Der Magyar Viszla

Magyar ViszlaVon den drei aus Ungarn stammenden Jagdhundrassen ist der Magyar Viszla oder Ungarischer Vorstehhund der Bekannteste (neben dem Agár, einem hetzenden Windhund, und dem Transsylvanischen Spürhund, einer schwarz-roten Brackenrasse). Der Magyar Viszla wird in zwei Varianten gezüchtet, und zwar in einer Rau- oder Drahthaarversion und einer Kurzhaarvariante, auf die hier im Folgenden eingegangen werden soll. Vom FCI werden diese beiden Arten unter verschiedenen Standards gelistet.
Seit einigen Jahren steht der Magyar Viszla nun auch in den Top 100 des Verbandes für Deutsches Hundewesen (VDH), wo er momentan den 62. Platz in der Beliebtheitsskala einnimmt. Der Magyar Viszla ist eine von der FCI (Fédération Cynologique Internationale – der Weltorganisation der Kynologie) anerkannte ungarische Hunderasse. Die Kurzhaarvariante dieses Hundes wird dort unter dem Standard Nr. 57, Gruppe 7: Vorstehhunde, Sektion 1: Kontinentale Vorstehhunde, 1.1. Typ: „Braque“ geführt.

Herkunft:

Konkrete Angaben über die Vorfahren dieses Jagdhundes existieren leider nicht. Die Heimat des Viszla ist das ehemalige Pannonien, der westlich der Donau gelegene Teil Ungarns. Im 9. Jahrhundert waren während der Völkerwanderungen die Magyaren über die Ostkarpaten in das Karpatenbecken vorgestoßen und ließen sich dort nach Siegen über die dortigen Siedler nieder. Mit ihnen kamen ihre Jagdhunde, die je nach Art der Jagd und ihrem Einsatz völlig unterschiedlich waren. Es waren Hunde, die entweder bei der Falkenjagd eingesetzt wurden oder als Hetzhunde auf größeres Wild dienten. Abbildungen aus den späteren Jahrhunderten, auf Bildern oder Wandteppichen, zeigen Hunde, die eine entfernte Ähnlichkeit mit dem heutigen Viszla aufweisen, jedoch ist die Herkunft nicht bewiesen. Es wird angenommen, dass sich während der Türkenherrschaft im 16./17. Jahrhundert die einheimischen Hunde mit den Hunden der Eroberer vermischten, denn die für den Viszla typische gelbrote Farbe war das Merkmal vieler Hunde aus dem vorderasiatischem Raum. Jäger favorisierten diese Farbe, da die Hunde dadurch eine gute Tarnfarbe in der Steppe und auf den Stoppelfeldern hatten. Mit der Einführung der Schusswaffen und dem Niedergang der Falkenjagd waren jetzt vor allem Vorstehhunde erforderlich mit einem ausgeprägten Such- und Finderwillen und man begann, allerdings erst im 18. Jahrhundert, gezielt Jagdhunde zu züchten, und die gelbroten Hunde waren im ganzen Karpatenbecken bald überall verbreitet und beliebt. Als Ende des 19. Jahrhunderts dann die englischen Pointer und Setter in Mode kamen, ließ das Interesse der Jäger an den Viszlas rapide nach, und schon bald war der Fortbestand dieser Jagdhundrasse stark gefährdet. Einige Züchter bemühten sich daraufhin intensiv um die Weiterzucht und versuchten, mit einigen wenigen reinrassigen Hunden die Zucht zu reaktivieren. Welche Hunden dabei mit eingekreuzt wurden, ist nicht genau bekannt, aber man vermutet, dass darunter gelbe transsylvanische Vorstehhunde, Pointer und Weimaraner waren und evtl. auch Setter, denn ab und zu fallen in den Würfen auch noch langhaarige Welpen an, die jedoch nicht als reinrassig anerkannt werden (außer in England). Ziel war es immer, den ehemaligen goldfarbenen Viszla zu erhalten, jedoch waren die Zuchterfolge aufgrund der starken Konkurrenz aus England eher mäßig und verschlechterten sich noch, als nach Ende des 1. Weltkrieges große Gebiete Ungarns verloren gingen und viele Viszlas dadurch für die ungarische Zucht nicht mehr zur Verfügung standen. Im Mai 1920 wurde die Ungarische Viszla Züchtervereinigung gegründet und das erste Stammbuch eröffnet, und die Zucht erholte sich langsam wieder. 1935 wurde der Viszla von der FCI als Rasse anerkannt. 1938 gelangten die Viszlas dann auch in die USA, wo heute eine größere Zahl dieser Hunde gezüchtet wird als in Ungarn selbst.1943 gab es dann in Ungarn bereits 5.000 Viszlas, die in den Zuchtbüchern registriert waren. Der 2. Weltkrieg bedeutete fast das Aus für den Fortbestand dieser Hunde, deren Bestand auf 10 % schrumpfte. Nach dem Krieg wurden dann immer wieder gute Hunde über die Grenzen in den Westen geschmuggelt, wo die Zucht langsam wieder aufgebaut wurde und sich inzwischen eine beständige Anhängerschaft für diese schönen Jagdhunde entwickelt hat.

Im Jahre 2012 wurden 206 Magyar Viszla-Welpen beim VDH registriert.

