Ernährung bei Erkrankungen der Verdauungsorgane 2

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Ernährung Erkrankung Verdauungsorgane Kind KatzeDie Ernährung   bei Darmerkrankungen unterscheidet sich aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht wesentlich von Magendarmerkrankungen, klinisch bestehen jedoch große Unterschiede, die verschiedene Behandlungsmethoden erfordern. Es können Krankheitsbilder wie Erbrechen mit Durchfall bei Magendarmerkrankungen auftreten, aber auch Durchfall alleine, z.B. durch Darmentzündungen, Allergien gegen Futtermittel, Malabsorptions-Syndrom nach Darmzotten-Schädigung, Störungen im Gallenfluss, chronische   Dickdarmstörungen und Passagestörungen (Verstopfungen).

Aufgrund der gestörten Verdauung ist die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigt. Der Verdauungstrakt ist nicht in der Lage, die komplexen Futterbestandteile aus der Nahrung zu gewinnen. Es findet eine Unterversorgung mit Nährstoffen statt; die Erneuerung der Gewebe   und die Aufrechterhaltung der Funktion des Abwehrsystems kann nicht mehr gewährleistet werden. Eine Verschlechterung des Krankheitsbildes kann die Folge sein. Bei Darmerkrankungen ist es von größter Wichtigkeit, dass eine hohe Futterqualität mit ausgezeichneter Verdaulichkeit, großer biologischer Wertigkeit und einem geringen Fettgehalt angeboten wird. Der tierärztliche Rat und die Untersuchung des Patienten sind unverzichtbar. Die Diätetik   richtet sich nach der Diagnose des behandelnden Tierarztes.

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Faktoren, die das Auftreten von Darmerkrankungen begünstigen

Alter:

Eine Entzündung   des Dünndarmes mit Durchfall (durch Coronavirusinfektionen oder Bakterien   wie Toxin   bildende Coli  ´s, Clostridien   und ähnliche Keime) ist häufiger bei Jungtieren, da diese alles aufnehmen, was sie finden. Eine Dickdarmentzündung (Colitis) tritt häufiger bei Hunden auf, die älter als fünf Jahre sind. Obstipationen oder Verstopfungen sind häufiger bei älteren, übergewichtigen Tieren anzutreffen.

Rasse:

Manche Rassen wie beispielsweise Kartäuser, Maine Coon oder Perserkatzen entwickeln häufiger Darmpolypen. Hunderassen, die zur Störung beim Kotabsatz neigen, sind der Deutsche Schäferhund, Golden Retriever und vor allem alte Rüden mit Prostatavergrößerung. Kleine Hunderassen haben eine auffällige Neigung zu blutigen Darmentzündungen.

Verhalten:

Hunde, die im Freien unbeaufsichtigt verunreinigte Stoffe oder halb verweste Tiere aufnehmen, können sich leichter Darmerkrankungen zuziehen. Katzen sind dagegen im allgemeinen sehr viel wählerischer bei der Futteraufnahme.

Futter:

Bei Jungkatzen kann die Fütterung von Kuhmilch zu Durchfallerkrankungen führen. Minderwertige Futtermittel oder stark fetthaltige Futtermittel können Verdauungsstörungen auslösen. Einige Zusatzstoffe können zu allergischen Futtermittelreaktionen führen, oder ein plötzlicher Futtermittelwechsel kann eine Durchfallerkrankung auslösen. Ein übermäßiges Angebot an Futter überlastet den Magen. Der Darm schiebt diese großen Futtermengen relativ unverdaut aus dem Körper, was dann wie Durchfall aussehen kann.

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Symptome

Sollten Sie eines der folgenden Symptome bei Ihrem Tier bemerken, so zögern Sie bitte nicht, Ihren Tierarzt   / Ihre Tierärztin zu konsultieren, da Darmerkrankungen im Frühstadium leichter und schneller behandelt werden können.

  • weicher bis flüssiger Kot (Durchfall)
  • Blut- oder Schleimbeimengungen im Kot
  • Blähungen (Meteorismus) mit starken Darmgeräuschen
  • übermäßige Anstrengung beim Kotabsatz (kann auch eine Harnabsatzstörung sein!)
  • angespannter oder schmerzhafter Bauch beim Abtasten
  • Gewichtsverlust
  • ungewöhnlich stark gesteigerter oder verminderter Appetit
  • Apathie   und Niedergeschlagenheit

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Diagnose

In den meisten Fällen reichen dem Tierarzt die klinischen Symptome und eine gründliche allgemeine Untersuchung des Patienten. Manchmal werden > Kotuntersuchungen (auf Parasiten  , Bakterien, Pilze   oder Viren  ) und /oder Blutuntersuchungen (allgemein, Lebererkrankungen, Bauchspeicheldrüse und /oder Virus  -Antikörper  ) notwendig. In einigen Fällen kann aber auch nicht auf röntgenologische, endoskopische oder chirurgische Untersuchungen verzichtet werden. Für den Fall, dass eine Füttermittelunverträglichkeit vermutet wird, kann Ihr Tierarzt eine Ausschluss- oder Spezialdiät verordnen (siehe Allergie  ).

Enteritis  

( Darmentzündung  ) verursacht durch Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten. Führt zu Durchfall mit übelriechendem, schleimigem, manchmal blutigem Kot.

Störungen im Gallenfuss :

Dieses sind zwar in den meisten Fällen keine direkten Darmerkrankungen, können sich aber durch heftige Verdauungsstörungen, z.B. > Durchfall bemerkbar machen. Die Galle neutralisiert den Futterbrei des Magens im Darm, bereitet ihn für die Verdauungsfermente des Zwölffingerdarms vor und hilft bei der Fettverdauung.

