger Oberfläche. Im Innenkörper befindet sich die DNS. Die anatomische Struktur des Viron haben wir anhand des Leporipoxvirus versucht darzustellen. Zur Diagnose des Virus kann Material aus dem Pockensekret oder z. B. aus einer kleinen Hautprobe (Hautbioptat) gewonnen werden. Der Erregernachweis kann anschließend mithilfe elektronenmikroskopischer Verfahren erfolgen. Zwei Vertreter der Familie der Pockenviren haben tumorgenerierende Eigenschaften; es sind das Yaba-Affen-Tumor  -Virus und das Leporipoxvirus, welches das Kaninchenfibrom auslösen kann.

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Übertragung

Die Übertragung erfolgt von Person auf Person durch Tröpfcheninfektion oder durch das Einatmen von virushaltigen Staubpartikeln, z. B. Variola vera, oder von Tier auf Mensch, z. B. Kuhpocken, oder mittels eines leblosen Vektors, wie z. B. Staub und Kleinstgegenstände. Viruspartikel können aber auch durch lebende Vektoren  , z. B. Nager, übertragen werden. Ein Beispiel für ein solches System sind die Katzenpocken, die von Kühen auf Mäuse, dann auf die Katze und schließlich auf den Menschen übertragen werden. Als letzte Möglichkeit sind Schmierinfektionen bei Kontakt mit dem Sekret   der Pocken in Betracht zu ziehen.

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Krankheit

Pockenerkrankungen werden am häufigsten durch Erreger der Orthopoxviren verursacht. Hierzu zählen Cowpox-, Variola Vaccinia- und das Variola-vera-Virus des Menschen. Anhand der Variola Vaccinia-Infektionen   bei der Verimpfung auf der menschlichen Haut, treten die folgenden gut sichtbaren Stadien auf: Rötung der Haut, Papelbildung, Bläschen  -, Pustel  -, und Krustenbildung. Selbst nach der Abheilung können Pockenviren noch monatelang in den abgefallenen Krusten überleben.

Pockenstadien Haut Mensch

Stadien der Hautveränderungen nach Impfung mit dem Variola Vacciniavirus.

1.- Kuhpocken:

Euterpocken2Kuhpocke 1


Pockenerkrankungen werden durch Erreger der Orthopoxviren verursacht. Hierzu zählen das Cowpox- und das Variola Vaccinia Virus. Bei Vaccinia-Infektionen beträgt die IKZ 3 - 7 Tage. Anschließend kann die Krankheit einen milden, lokalen (örtlichen) Verlauf an Euter und Zitzen haben. Beim schwerem Verlauf tritt ein allgemeines Krankheitsbild mit Läsionen der Schleimhäute und der inneren Organe auf. Nach 8 - 11 Tagen setzt der Selbstheilungsprozess ein, wobei die Krusten abfallen. Die echten Kuhpocken (Cowpox) sind heutzutage durch die radikalen Impfprogramme sehr selten. Als Auslöser der sog. "falschen Kuhpocken" kommt das Parapox-Virus in Betracht.

Das Vorkommen der Erkrankung   ist in Osteuropa und Russland recht häufig. Es besteht immer die Möglichkeit, das Erreger aus Osteuropa nach Deutschland eingeführt werden. Als Reservoir   dienen vor allem Nager, aber auch Menschen, Katzen, Hunde, Wildtiere  , Zoo- und Zirkustiere.

2.- Katzenpocken:

Katzenpocken PfotePocken treten immer wieder sporadisch in den Monaten zwischen September und Dezember bei deutschen Mäusejägern auf. Wahrscheinlich infizieren sich die Tiere beim Mäusefangen mit Pocken. Die Läsionen treten fast ausschließlich an den Vorderpfoten und am Kopf auf. Die Herde am Kopf werden wahrscheinlich beim Putzen durch Schmierinfektion übertragen. Auch Ratten kommen als Vektoren für diese auch auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit infrage. In den meisten Fällen zeigen die betroffenen Tiere keine Krankheitszeichen  , die Hautveränderungen heilen schnell ab. Bei Großkatzen, wie beispielsweise Löwen, ist der Verlauf der Kranheit sehr viel gravierender mit schweren Veränderungen an inneren Organen und mit deutlichen Läsionen der Haut.

