Bordeaux Dogge

Bordeaux DoggeSpätestens seit dem Jahre 1989, als der Film „Scott und Huutsch“ in die Kinos kam, in dem eine riesige, ewig sabbernde Bordeaux Dogge die wohlgeordnete Welt von Tom Hanks aus den Fugen hebt, hat der Bekanntheitsgrad dieses sanften Riesens mit dem Knautschgesicht weltweit beträchtlich zugenommen.
Seit einigen Jahren steht die Bordeaux Dogge (Dogue de Bordeaux) nun auch in den Top 100 des Verbandes für Deutsches Hundewesen (VDH), wo sie momentan den 61. Platz in der Beliebtheitsskala einnimmt. Die Bordeaux Dogge ist eine vom FCI (Fédération Cynologique Internationale –der  Weltorganisation der Kynologie) anerkannte französische Hunderasse und wird dort unter dem Standard Nr. 116, Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde, Sektion 1: Molossoide, 2.1. Doggenartige Hunde geführt.

Herkunft:

Bordeaux DoggeDoggenartige Hunde gibt es bereits seit Tausenden von Jahren in Europa, wie man anhand von archäologischen Funden aus der Hallstattzeit (900 – 400 vor Christi) nachweisen konnte. Sie waren überall dort anzutreffen, wo Menschen Hunde einsetzten, um sich und ihre Herden vor wilden Tieren zu schützen. Inwieweit sich der Einfluss der Hunde, die von einwandernden Völkern mitgebracht wurden und die sich mit dem einheimischen Hundematerial vermischten, ausgewirkt hat, ist heutzutage nicht mehr nachzuvollziehen. Vorfahren dieser doggenähnlichen Hunde wurden im mittelalterlichen Frankreich „Alan“ oder „Alant“ genannt, nach dem Völkerstamm der Alanen, der aus dem Kaukasus während der Völkerwanderung u.a. auch nach Frankreich gelangte. Es waren sehr kräftige, massige Hunde mit äußerst starkem Kiefer, die für die Sau- und Bärenjagd eingesetzt wurden, die Herden vor wilden Tieren schützten, aber auch die Metzger begleiteten, die ihr Vieh einkauften und nach Hause trieben . Aber diese Hunde wurden auch als Kampfhunde missbraucht und wurden für den Kampf gegen Bären und Wölfe, aber auch für den Hundekampf eingesetzt. Im Laufe der Zeit verschwand die alte Bezeichnung „Alan“ und wurde durch das englische Wort „Mastiff“ bzw. das französische Wort „Dogue“ ersetzt. Die Französische Revolution im Jahre 1789 bedeutete für viele Doggen den Untergang, da sie das Symbol der herrschenden Rasse waren, jedoch überlebte die Bordeaux Dogge aufgrund ihrer Beliebtheit als Kampfhund bei Tierkämpfen, die trotz des Verbots Ende des 19. Jahrhunderts noch bis zum Ersten Weltkrieg versteckt weitergeführt wurden. Im 19. Jahrhundert begannen einige ambitionierte Züchter mit der Reinzucht, und 1863 einigte man sich auf den Namen „Dogue de Bordeaux, nachdem diese Hunde mit noch sehr unterschiedlichem Aussehen regional bisher unter den unterschiedlichsten Namen wie Aquitanische Dogge, Dogue de Toulouse, Dogue de Paris  etc. aufgeführt worden war. Es wurden vermehrt englische Mastiffs eingekreuzt, um eine gewisse Größe zu erhalten, und die ersten Standards wurden aufgestellt. Eine ernsthafte Zucht begann jedoch erst ca. 1910, und der erste offizielle Standard wurde 1913 vom FCI registriert, der mit wenigen Änderungen noch heute Geltung hat. In den beiden Weltkriegen stockte die Zucht und viele wertvolle Hunde gingen verloren, sodass nach Ende des Krieges nur eine sehr begrenzte Auswahl von Zuchttieren zur Verfügung stand. Erst in den sechziger Jahren kam es zu einem erneuten Aufschwung in der Zucht. Es steht nicht genau fest, wann die Bordeaux Dogge zuerst in Deutschland auftauchte, jedoch wurde im Jahre 1908 der Deutsche Bordeaux Doggen Club gegründet, und die ersten Eintragungen ins Zuchtbuch wurden 1913 getätigt. Es wurden kurzhaarige Bernhardiner eingekreuzt, um das eingeschränkte Zuchtpotential durch einen ruhigen und ausgeglichenen Hund zu verbessern und strenge Regeln festgelegt, um einen Hund ohne Anzeichen von Nervosität und Aggressivität zu erhalten, was nach wie vor das Ziel des Clubs für Molosser e.V. ist, dem Nachfolger des Bordeaux Doggen Clubs.

Im Jahre 2012 wurden 115 Bordeaux Doggenwelpen beim VDH registriert.