Exokrine Pankreasinsuffizienz  

führt zu Verdauungsstörungen mit großen Mengen eines weichen Kots, mit gesteigerter Fresslust und Gewichtsverlust. (siehe > Bauchspeicheldrüse).

Dünndarm-Malabsorptions-Syndrom

(Magen-Darm-Entzündung): Es tritt in Zusammenhang mit einer Enteritis (Darmentzündung) des Dünndarms auf. Durch Schädigung der Darmwand wird eine Verminderung der Nährstoffaufnahme bewirkt. Dieses Krankheitsbild ist die Spätfolge der Darmentzündung, wobei eine starke Schädigung der Darmzotten aufgetreten ist. Dieses Krankheitsbild kann zu anhaltenden oder immer wiederkehrenden Durchfällen mit Gewichtsverlust und Fressunlust oder Heisshunger führen.

Colitis

(Dickdarmentzündung): Bei der Entzündung des Dickdarms wird eine Wasserrückgewinnung vermieden; es kommt zu Durchfällen mit Scheim- oder Blutbeimengungen.

Obstipation

(Verstopfung): Bei Störungen der Darmmotorik oder zu starker Wasserrückgewinnung kommt es zu Verstopfung und schmerzhaftem Kotabsatz.

Futtermittelunverträglichkeiten

(Futterallergie): Vor allem Weizenkleber und Getreidegluten führen nicht selten bei Irischen Settern zur Zottenatrophie und damit zu einem Malabsorptionssyndrom.

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Futter-Rezepturen

Da der Verdauungsapparat sehr kompliziert ist, kann die Fütterung nicht mit einem einfachen Rezept sichergestellt werden, sondern bedarf der Diagnose und der tierärztlichen Rates. Bei leichten Verstimmungen des Darmes sollte zunächst ein Futterentzug über 12 bis 24 Stunden erfolgen. Als Tränke kann entweder abgekochtes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser angeboten werden. Auch die Gabe von stark verdünntem schwarzen Tee (wirkt adstringierend) mit einer Prise Kochsalz und etwas Traubenzucker kann angeboten werden. Beim Tierarzt sind fertige isotonische Elektrolytzubereitungen erhältlich, die alle wichtigen Salze sowie eine ausgewogene Zuckermenge enthalten.

   

Hunde:

Katzen:

Ration für einen Hund bis 20 kg KGW

500 g geschälte, mehligkochende Kartoffeln
250 g Speisequark oder Hüttenkäse; Magerstufe
1 gehäufter Esslöffel Traubenzucker
1 sehr frisches Eigelb (nicht bei akuten Infektionen  )
2 mittelgroße, geschälte und weichgekochte Möhren
1 Esslöffel Maiskeimöl
½ Beutel Backpulver
½ gestrichener Teelöffel jodiertes Speisesalz
1 Tasse Wasser oder magere leicht gesalzene Brühe
Vitamin-, Mineralstoffpulver z.B. Korvimin® nach Gewicht des Tieres der Herstellerangabe folgend.

250 g mageres Hähnchenbrustfilet
150 g polierter, gekochter Reis
1 weichgekochte Möhre
½ gehäufter Teelöffel Traubenzucker
¼ Tasse magere Geflügelbrühe
1 Teelöffel Distelöl
Vitamin-, Mineralstoffmischung nach Gewicht. Die Hälfte des Fleisches in kleine Stückchen schneiden, den Rest fein zerkleinern. Danach die Fleischstückchen unter die Ration heben. Die Menge sollte für 2 Tagesrationen reichen. Bitte das Futter nicht gekühlt aus dem Eisschrank verfüttern, sondern erst auf Körpertemperatur erwärmen ! Bei der Katze sollte eine Fütteung von 3 Tagen nicht überschritten werden ohne die Zugabe von Taurin !

An Stelle der Kartoffeln können Sie auch 300 g polierten Reis verwenden.

 

Ration alternativ mit Fleisch :

500 g mageres Hähnchen- oder Putenfleisch ohne Haut und Knochen
500 g polierter, gekochter Reis
5 weichgekochte Möhren
1 gehäufter Esslöffel Traubenzucker
2 Tassen magere Geflügelbrühe
1 Esslöfel Maiskeimöl
½ Beutel Backpulver

½ gestrichener Teelöffel jodiertes Speisesalz

Ernährung Erkrankung Verdauungsorgan Katze trinkt

Vitamin-, Mineralstoffpulver, z.B. Korvimin®, nach Gewicht des Tieres der Herstellerangabe folgend.

 




Die zur Eigenherstellung angegebenen Futtermischungen sind nicht für eine Fütterung über einen längeren Zeitraum geeignet. Sie sollte für die speziellen Bedürfnisse des Tieres durch einen Ernährungsexperten berechnet und verschrieben werden. Bitte wenden Sie sich an einen Experten in unserer Spezialistendatenbank.

 

Ansonsten sind fertige Verschreibungsdiäten die bei Ihrem Tierarzt / Ihrer Tierärztin erhältlich sind, sehr zu empfehlen, da sie alle notwendigen Nährstoffe enthalten. Sie bedürfen dennoch der Überwachung des Patienten durch den Tierarzt. Aus diesem Grund sind die Diäten nicht im freien Handel erhältlich und müssen verschrieben werden.

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Fertigfutter

Fertigfutter steht für eine Vielzahl von Erkrankungen des Magendarm-Traktes zur Verfügung. Die Fütterung ist jedoch von der jeweiligen tierärztlichen Diagnose abhängig und lässt sich nicht so einfach verallgemeinern.

Bei diesen Diäten handelt es sich um Verschreibungsdiäten, die nur beim Tierarzt erhältlich sind!

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