3.- Vogelpocken - Geflügelpocken - Kanarienpocken:

Pox 3 HühnerkammDiese Krankheit wird durch das Avipoxvirus (Vogel-Pockenvirus) verursacht. Von ihm werden etwa 60 verschiedene Vogelarten befallen. Die Hautveränderungen treten häufig an den federlosen Stellen im Gesicht und an den Ständern (Füßen) auf. Die Pocken können aber auch an der Haut der Flügel oder Brust auftreten, da sie vom Gesichtsfeld durch Verschmieren der Flüssigkeit verteilt werden können. Bisher sind keine Infektionen mit Avipoxviren beim Menschen bekannt geworden. Für unterschiedliche Vogelarten gibt es spezialisierte Pockenviren, z. B. Hühner-, Puten-, Tauben-, Kanarien-, Spatzen-, Star-, Wachtel- und Papageien-Pockenviren. Ohne eigene Pockenviren sind Pfaue, Krähen und Pinguine.

4.- Pocken beim Menschen:

Die heute noch vorkommenden Pockeninfektionen des Menschen werden überwiegend durch das Variola Vaccinia Virus, Affenpocken, Kamelpocken und in sehr seltenen Fällen durch das Cowpox Virus verursacht.

a) Kuhpocken:

b) Katzenpocken:

c).Variola vera - echte Pocken:

Variola 1

Variola 2


Sind eine gefährliche Infektionskrankheit, die seit 1980 als weltweit ausgerottet gilt. Die Krankheit wird durch das Orthopox-Variola-Virus verursacht, das hochgradig ansteckend ist. Symptome   sind hohes Fieber mit einem akut   verlaufenden Krankheitsgeschehen, das je nach Virusstamm eine Letalität   (Sterberate) von bis zu 90 % erreichen kann. Im Regelfall endet die Infektion für etwa ein Drittel der erkrankten Personen mit dem Tod. Obwohl das Virus scheinbar eine besonders hohe Affinität zur Haut zeigt, befindet es sich bei der Entstehung der Pocken auf der Haut schon in der zweiten Phase der Infektion. Zuerst gelangt das Virus über eine Tröpfcheninfektion oder mit Staub in die Atemwege, wo schnell eine Vermehrung in der Schleimhaut einsetzt. Durch Verschlucken von Virusmaterial wird die Ausbreitung auf den Verdauungstrakt unterstützt. Das Virus wird über die Blutbahn im Körper verteilt, wo eine weitere Vermehrungsphase in Leber, Milz und Lymphknoten einsetzt. Nach 9 - 11 Tagen treten dann die ersten Pocken auf der Haut auf. Personen, die diese Erkrankung überleben, können schwere bleibende Schäden zurückbehalten. Nicht nur die entstellenden tiefen Pockennarben, sondern auch Blindheit und Hirnschäden sind nicht selten

Diagnose

Die Diagnose kann schon in vielen Fällen durch die typischen Veränderungen der Haut gestellt werden. Zur Diagnosesicherung sollten trockene Hautbioptata (Gewebeproben) der elektronenmikroskopischen Untersuchung zugeführt werden. Vor allem Viruella vera ist von großer Bedeutung. Der Meldepflicht unterliegen auch die anderen Pockenerkrankungen, wie z. B. Katzenpocken. So müssen durch spezielle elektronenmikroskopische Untersuchungen, Realtime-PCR   (Polimerasekettenreaktion) und serologische Antikörper  -Prüfungen die Diagnosen gesichert werden.

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Therapie

Oft ist keine Behandlung   notwendig, da die Pocken durch das Abwehrsystem vernichtet werden.

