Kleiner Münsterländer

Das Münsterland ist nicht nur die Heimat einer der bedeutendsten deutschen Dichterinnen, Annette von Droste-Hülshoff, sondern auch Namensgeber für einen wunderbaren deutschen Jagdhund, dem Kleinen Münsterländer, der hier näher beschrieben werden soll.
Bereits seit vielen Jahren steht der Kleine Münsterländer laut der jährlichen Statistik des Verbands für deutsches Hundewesen (VDH) an der 17. Stelle der Beliebtheitsskala für Rassehunde in Deutschland und zählt zu den von der FCI (Fédération Cynologique internationale –der Weltorganisation der Kynologie) anerkannten Hunderassen und wird dort unter dem FCI-Standard  Gruppe 7, Sektion 1.2, Standard 102 (Kontinentale Vorstehhunde. Typ langhaarig/Epagneul) geführt.

Herkunft:

Über die Vorfahren des Kleinen Münsterländers scheiden sich, wie so oft, einmal wieder die Geister. Während eine Gruppe von Kynologen die Meinung vertritt, der Kleine Münsterländer sei eine Weiterzüchtung der von französischen Offizieren ins Münsterland und Umgebung mitgebrachten „Eupagneul-Breton, so wird andererseits ebenfalls die Meinung vertreten, dass es sich hier um eine sehr alte Rasse aus Norddeutschland und den Niederlanden handelt. 

Wie dem auch sei, fest steht, dass es Ende des 19. Jahrhunderts zu beiden Seiten der deutsch-holländischen Grenze nur noch wenige Exemplare der sogenannten Vogel- oder Wachtelhunde gab (Hunde, die für die Vogeljagd eingesetzt werden, unabhängig von ihrem Aussehen), die dort den Namen Heidewachtel, Heckenhündchen, Spione oder auch Magister- oder Pastorenhündchen hatten, da Lehrer oder Pastoren große Liebhaber dieser Hunde waren. Diese Wachtelhunde waren ausgezeichnete Jagd- und Vorstehhunde sowie Verlorenenapporteure, waren jedoch „Landschlag“, d. h. Hunde, die nicht nach Aussehen, sondern nur nach ihrem Gebrauchszweck gezüchtet wurden. Der Bruder des Heidedichters Hermann Löns, der Hegemeister Edmund Löns, veröffentlichte im Jahre 1906 in einer Jagdzeitschrift einen Aufruf mit der Bitte, ihm mitzuteilen, wo man noch Reste der Hannoverschen Bracke finden könnte, um eine Zuchtgrundlage für eine Reinzucht dieser alten Rasse aufbauen zu können. Diese Hunde aus dem Münsterland bildeten für Löns die Basis für seine Zuchtversuche. Unabhängig davon bemühten sich zur gleichen Zeit andere Züchter im Münsterland um die Erhaltung dieser Rasse, unter anderem z. B. in Dorsten, und der Dorstener Schlag feierte schon bald erste Erfolge bei Ausstellungen. Im Jahre 1912 wurden die Zuchtlinien, nachdem bereits reichlich hin- und hergekreuzt wurde, nach langen Streitigkeiten über den Namen dieser Linien unter der Bezeichnung „Verband für kleine Münsterländer Vorstehhunde“ zusammengeführt, die ersten Standards für die Reinzucht jedoch erst 1921 festgelegt. Die Registrierung beim FCI fand 1964 statt, die Anerkennung als Jagdgebrauchshunderasse im Jahre 1968.
 Im Jahre 2011 wurden 983 Kleine Münsterländer-Welpen beim VDH registriert.