Magyar Viszla


Aussehen:

Der Magyar Viszla ist ein eleganter, mittelgroßer Jagdgebrauchs- und Begleithund ungarischen Ursprungs. Die Widerristhöhe des Rüden soll zwischen 58 – 64 cm liegen bei einem Gewicht von 20 – 29 kg, die der Hündin bei 54 – 60 cm und 18 – 25 kg. Seine Körperlänge ist etwas größer als die Widerristhöhe. Er hat einen wohlproportionierten Kopf mit einem mäßig breiten, leicht gewölbten Schädel und einer schwach ausgebildeten Stirnfurche, einem leichten Stop und einem breiten Nasenschwamm und geradem Nasenrücken, der farblich mit dem Haarkleid harmonisiert. Seine Augen sind mittelgroß, leicht oval und in einem Braun, das möglichst dunkel und zur Farbe des Haarkleides passend sein soll. Seine Hängeohren betragen etwas drei Viertel der Kopflänge und sind etwas hinten und mittelhoch angesetzt. Der Ohrlappen selbst ist fein und endet in einer abgerundeten V-Form. Sein Fang ist stumpf mit kräftigen Kiefern und einem regelmäßigen Scherengebiss. Die Lefzen liegen straff an. Der Hals ist mittellang mit einem leicht gewölbten, kräftigen Nacken. Sein Rücken ist muskulös und gerade mit kurzen, breiten Lenden, ausgeprägtem Widerrist und breiter Kruppe. Die Brust ist breit und tief mit mäßig gewölbten Rippen. Die gut behaarte Rute ist im Ansatz kräftig und verjüngt sich zur Spitze hin. Sie wird in den Ländern, in denen kein Kupierverbot besteht, beim jagdlichen Einsatz dieser Hunde um ein Viertel verkürzt, ansonsten reicht sie bis zum Sprunggelenk und wird gerade oder etwas säbelförmig getragen. Seine Vorderläufe sind gerade, die Hinterläufe haben eine gute Winkelung. Seine Haut ist straff anliegend, faltenlos und gut pigmentiert. Er hat kurzes, dichtes Haar ohne Unterwolle, das am Kopf und Behang etwas kürzer und dünner sein soll. Alle Abstufungen von Semmelgelb sind zugelassen. Ein weißer Fleck an Brust oder Kehle unter 5 cm Durchmesser oder weiße Abzeichen an den Zehen sind erlaubt. Sein Gangwerk ist schwungvoll und leichtfüßig.

Wesen:

Magyar ViszlaDer Magyar Viszla ist ein lebhafter, intelligenter und freundlicher Hund, der äußerst lernwillig ist. Er ist ausgeglichen und nicht aggressiv, zeigt jedoch durchaus einen gewissen Beschützerinstinkt.. Er bindet sich sehr stark an seine Bezugsperson, der er, wenn möglich, nicht von der Seite weicht.  Er ist sensibel und verträgt keine harte oder grobe Erziehung oder Behandlung  . Er muss körperlich   und geistig ausgelastet werden, denn unterfordert können sich leicht Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Verwendung:

Der Magyar Viszla ist in erster Linie ein vielseitiger Jagdhund, der als Vorstehhund oder zum Apportieren  , als Spürhund oder auch zur Wasserarbeit eingesetzt werden kann. Hier leistet er hervorragende Dienste auf jedem Gebiet. Dank seines problemlosen Charakters wird er inzwischen auch gerne als Rettungshund und Therapiehund eingesetzt. Er ist ebenfalls ein wunderbarer Familienhund, der jedoch viel Auslauf braucht und geistige Anregung. Hundesport, wie Agility und Fährtenarbeit, sind bestens geeignet, um aus ihm ein zufriedenes und ausgeglichenes „Familienmitglied“ zu machen. Er ist kein Hund für Hundeanfänger oder „Couch Potatoes“, sondern braucht einen Menschen, der ihn liebevoll, aber konsequent erzieht und der genügend Zeit und Lust hat, sich bei Wind und Wetter mit diesem wundervollen Hund zu bewegen und intensiv zu beschäftigen. Zwingerhaltung ist nicht geeignet für ihn, einmal aufgrund seines Kontaktbedürfnisses zu seiner Bezugsperson als auch aufgrund seines Fells ohne Unterwolle.

Rassespezifische Krankheiten  :

Der Viszla ist ein sehr robuster Hund, bei dem wenig rassespezifische Erkrankungen bekannt sind. Wie bei allen größeren Hunden kann er jedoch auch von Hüftgelenksdysplasie   (HD  ) betroffen sein. Verantwortungsvolle Züchter schließen betroffene Tiere von der Weiterzucht aus, um dieses Risiko soweit wie möglich zu minimieren.
Die durchschnittliche Lebenserwartung dieses bemerkenswerten Hundes liegt bei 12 – 15 Jahren.

Magyar Viszla


Dem Hunde eigen ist eine so treue Wachsamkeit, 
eine so liebevolle   Verehrung seines Herren,
so wilder Hass gegen Fremde, 
eine so unglaubliche Schärfe beim Aufspüren, 
so große Raschheit beim Jagen,
 dass dadurch auf das Deutlichste zu erkennen ist, 
dass diese Tiere zum
Nutzen der Menschen 
geschaffen wurden.
Marcus Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.

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