Bernhardiner

Der BernhardinerUm den St. Bernhardshund oder Bernhardiner ranken sich viele Geschichten. Die Bekannteste ist wahrscheinlich die des Hundes, der mit einem Schnapsfläschchen um den Hals verirrte Wanderer oder Bergsteiger vor dem sicheren Tod im Schnee rettet, sie aufrichtet und dann die unterkühlten Personen mit dem Branntwein erwärmt. Dies liegt mit größter Wahrscheinlichkeit im Bereich der sicherlich sehr schönen Legenden und wurde für Werbung und Filme reichlich ausgenutzt, ist aber keinesfalls bewiesen. Zum einen ist Alkohol für einen unterkühlten Menschen nicht gerade empfehlenswert und zum anderen würde ein derartiges Fass den Hund im Tiefschnee stark behindern. Außerdem findet man auch auf alten Abbildungen des Bernhardiner nirgendwo das erwähnte Fässchen, und es wird in den Chroniken des ursprünglichen Zuchtorts, des Hospizes auf dem Großen St. Bernhard, auch nicht erwähnt.

Der Bernhardiner ist ein Schweizer Rassehund und wird von der FCI (Fédération Cyologique internationale – der Weltorganisation der Kynologie) unter dem FCI-Standard Nr. 61, Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molossoide –Schweizer Sennenhunde, Sektion 2: Molossoide, 2.2 Berghunde, geführt.

Herkunft:

Heimat des Bernhardiners und Zuchtort war das Hospiz auf dem St. Bernhard Pass in der Schweiz, das im Jahre 1050 gegründet worden ist. Dieser Pass war ein wichtiger Pilger- und Handelsweg, und das Hospiz wurde von Augustiner-Mönchen betrieben, die jeden Wanderer oder Pilger für drei Tage aufnahmen und verpflegten. Um die Mengen an Verpflegung heranzuschaffen und auch bei schlechter Sicht und ungünstigen Wetterverhältnissen und Tiefschnee den Weg zu finden und sicher zurückzukehren, bedienten sie sich großer Hunde, die damals aus dem regionalen Bestand des Umlandes stammten, Bauern-, Hirten oder Kühehunde genannt wurden und Vorfahren der heutigen Sennenhunde waren. Diese Hunde wurden als Arbeits-, Begleit- und Such- oder Lawinenhunde eingesetzt, bahnten mit ihrer breiten Brust den Mönchen den Weg durch den Tiefschnee und retteten durch ihren ausgezeichneten Spürsinn vielen verirrten oder verunfallten Menschen das Leben. Die erste schriftliche Dokumentation über die Hunde aus dem Hospiz findet man erst im Jahre 1695, sodass nicht sicher ist, seit wann genau die Mönche dort ihre Hundezucht betrieben haben. Von einer ununterbrochenen Zucht kann sowieso nicht gesprochen werden, da der Bestand mehrmals völlig ausgestorben war. Wegen der schlechten Witterungsbedingungen wurden die Hunde dort nicht alt, und der Bestand wurde immer wieder durch neue Hunde aus dem Umland ergänzt. Die Ähnlichkeit der damaligen Hunde zum heutigen Bernhardiner war nicht sehr groß, denn der ehemalige Bauern- oder Kühehund der Region, war deutlich kleiner, die Zeichnung nicht einheitlich, er war stockhaarig und hatte einen erheblich kleinen Kopf als sein heutiger Vertreter. Der bedeutendste und bekannteste dieser Hunde war der legendäre „Barry“, ein Hund, der Anfang des 19. Jahrhunderts lebte und mehr als 40 Personen aus Bergnot gerettet haben soll und als ausgestopftes Exemplar einen Ehrenplatz im Naturhistorischen Museum in Bern bekommen hat. Die Hunde des Hospizes hatten damals noch keinen einheitlichen Namen. Sie wurden St. Bernhards Hunde genannt oder „Barryhüng“, „heilige Hunde“ oder „St. Bernhards Mastifs“. Erst seit dem Jahre1865 setzte sich die Bezeichnung „Bernhardiner“ durch. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals Neufundländer und Leonberger mit dem bisher nur stockhaarigen Bernhardiner gekreuzt, wodurch die Hunde zwar dekorativer, schwerer und langhaariger wurden, jedoch durch ihr großes Gewicht für den Bergdienst nicht mehr tauglich waren. Die Mönche gaben dann diese nicht mehr einsetzbaren, langhaarigen Exemplare an hochgestellte Persönlichkeiten weiter, und die Beliebtheit dieser großen Hunde nahm erheblich zu Lasten der ursprünglichen, stockhaarigen Varietät zu. Versuche von Züchtern, den ursprünglichen, stockhaarigen, schlankeren Bernhardiner wieder durchzusetzen, schlugen fehl. Das erste „Schweizerische Hundestammbuch“ wurde 1884 eröffnet und der „Schweizerische St. Bernhardsclub“ im gleichen Jahr gegründet. Anerkannt als eigene, schweizerische Rasse wurde der Bernhardiner im Jahre 1987 und verbindliche Rassestandards aufgestellt.