In schweren Fällen oder bei Abwehrschwächen kann eine intensive, klinische Betreuung des Patienten notwendig werden. Eine systematische Behandlung kann mit Antiviralstoffen, wie beispielsweise Cidofovir, durchgefürt werden und somit der Zyklus   des Virus gehemmt werden. Der Einsatz von Antibiotika   kann Sekundärinfektionen unterdrücken, und Vaccinia-Immunglobulin kann die Viruspartikel blockieren. Andere medizinische Maßmahmen - wie Infusionstherapien - werden nach Bedarf erforderlich sein.

Die Behandlung von Tieren ist in vielen Fällen nicht nötig. Treten die Pocken in Tierbeständen auf, z. B. Geflügel  , müssen radikale Maßnahmen erfolgen, wobei die Tötung des Bestandes nicht zu umgehen ist. Beim Auftreten der Pocken bei Einzeltieren, z. B. Katzen, sollten die Tiere am Freigang gehindert werden, gründliche hygienische Maßnahmen (Desinfektion der Umgebung) und Vorsichtsmaßnahmen bei den Personen eingehalten werden, die Kontakt zu dem zu pflegenden Tier haben (z. B. sicherheitshalber Einstellung des Patienten in einer Tierklinik  ). Die Hautveränderungen sollten mit desinfizierenden Lösungen, z. B. Jod-Glycerin (nicht bei Katzen anwenden), betupft werden. Antibiotikagaben verhindern bakterielle Sekundärinfektionen und Vitamin-Präparate, vor allem Vitamin-A, unterstützen die Heilung der Haut.

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Vorbeugung

Kanarienpocken VaccWichtige Schritte zur Vorbeugung sind hygienische Maßnahmen. Besonders in Beständen ist die Keulung   eine entscheidende Handlung zur Kontrolle des Virus. Da vielerorts die Pocken weitestgehend besiegt sind, verzichten bestimmte  Regierungen auf eine Impfprophylaxe bei einigen Haustieren und haben spezielle Regelungen. Impfstoffe stehen für Rinder, Ziegen, Schafe und Kaninchen bereit. Bei Vögeln stehen Impfstoffe für Hühner, Puten, Tauben und Kanarien zur Verfügung. Für Schweine   fehlt ein Impfstoff.

Die letzten zwei Todesfälle durch Pocken beim Menschen sind 1978 in Birmingham, England, bei einem Laborunfall aufgetreten. Im Jahr 1980 hat die WHO die Pocken für weltweit als besiegt erklärt. Die Pockenbestände wurden weltweit vernichtet, bis auf die Lagerung von Pocken in zwei Referenzlaboren. In Deutschland wurde die Impfung 1975 eingestellt. Jetzt fürchtet die Welt Bioterrorismus mit hämorrhagischen Pocken. Einige dieser Pockenstämme erreichen bei ungeimpften Personen Todesraten von über 90 %. Die USA rüsten auf, Präsident George W. Bush ließ sich vor laufender Kamera mit dem Lebendpockenimpfvirus infizieren. Beim Auftreten eines einzigen Pockenfalls in Deutschland müssen innerhalb von fünf Tagen 80 Millionen Menschen geimpft werden. Zur Impfung in Deutschland soll das Vaccinia-Virus verwendet werden. Die Krankheitserscheinungen sind verhältnismäßig gering, bei den meisten Personen kommt es lediglich zu einer Hautreaktion mit Pustelbildung an der Impfstelle (siehe Impfreaktion beim Menschen). Immungeschwächte Persohnen, z. B. AIDS-Kranke oder Organtransplantierte mit Unterdrückung des Abwehrsystems, gehen ein deutliches Risiko bei einer Lebendimpfung mit Variola Vaccinia-Pockenviren ein. Ein großes Problem ist, dass in Deutschland zurzeit nicht genügend Impfdosen zur Impfung der Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehen. (Stand 10.2005)

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