Aussehen:

Der Kleine Münsterländer ist ein mittelgroßer Vorstehhund mit kräftigem und harmonischen Körperbau. Die Widerristhöhe beim Rüden beträgt 54 cm, die der Hündin 52 cm mit einer Toleranz von +/- 2 cm bei einem Gewicht von 18 – 25 kg. Der Kopf ist flach bis leicht gewölbt mit gering ausgeprägtem Stop, geradem Nasenrücken und einem braunen Nasenschwamm. Fang und Kiefer sind kräftig, die Lefzen kurz und braun, die Zähne groß und weiß. Die Augen sind mittelgroß und möglichst dunkelbraun, die Ohren breit, hoch angesetzt und spitz zulaufend. Der Nacken ist muskulös und etwas gewölbt, der Rücken fest und stark mit muskulösen Lenden, tiefer Brust und gut gewölbten Rippen. Die Rute ist mittellang und hoch angesetzt mit guter Befederung, kräftig im Ansatz und sich zum Ende hin verjüngend. Das Haar des Kleinen Münsterländers ist mittellang und glatt bis leicht gewellt. Es ist dicht und wasserabweisend und bietet ihm dadurch einen optimalen Schutz gegen jede Art von Witterung sowie vor Verletzungen. Laut. Standard zugelassene Farben sind Braun-weiß oder Braunschimmel mit braunen Platten, Tupfen oder braunem Mantel. Lohfarbene Abzeichen an Auge und Fang sowie eine Blesse sind ebenfalls erlaubt.

Wesen:

Der Kleine Münsterländer ist ein intelligenter, anhänglicher Hund. Er ist temperamentvoll, mutig, ausdauernd und bewegungsfreudig und braucht sehr viel Auslauf. Er bindet sich sehr an seine Bezugsperson und ist insgesamt ein menschenfreundlicher Hund, der einen ausgeglichenen Charakter hat und sehr lernfreudig ist. Er ist nervenstark und hat einen ausgeprägten Jagdtrieb. Da er auch sehr selbstständig ist, ist eine konsequente, gute Erziehung unbedingt zu empfehlen.

Pflege:

Das Fell des Kleinen Münsterländers ist relativ pflegeleicht. Regelmäßiges Bürsten (mindestens einmal wöchentlich) ist ausreichend. Außerdem ist, wie bei anderen Hunden auch, die Ohren und Zahnpflege regelmäßig zu empfehlen.

Verwendung:

Der Kleine Münsterländer ist in erster Linie ein vielseitiger Jagdgebrauchshund. Er wird sowohl als Vorstehhund eingesetzt als auch zum Apportieren  , zur Retriever-Arbeit und für die Wasserjagd. Er kann ebenfalls in der Meute jagen. Er ist aber auch ein fröhlicher Familienhund, wenn er genügend Auslauf hat und seinem Naturell entsprechend auch geistig gefordert wird, damit sein Jagdtrieb unter Kontrolle gehalten werden kann. Diverse Hundesportarten sind bestens geeignet für ihn, er ist ein ausdauernder Begleiter für den Jogger und Radfahrer, und viele Münsterländer sind auch begeisterte Schwimmer. Er ist aufgrund seiner Selbstständigkeit nicht unbedingt ein Hund für Hundeanfänger. Aufgrund seines ausgezeichneten Spürsinns wird er inzwischen auch immer häufiger als Rettungshund eingesetzt.
Der Kleine Münsterländer ist momentan ein sehr beliebter Hund in Frankreich, Norwegen und Schweden, wo er vor allem bei der Waldjagd eingesetzt wird.

Rassetypische Erkrankungen:

Der Kleine Münsterländer ist an und für sich eine ziemlich robuste Rasse. Hüftgelenksdysplasie   (HD  ) kann zwar beim ihm auftreten, wird jedoch durch entsprechende Gesundheitskontrollen durch den Verband unter Kontrolle gehalten. Eine gewisse Anfälligkeit besteht für Augenerkrankungen, wobei es hier vor allem um das Entropium geht, eine Einrollung des Augenlides.

Die Lebenserwartung dieses vielseitigen Jagdhundes beträgt 12 – 14 Jahre.

Fährtenprüfung
Schlecht geschnüffelt, hochgeguckt,
eine kleine Maus verschluckt,
fand den Ort nicht wo gewinkelt,
mehrfach in die Spur gepinkelt,
einmal leider Platz vergessen,
Gänseblümchen aufgefressen,
Hundeführer schlimm genarrt,
zweites Suchopjekt verscharrt,
zwölff Kartoffeln fein sortiert,
toten Maulwurf exhumiert,
Fährtenleine durchgekaut,
hinter Hasen hergeschaut,
bin der liebste Hund von allen.
Richter sagte: durchgefallen!
(Verfasser unbekannt)

 

 

 

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