Der Bernhadiner


Im Jahre 2005 verkauften die Mönche des Hospizes, das bis dahin nach wie vor der Hauptzuchtort war, die Zuchtrechte an die Stiftung “Fondation Barry du Grand-St.-Bernhard“, die jetzt die Zucht der Bernhardiner übernommen hat. Nach wie vor befinden sich jedoch in den Sommermonaten wegen der touristischen Attraktion viele Hunde in dem Hospiz.

Aussehen:

Der Bernhardiner ist ein sehr großer, massiger Hund. Die Widerristhöhe eines Rüden liegt zwischen 70 – 90 cm, die der Hündin zwischen 65 und 80 cm bei einem Gewicht von.65 – 90 kg. Er hat einen sehr großen, imposanten Kopf mit starkem Schädel, kräftigen Backenpartien, mäßig betontem Hinterhauptbeinhöcker und markantemStop. Eine deutliche Stirnfurche verläuft über den Oberkopf, die Haut über den Augen bildet Falten. Sein Nasenschwamm ist schwarz, eckig und breit mit breitem Nasenrücken. Ober- und Unterkiefer sind breit und kräftig und gleich lang und beinhalten ein regelmäßiges, starkes Gebiss. Seine Augen sind dunkelbraun und mittelgroß mit vollständig pigmentierten Lidrändern. Er hat mittelgroße, breite Ohren mit abgerundeter Spitze. Sein Rücken ist gerade, breit und kräftig, der Brustkorb tief mi gut gewölbten Rippen. Er hat eine breite, lange und kräftige Rute. Seine Vorderläufe stehen parallel und gerade, die Hinterhand ist muskulös und mäßig gewinkelt. Das Haarkleid ist entweder stockhaarig oder langhaarig. Das Deckhaar des Kurzhaar-Bernhardiners ist dicht und liegt glatt an mit einer erheblichen Unterwolle, die Langhaar-Version hat mittellanges Deckhaar. Die Haarfarben sind weiß mit verschiedenen großen rotbraunen Platten oder auch einer rotbraunen Decke an Rücken oder Flanken. Gewünscht werden eine weiße Halskrause und eine dunkle Maske sowie weiße Abzeichen an Pfoten, Brust, Rutenende, Nasenband und Genick.

Der BernhadinerWesen:

Der Bernhardiner ist ein ausgeglichener, ruhiger und sanftmütiger Hund. Er ist selbstsicher und gutmütig, aber auch wachsam und zeigt durchaus Beschützerinstinkt. Er ist sehr anhänglich und braucht deshalb auch einen engen Kontakt zu seiner Familie. Er kann, vor allem als Junghund, durchaus sehr lebhaft sein und benötigt eine konsequente Erziehung, damit seine ungeheure Kraft in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann.


Verwendung:

In seiner ursprünglichen Verwendung als Lawinenhund kann man den Bernhardiner nicht mehr finden. Er ist aufgrund seiner Größe und Schwere von der Technik und von leichteren Hunden abgelöst worden. Er ist kein Gebrauchshund mehr, sondern ein reiner Haus- und Begleithund geworden. Dieser große Hund braucht Platz, ist also nicht der ideale Hund für die Wohnungshaltung. Treppensteigen ist, vor allem beim heranwachsenden Hund, aber auch später, so gering wie möglich zu halten. Er ist ausgesprochen kinderlieb, jedoch sollte man ihn beim Umgang mit Kleinkindern im Auge behalten, da er eine unbändige Kraft hat und seine ungestüme Freude ein Kleinkind schon erschrecken könnte. Und er ist ein kostenintensiver Hund, der je nach Größe und Beschäftigung ca. 2 kg Nassfutter oder ca. 700 g Trockenfutter täglich benötigt. Auch die Tierarztkosten sind zu bedenken, denn Medikamente   werden normalerweise nach Gewicht des Patienten dosiert.

Rassetypische Erkrankungen:

Durch seine Größe und seinem hohen Gewicht ist beim Bernhardiner die Hüftgelenksdysplasie   gehäuft anzutreffen. Der Verband versucht, diesem Problem durch entsprechende Untersuchungen beizukommen und lässt nur gesunde Tiere zur Zucht zu. Außerdem ist bei dieser Rasse ein gehäuftes Vorkommen des Osteosarkoms (Knochenkrebs) zu beobachten. Eine weitere Erkrankung  , unter der der Bernhardiner, wie viele andere Großhunde, leiden kann, ist die Magendrehung.

Die Lebenserwartung dieses imposanten Hundes liegt bei ca. 8 – 10 Jahren.

Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken,
als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.
Louis Armstrong

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