Bordeaux Doggen


Aussehen:

Die Bordeaux Dogge ist ein imposanter, massiger, muskulöser, sehr kräftiger Hund. Die Widerristhöhe eines Rüden liegt zwischen 60 und 68 cm bei einem Gewicht von mindestens 50 kg, die Schulterhöhe der Hündin sollte 58 bis 66 cm betragen bei einem Gewicht von mindestens 45 kg. Ein charakteristisches Merkmal der Bordeaux Dogge ist ihr mächtiger,breiter, ziemlich kurzer Kopf mit einem ausgeprägten Stirnabsatz (Stop) und einer tiefen Stirnfurche. Tiefe, gewundene Falten überziehen ihr ganzes Gesicht und bewegen sich, je nach Aufmerksamkeitsgrad des Hundes. Ihr Nasenspiegel ist breit, gut pigmentiert und aufgeworfen. Der Fang ist breit und fleischig, der Kiefer ebenfalls breit und kräftig mit einem deutlichen Vorbiss. Ihre Zähne sind kräftig, wobei die unteren Fangzähne leicht gekrümmt sind. Die Lefzen sind leicht hängend, dick und zurückziehbar. Sie hat ovale  , weit auseinander stehende Augen, die bei Hunden mit schwarzer Maske haselnuss- bis dunkelbraun sein sollen. Bei Hunden mit brauner Maske oder ganz ohne Maske kann die Augenfarbe etwas dunkler sein. Die Ohren der Bordeaux Dogge sind verhältnismäßig klein und etwas dunkler als die Fellfarbe. Sie sind hoch angesetzt und herabfallend. Sie hat einen sehr starken, muskulösen Hals mit reichlich loser, weicher Haut, der ohne Absatz in die Schulter übergeht. Der Rücken ist breit und muskulös mit recht kurzen, festen Lenden, die Brust ist kräftig, lang, tief und breit, die Rippen gut gewölbt. Die im Ansatz dicke Rute reicht bis zum Sprunggelenk und wird ohne Knick geschmeidig und tief getragen. Die Vorderläufe sind kräftig und gerade, die Hinterläufe gut gewinkelt. Die Haut dieser Dogge ist dick und weit, ihr Haar dünn und kurz, die Haarfarbe einfarbig in allen Abstufungen der Falbbarbe von mahagoni- bis isabellfarbig. Kleinere weiße Flecken auf Brust und an den Gliedmaßenenden sind erlaubt.  Die Hunde können eine schwarze, braune oder gar keine Maske haben.

Wesen:

Bordeaux Dogge mit WelpeDie Bordeaux Dogge ist ein intelligenter, selbstsicherer und nervenstarker Hund. Sie hat ein ausgeglichenes Wesen mit einer sehr hohen Reizschwelle, jedoch auch eine gehörige Portion von Sturheit. Die Bordeaux Dogge begreift sehr schnell, will jedoch gern ihren eigenen Kopf durchsetzen und hinterfragt oft die ihr erteilten Anweisungen. Ihre Erziehung ist nicht einfach, sondern erfordert eine sehr konsequente, ruhige, geduldige und einfühlsame Führung vom Welpenalter an. Dann hat man jedoch einen Hund, der sein „Rudel“ vergöttert und durch nichts davon abzuhalten ist, bei seiner Familie zu sein. Er braucht den engen Kontakt zu seiner Familie und ist daher kein Hund für Zwingerhaltung. So gemütlich dieser sanfte Riese auch meistens ist, so ist sein Schutzinstinkt doch stark ausgeprägt, und er wird alles tun, um bei einer eventuellen Gefahr sein Rudel vehement und mit vollem Körpereinsatz zu verteidigen.

Verwendung:

Die Bordeaux Dogge übernimmt laut dem FCI „Bewachungsaufgaben mit Aufmerksamkeit und großem Mut, aber ohne Aggressivität“. Sie ist also ein ausgezeichneter Wachhund, jedoch bei entsprechender Erziehung auch ein treuer und anhänglicher Familienhund. Sie ist kein Hund für einen Hundeanfänger, sondern gehört in die Hände eines erfahrenen Hundehalters. Auch Wohnungshaltung ohne Garten ist nicht unbedingt ratsam bei diesem großen Hund, der allein schon durch seine Größe einen gewissen Platz benötigt. Sein Bewegungsdrang ist nicht stark ausgeprägt und er ist aufgrund seiner Schwere kein Hund für viele Hundesportarten, sondern begnügt sich mit Spaziergängen oder auch leichten Wanderungen, je nach seinem Alter. Als Begleiter für den aktiven Jogger oder Fahrradfahrer ist er nicht geeignet. Und er ist kein preiswerter Hund, weder von der Anschaffung noch von seinem Unterhalt. Aufgrund ihrer Geduld wird die Dogge inzwischen auch als Therapiehund eingesetzt.

Besonderheiten:

Trotz seiner Größe benötigt dieser Riese bei einer eventuell notwendigen Narkose   nur einen winzigen Bruchteil des Narkosemittels einer „normalen‘“ Portion.
Die Bordeaux Dogge wird in einigen Bundesländern Deutschlands (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Hamburg - Stand 2009) als Listenhund geführt. Vor der Anschaffung dieses Hundes sollte man sich also entsprechend informieren. Dasselbe gilt für geplante Reisen ins Ausland.

Rassespezifische Erkrankungen:

Wie bei vielen großen und schweren Hunden treten Gelenkprobleme auch bei der Bordeaux Dogge verstärkt auf. Hierbei handelt es sich vor allem um die Hüftgelenksdysplasie   (HD  ), Ellenbogendysplasie   sowie die Spondylose, eine krankhafte Verkalkung der Wirbelsäule. Außerdem ist die Dogge anfällig für Hauterkrankungen,Erkrankungen der Augenlider, dem sog. Entropium, und die bei vielen großen Hunden gefürchtete Magendrehung.

Leider ist die Lebenserwartung dieses imposanten Hundes nicht sehr hoch und beträgt in der Regel 8 – 10 Jahre.

Für einen Menschen ist individuelle Freiheit der größte Segen
für einen Hund wäre es Hoffnungslosigkeit.
William Lyon Phelps

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